Polizeiruf Kritik

Polizeiruf 110 - Ein Wolfsland in Brandenburg

15.12.2013 - 20:15 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Polizeiruf 110 - Wolfsland
© ARD/rbb
Polizeiruf 110 - Wolfsland
Harmlos wirken die Wölfe im neuen Brandenburger Polizeiruf verglichen mit den gewissenlosen Herrschaften auf zwei Beinen, die hier einander Familie und Leben zerstören.

Eine starke Besetzung agiert in Polizeiruf 110: Wolfsland vor einer Landschaft, die durchaus als Hauptdarsteller des Krimis bezeichnet werden kann. Der neue Fall von Lenski (Maria Simon) und Krause (Horst Krause) aus Brandenburg macht seinem Titel nämlich alle Ehre und entführt den Zuschauer in eine Welt, in der die wilden Tiere vor der Tür neben der Gewissenlosigkeit der Hausherren wie Bewohner eines Streichelzoos wirken. Unterstützt wird der ruhige, aber nicht langweilige Krimi durch Fabian Hinrichs sowie die jungen Sonntagskrimiveteranen Vincent Redetzki und Isabel Bongard.

Lokalkolorit: “Ich fühl’ mich heut’ so leer, ich fühl’ mich Brandenburg”, sang einst ein Barde. Kameramann Sebastian Edschmid und Regisseur Ed Herzog kommen der inoffiziellen Hymne des Bundeslandes mit ihrer Inszenierung entgegen. Menschenleere Ebenen, von Wölfen bevölkerte Wälder, dazwischen Einfamilienhäuser irgendwo im Nirgendwo. Das Drama spielt sich im neuen Polizeiruf zwischen alten Freunden und Feinden ab, der heimliche Hauptdarsteller aber ist die Landschaft, vor deren Hintergrund die menschlichen Querelen umso überflüssiger erscheinen.

Plot: Eine Wölfin ist das erste Opfer in diesem Polizeiruf, weswegen sich Lenski und Krause zunächst nicht zuständig fühlen. Beim kleinen Örtchen Kaskow wird jedoch schon bald auf Menschen geschossen. Zunächst sieht alles nach einem Konflikt zwischen Einheimischen und einem Naturschützer (Hinrichs) aus. Ein Wolfsrudel ist in die Gegend gezogen und bedroht die Einnahmen der Ansässigen, die den wilden Tieren mit Waffengewalt zu begegnen gedenken. Neben den dunklen Geheimnissen der Beteiligten wirken die Wölfe schon bald harmlos.

Unterhaltung: Polizeiruf 110 – Wolfsland bewegt sich gemächlich über die Wiesen und Felder seiner brandenburgischen Kulisse, verwendet viel Zeit auf atmosphärische Bilder, anstatt sich ganz dem Krimitrott hinzugeben. Das ist neben den verlässlichen Darstellern denn auch der größte Reiz dieses Films, der sein tagesaktuelles Thema (direkt aus dem Panorama-Teil einer Lokalzeitung?) nicht zum Herunterbeten von aufklärenden Fakten gebraucht. Oder nicht nur. Wolfsland macht seinen Titel schließlich zum ästhetischen Programm, um sich den Intrigen in der brandenburgischen Pampa anzunähern. Der gewohnt entspannte Charme von Lenski, Krause und Kollege Wolle (Fritz Roth) ist auch nicht zu verachten.

Tiefgang: Eine große Zahl von Verdächtigen und Motiven führen die Autoren Rainer Butt und Ed Herzog nicht auf, dafür interessieren sie sich viel zu sehr für all die kleinen und großen Geheimnisse, die durch die Ermittlungen ans Tageslicht geraten. Die reichen zurück in die Zeit vor der Wende und es ist an allen Ecken und Enden des kleinen Städtchens Kaskow zu spüren, dass die ungeklärten Sünden von damals in der nächsten Generation weiterleben, weshalb sich Lenski und Krause durch ein Dickicht von Lügen kämpfen müssen, das durch die feinsäuberlich gepflegten Vorgärten nur schwer verborgen wird. Kein Wunder, dass einem die Wölfe hier menschlicher vorkommen als die Zweibeiner.

Mord des Sonntags: Ums erste Opfer tut es einem am meisten leid.

Zitat des Sonntags: “Man sagt ja, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Aber das stimmt nicht, das können sie vergessen. Wölfe machen sowas nicht.”

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