Predator: Kein Horror, dafür ein waschechter Shane Black- Film

Predator - Upgrade
© 20th Century Fox
Predator - Upgrade
moviepilot Team
Fussy Christian Fußy
folgen
du folgst
entfolgen

Shane Black ist beim Schreiben seiner Drehbücher in etwa so konstant wie AC/DC beim Schreiben ihrer Alben: Alles ist irgendwie mehr vom selben, rockt aber immer genau so, wie es soll. Der Mann, dessen Hollywoodkarriere mit dem Skript zu Lethal Weapon begann, hat einen ganz eigenen, unverkennbaren Stil, der in jedem einzelnen seiner Filme durchscheint. So Predator - Upgrade nicht der knallharte Horrorfilm geworden, den sich alle erhofft hatten. Dafür zeugt die Monsterjagd von allen Merkmalen, die einen waschechten Shane Blick-Film ausmachen. Die fünf wichtigsten dieser Merkmale haben wir im nachfolgenden Text für euch aufgeschlüsselt.

Shane Black und die Einsamkeit zur Weihnachtszeit

Das wohl bekannteste Markenzeichen von Shane Black ist die Tendenz, seine Geschichten an Feiertagen spielen zu lassen. Sechs seiner Filme als Regisseur und/oder Drehbuchautor (Lethal Weapon, Tödliche Weihnachten, Kiss Kiss Bang Bang, Iron Man 3, The Nice Guys und The Last Boy Scout) beinhalten Szenen zur Weihnachtszeit. Durch die winterliche Stimmung will Black die emotionale Niedergeschlagenheit seiner Figuren stärker hervorheben. In einem Interview mit Den of Geek beschrieb er seine Gefühle wie folgt:

An Weihnachten sind einsame Menschen einsamer, sie sehen Freunde und Familien an ihnen vorbeiziehen. Menschen besinnen sich, sie machen an Weihnachten eine Bestandsaufnahme, wo sie gerade in ihrem Leben stehen. Das bietet einen schönen Hintergrund, vor dem sich verschiedene Dinge abspielen können, die alle in einem gemeinsamen, globalen Kontext stehen. Ich habe das immer gemocht, ganz besonders in Thrillern aus irgendeinem Grund. Es besitzt ein Hauch von Magie.

Predator - Upgrade bricht zwar mit der Black'schen Weihnachtstradition, auf amerikanische Feiertagsrituale muss das Publikum trotzdem nicht verzichten. Halloween spielt in der Monsterjagd nämlich keine unbedeutende Rolle.

Der typische Shane Black-Dialog

In Shane Black-Filmen wird ausschließlich mittels abfälliger Witze kommuniziert. Egal ob Teenager, Detektiv, Auftragskiller oder Hausfrau, sie alle haben immer einen sarkastischen Spruch auf den Lippen. Predator - Upgrade ist hier keine Ausnahme. Die Figuren um Boyd Holbrooks Quinn McKenna blaffen sich an, reißen Pussy-Jokes und begegnen jeder noch so ausweglosen Situation mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor. Dadurch, dass die Figuren einen konstant zum Lachen bringen, fällt es leichter, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Trotz der hohen Gagdichte stehen die Witze bei Shane Black aber nie wirklich im Fokus, sie sprudeln einfach organisch aus den Figuren heraus, während der Film um sie herum weiterläuft.

In Shane Blacks Filmen geht es um Männer

Mit Ausnahme von Geena Davis' Figur in Tödliche Weihnachten sind die Protagonisten in Blacks Filmen allesamt männlichen Geschlechts. Meist handelt es sich um eine Buddy-Konstellation aus zwei unterschiedlichen Typen, die sich für einen Fall zusammenraufen müssen. In Nice Guys, Lethal Weapon 1 und 2, Kiss Kiss Bang Bang, Iron Man 3, The Last Boy Scout, Last Action Hero und auch in Predator - Upgrade stehen Männerfreundschaften im Fokus der Handlung. Natürlich gibt es in Blacks Filmen auch Frauenfiguren, die maßgeblich zur Handlung beitragen. In Kiss Kiss Bang Bang ist Michelle Monaghan eine essentielle Hauptfigur, ebenso Gwyneth Paltrow in Iron Man 3 und in Predator - Upgrade dürfen Olivia Munn und Yvonne Strahovsky stellenweise mehr Macho sein als die Mannsbilder - das zentrale Pärchen besteht jedoch aus Menschen mit Y-Chromosom.

Shane Black erschafft Kinomagie, indem er sie zerstört

Shane Blacks Filme kommen fast gänzlich ohne Actionhelden aus. Die Figuren in seinen Geschichten werden konstant zum Opfer ihrer eigenen, allzu menschlichen Limitationen. Wenn Robert Downey Jr. in Kiss Kiss Bang Bang erstmals einen Menschen erschießt, hat er darauf eine vollkommen nachvollziehbare, realistische Reaktion. Und obwohl er am Ende des Films einen Groschenroman in der Westentasche hat, hält dieser nicht wie erwartet die Kugel auf, die ihn im Finale in die Brust trifft. In The Nice Guys versucht Ryan Gosling wie in einem typischen Detektivfilm eine Fensterscheibe einzuschlagen und wird für diese Dummheit sofort mit einer Verletzung bestraft, die er den ganzen Film über behält.

Klassische Filmmomente werden von Black traditionell ironisch gebrochen. Durch diesen Kniff wirken die Szenen, in denen er seine Figuren dann tatsächlich übermenschliche Taten vollüben lässt, am Ende umso beeindruckender. Blacks Helden kommen nie unbeschadet aus irgendeiner Situation hinaus, sondern erleiden unmittelbar und permanent die Konsequenzen ihrer Handlungen. Wenn sie am Ende trotzdem siegen, kommt es ihnen und dem Publikum gleichermaßen vor, als wäre gerade ein Wunder geschehen. Auch in Predator - Upgrade finden sich solche Szenen zuhauf, da diese aber zu den besten Momenten im Film gehören, soll an dieser Stelle noch nichts verraten werden.

Shane Blacks Filme sind brutal

Genauso wie Black Kinomagie und Realismus jongliert, wechselt er spielerisch zwischen unbeschwertem Spaß und bitterem Ernst. Die Gewalt in seinen Filmen ist immer drastisch und wirkt stellenweise bewusst wie ein Fremdkörper. Black nutzt dies oft für komödiantische Effekte (Russisch Roulette-Szene in Kiss Kiss Bang Bang, fast alles in The Nice Guys), aber auch um zu schockieren (Haus explodiert in Lethal Weapon). Gewalt bricht in seinen Filmen über normale Menschen herein und findet auch immer dort statt, wo man sie für gewöhnlich nicht erwartet.

Außerdem gibt es in vielen seiner Filme eine Szene, in der die Helden von einem bösen Strippenzieher gefoltert werden, während dieser seinen Masterplan erklärt. Dabei handelt es sich um den absoluten Tiefpunkt der Figuren, auf den eigentlich immer das letzte Aufbäumen folgt, dass den Prügelknaben-Protagonisten zu einem Phoenix aus der Asche werden lässt, der seine Feinde richtet und Wunder vollbringen kann. In Predator - Upgrade gibt es zwar keine Folter, doch auch hier folgt auf den Tiefpunkt ein Aufbäumen, das es in sich hat.

Was ist euer Lieblingsfilm von Shane Black?

moviepilot Team
Fussy Christian Fußy
folgen
du folgst
entfolgen
Deine Meinung zum Artikel Predator: Kein Horror, dafür ein waschechter Shane Black- Film
4e12cb8d5c5d4c85a66e8fef48fb979c