Tatort Kritik

Tatort - Franziska nimmt Abschied in Köln

05.01.2014 - 22:00 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Tatort - Franziska
© WDR/ARD
Tatort - Franziska
Wer in seinem Leben schon einmal eine CSI-Folge gesehen hat, wird die Brutalität im viel diskutierten Tatort – Franziska müde belächeln. Mehr als das Aufsehen um die Ausstrahlungszeit bleibt von dem Krimi nicht in Erinnerung.

13 Jahre war Franziska (Tessa Mittelstaedt) Teil des Kölner Tatorts, der ihr zum Abschied eine ganze Folge widmet. Tatort: Franziska fällt vor allem durch seinen späten Sendeplatz auf. Der Krimi selbst kann mit zwei guten schauspielerischen Leistungen punkten, biegt sich seine Charakterdynamik aber leider viel zu stark zurecht, um zum Schluss zu kommen. Auf Wiedersehn, Franziska!

Lokalkolorit: Blau ist in Tatort – Franziska sicher nicht die wärmste Farbe, beherrscht das Gefängnis ein entsprechend kühler Look, der nur in einem Raum aufgebrochen wird. Starke Gelb- und Grüntöne verleihen dem Ort der Geiselnahme nämlich ein überspanntes Äußeres, wenn Franziska und der Häftling Daniel Kehl (Hinnerk Schönemann) ihre Psychospielchen abziehen.

Plot: Da eine Arbeit in der Mordkommission nicht erfüllend genug ist, engagiert sich Franziska ehrenamtlich als Bewährungshelferin. Ihr “Kunde” Kehl steht kurz vor der Entlassung, aber anstatt mit Prosecco darauf anzustoßen, nimmt der verurteilte Vergewaltiger und Mörder Franziska bei ihrem letzten Besuch als Geisel. Er fürchtet für den Tod eines Mithäftlings verantwortlich gemacht zu werden, der soeben mit einem Schraubenzieher im Hals verblutet ist. Mit Kabelbinder als Leine und einem Messer in der Hand beginnt der Nervenkrieg zwischen Franziska, Kehl und dem SEK.

Unterhaltung: Wenn etwas an diesem Durchschnittskrimi positiv auffällt, ist es Mittelstaedt und vor allem ihr Gegenspieler Schönemann. Letzterer wird gern als linkischer Außenseiter besetzt, etwas naiv und dorftrottelig, aber durchweg sympathisch. In Tatort – Franziska aber darf er die ganze Bandbreite seines Könnens zeigen, wenn sein Häftling Franziska und den Zuschauer immer wieder an der Nase herumführt und kontinuierlich zwischen Sympathie und Abscheu schwanken lässt. Mittelstaedts Figur gerät gegen Ende zu passiv, um da noch etwas entgegenzusetzen, fällt aber durch ihrer Courage auf, mit der sie der immer enger werdenden Schlinge um ihren Hals begegnet.

Tiefgang: Bringt einem das Duell zwischen Geisel und Geiselnehmer zumindest in die Nähe der nicht wirklich durchdacht wirkenden Seelenwelten der Figuren, reißen einem die Ermittlungen von Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) mehrmals raus aus dem Geschehen. Vor allem überrascht und enttäuscht, wie wenig die Geiselnahme im Gefängnis die beiden Veteranen aus ihren Trott reißt. Vielleicht ist das – hinsichtlich des Finales – Absicht, aber Tatort – Franziska lässt sich wiederum nicht die Zeit, um die Nachwirkungen der Ereignisse darzustellen. So gewinnt die Vermutung, dass der Trott das ist und nicht mehr: Der Trott eines kontinuierlich unterforderten Teams, welches nicht mehr mitkriegt, wenn etwas passiert, das den Abbruch der Routine verdient und verlangt.

Zitat des Sonntags: “Ich bin nicht ihr Hund.”

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