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Dr. Frank N. Furter und Queer Theory

Rocky Horror Picture Show - 40 Jahre Genderf*ck

Sweet Transvestite
© 20th Century Fox Deutschland
Sweet Transvestite
26.10.2015 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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I'm just a sweet transvestite, from Transexual, Transilvania! Dieses Jahr sind es 40 Jahre Wahnsinn mit der Rocky Horror Picture Show, einem Film, der bis heute immer wieder aufgeführt wird und eine riesige Fangemeinde hat. Aber die RHPS ist mehr als nur ein Kulthit, sie ist ein Film, der die üblichen Gendernormen so komplett und mit so viel Spaß dekonstruiert wie kein anderer. Don't judge a book by its cover, baby.

Vor 40 Jahren brachte 20th Century Fox die Filmversion des Musicals "Rocky Horror Show" heraus und klatschte, zur besseren Kennzeichnung, dass es sich hier um einen Film handelt, das Wort "Picture" noch mit in den Namen rein. Die The Rocky Horror Picture Show kam ins Kino, lief ein bisschen und verschwand wieder. Und keine Sau interessierte es. Nicht einmal die, die später zu den eingefleischten Fans des Kulthits wurden. Nur ein Manager bei Fox, der irgendwie einen Narren an dem Film gefressen hatte, hielt an diesem Werk fest und überzeugte seine Chefs, die Rocky Horror Picture Show bei den Midnight-Movies unterzubringen. Denn die wahrlich abstrusen Filme liefen in den 1970er/1980er Jahren immer um Mitternacht. Und hier war das Werk gut aufgehoben. Unter den Verrückten, den Hippies, den Nerds, den Somnambulen und denen, die abseits vom Mainstream nach Filmkunst oder Trash (oder beidem) suchten.

Denn wenn die Rocky Horror Picture Show eins nicht ist, dann in irgendeiner Weise Mainstream oder normativ. Im Gegenteil, der Film ist das erste, große und weltweit erfolgreiche queere Werk in der Filmgeschichte. Und bis heute eine der besten Ausreden, sich ein Paar Strapse anzuziehen, egal welchem Geschlecht man sich zuordnet. Denn die übliche Binarität (weiblich/männlich) und alle sozialen, kulturellen und sexuellen Konnotationen, die diese mit sich trägt, werden in der Rocky Horror Picture Show eh komplett ignoriert. Oder sagen wir besser: fein säuberlich dekonstruiert. Und das ist, ohne es zu wissen oder darauf angelegt zu haben, die Essenz der Queer-Theorie, einer Kulturtheorie, die seit Anfang der 1990er Jahre wissenschafltiche Beachtung findet. Die Queer-Theorie geht davon aus, dass geschlechtliche und sexuelle Identität nicht angeboren sind, sondern gemacht werden. Und um das zu beweisen und mit dieser Idee zu arbeiten, muss man Geschlecht und Sexualität dekonstruieren. So wie es Dr. Frank N. Furter und Co. vormachen.

Das geht schon beim Vorspann los:

Die ikonographischen roten Lippen - sie gehören Patricia Quinn, die Magenta spielt. Der Gesang stammt jedoch von Richard O'Brien (Riff Raff), dem Erfinder der Rocky Horror (Picture) Show. Seine Stimme ist gepitcht, damit sie androgyn klingt. So weigert sich der Film schon von der ersten Sekunde an, in irgendeiner Weise geschlechtlich zuordenbar zu sein. Er ist, wie seine Protagonisten, alien.

Die körperlosen Lippen und Brad (Barry Bostwick) und Janet (Susan Sarandon), das steife heterosexuelle Pärchen, das am Anfang des Films gerade von einer Hochzeit kommt, sind aber nur die sanfte Einführung in das, was die Zuschauer danach erwartet. Das Auto geht kaputt, Brad und Janet brauchen Hilfe und landen im Haus des Dr. Frank N. Furter (Tim Curry).

Ah ja, Dr. Frank und seine Crew - der fleischgewordene Alptraum der US-amerikanischen Republikaner in den 1970er Jahren. Und sehr wahrscheinlich noch heute. Und das obwohl Donald Trump in Drag fast aussehen würde wie Divine , eine weitere große crossdressende Diva der Midnight-Movies dieser Zeit und Muse des legendären John Waters.

Aber was zur Hölle ist Frank denn jetzt? Mann? Frau? Beides? None of the above?


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