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Die Filmanalyse zu Nymph()maniac 1+2

Lars von Triers neues Meisterwerk

23.02.2014 - 00:00 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Filmanalyse zu Nymphomaniac
© Moviepilot
Filmanalyse zu Nymphomaniac
Der Filmanalytiker hat sich den kompletten Film angeschaut und ist mehr als begeistert. Warum? Das seht ihr in seiner Filmanalyse.

Lars von Triers lange erwarteter Film, den er schon in Cannes als Porno angekündigt hatte, Nymphomaniac 1 erscheint nun endlich (leider in zwei Teile zerrissen) in den deutschen Kinos.

Wer die Möglichkeit hat, sollte sich beide Teile zusammen anschauen. Nicht weil hier ein spannender Plot zu verfolgen ist, sondern weil es sich um einen bemerkenswerten vierstündigen Essay-Film handelt, dessen Gedankenverlauf man nur ungern unterbrechen möchte. In gewisser Weise hat sich Lars von Trier an sein Versprechen gehalten: Nymphomaniac 1 und Nymphomaniac 2 sind zusammen ein Porno in reinster Form. Indem der gewöhnliche Pornofilm immer die Maschinerie hinter den Bildern, die die Sinnlosigkeit des Kopulierens offenlegen würde, verdeckt, legt von Trier den Sex bloß; ja, er macht sich über den Sex an vielen Stellen des Film regelrecht lustig. Von Trier dekliniert alle bekannten Muster von handelsüblicher Pornographie auf seine ganz besondere Weise, die eben nicht voyeuristisch oder lüstern ist, durch.

Wir sehen Sex mit Jungfrauen, Oral- und Analverkehr, lesbischen Sex und Sado-Maso-Praktiken, bei denen es – anders als in Fifty Shades of Grey – eben kein Safeword gibt. Für all diejenigen aber, die gerade in alternativer Pornographie oder in Filmen wie Intimacy, Hotel Desire oder 9 Songs eine tiefere Wahrheit suchen, hat Lars von Trier nur Spott übrig. Sein Meisterwerk fragt vielmehr nach der Rhetorik der Pornographie und des Begehrens. Es ist ein Spiel mit Signifikanten, die auf kein Signifikat mehr zu verweisen scheinen. Es ist somit ein Film über ein großes Nichts. Charlotte Gainsbourg, die schon in Melancholia und in Antichrist hochinteressante Frauenfiguren verkörperte, spielt nun eine Nymphomanin, die sich nicht als „sexsüchtig“ pathologisieren lassen will. Sie ist eine radikale Einzelkämpferin, die sich der allumfassenden Integrationsmacht einer politisch korrekten Gesellschaft entzieht und dafür einen hohen Preis zahlen muß.

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