Oscar 2018: Wer gewinnt den Oscar für den Besten Film?

Oscar 2018: Wer gewinnt den Oscar für den Besten Film?
© Universal/20th Century Fox/Warner Bros./A.M.P.A.S.
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Moviepilot Team
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.

Dass es beim Oscar 2018 an Publikumslieblingen fehle, lässt sich nun wirklich nicht behaupten. Einer der erfolgreichsten Horrorfilme der letzten Jahre hat es bis in die Königsdisziplin geschafft, ein neuer Christopher Nolan-Film ist auch dabei, und selbst die mittelgroßen Filme nach historischem Vorbild haben Hunderte Millionen Dollar eingespielt. Neun Filme haben es dieses Jahr in die finale Auswahl beim Oscar für den Besten Film geschafft, inklusive Horror, Fantasy und Print-Huldigung. Da ist für jeden was dabei, aber wie stehen die Chancen auf den Sieg? Wir haben uns durch Zeitungsberge, Sushi-Lieferungen und Werbetafeln in Missouri gewühlt und nehmen die Chancen auseinander.

Die Oscar-Nominierungen für die Kategorie Bester Film im Überblick

Veränderungen im Wahlsystem der Academy Awards haben den Oscar für den Besten Film in den letzten Jahren immer interessanter gemacht. Auch ohne das Verwechslungsdrama um La La Land war Moonlight vergangenes Jahr ein durchaus überraschender Sieger. Durch die Einführung der Vorzugswahl, bei der die Nominierten in eine Reihenfolge je nach Präferenz gebracht werden, hatten kleinere Filme zuletzt eine größere Chance auf den Sieg. Dieses Jahr geht der Fantasy-Horror Shape of Water mit insgesamt 13 Nominierungen als Favorit ins Oscar-Rennen, gefolgt von dem Rachedrama Three Billboards Outside Ebbing, Missouri. Der Horrorfilm Get Out und das Kriegsepos Dunkirk können aber ebenso wenig abgeschrieben werden wie das Mutter-Tochter-Drama Lady Bird. Schwieriger sieht es da schon für die Literaturverfilmung Call Me by Your Name, Paul Thomas Andersons Funghi-Romanze Der seidene Faden, das Meryl Streep-Podium Die Verlegerin und das Churchill-Biopic Die dunkelste Stunde aus. Aber gehen wir ins Detail ...

Bekommt Call Me by Your Name den Oscar für den Besten Film?


Die Academy mag Call Me by Your Name, was nicht von jedem Film in dieser Liste behauptet werden kann. Der feuchte Sommertraum aller Pfirsichfarmer mit Timothée Chalamet, dessen Elio sich in Italien in den älteren Oliver (Armie Hammer) verliebt, sammelte schließlich vier Oscar-Nominierungen ein. Trotzdem ist dem Film bestenfalls eine Rolle irgendwo im Mittelfeld des Oscar-Rennens einzuräumen. Es fehlt die breite Liebe bei den Berufsvereinigungen, etwa in Form einer Ensemble-Nominierung bei den SAG-Awards. Ein anderer Independent-Film im Oscar-Rennen hat da bessere Chancen.

Wie stehen die Chancen von Die dunkelste Stunde beim Oscar für den Besten Film?


Die größte Überraschung beim Oscar 2018 wäre, wenn Gary Oldman als Bester Hauptdarsteller leer ausgeht. Und die zweitgrößte wäre ein Sieg von Die dunkelste Stunde in der Kategorie Bester Film. Als wäre die Konkurrenz durch einen anderen Film über dieselbe Periode der Geschichte nicht gefährlich genug, fehlt es dem Biopic-Schnappschuss über Winston Churchill an Nominierungen bei der Regie, dem Drehbuch oder auch nur dem Schnitt. Wenn selbst die Briten mit ihren BAFTAs an Churchill vorbei entscheiden, ganz zu schweigen von den Gildenpreisen in den USA, dann bleibt es unwahrscheinlich, dass sich die Academy so gegen den Trend rund um einen Film wendet, der in erster Linie für seinen Hauptdarsteller und dessen glaubwürdige Maske Lob einsammelt.

Kann sich Die Verlegerin Hoffnungen auf den Oscar für den Besten Film machen?


Es gibt aber einen Film, der noch weniger Chancen haben dürfte als Die dunkelste Stunde. Nur zweimal bedachte die Academy Steven Spielbergs Die Verlegerin beim Oscar, einmal davon für den Besten Film. Der Film über die Veröffentlichung der Pentagon Papers zu Zeiten der Nixon-Administration trifft zwar wie nur wenige andere bei den Oscars den Nerv der Zeit und findet bei Zuschauern viel Anklang. Doch insgesamt scheinen die Reaktionen zurückhaltend, sowohl bei Kritikern als auch bei den Berufsverbänden, wo Die Verlegerin eine PGA-Nominierung erhielt. Dass die Academy-Mitglieder den Film nicht in anderen Kategorien unterstützen, spricht nicht gerade für seine Chancen im Bereich Bester Film. Anders gesagt: Selbst War Horse erhielt mehr Oscar-Liebe.

Bekommt Der seidene Faden den Oscar für den Besten Film?


Die sechs Oscar-Nominierungen für Der seidene Faden waren eine kleine Überraschung, auch weil der Film durch seinen späten Start in der Awards Season eine Unbekannte blieb. Bei der großen Academy-Gruppe der Schauspieler kann sich Der seidene Faden eine gewisse Beliebtheit zurechnen, wurden doch Daniel Day-Lewis und Lesley Manville nominiert, und auch in der Regie wurde der Film von Paul Thomas Anderson berücksichtigt. Unter den Experten wird Phantom Thread trotzdem nicht als heißer Kandidat gehandelt, auch weil abseits der Nominierungen Hinweise auf die Phantom Thread-Beliebtheit fehlen, besonders bei den Preisen der Berufsvereinigungen. Fraglich ist zudem, ob das System der Vorzugswahl Phantom Thread entgegenkommt - oder eher nicht, weil die Phantom Thread-Liebe entweder brennend heiß ist und er auf Platz 1 landet oder sie nicht einmal ein bissel flackert.

Kann sich Lady Bird Hoffnungen auf den Oscar für den Besten Film machen?


Hat Lady Bird seinen Moment verpasst? Zumindest gefühlsmäßig ist der Hype um den Film von Greta Gerwig abgeflaut, hat sich die Konversation auf andere Filme verengt. Vielleicht wurde der Oscar-Buzz des Indie-Films zu früh verbraucht, doch eines spricht für Lady Bird: Das Drama mit Saoirse Ronan und Laurie Metcalf wurde in vier der fünf wichtigsten Oscar-Kategorien mit Nominierungen bedacht, also Film, Regie, Schauspielerin und Drehbuch. Hinzu kommt die Nominierung für die Beste Nebendarstellerin sowie Berücksichtungen bei den PGA, SAG und WGA Awards, die als wichtigster Gradmesser für den Oscar gelten. Es blieb jeweils bei Nominierungen, aber die allgemeine Beliebtheit könnte Lady Bird in der Vorzugswahl zu Nennungen auf dem zweiten Platz verhelfen. Es ist schließlich genau so ein Film, dem dieses System entgegenkommen kann.

Gehört Dunkirk zu den Top-Favoriten beim Oscar für den Besten Film?


Mit acht Nominierungen spielt der Kriegsfilm Dunkirk in der vordersten Linie der Oscar-Prominenz, wenn auch ein Großteil auf technische Kategorien fällt. Unter allen Best Picture-Kandidaten ist Dunkirk der finanziell erfolgreichste, im Status wohl vergleichbar mit Filmen wie für Mad Max: Fury Road oder Gravity. Als Kriegsfilm liegt Dunkirk näher am klassischen Geschmack der Academy, allerdings könnte dem die Fragmentierung der Erzählung im Wege stehen, die zwischen mehreren Zeitebenen und Figuren wechselt. Eine überhöhte Heldengeschichte bietet der Film schließlich nicht. Hinzu kommt, dass es seit über 80 Jahren nicht mehr vorgekommen ist, dass ein Film ohne Drehbuch- und Schauspielnominierung den Hauptpreis abgesahnt hat. Dunkirk bleibt ebenso wie Lady Bird ein Dark Horse-Kandidat im Oscar-Rennen.

Bekommt Get Out den Oscar für den Besten Film?


Get Out hat eine reale Chance auf den Oscar für den Besten Film, und das allein ist einer der Gründe, warum diese Saison so spannend und ungewöhnlich ist. Dass überhaupt ein Horrorfilm nominiert wurde, wäre in anderen Jahren Freude genug. Kein Film dominierte im letzten Jahr die kulturelle Konversation in den USA jedoch so wie die Reise in den Sunken Place. Das Regiedebüt von Jordan Peele kommt zwar nur auf vier Nominierungen, aber alle in den Hauptkategorien: Film, Regie, Schauspieler, Drehbuch. Sein Erfolg bei Kritikern, Zuschauern, Berufsverbänden (immerhin Sonderpreise bei PGA und DGA) und die bisher gezeigte Resonanz in der etwas jüngeren, etwas diverseren Academy zeugen von einem Film, der viele Zielgruppen erreicht. Außer vielleicht einer: die der älteren Wähler, für die Get Out zu unkonventionell sein könnte. Nicht wenige Experten erwarten dennoch einen Sieg für den Horrorfilm, der auf dem Stimmzettel vieler Wähler auf Platz 2 landen und sich so an den Einsern vorbeischieben könnte. Die Vorzugswahl wurde schließlich eingeführt, um die allgemeine Beliebtheit eines Films gelten zu lassen.

Die Chancen von Three Billboards beim Oscar 2018

Die Golden Globes, die BAFTAs und die Screen Actors Guild haben Three Billboards Outside Ebbing, Missouri mit ihren Hauptpreisen ausgezeichnet. Letztere repräsentieren die größte Berufsgruppe in der Academy, deren Mitglieder bekanntlich alle über die Vergabe der Preise abstimmen können. Mit sieben Nominierungen liegt Three Billboards generell gut im Feld, abgesehen von einem Fakt: Nominierungen für die Schauspieler, das Drehbuch und den Film sind eingegangen, doch Three Billboards müsste schon einen Argo abliefern, das heißt den Oscar für den Besten Film ohne Regie-Nominierung abstauben, was seit fünf Jahren nicht mehr geschehen ist. Die Veränderungen im Wahlsystem führten in den letzten Jahren vermehrt zur Trennung der beiden Preise, doch ob das ausreicht? Three Billboards spaltet schließlich auch, was dazu führen könnte, dass der Film von seinen Verteidigern Einser-Platzierungen erhält, aber in Sachen oben erwähnter "allgemeiner Beliebtheit" schwächer abschneidet. Bei Gold Derby sind die Experten übrigens gespalten zwischen Three Billboards und Shape of Water.

Ist Shape of Water der große Favorit beim Oscar 2018?


Ein Fantasy-Horror-Film über die Liebe zwischen einem Fischmann und einer Reinigungskraft - Shape of Water - Das Flüstern des Wassers könnte kaum ferner der üblichen Oscar-Ware liegen. Mit 13 Nominierungen handelt es sich hier auch noch um den Top-Favoriten, der im Gegensatz zu vergleichbaren Genre-Filmen auch drei Schauspieler-Nominierungen, Drehbuch und Regie auf sich vereinen konnte. Bisher gingen diverse Gildenpreise an den Film von Guillermo del Toro, darunter der Directors Guild Award und der Producers Guild Award. Letzterer hat seit den Regeländerungen an prophetischer Kraft eingebüßt (La La Land und The Big Short sind die jüngsten Gewinner), aber nicht an Bedeutung verloren (Birdman, 12 Years a Slave und Argo zählen ebenfalls dazu). Trotz Plagiatsvorwürfen fehlt die große Kontroverse im Fall Shape of Water. Der Film findet allgemein Gegenliebe, deutet brisante Themen an, wie Rassismus und Sexismus. Das einzige, was ihm im Wege stehen könnte, ist das historische Setting, das ihn weniger "aktuell" macht als Get Out oder Three Billboards. Das und ... nun ja, der Mensch-Fisch-Sex. Die drei heißesten Kandidaten für den Besten Film sind Sonntagnacht Get Out, Three Billboards und Shape of Water, wobei es letzteren zu schlagen gilt.


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