Culture Clash

Lesbische Sex-Szenen in Ghosted

Ghosted
© Edition Salzgeber
Ghosted

“In Taiwan gibt es ein spezielles Verhältnis zur Sexualität, und das war beim Drehen der Liebesszene besonders virulent. „Frontal nudity“ war ein Reizwort bei den taiwanesischen Schauspieler-Agenten. Es ging immer sofort darum: was ist mit „frontal nudity“, was müssen die Schauspielerinnen hier zeigen? Das war immer ein ganz heißes Eisen. Es hat zum Teil mit dem Konfuzianismus zu tun. Man zeigt seinen Körper nicht. Erotik und Sexualität spielen sich sehr privat ab, sehr intim. Man kann sich vorstellen, dass die Liebesszene, so zart sie in ihren Andeutungen ist, für die junge Schauspielerin Huan-Ju ein Problem darstellte. Inga Busch hat dann sehr geholfen mit ihrer entspannten Haltung zu ihrem Körper, aber dennoch war es eine Schwierigkeit. Wir hatten ein „closed set“, wir haben ohne Ton gedreht, weil die beiden Tonmänner nicht dabei sein durften. Wir haben es so einfach wie möglich gemacht für die junge Schauspielerin aus Taiwan, die vorher große Angst hatte.”

In ihrem neuen Film Ghosted erzählt die Regisseurin Monika Treut von der Liebe zwischen der Hamburger Künstlerin Sophie (Inga Busch) und ihrer taiwanesischen Geliebtin Ai-ling (Huan-Ru Ke), die aus unbekannten Gründen stirbt. Um ihren plötzlichen Tod zu verarbeiten, reist die Deutsche nach Taipeh und zeigt eine Videoinstallation mit dem Titel “Remembrance”. Dort bekundet die attraktive Journalistin Mei-li (Ting Ting Hu) nicht nur professionelles, sondern auch persönliches Interesse an Sophie.

Doch warum heißt der Film Ghosted? “In Asien, speziell auch in Taiwan, gibt es sehr viele Geistergeschichten”, erzählt Treut. “Sie beruhen auf der Ahnenverehrung. In Taiwan gibt es in fast allen Wohnungen Altäre mit Fotos der Ahnen. Sie werden besonders im Geistermonat geehrt. Dann versammeln sich die Familien mit Freunden und Nachbarn, um Geistergeld zu verbrennen und Opfergaben für die Verstorbenen darzureichen, Speisen und Früchte, die alle eine bestimmte Bedeutung haben. Es wird den Ahnen etwas gegeben, sodass sie friedlich gestimmt sind. Der Hintergrund für diese Rituale ist eine große Angst. Es ist die Angst, den Vorfahren nicht genug Liebe gegeben zu haben, sich nicht genug um sie gekümmert zu haben, die Angst, dass die Verstorbenen als Geister zurückkehren, um die Lebenden zu verfolgen und sich zu rächen.” Das erklärt zwar noch lange nicht den Titel, aber womöglich den thematischen Schwerpunkt des Films, der erst im Laufe der Spielzeit enthüllt wird.

Ghosted wird in nur wenigen Kinos gezeigt. Eine Übersicht bekommt ihr auf der offiziellen Seite des Films.

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