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blog me if you can #10: Filmlektüre

Wes Anderson liebt Bücher

01.11.2015 - 12:00 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Just Reading in Moonrise Kingdom
© Twentieth Century Fox of Germany GmbH
Just Reading in Moonrise Kingdom
Aspekte dieser Liebe in seinen Filmen

Wes Anderson ist unverkennbar.

Er ist in dem großen Mischmasch der Regisseure unserer Zeit ein Individualist, vielleicht auch ein bisschen Außenseiter. Doch gerade diese Individualität, diese Nostalgie, die er in seinen Filmen feiert und besonders betont, drückt er nicht nur durch die Optik, die Musik, oder durch das Setting seiner Filme aus, sondern vor allem durch Bücher. Und dies tut er auf verschiedene Art und Weisen:

Voilà ein Buch:

Ein Aspekt ist die Präsentation von Büchern in seinen Filmen. Man kann zahlreiche Filmstils zeigen in denen er Bücher ins Zentrum rückt, sie direkt in Szene setzt, die er sogar selbst zum Thema macht. In Moonrise Kingdom schuf er eigens für den Film Buchcover und schrieb sogar ganze Textpassagen selbst, die später von den Figuren vorgelesen wurden oder er thematisiert fiktive Bücher wie „Dudley's World“ in Die Royal Tenenbaums.
Die Formate der Bücher passen nur zu gut in seinen extremen Zentralismus indem er sie genau auf der mittleren Achse anrichtet und auch äußerlich kann der Perfektionist Wes Anderson die Cover wie schon erwähnt nach seinen typischen Farbpaletten und Mustermixen gestalten.
Bücher werden von ihm ganz bewusst betont, sie sind für ihn Nostalgie.


Mr. Fox

Das „Es war einmal“:

Ein weiterer Bezug zu Büchern, den Wes Anderson anwendet, ist das klassische Geschichten erzählen. Nicht nur beginnen viele seiner Filme mit einer Vorstellung der Hauptcharaktere, oder mit Büchern selbst, sondern man wird auch durch die Stimme eines Erzählers durch die gezeigte Geschichte geführt, ähnlich einem Erzähler im Buch. So ist Der fantastische Mr. Fox sogar selbst eine Verfilmung des Kinderbuches von Roald Dahl, und baut nicht nur auf gezeigten Illustrationen und Buchelementen auf, sondern auch die Verse Dahls werden von Anderson in sein Werk übernommen. Er macht durch den Einsatz dieser litararischen Spielarten den Zuschauer selbst zu einer Art „Leser“ seines „Buches“.


Bücher als Symbol:

Der dritte Aspekt, den Wes Anderson den gezeigten Büchern zukommen lässt ist die Wirkung auf den Zuschauer und die implizierte Symbolik. Bücher sind für die Figuren in Andersons Filmen Attribute, Erkennungszeichen. Seine Figuren sind oft Buchliebhaber: belesen, ruhig, dennoch interessiert. Buchliebhaber haben in unserer Zeit den Ruf des Altmodischen, manchmal auch etwas verschroben. Sie sind Sammler, sie sind Bewahrer, sie sind ruhige Entdecker, Abenteurer.
Sie sind weltoffen.
Bücher gehören zu den Accessoires mit denen Anderson seine Figuren schmückt um genau das auszudrücken und ebenso ihren Individualismus, ihre Andersartigkeit, ihre Besonderheit zu kennzeichnen.
Sie sind Exzentriker, Freigeister. Das zeichnet seine Figuren aus. Keine ist wie die andere. Und alle sind sie Figuren, die aus der Masse heraustreten.


Margot in The Royal

Zeitlos und Unironisch:

Bücher selbst sind kleine Zeitkapseln, Konservierer. Sie nehmen nicht nur ihre eigene Zeit in sich auf, sie erzählen uns auch ihre Geschichte durch die Buchstaben und Bilder in ihnen und sie sammeln mit ihrem Alter eine eigene Geschichte, eine Vergangenheit die man ihnen ablesen kann. Zeitlose Objekte, die immer im Jetzt existieren. Sie stehen für all das und trotzen der Moderne mit ihren eBooks und Readern. Das gedruckte Wort existiert, es verschwindet nicht. Der visuelle Reiz eines Buches kann ein Gerät nicht kopieren. Fast kann man Wes Andersons Filme selbst mit einem Buch vergleichen:
sie schließen eine Zeit, eine Geschichte in sich ein, zeitlos. In einer Zeit in der alles Ironisch gemeint ist, sind seine Filme ganz unironisch.

Er parodiert nichts, er bezieht sich auf die Vergangenheit, auf vergangene Zeiten aus purer Nostalgie, als reiner Liebe zu dieser Zeit und als Rückzug vor der Gegenwart und ihren ständigen Modernisierungen, der Digitalisierung. Er ist der Perfektionist, der Miniaturen baut und Stop-Motion Filme dreht, statt CGI zu benutzen, der die wahre Magie in der Realität sieht statt in der Falschheit der digitalen Technik und Bücher liebt.


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Thema für den nächsten Monat:

Winter is coming


Linkliste:


Grimalkin: https://www.moviepilot.de/news/stranger-than-fiction-und-die-metalepse-160290

alex023: https://www.moviepilot.de/news/zwischen-zynismus-und-hoffnung-das-leben-leben-mit-hank-moody-159503

Stefan Ishii: https://www.moviepilot.de/news/die-unverfilmbarkeit-der-schlafenden-schonen-160279

Absurda.: https://www.moviepilot.de/news/film-ist-ein-visuelles-medium-160281

Schlopsi: https://www.moviepilot.de/news/wenn-einzelne-panels-zum-leben-erweckt-werden-hellsing-ultimate-160289



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