Sommerfest - Sönke Wortmann über Heimat und die erste Liebe

Sönke Wortmann bringt Lucas Gregorowicz in Sommerfest zurück zu seiner Jugendliebe
© Warner Bros./X-Verleih / Mathias Bothor
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In seinem neuen Kinofilm Sommerfest lässt Regisseur Sönke Wortmann, der in den 1990er Jahren vor allem durch Komödien wie Der bewegte Mann und Das Superweib bekannt wurde, seinen Protagonisten Stefan (Lucas Gregorowicz) zurück in die Heimat reisen, wo er seiner Jugendliebe Charlie (Anna Bederke) wiederbegegnet. Wir haben Sönke Wortmann deshalb ein paar Fragen zum Film gestellt.

Was hat dich an der Geschichte von Sommerfest so begeistert, dass du den Roman verfilmen wolltest?
Sönke Wortmann: Frank Goosen hat mit seinem Roman Sommerfest bei mir einfach ins Schwarze getroffen. Dass er sämtliche Klischee-Klippen, die man sich landläufig über das Ruhrgebiet und seine Leute erzählt, umschifft. Dass aber trotzdem diese raue Herzlichkeit und Wärme der Menschen dort sowie die authentische Sprache des Potts im Buch rüberkommen. Genau das wollte ich auch mit dem Film versuchen.

Seit Das Wunder von Bern hast du das Drehbuch zu Sommerfest erstmals wieder alleine geschrieben. War dir das bei dieser Geschichte besonders wichtig?
Sönke Wortmann: Meine Lieblings-Drehbuchautoren hatten schlicht keine Zeit, wie das bei guten Autoren nun mal so ist. Das begriff ich als Zeichen, dass ich seit Das Wunder von Bern wieder mal selbst schreiben sollte. Und vielleicht ist es so, dass ich bestimmte Stoffe tatsächlich selbst schreiben sollte, als jemand, der aus dem Ruhrgebiet kommt. Und letztlich hat mir die Arbeit am Drehbuch viel Spaß gemacht.

Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen Roman und Film?
Sönke Wortmann: Im Roman stirbt der Onkel [im Film stirbt der Vater]. Das war mir emotional nicht nah genug. Damit konnte ich mich mehr identifizieren, mit dem Gefühl, auf einmal ohne Eltern alleine dazustehen. Und dadurch bekam die Geschichte noch mal eine ganz andere Dichte. Außerdem war eine größere Änderung die Sperrung der A40 im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres 2010, die in Frank Goosens Roman eine wichtige Rolle spielte. Dieses Ereignis hätte den Film sofort mit einem fixen Datum versehen. Man hätte zu viel erklären müssen. Aber alles in allem habe ich versucht, möglichst viel des Romans zu lassen und seinem Geist, seiner Stimmung, gerecht zu werden.

Was bedeutet es für dich, dass Sommerfest im Ruhrgebiet spielt, da du ja dort selber aufgewachsen bist?
Sönke Wortmann: Ich fühle mich natürlich sehr stark verbunden mit den Erfahrungen, die Stefan macht. Fast alle Schauspieler kommen aus dem Ruhrgebiet und sprechen die Sprache, das war mir wichtig. So manchen kommen die Figuren vielleicht etwas überzeichnet vor, aber all diese Persönlichkeiten kenne ich auch in der Realität und zwar mehrfach. Das kann jeder bezeugen, der von dort kommt. Trotzdem behandelt der Film ja auch universelle Themen wie Tod, Liebe und Heimatgefühl.

Kannst du auf eine ähnliche Erfahrung in deinem Leben zurückblicken, wie sie Stefan im Film erlebt?
Sönke Wortmann: "Wie ist die Ferres so privat?" habe ich auch schon gehört. Ein Beruf in der Filmbranche ist für meine Freunde dort ziemlich abstrakt. Wenn man nicht im „Tatort“ ist, zählt es nicht. Mein Lieblingsspruch: "Muss man dich kennen?"

Lucas Gregorowicz und Anna Bederke haben ja letztes Jahr bereits in Schrotten! ein romantisches Paar gespielt. Hast du beim Casting sofort gemerkt, dass die Chemie zwischen beiden stimmt?
Sönke Wortmann: Ich habe Schrotten nicht gesehen. Da wollte ich mich nicht beeinflussen lassen. Lucas stand von Anfang an als einziger Darsteller fest, er ist perfekt für diese Rolle. Im Casting mit Anna war dann sofort diese Magie der ersten Liebe, die ich in dem Film auch haben wollte, zwischen den beiden spürbar. Und Anna hatte zudem als Figur Charlie direkt dieses Stärke und zugleich diese Anmut, die diese Rolle als Leading Woman brauchte.

Was verbindest du vor allem mit deiner Heimat?

Sönke Wortmann: Ich lebe an der Grenze zum Ruhrgebiet. Und bin daher noch nah dran an der alten Heimat. Die Wärme der Menschen, der Humor, Fußball - eine sehr glückliche Kindheit– das verbinde ich mit meiner Heimat. Und nicht zuletzt meine erste Jugendliebe!

Was verbindest du mit deiner Heimat? Schreib es uns in die Kommentare!
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