Jurassic World 2 im Kino

Warum spoilernde Trailer unser Kinoerlebnis verderben

Jurassic World 2: Das gefallene Königreich
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Jurassic World 2: Das gefallene Königreich
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Ohne den vorgestern gestarteten Jurassic World 2: Das gefallene Königreich selbst gesehen zu haben, drängt sich mir die starke Vermutung auf, den Film bereits in seiner Gänze zu kennen. Neben den drei langen Trailern umfasst die groß angelegte Werbekampagne zahlreiche kürzere Teaser und jede Menge 30-sekündige TV-Spots. Die vielen auf die Millisekunde perfekt geschnittenen und blitzschnellen Clips beinhalten zwangsläufig Szenen, die eine Überraschung oder ein spannender Plot-Twist des eigentlichen Films hätten werden können. Oft sind es dieselben Szenen in veränderter Reihenfolge. Allerdings enthält jeder Trailer meist mindestens ein Detail mehr als sein Vorgänger. Es sind Details, die - wenn wir genau aufpassen - allzu oft die komplette Story verraten. Durch sie verlieren Szenen ihre emotionale Wirkung oder der initiierte Überraschungsmoment im Film verpufft. Und der spoilernde Trailer ist daran schuld.

Der grausige Trailer-Zyklus des 21. Jahrhunderts

Heutzutage beginnt die Werbung eines Films lange vor seinem offiziellen Trailer. Bereits mehrere Jahre vor Kinostart wird durch Nachrichten und Pressemitteilungen auf die Produktion aufmerksam gemacht. Die Produktionsstudios wollen ihren Film frühzeitig im Bewusstsein der Öffentlichkeit platzieren und je nach Projekt einen möglichen Hype auslösen. Ein halbes bis ganzes Jahr vor Kinostart erscheint bereits ein kurzer Teaser und kurz darauf der erste Trailer, die häufig gar nicht die eigentliche Handlung verraten, sondern nur die Atmosphäre und ein mögliches Setting offenbaren. So beschränkte sich der erste Trailer für Jurassic World 2: Das gefallene Königreich fast nur auf die Insel-Action. Im Laufe der Werbekampagne vom ersten Trailer bis hin zur Premiere sind die Studios in der heutigen Zeit jedoch gezwungen, aus der Masse an produzierten Filmen und erfolgreichen Franchises herauszustechen. Sie müssen exklusiven Content liefern und das Publikum, welches aufgrund der Flut an Produktionen dazu geneigt ist, sich in der schnelllebigen Welt für andere Filme zu interessieren, bis zum Kinostart bei Laune halten. Das führt in diesem Zyklus leider viel zu oft dazu, dass jeder weitere Trailer ständig neue Filmdetails preisgibt, bis der "finale Trailer", wie er bei Blockbustern betitelt wird, die Filmhandlung nur wenige Tage oder Wochen vor dem Kinostart gänzlich preisgibt.

Die Trailer von Jurassic World 2 sind hier ein ausgezeichnetes Beispiel. Wo sich der erste zurückhielt, zeigte bereits der zweite Trailer eine Szene, in welcher der neue Indoraptor ein Mädchen in ihrem Kinderzimmer heimsucht. Im finalen Trailer wird die Szene schließlich detailliert vorgeführt - nur in verkehrter Reihenfolge. Wie im Slasher-Film dringt der Dino durch die Balkontür in das Zimmer ein und kommt dem Kind bedrohlich nah. Chris Pratt tritt die Tür ein und versucht den Dinosaurier zu erschießen. Der Versuch schlägt fehl, doch Raptor Blue kommt zu Hilfe. Geht es noch expliziter?

Du bist beim All you can eat und sollst nichts essen

Wir Zuschauer stehen während der Werbekampagne eines großen Blockbusters vor einer schweren Entscheidung: Sehen wir uns die Vielzahl an Videos an, befriedigen wir unseren Durst nach exklusiven Filminhalten und werden höchstwahrscheinlich gespoilert? Oder zwingen wir uns zur völligen Abstinenz, versuchen jegliche Trailer zu umgehen und sind Außenstehende des oftmals unterhaltsamen Hypes? Für regelmäßige Kinogänger ist letzteres beinahe eine Sache der Unmöglichkeit. Schauen wir uns in der Vorwoche einen zielgruppennahen Film im Kino an, sind wir Zuschauer dem Trailer des kommenden Films wehrlos ausgeliefert. In frühen Zeiten des Kinos, als der Trailer noch nach dem eigentlichen Film gezeigt wurde - daher auch sein Wortursprung als "Anhänger" - konnte der Zuschauer das Kino rechtzeitig verlassen. Diese Möglichkeit bietet sich heutzutage nicht und wir stehen außerhalb des Kinos ständig zwischen den Stühlen der Befriedigung unserer Neugier und dem Selbstschutz vor möglichen Spoilern.

Auch der Filmjournalismus hat sich gewandelt. Während vor einigen Jahren ein Trailer nur eine Vorschau war und ihm keine weitere Bedeutung für den kommenden Film zugeschrieben wurde, sind sie heute zum Teil selbst kleine Kunstwerke und verdienen eine inhaltliche und gestalterische Analyse. Wir als Film-Website stehen also vor einer ähnlich schwierigen Entscheidung wie potenzielle Kinogänger. Berichten wir über die spoilerlastigen Trailer und bieten den Lesern das, was sie sich - nach Beurteilung der Klickzahlen - allem Anschein nach wünschen, oder stellen wir uns der Werbemaschinerie entgegen und vermeiden jegliche Enthüllung des Plots. Der Online-Journalismus entscheidet sich aus Gründen der Selbsterhaltung für die erste Variante. Im besten Falle legt er jedoch die Verantwortung, wie mit den spoilernden Meldungen umzugehen ist, in die Hände jedes einzelnen Lesers und warnt vor möglichen Handlungselementen. Informationen zurückzuhalten und ein anregendes Mysterium um den Film zu schaffen - das liegt wiederum allein in der Macht der produzierenden Filmstudios.

Wenn Trailer dich nicht spoilern, führen sie dich in die Irre

Zeiten, in denen sich das Internet lautstark über spoilernde Trailer empört, begegnet die Filmbranche wie im Fall von Deadpool 2 und Avengers 3: Infinity War mit eigens angefertigten Trailer-Szenen, welche die Zuschauerschaft in die Irre leiten sollen. Der Trailer von Avengers 3 enthielt eben solche Szenen, die in Trailern verarbeitet wurden, jedoch im finalen Film nie zu sehen waren. Eine bittere Enttäuschung für jeden Zuschauer, der sich auf den Hulk an der Seite von Captain America gefreut hatte. Es kann nicht sein, dass wir für Eintrittskarten bezahlen, um etwas Angekündigtes zu sehen, was letztlich im Film nicht vorhanden ist. Das schadet nicht nur unserem Kinoerlebnis, sondern dem Vertrauen in die Branche selbst. Wieso also fokussieren sich Trailer-Macher und die Studios nicht auf das Wesentliche? Trailer würden einen Film reizvoller machen, würden sie durch ihre Atmosphäre locken, statt den Inhalt frei zu legen. Der Gebrauch irreführender Szenen ist allerdings nur eine enttäuschende Alternative zur völligen Offenbarung des Plots.

Wollt ihr, dass Trailer die Handlung preisgeben oder sie zurückhalten?

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