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Schwarze Romantik im Stummfilm - Teil 5

Vom tödlichen Eigensinn künstlicher Lebensformen

04.02.2014 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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Metropolis
© Transit Film
Metropolis
Teufel, Untote und künstliche Lebensformen gehören zum festen Figuren-Repertoire der Schwarzen Romantik. In dieser fünfteiligen Artikelreihe durchleuchten wir die Beziehung zwischen jener künstlerisch-literarischen Strömung und dem Kino des frühen 20. Jahrhunderts.

Zu Beginn der 1920er Jahre manifestierten sich die noch frischen Schrecken des Ersten Weltkrieges als filmische Alptraumvisionen auf den hiesigen Kinoleinwänden. Das Übernatürliche und Böse wirkt in den Produktionen der damaligen Zeit omnipräsent. In den vorangegangenen Artikeln huschten Hexen, Teufel, Wiedergänger und Gevatter Tod an unseren Augen vorbei. Wiederholt wiesen dabei die Schattengestalten des Stummfilms Bezüge zur literarischen und kunsthistorischen Vergangenheit Europas auf, namentlich zur Schwarzen Romantik. Zum Abschluss der Themenreihe wollen wir ein letztes Mal zurückreisen, um jenen düster-romantischen Motiven nachzuspüren. Zur Abwechslung stehen diesmal keine finsteren Mächte im Mittelpunkt, die unbemerkt von außen an die Protagonisten herantreten. Vielmehr handelt es sich um von Menschenhand eigens geschaffene, künstliche Lebensformen, die in Der Golem, wie er in die Welt kam (1920) und Metropolis (1927) für Unheil und Verderben sorgen.

Schwarzromantisches Metropolis?
Auf den ersten Blick bietet die UFA-Produktion Metropolis sicherlich nicht allzu viel Raum für charakteristische Motive der Schauerromantik, führt doch die Geschichte in eine futuristische Megacity voll von sozialen Missständen. Während die Arbeiterklasse der Stadt untertage durchgängig gigantische Maschinen in Betrieb hält, genießt die lokale Elite bei Spiel und Sport das Leben. Inmitten einer sich anbahnenden Revolution bittet der Stadtgründer Joh Fredersen (Alfred Abel) den Wissenschaftler Rotwang (Rudolf Klein-Rogge) um Unterstützung. Dieser soll mit Hilfe eines Roboters, welcher der Rebellenführerin Maria (Brigitte Helm) aufs Haar gleicht, Zwietracht in den Reihen der Aufständischen säen. Zu spät bemerkt Fredersen, dass Rotwang die Gunst der Stunde nutzt, um seine eigenen teuflischen Pläne mittels Maschinenmensch in die Tat umzusetzen.

Fritz Lang springt mit Metropolis in eine ferne Zukunft, ohne sich jedoch allzu weit vom kulturellen Erbe seiner europäischen Heimat zu entfernen. Hierbei stechen vor allem die Bezüge zur romantischen Literatur heraus, schließlich sahen sich bereits dort die Protagonisten wiederholt mit artifiziellen Lebensformen konfrontiert. Der beinahe jedwedem Fortschritt inhärente Zwiespalt zwischen Segen und Fluch sorgte natürlich dafür, dass sich einige der damaligen Schriftsteller – sowohl hierzulande als auch in Großbritannien – den abgründigen Facetten jenes schöpferischen Akts verpflichtet fühlten. Hierbei gebührt der Britin Mary Shelley die Ehre, den literarischen Prototypen, an dem sich heutige Werke noch immer messen lassen müssen, erschaffen zu haben. Doch obgleich der Nachhall ihrer gothic novel Frankenstein (1818) bis dato anhält, soll hier zunächst die Verbindung zwischen den deutschen Literaten der Schauerromantik und Metropolis (Roman und Drehbuch: Thea von Harbou) im Fokus stehen. Die Roboterfrau des mad scientist C.A. Rotwang lässt dabei insbesondere einen Namen vor dem geistigen Auge aufblitzen: E.T.A. Hoffmann.

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