Natalie Dormer: Grenzgängerin zwischen Gehorsamkeit und Auflehnung

Natalie Dormer in Picnic at Hanging Rock
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Die mehr durch ihre Darstellungen in Serien als in Filmen zu Berühmtheit gelangte Natalie Dormer schreitet nach ihrem Figuren-Tod in Game of Thrones und einer Exkursion in der Filmlandschaft zurück zu ihren Wurzeln. In der Serie Picnic at Hanging Rock, die um das Jahr 1900 spielt, verkörpert die gebürtige Britin die Gründerin des Mädcheninternats Appleyard College, die während eines Picknick-Ausflugs mitsamt ihrer drei Schülerinnen auf mysteriöse Weise verschwindet. In der australischen Serie schlüpft Dormer erneut in die Rolle einer Figur aus einer vergangenen Zeitepoche, die sich als Feministin versteht und sich ihrem Leben in einem patriarchalischen Gesellschaftssystem bewusst ist. Eine Art aufbäumender Charakter, den sie trotz ähnlichen Rahmenbedingungen facettenreich auszufüllen weiß und der in ihrer Karriere einen hohen Stellenwert hat. Doch in jüngsten Filmen erweitert Natalie Dormer ihr schon bemerkenswertes Repertoire.

Natalie Dormer spielt vielfältige Nebenrollen in Film und Fernsehen

Sich abhebend von ihren späteren Rollen, feierte Natalie Dormer ihr Filmdebüt als verführte und naive junge Dame an der Seite des verstorbenen Heath Ledger in der Historik-Romanze Casanova. Viele lernten Dormer durch ihre berühmte Rolle der Anne Boleyn in Die Tudors kennen. Darüber hinaus fiel sie durch ihre Mitarbeit in Captain America - The First Avenger oder dem Rennfahrer-Biopic Rush - Alles für den Sieg auf. Ihre letzte Nebenrolle in einem Spielfilm hatte sie in der großangelegten Jugendbuch-Verfilmung Die Tribute von Panem - Mockingjay Teil 1 & 2. Rein äußerlich unterschied sie sich als Videoproduzentin Cressida am meisten von ihren vorherigen Rollen, ähnelte ihnen aber insofern, dass sie sich als kühle, aber bestimmte Person gegen eine auferlegte Weltordnung widersetzt.

Natalie Dormer feierte ihren Durchbruch mit historischen Serien

Natalie Dormers Steckenpferd scheint jedoch die Verkörperung von quasi-historischen Figuren zu sein. Ob in einem fantastischen Rahmen, wie in der Erfolgsserie Game of Thrones als gutherzige, aber berechnende Margaery Tyrell, oder in einer historischen Rolle in Die Tudors als intrigante Pläneschmiederin Anne Boleyn - Natalie Dormer weiß in einem mittelalterlichen oder zumindest altmodischen Setting zu überzeugen. Dabei ist der zeitliche Rahmen nur auf den ersten Blick das hervorstechende Muster in der Karriere der Britin. Mehr noch verkörpert sie Figuren in einem historischen Rahmen, die aufgrund der damaligen Stellung der Frau stets in ihrem Handlungsspielraum limitiert werden. Anders als die Jungfrau in Nöten, gleichen Dormers Charaktere der einer frühen Femme fatale, die sich gegen diese auferlegten Einschränkung auflehnt, um zu bekommen, was die begehrt.

Natalie Dormers Figuren sind zwar selten offensichtlich emanzipiert, aber manövrieren sich durch ihr intrigantes Geschick, sowohl in Game of Thrones als auch in Die Tudors, als Grenzgängerinnen zwischen vermeintlicher Gehorsamkeit und stiller Auflehnung durch die für Frauen bedrohliche Welt. In Game of Thrones musste ihr Charakter die Serie durch einen spektakulären und unverdienten Tod verlassen. Ob ihr spurloses Verschwinden in Picnic at Hanging Rock auch mit dem Tod ihrer emanzipierten Figur der Internatsgründerin endet, wird die Serie zeigen.

In ihrer Filmkarriere übernahm Natalie Dormer überwiegend Nebenrollen. Dies änderte sich nach ihrem überzeugenden Spiel in Game of Thrones und bescherte ihr Rollen in gleichsam düsteren, jedoch weniger historischen Projekten. 2016 übernahm sie die Hauptrolle im Horrorfilm The Forest. Auf der Suche nach ihrer verschwundenen Schwester wird ihre Figur zunehmend paranoid und Dormer konnte zeigen, dass sie einen Film alleine tragen kann und mehr als eine spitze Zunge und einen gewitzten Charakter vorzuweisen hat.

Eine weitere Facette zeigt sie als blinde Sofia in dem 2018er Thriller In Darkness, an welchem sie auch als Drehbuchautorin und Produzentin mitwirkte. Dormer scheint sich in ihre Arbeit in der Film- und Fernsehbranche ebenso wie ihre Figuren zu emanzipieren, sodass sie auch abseits der Kamera zu arbeiten beginnt. Nach ihrem Serientod in Game of Thrones und ihrer Exkursion im Filmgeschäft ist es erfreulich, ihre kühle und berechnende Eindringlichkeit wieder in episodischer Form zu sehen.

Obwohl Natalie Dormer durch historische Serien mehr als durch Filme zu großer Bekanntheit gelangte, scheint sie sich weder auf ein Genre, noch auf Serien oder Filme festgelegt zu haben. Selbst wenn ihr diese Rollen ausgezeichnet zu Gesicht stehen, wird sich die Britin auch in Zukunft in unbekannten Gewässern aufhalten. In dem sich in der Post-Produktion befindenden Action-Film Patient Zero mimt sie eine Wissenschaftlerin und spielt erneut auf unbekanntem Terrain. Ihre sechsteilige Mystery-Serie Picnic at Hanging Rock wird zur Zeit auf dem Telekom-Sender EntertainTV Serien ausgestrahlt. Wir sind gespannt, mit welcher Rolle Natalie Dormer der endgültige Aufstieg in Hollywood gelingen wird.

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