Zum 50. Geburtstag

Michael Stuhlbarg - Ein Nebendarsteller im ständigen Rampenlicht

Michael Stuhlbarg
© HBO
Michael Stuhlbarg
05.07.2018 - 08:50 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
10
20
Zum 50. Geburtstag von Michael Stuhlbarg werfen wir einen Blick auf den eindrucksvollen Nebendarsteller, der viele Filme bereichert und erstrahlen lässt.

Bei den alljährlichen Oscar-Verleihungen liegt die größte Aufmerksamkeit in der Regel auf den Filmen, Regisseuren und Schauspielern, die in den unterschiedlichen Kategorien für eine der goldenen Trophäen nominiert sind. Bei den diesjährigen Oscars im März 2018 bot sich hingegen ein gesonderter Blick auf einen Mann an, der selbst nicht einmal für eine Auszeichnung vorgeschlagen war. Call Me by Your Name, Die Verlegerin und der Gewinner als Bester Film, Shape of Water, waren allesamt in der Königskategorie nominiert und wurden von einer Gemeinsamkeit geprägt: Michael Stuhlbarg spielte eine Rolle in jedem der drei Filme.

Heute feiert der Schauspieler seinen 50. Geburtstag. Diesen Anlass wollen wir nutzen, um darzulegen, wie es ihm als ewigem Nebendarsteller gelingt, die meisten Hauptdarsteller regelmäßig zu übertrumpfen.

Michael Stuhlbargs Weg vom Theater zum Hauptdarsteller für die Coen-Brüder

Begonnen hat die Karriere von Michael Stuhlbarg am Theater. Seit Anfang der 1990er-Jahre spielte der Darsteller aus Long Beach am New Yorker Broadway. Hier erhielt er bereits erste Auszeichnungen und bekam unter anderem von Theaterkritikern bescheinigt, ein Nachwuchstalent mit vielversprechender Zukunft zu sein. Ende der 1990er-Jahre fing Stuhlbarg dann an, als Schauspieler in Filmen mitzuwirken. Neben Rollen in Werken wie den Dramen Teurer als Rubine und Die Grauzone gewann der Darsteller im Jahr 2005 außerdem seinen ersten Tony-Award als Theaterschauspieler für seine Leistung in Martin McDonaghans Stück The Pillowman. Um einen seelisch geschädigten Mann zu spielen, der von seinen Eltern jahrelang missbraucht wurde, nahm er 50 Pfund zu.

Michael Stuhlbarg in A Serious Man

Seinen Durchbruch als Filmschauspieler schaffte Michael Stuhlbarg schließlich 2009, als er die Hauptrolle in A Serious Man von Ethan und Joel Coen spielte. In dem eigenwilligen Drama verkörpert er den Physikprofessor Larry Gopnick, dessen Leben sich in einer seltsamen Abwärtsspirale wiederfand. Gekonnt hält Stuhlbarg die verschiedenen Elemente des Films zusammen: Skurrile Entwicklungen, subtile Dramatik und den gewohnt trockenen Humor der Regisseure, dem das Duo hier eine betont jüdische Färbung verleiht. Souverän spielt der Hauptdarsteller seine Figur als vom unerklärlichen Pech Verfolgten, der verschrobene Eigenarten und warmherzige Tragik in sich vereint.

Michael Stuhlbargs Wechsel in die Nebendarsteller-Riege

Die Hauptrolle in A Serious Man, dem kommerziell keine wirklich große Aufmerksamkeit zuteil wurde, bleibt bis heute Michael Stuhlbargs einzige. Im Anschluss daran war er in Filmen wie in Serien als Nebendarsteller zu sehen. So spielte er in der von Martin Scorsese produzierten Mafiaserie Boardwalk Empire 4 Staffeln lang den Gangster Arnold Rothstein, der als Strippenzieher im Hintergrund agiert. Das reale Vorbild diente dem facettenreichen Stuhlbarg hierbei vor allem dazu, sein Talent als eiskalte Übermacht unter Beweis zu stellen, welche meist hinter einer ruhigen Fassade verborgen liegt und trotzdem jederzeit grässlich und brutal ausbrechen könnte.

Michael Stuhlbarg in Boardwalk Empire

Auch im Filmgeschäft zeigte Michael Stuhlbarg eine hohe Wandlungsfähigkeit. Als Nebendarsteller wirkte er an Werken wie Hugo Cabret, Men in Black 3, Lincoln, Steve Jobs, Doctor Strange und Arrival mit. Auch wenn sich die Zuschauer in der Regel eher an sein markantes Auftreten als an seinen Namen erinnern, hat er sich über die Jahre hinweg zu jemandem entwickelt, der den Menschen aus seinen Filmen stets in Erinnerung geblieben ist. Ohne es zu forcieren, steht Stuhlbarg somit regelmäßig im Rampenlicht der Filme, welche die Schauspieler neben ihm als Hauptdarsteller aufführen.

Michael Stuhlbargs Methode als Schauspieler

Im Interview mit Backstage  verriet Michael Stuhlbarg den Ansatz, mit dem er jede seiner Rollen angeht. Der erste Schritt sei dabei, sich selbst nicht lediglich als Unterstützung zu betrachten, sondern seine volle Aufmerksamkeit auf jede Figur zu legen. Der Schauspieler beschreibt seine Vorbereitung auf eine Rolle in diesem Zusammenhang als fantasievollen Tanz. In diesem Prozess, den er als traumähnlich bezeichnet, erfindet er Biographien seiner Figuren und schreibt sie in ein Notizbuch. Hierdurch gelingt es ihm, bedeutende oder spezifische Details aus dem Leben des Charakters herauszufinden und sich für die Rolle voll und ganz auf seinen persönlichen Einfallsreichtum zu verlassen. Zuletzt müsse er in einen Spiegel schauen und eine vollkommen neue Person vor sich sehen, um mit dem körperlichen Erscheinungsbild seiner Figur zufrieden zu sein.

Michael Stuhlbarg in Call Me by Your Name

Vielleicht liegt es an dieser hingebungsvollen Methode, dass der Zuschauer Michael Stuhlbarg keineswegs nur als simplen Nebendarsteller wahrnimmt. Als eines der eindrucksvollsten Beispiele aus seiner jüngeren Filmografie lässt sich dabei Call Me by Your Name aufführen. Ein ganzer Artikel ließe sich nur mit Bemerkungen und Beobachtungen über seine Vaterrolle in Luca Guadagninos Liebesfilm füllen. Besonders unvergesslich und somit unbedingt erwähnenswert bleibt jedoch das Gespräch gegen Ende des Films, in dem sich der homosexuelle jugendliche Protagonist Elio erstmals seinem Vater gegenüber öffnet.

Auch wenn dieser Moment normalerweise vollkommen den Worten des Jungen gewidmet wäre, gehört die Szene zu einem großen Teil Stuhlbarg. Der zeigt sich nicht nur als verständnisvoller Zuhörer, sondern lässt eine tiefe Bewunderung für das Lebensgefühl seines Sohns durchscheinen, die an wehmütigen Neid grenzt. Mit dieser wundervollen Szene im Kopf wünschen wir Michael Stuhlbarg zum 50. Geburtstag alles Gute.

Was haltet ihr von Michael Stuhlbarg?

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News