Viking heute Abend im TV – Wie viel Wahrheit steckt im russischen Wikinger-Epos?

Viking
© Splendid Film GmbH
Viking
moviepilot Team
nachmirdiesintflut Tobias Tißen
folgen
du folgst
entfolgen

2016 kam der mit enormen Aufwand produzierte, russische Historienfilm Viking in die Kinos. Vor allem in seinem Heimatland avancierte der Film von Regisseur Andrey Kravchuk (Admiral - Warrior. Hero. Legend.) zum Box-Office-Hit, war der zweiterfolgreichste einheimische und insgesamt der zehnterfolgreichste Film des Jahres. Auch außerhalb Russlands machte die epische Produktion von sich reden, lief unter anderem in China auf über 10.000 Kinoleinwänden und wurde zudem in 80 Länder verkauft (via The Hollywood Reporter) – darunter auch Deutschland. Heute Abend (12.01.2018) um 22:05 Uhr feiert Viking nun seine deutsche Free-TV-Premiere. Doch wie eng haben sich die Filmemacher an die realen historischen Ereignisse gehalten?

Viking spielt im späten 10. Jahrhundert und im Mittelpunkt steht Prinz Wladimir (Danila Kozlovsky). Nach dem Tod seines Vaters Swjatoslaw I., dem Großfürsten der Kiewer Rus – eines mittelalterlichen Großreiches auf dem Gebiet der heutigen Staaten Russland, Weißrussland und Ukraine –, flieht Wladimir vor seinem Halbbruder Jarolpok (Aleksandr Ustyugov) nach Skandinavien, wo ihn der alte Krieger Sweneld (Maksim Sukhanov) unter seine Fittiche nimmt. Anschließend scharrt Wladimir eine Gruppe Wikinger-Söldner um sich und zieht gegen seinen Bruder.

Laute Proteste in Russland

Der Film ist eine Darstellung der historischen Person Wladimirs I. – heute auch Wladimir der Große oder Wladimir der Heilige genannt. Er soll die Christianisierung der Kiewer Rus initiiert haben und wird deshalb innerhalb der Russisch-Orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt. Als Grundlage für das Drehbuch diente den Autoren die Nestorchronik aus dem frühen 10. Jahrhundert, einer der wichtigsten Quellen für die Geschichte Russlands, sowie alte Sagen aus Skandinavien.

Nach der Veröffentlichung von Viking gab es in Russland zahlreiche Beschwerden über die historische Darstellung Wladimirs, seiner Zeitgenossen und der historischen Ereignisse. Diese kamen von verschiedensten Seiten: Einige sahen in dem Film christliche Propaganda, weil er mit der Etablierung des Christentums als Heilsbringer gefeiert würde, andere deuteten genau das Gegenteil in den Film, sahen eine Diffamierung Wladimirs, weil er zu Beginn des Films als kaltblütiger Mörder und Vergewaltiger dargestellt wird. Viele Zuschauer störten sich zudem an der dreckigen und barbarischen Darstellung ihrer Vorfahren. Die besonders verärgerten unter ihnen wollten den Film deshalb sogar per Petition verbieten lassen. (via The Moscow Times)

Zwei Figuren in einer vereint

Belegen kann man heute aber natürlich nicht mehr, wie die Menschen damals lebten und was für einen Charakter Wladimir hatte – und damit auch nicht, ob die vehementen Beschwerden zu Recht erfolgt sind. Allerdings gibt es einige Punkte, an denen sich die Drehbuchschreiber gegenüber ihren Quellen Freiheiten genommen haben.

Die offensichtlichste Änderung ist die Figur von Wladimirs skandinavischem Mentor Sweneld: Dessen historisches Ebenbild war nämlich bereits verstorben, als Wladimir gen Norden floh. Vielmehr diente der reale Sweneld Wladimirs Vater und Großvater und soll darüber hinaus sogar Jarolpok dazu angestiftet haben, gegen Oleg – ebenfalls ein Bruder Wladimirs – in den Krieg zu ziehen, woraus schließlich Olegs Tod resultierte.

In der Film-Version von Sweneld werden dafür wohl zwei andere Figuren vermischt: Zum einen werden Elemente der in Russland populären russischen Figur des Dobrynja Nikititsch aufgegriffen, der ein Dienstmann und Mentor Wladimirs gewesen sein soll (eine reale Person liegt diesem aber wohl nicht zugrunde), des Weiteren erinnert Sweneld stark an den realen Wikinger-Fürsten Håkon Jarl, zu dem Wladimir im Jahr 977 reiste und mit dem er gegen Nowgorod zog. (via The Moscow Times und Wikipedia)

Weitere Ungenauigkeiten

Ein bedeutender Punkt im Film ist zudem, dass Wladimir das Christentum in seine Heimat bringt. Dies ist aber zugunsten der filmischen Dramatisierung viel zu vereinfacht dargestellt: Diese Christianisierung war ein historischer Prozess, der sich über einen langen Zeitraum hinzog. So gab es wohl auch schon im 9. Jahrhundert Christen in der Kiewer Rus und auch Wladimirs Großmutter Olga von Kiew war bereits christlichen Glaubens.

Weiterhin bemängelten Pedanten, dass die Krieger keine für das 10. Jahrhundert authentischen Helme tragen würden und in einer der ersten Szenen des Films mit Armbrüsten geschossen wird, die es im Gebiet des heutigen Russlands aber wohl erst ab dem 12. oder 13. Jahrhundert gab. Doch wie Drehbuchautor Andrey Rubanov betont: "Ich glaube, dass Viking deutlich enger an der historischen Wahrheit ist als Gladiator oder Apocalypto" – und höchstwahrscheinlich hat er damit sogar recht. Und den Spaß sollten einem solche Abweichungen von der historischen Realität doch sowieso nicht verderben.

Wie fandet ihr das russische Wikinger-Epos Viking?

moviepilot Team
nachmirdiesintflut Tobias Tißen
folgen
du folgst
entfolgen
Deine Meinung zum Artikel Viking heute Abend im TV – Wie viel Wahrheit steckt im russischen Wikinger-Epos?
563b81dfc99a474d93376e88122d4891