To the Bone - Netflix-Film vorab wegen Verherrlichung von Magersucht kritisiert

To the Bone mit Lily Collins
© Netflix
To the Bone mit Lily Collins

Wieder einmal findet sich Netflix inmitten einer Kontroverse um eine ihrer Produktionen wieder: To the Bone, der Mitte Juli veröffentlicht werden soll, wird jetzt schon von Experten dafür kritisiert, Anorexie zu verherrlichen. In dem Film spielt Lily Collins die an Magersucht leidende Ellen, die sich auf Drängen ihrer Familie einer Therapiegruppe anschließt und dort auf einen unorthodoxen Psychologen, gespielt von Keanu Reeves, trifft. Reeves begleitet Ellen aut Netflix auf einem „qualvollen, aber amüsanten Prozess der Selbstfindung“. Gegenüber dem Guardian äußerten sich mehrere Psychologen besorgt, die sich wohlgemerkt bislang lediglich auf den Trailer stützen. Da es so aussehe, als hätte der Film ein Happy End und als begreife er die Anorexie mitsamt der Therapie in erster Linie als eine bereichernde Erfahrung, bestehe hohes Gefahr, dass Teenager das nachahmen. Außerdem könnten die expliziten Bilder im Film vor allem für ehemalig Erkrankte ein Trigger sein, um rückfällig zu werden.

Laut dem Daily Telegraph zirkulieren einige der Bilder bereits in Pro-Anorexie-Foren, in denen Lily Collins zu einer "thinspiration" deklariert werde. Demnach hätten Experten in Australien sehr ähnliche Bedenken. Sie werfen Netflix Verantwortungslosigkeit vor und legen nahe, nächstes Mal schon während der Produktion echte Psychologen zu Rate zu ziehen. Auch sie fürchten aus den selben Gründen wie ihre britischen Kollegen eine Verherrlichung der Krankheit und fordern, dass der Film nicht ohne Warnung zu Beginn ausgestrahlt werden sollte. Ein Verbot des Films kommt aber trotzdem nicht in Frage: Stattdessen sollen Teenager dazu ermutigt werden, den Film zusammen mit ihren Eltern zu schauen, um im Anschluss darüber reden zu können. Auf Change.org sieht man das anders. Dort wurde bereits eine Petition gestartet, die Netflix dazu auffordert, den Film nicht auszustrahlen.

Regisseurin Marti Noxon habe den Film laut einem Gespräch zwischen Hauptdarstellerin Lily Collins und Vanity Fair bewusst mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor gedreht, den Betroffene sehr gut nachvollziehen könnten. Noxon selbst litt in jungen Jahren an Anorexie und sei deshalb in der Lage gewesen, die Gefahren und die Gefühle der Krankheit angemessen verarbeiten zu können. Auch Lily Collins hatte jahrelang mit Essstörungen zu kämpfen. Auch sie verweigerte sich einer Therapie, weil sie kein Problem darin sah. Der Film habe ihr verholfen, sehr viel mehr über ihren damaligen Zustand zu lernen und ihn aufzuarbeiten.

Netflix geriet erst kürzlich aus sehr ähnlichen Gründen für ihre Serie 13 Reasons Why - Tote Mädchen lügen nicht ins Kreuzfeuer. Die Serie verherrliche Selbstmord unter Teenagern. Zahlreiche Schulen auf der ganzen Welt sahen sich gezwungen, die Eltern ihrer SchülerInnen zu benachrichtigen, um die Serie zuhause aufzuarbeiten. Auch hier einigte sich Netflix letzten Endes darauf, eine Warnung vor der Serie anzuhängen. To the Bone wird am 14.07.2017 auf Netflix bereit gestellt.

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Pfizze Sven Pfizenmaier
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