Werbung bei Netflix: Nutzer würden gnadenlos reagieren

Stranger Things
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Eine Studie wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen. Als Netflix vor ein paar Wochen testweise nicht überspringbare Promo-Clips zwischen Serien-Episoden schaltete, waren die Reaktionen eindeutig: Werbung, und sei sie auch nur in eigener Sache, kommt den Netflix-Abonnenten nicht in die Tüte. Eindeutigere Ergebnisse als dieser Test kann eine Studie nicht liefern. Aber Zahlen sind immer noch repräsentativer als gebrüllte Twitter-Posts. Diese Woche machte eine vom Portal Hub durchgeführte Studie die Runde, auf die sich Indie Wire bezieht. Demnach würde ein beträchtlicher Teil der Nutzer ohne mit der Wimper zu zucken sein Netflix-Abo in den Wind schießen, sollte Netflix tatsächlich in Zukunft Werbung schalten.

Werbefreiheit ist ein elementarer Bestandteil des Netflix-Erfolgsmodells

Die Studie befragte 1612 Nutzer zwischen 16 und 75 Jahren: Was würden sie tun, wenn Netflix Werbung einführt? 23 Prozent, also fast ein Viertel, würde humorlos und umgehend sämtliche Verbindungen kappen, während 37 Prozent eine Beendigung der Netflix-Beziehung zumindest in Betracht ziehen würden. Immerhin 41 Prozent der Nutzer würden (wahrscheinlich) die Mitgliedschaft aufrechterhalten.

Gänzlich ungerührt nähme also kaum jemand Werbung auf Netflix hin. Kein Wunder, denn Peter Fondulas, ein Autor der Studie, gab an: "Als wir die Nutzer fragten, welche Eigenschaften sie bei Netflix als am attraktivsten erachteten, stand die Werbefreitheit fast durchgehend an der Spitze der Liste." Werbefreiheit sei derzeit das wichtigste Abgrenzungsmerkmal von Streaming-Diensten wie Netflix im Vergleich zu anderen Medienverwertungsmodellen. Und Netflix-Kunden noch etwas spezieller und empfindlicher in der Angelegenheit.

Werbefreiheit ist quasi das Totschlagargument gegen klassisches Fernsehen, wobei Werbung auf einer Streaming-Plattform noch ein wenig störender ist, da sie sich nicht überspringen lässt und man auch nicht, wie bei einem Werbeblock im Fernsehen, einfach für ein paar Minuten den Sender wechseln kann, was ja sogar ganz entspannend sein kann. Die einleuchtende Argumentation vieler Nutzer hier: Warum sollte ich Werbung ertragen, wenn ich schon für den Dienst einen monatlichen Betrag bezahle? Das führt zu einer weiteren, ebenfalls eher unattraktiven Zukunftsvision.

Eine Premium-Mitgliedschaft bei Netflix?

Die Studie fragt nämlich noch eine weitere Bereitschaft bei den Netflix-Nutzern ab und die könnte Netflix durchaus interessant finden. Sollte Netflix nämlich Werbung einführen und gleichzeitig den monatlichen Preis senken, würden nur noch 16 Prozent das Abo kündigen und 50 Prozent einen Abschied überhaupt nicht mehr in Betracht ziehen. Natürlich würde Netflix niemals den Preis für seine bestehenden Abo-Modelle senken. Wahrscheinlicher ist die Einführung von Premium-Modellen, wie sie bei der Konkurrenz schon existieren. Netflix könnte etwa die Grundpreise erhöhen und gleichzeitig eine günstigere Abo-Variante mit Werbung einführen. Dann könnten die Netflix-Nutzer selber entscheiden, was ihnen wichtiger ist: Werbefreiheit oder ein günstiger Preis.

moviepilot Team
Surfer Rosa Hendrik Busch
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Hält sich jung mit Coming-of-Age-Filmen.
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