jp@movies - Kommentare

Alle Kommentare von jp@movies

  • Völlig korrekt, was du da schreibst, dennoch würde ich gerne die Meta-Show* dazu angucken, die Live-Übertragung aus dem Schnittraum, oder wenigstens einen ambitioniert-neutralen, puristischen Dokumentarfilm. Dort würde man hören, sehen und staunen wie Fernsehunterhaltung entsteht, ja konstruiert wird, und was die inhaltlich Verantwortlichen über die Zuschauer denken. Ich bin absolut davon überzeugt, dass das gerade dir noch besser gefallen würde, als das Original ^^

    * ein bisschen so wie seinerzeit die britische Serienkombi "Echo Beach" (Soap) und "Moving Wallpaper" (Produktion eben dieser Soap), nur in besser gemacht.

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    • Oh, Seitenwechsel. Passt doch :)

      Zum Einstieg bekommst du von mir ein "T" (hi, hi)) geschenkt, das du oben kurz nach der Titanic in "stürze" gebrauchen kannst. Das war kein Zufall oder? Wenn nicht, dann war's Freud, der alte Schlingel. Wie auch immer, als Zugabe gibt's noch ein Ständchen, das du dir zusammen mit Gafferlein anhören (aber nicht ernst nehmen) darfst: https://www.youtube.com/watch?v=CS__ZoGbnjc (waaaay to go, MP-Redaktion)

      Man liest sich!

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      • (seufz) Was geht denn hier ab? Eigentlich ist es ja schön, dass der Film immerhin polarisiert, aber wenn man dann liest was hier manche von sich geben, frage ich mich, ob die den gleichen Film gesehen haben, oder ob ihnen der, den sie erahnen konnten und lieber sehen wollten im Wege stand.

        An TFA war nix neu, nur mit einer neuen Generation toller Darsteller eine unterhaltsame Variation bekannter Motive, aber keine Ecken und Kanten zum dran stoßen. Genau die reicht Rian Johnson nach, macht dann das für unmöglich gehaltene draus und entschlackt (von einigen aufgrund der Überlänge und Fülle an Details) unbemerkt die überfrachtete, ächzende Franchise von allem Ballast - und hat verdammt nochmal Spaß dabei! Vorsicht SPOILER: Alle kriegen ihr Fett weg, egal ob asketisch-religiöse Aristokraten, überhebliche Bösewichter oder vorpreschende (männliche) Helden im üblichen Alleingangmodus. Die kriegen auf's (Darth) Maul oder werden getasert - wunderbar! End-lich! Bei aller Liebe zu Poe und Finn, es ist so schön sie auch mal scheitern zu sehen, und nicht gegenüber den Bösen, sondern den Leuten auf der eigenen Seite, ob über oder unter ihnen. Würden die Leute mal vorher miteinander reden, wäre vieles vermeidbar gewesen (wie der Casino-Planet, aber halt, da war Justin Theroux - und(!!) Benicio del Toro -, also doch alles richtig gemacht, auch für das Besenstielende, in dem ich mich selbst vor 35 Jahren sah, nachdem mir EMPIRE im kroatischen Strandkino die Phantasie überrollte). Scheitern ist erlaubt! Fehler machen ist erlaubt! Was für eine wundervolle Message im Zusammenspiel mit der Balance zwischen Gut und Böse - das ergibt mehr Sinn, als der blinde(!) Glaube an eine nur einseitig empfundene und ausgeübte Macht.

        Es gab wunderbare Stille (nach der Hyperraum-Kamikaze-Kollision - was übrigens exakt dem Manöver entspricht, das Rian Johnson geflogen ist), roten Sand unter einer Salzkruste (die man auch dank der Polarfüchse lange falsch gelesen hat), den wunderschönen roten Saal mit Kylo und Ren für einen Kampf lang Seite an Seite - ein Befreiungsschlag vom Ballast aller Erwartungen, die auf den Figuren lagen, was für ein Fest! Yoda war auch in einer der Szenen wieder eine Puppe, zwar digital überlagert, aber von Hand animiert vom einzig waren Frank Oz - und das Nonnen-Design erinnerte mich wunderbar an DER DUNKLE KRISTALL, was sicher kein Zufall ist. Es werden Menschen gerettet und nicht geopfert! Und als Krönung ein Mark Hamill in Topform, der sein jüngeres Selbst an die Wand spielt, und mir einen Luke zurück gibt, dem ich mich verbunden fühle, wie damals. Eine Leia, die bezaubert und endlich wieder eine Knarre halten darf, und wenn sich beide begegnen, mit den Würfeln von Han's Rückspiegel - was könnte schöner sein? Das ist der Funke, der bleibt, und eine leergefegte Leinwand für viel Fantasie, eure Fantasie. (In meiner würden in Episode 9 übrigens weder Ben noch Rey sterben).

        Danke Rian Johnson für die Revitalisierung toter Patienten, danke Steve Yedlin für die Bilder, das fantastische Licht und die wunderbaren Farben, und all die vielen Eindrücke dieser Wundertüte von Film, die (mir) einfach nur Spaß gemacht hat, und bei der man es nie und nimmer allen Recht hätte machen können.

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        • Als Jugendlicher hab ich seine Wälzer verschlungen, bis sich die Muster zu sehr wiederholt haben und ich schleichend das Interesse verlor. Aber was ihn mir (unter anderem) noch immer sympathisch macht, sind seine "One Dollar Babies" - Kurzgeschichten, die er Studenten zur Verfilmung zur Verfügung stellt: http://www.stephenkingshortmovies.com/movies/ Das können auch Potsdamer Studenten sein: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/job/stephen-king-dreharbeiten-horror-der-aus-der-uni-kam-a-718901.html

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          • Nein, eben nicht nur für "Herr der Ringe" - in dem Artikel ist von einer schwarzen Liste die Rede, auf der die beiden stünden. Das erklärt schlagartig, warum es so erstaunlich wenig Filme von etwa Mira Sorvino (ihrem Oscar-Gewinn zum Trotz) gegeben hat. Diese Macht dahinter, gedeckt von stillen Mitwissern oder Mitvermutern ist so widerwärtig und niederträchtig, dass mir die Galle schäumt. Und ganz nebenbei wurden wir um eine von Ashley Judd gespielte Arwen betrogen - nix gegen Liv Tyler, aber als love-interest von Viggo Mortensen fand ich sie einfach zu jung (selbst wenn sie als Elfe sogar älter gewesen sein mag als er), obwohl sie immer noch 10 Jahre jünger ist (aber immerhin keine 20). Ich könnt einfach nur kotzen. Diese Arschlöcher machen damit Kinofilme kaputt, schränken die Kreativität von wer-weiß-wie-vielen hochtalentierten Leuten ein, und eben gerade von solchen, die sich nicht auf die Casting-Couch einlassen. Und hier gibt es trotzdem immer noch Kommentare, in denen gefallenen Cäsaren gehuldigt wird, oder noch schlimmer, den Opfern Tatenlosigkeit unterstellt wird - ihr kotzt mich sogar noch mehr an, in all eurer Unfehlbarkeit. Wann habt ihr zuletzt Zivilcourage bewiesen oder seid für etwas eingestanden?

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            • Ausgezeichnete Zusammenfassung, und dieses Foto mit HACF, LEFTOVERS und RECTIFY nebeneinander ist Balsam für meine Seele - danke!

              Eine Anmerkungen zu der schrumpftenden Folgenzahl pro Staffel bzw. Mini-Serie, Antholgie-Serie - das ist unterm Strich für die Qualität der Serien ein wichtiger Faktor, weil die Autoren nicht mehr so viel schreiben müssen und daher oft mehr Arbeit in die Ausarbeitung ihrer Stoffe investieren können, gleichzeitig erschwert es ihnen (in den USA) paradoxerweise den Broterwerb, weil sie eben pro Folge bezahlt werden, nicht staffelweise, da geht Quantität doch vor Qualität. Zum Teil drehte sich die drohende Autorenstreikdebatte Anfang des Jahres um dieses Thema. Peak TV hat eben der Goldgräberstimmung zum Trotz doch einige Schattenseiten.

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              • Wie ging das noch... es gibt keine richtige Diskussion in der falschen? Wer Raider sagt, muss auch Jeanny von Falco zur Kenntnis nehmen, ohne es gehört zu haben. Sowohl die 80er als auch die Serie ist mehr als die Summe ihrer Teile, und man wird DARK nicht gerecht, wenn man es darauf reduziert. Ich hab viele Probleme damit, aber den Spaß am ausgezeichnet besetzten Ensemble hat mit das nie genommen. Und den Mut mit so einem Projekt voll auf die Fresse zu fallen muss man erstmal haben - bei den ÖR hätte das niemals grünes Licht bekommen. Für Staffel 2 wünsche ich mir mehr Vertrauen in die Charaktere und Darsteller, sowie wenigstens einen Hauch Humor für die Inszenierung, die bisweilen sehr steif-deutsch, statt bierernst rüberkommt. Denn einen in der Krone zu haben bricht einem ja keinen Zacken aus selbiger.

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                • WHO AM I ist jedenfalls auch bei den Kollegen in Übersee bemerkt worden. Mir hatte letztes Jahr Anthony Dod Mantle (!) davon erzählt, als der gerade mit SNOWDEN von Oliver Stone auf dem Camerimage-Festival war. Als solider Handwerker hat er sich Odar also etabliert, und ich bin jetzt immerhin beruhigt, da der Plot nicht mehr so verdächtig nach meinem eigenen klingt. Werde am Wochenende reinschauen, und das deutlicher entspannter als ich dachte :)

                  Und willkommen an Bord, wünsche einen guten Flug, die Notausgänge befinden sich irgendwo als Button zum anklicken, aber lass ma ^^

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                  • Die eine, zu der ich immer wieder zurück komme, ist so aus dem Kontext gerissen ziemlich unfilmisch und einfach nur ein von Elliott Gould brillant vorgetragener Monolog, aber der hat es in sich (und man wartet eigentlich den ganzen Film drauf, dass er mal mehr als einen Satz sagt ... wie gesagt, ach, schaut selbst): https://www.youtube.com/watch?v=g16InStip5k&index=11&list=PLDF3EC92629759664

                    Damit ist zum Überwachungsstaat und Revolutionen (fast) schon alles wesentliche gesagt.

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                    • HACF erzählt brillant davon was es heißt, Teil der Avantgarde zu sein, an die sich keiner erinnert, wenn der Zeitgeist zu ihnen aufschließt, weil meist andere die Lorbeeren ihrer Arbeit ernten. Die Getriebenheit, Einsamkeit, die Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit, Freundschaften, die über Ehen und Liebschaften hinaus reichen, ein Lied auf Pioniere, Visionäre, Suchende, gescheiterte und wiederauferstandene Existenzen. Eine quicklebendigere Serie hat es in den letzten Jahren nicht gegeben, in der stets der Weg das Ziel war, nicht das Scheitern oder der kurze Moment des Triumphs, das Leben an sich, "the thing that get's you to the thing".

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                      • Bevor ich zu einem kurzen Fazit dieses Festivaljubiläums komme, möchte ich mich bei den tapferen Mitlesern bedanken, die mir auch dieses Jahr die Koffeintablette waren, die mich zuverlässig durch den Tag brachte, wenn ich mal niemandem zur Hand hatte um meine Gedanken vor Ort in einem Gespräch geordnet zu kriegen. Da tat jedes Like gut und verfehlte seine Kompass-Wirkung nicht, ich fühlte mich wieder ins Lot gebracht und bereit für einen weiteren Tag voller Überraschungen (was so viel bedeutet wie Programmänderungen, weil Interviews ausfielen, sich Gäste verspäteten oder sich überhaupt alles verschob).

                        Was sich schon im Vorfeld merkwürdig anfühlte war Filme zu gucken, von denen ich wusste, dass sie im Wettbewerb liefen, die ich mir aber bereits auf Netflix angesehen hatte, um auf dem Festival andere Filme mitnehmen zu können. Das war so praktisch wie verkehrt, aber in FIRST THEY KILLED MY FATHER hätte ich es aufgrund des starken Andranges vielleicht ohnehin nicht geschafft, jetzt gewann er zu meiner großen Überraschung doch den bronzenen Frosch. Nicht, dass ich etwas gegen die Kameraarbeit von Anthony Dod Mantle einzuwenden gehabt hätte, aber für mich hat der Film vor allem im Schnitt nicht so richtig funktionieren wollen. Das Drama bleibt in der zweiten Hälfte so merkwürdig ohne Konsequenzen, man hat Anteil an dem furchtbarem Leid, und dann endet alles in Wohlgefallen, ein paar Umarmungen und ein paar Widmungen, so dass man geneigt ist alles wieder zu vergessen. Bei THE KILLING FIELDS passiert einem das nicht. Außerdem stieß ich mich an den oft unmotivierten Drohnenaufnahmen (eine fand ich allerdings großartig: die Lagerfeuer), und der springenden Erzählhaltung aus der subjektiven Perspektive des Mädchens, in der andere Darsteller direkt in die Kamera schauen, zu den eher beobachtenden Szenen. Das ist aber ein Problem des Schnitts. Wahrscheinlich hätte ich an der Stelle lieber WONDERSTRUCK mit einem Preis geehrt gesehen, und in einer anderen Reihenfolge, das wär’s aber auch schon. Kein anderer Film hat so sehr mit den Möglichkeiten des Kinos gespielt und eine echte Wundertüte an Eindrücken zusammengestellt, wie dieser. Mit Ed Lachman dann auch noch darüber reden zu dürfen, war eins der absoluten Highlights, und er hat uns wunderschöne Setfotos von seinem privaten Dropbox-Account zur Verfügung gestellt! Ein allzeit bereiter Bildmagier, durch und durch. Noch zurückhaltender und bescheidener ist wohl nur Mikhail Krichman gewesen, der im Interview aber dermaßen aufgetaut ist, dass er um weitere Fragen bat, als mein Zeitfenster abgelaufen war. Wegen solcher Menschen komme ich jedes Jahr wieder, denn sie gießen ihre Seele in ihre Arbeit, und manchmal ist es einfach nötig ihnen zu sagen, dass das aus ihren Filmen heraus leuchtet und einem das Herz erwärmt.

                        Darüber hinaus fehlten mir Filme im Wettbewerb, die ich für eine sichere Bank gehalten hatte, wie etwa BLADE RUNNER 2049 oder THE SHAPE OF WATER (der zwar gezeigt wurde, aber nicht Teil des Wettbewerbs war). Weiß der Geier an welchem Verleihgedöns das wieder gescheitert sein mag, denn zweifellos hatte die Festivalleitung die genauso auf dem Schirm, wie ich. Man kann sicher sein, dass irgendein Business-Kasper dafür verantwortlich ist, wie eigentlich immer in solchen Fällen, was sehr ärgerlich ist.

                        Ebenso ärgerlich fand ich hingegen einmal mehr, was für Ausfälle es in den Wettbewerb bzw. Programm geschafft haben, zu dem für mich vor allem der erste Publikumspreisträger gehört. THREE BILLBOARDS wird seine Freunde finden, aber dessen empathie- und konsequenzloser Umgang mit Gewalt kann mir gestohlen bleiben, und was daran dann lustig sein soll, ist und bleibt mir (hoffentlich) schleierhaft. Jedenfalls will ich nicht in einer Welt leben, wie sie dort gezeigt wird, wobei sie eigentlich das Trump’sche Amerika perfekt widerspiegelt - nur wieso finden das so viele als Film lustig? Eine beängstigende Doppelmoral, die angesprochen gehört. Ich bin mal sehr auf die Diskussionen dazu hier nach dem Deutschlandstart gespannt.

                        Ach ja, hier noch die vollständige Liste der Gewinnerfilme: https://camerimage.pl/en/laureaci-camerimage-2017/

                        Meinen ausführlichen Festivalbericht gibt es dann wieder in der Januar/Februar-Ausgabe von Film & TV Kameramann, zusammen mit den ersten Interviews, vermutlich das von John Toll und einem weiteren.

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                        • über Wind

                          Camerimage 2017 - #13

                          Segler dürften bei diesem Film feuchte Hände kriegen, aber man muss keiner sein um diesem handwerklich und dramaturgisch einwandfrei gemachten Film etwas abgewinnen zu können. Heldenreise-Streifen funktionieren schließlich in so ziemlich jedem Umfeld, wenn man es clever anstellt, und dieser gehört dazu. Ein Erfolg wurde er zwar nicht, brachte aber John Toll’s Karriere zum Durchstarten, nachdem er sich die erste Zeit die Seele aus dem Leib gekotzt hat. Habt ihr mal versucht auf einem Ruderboot auf einem stillen See zu filmen? Da wird einem schon schlecht, wenn der Körper die Wellen austariert, die Augen an der Kamera jedoch den Horizont - Sekundenbruchteile später ist man seekrank und spuckt das Mittagessen über die Reling, und wenn man Glück hat, dann tut man das mit dem Wind. Aber auf einer Hochseeyacht (oder wie auch immer diese Sportsegelboote heißen mögen, ich bin wie gesagt kein Experte), bei voller Fahrt? Da lernt an all seine inneren Organe kennen, wenn man sie der Reihe nach vor Augen hat. Fantastische Bilder hat Toll da eingefangen, und da er diesen Dreh überlebt hat, ist es kein Wunder, dass ihm seitdem nichts mehr aus dem Gleichgewicht bringt.

                          Die Vorführung erfolgte einmal mehr von einer 35mm Kopie, nur tat sich der Vorführer mit der richtigen Objektivwahl schwer, überbot sich dann aber im “elliptischen Überblenden” der einzelnen Akte, wo schon mal frühzeitig in eine Dialogszene reingegrätscht wurde, um dann noch ein paar Meter Vorlauf der nächsten Spule begutachten zu dürfen. So spät im Festival ist das Publikum aber gnädig und nimmt das hin, außerdem bringt das einen Charme ins Kino zurück, der eben nur mit Vorführer möglich ist, selbst wenn der mehr sich selbst vorführt, als den Film.

                          Für mich war es der letzte Film des Festivals, obwohl parallel zur und nach der Preisverleihung noch ein paar Perlen gezeigt werden, aber mich tragen die Winde der Zugfahrt jetzt wieder nach Hause.

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                          • Camerimage 2017 - #12

                            Ist es gut einen Festivaltag übergangslos mit einem weiteren Schlachthausfilm zu beginnen? Ja, vorausgesetzt es ist dieser (denn es lief dieses Jahr noch ein anderen ungarischen Schlachthausfilm auf dem Camerimage, den ich allerdings nicht gesehen habe - der Titel klang zu sehr nach Greenaway - darauf reagierte ich mit einem Cutaway aus meiner Watchlist) - um mit weniger mehr zu erzählen, als der ganze gestrige Film, brauchte BODY AND SOUL exakt nur einen einzigen Schnitt: Wenn man eine Kuh zur Sonne hoch blicken sieht. Das war schon genügend Einfühlungsvermögen, und der Film beschränkt sich auf wenige Momente, die das Grauen dieses Alltags beschreiben. Eine Einstellung war dabei fast identisch in beiden Filmen, nur das Grading unterschied sich maßgeblich.

                            Mist, ich sollte noch einmal anfangen!

                            Denn im Zentrum steht eine Liebesgeschichte, die sehr einfühlsam erzählt wird, und an der höchstens der Altersunterschied stört. Den vergibt man aber gerne, handelt es sich doch bei beiden um einsame Seelen, die nur im Schlaf, in ihrem Träumen von feuchten Hirschnasen Frieden finden. Dort sind sie schweigend im Einklang mit sich, einander und der Natur, Nacht für Nacht. Wunderbar wird erzählt, wie sie langsam herausfinden, dass sie etwas gemeinsam haben. Die Bildkompositionen sind erhaben, manchmal schon zu aufgeräumt, und zum Ende hin hätte der Film die Kürzung von 10 Minuten gut vertragen können, doch da ist man ihm wahrscheinlich schon längst verfallen, denn die Liebe schleicht hier so leise und behutsam durch den Wald, dass man sie nicht stören möchte, indem man ihr zu lange zusieht. Ein zauberhafter Film, und nach WONDERSTRUCK und LOVELESS mein dritter Favorit für dieses Jahr.

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                            • Camerimage 2017 - #11

                              Aus dem Film sind noch mehr Leute rausgegangen, als dem zuvor. Ich glaube es genügt sich den Trailer anzusehen, um zu ahnen warum, und was da auf einen zukommt: https://www.youtube.com/watch?v=asgdM-Cd-Ko Auf die verbrennende Kuh hat mich das trotzdem nicht vorbereitet. So eindrucksvoll bedrückend die Bilder auch sind, der Film führt seinen Zuschauer nirgendwo hin, aber danach bestimmt nicht als erstes zu McDonalds. Und dann hat er ja doch schon was geleistet.

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                              • Camerimage 2017 - #10

                                Ich kann nur jedem raten dem Titel zum Programm zu machen. Es dauerte keine fünf Minuten, bis ich meinen Entschluss bereut hatte, in diesen Regiedebut-Wettbewerbsfilm gegangen zu sein. J. K. Simmons heult und hält sich eine Pistole an den Kopf, bedeutungsschwere Schnitte und es fliegt ein Papierschirmchen durch die Luft, wie es in Drinks steckt. Da wollte ich gehen, traute mich aber nicht, weil kurz zuvor J. K. Simmons mit Popcornbecher und Cola an meinem Sitz vorbei ging und irgendwo kurz hinter mir Platz nahm. Scheiße. Zu meiner Entschuldigung: ich hab genau in dem Saal vor wenigen Jahren WHIPLASH gesehen, das kann doch kein Zufall sein? Vielleicht hätte er mir nur Popcorn an den Kopf geworfen, aber was wenn er mir nachgerannt und sich auf mich gestürzt hätte, weil ich die Gefühle der ebenfalls anwesenden Regisseurin verletzt hätte? Also hieß es Zähne zusammenbeißen und durch. Beißen, hab ich gesagt, nicht klappern! Hab ich schon erwähnt, dass die Regisseurin den Film selbst geschnitten hat? Nein? Ist auch besser so. Sah exakt so aus, wie sie es geplant hatte. Leider. Denn manches, was auf dem Papier sicher clever ausgesehen hat, übertrug sich manchmal bestenfalls mäßig auf die Leinwand. Fast alles wurde im Studio gedreht, was das Kinoerlebnis noch klaustrophobischer machte, als die im Sall gebunkerte, abgestandene, schlechte Luft des ganzen Festivaltages. Der Film war jedenfalls grausig, zum schütteln, und so aufgesetzt künstlich, wie ein früher Studentenfilm. Toll daran fand ich nur, dass Herr Simmons sich die Zeit nimmt sein Talent dem Nachwuchs zur Verfügung zu stellen, das ist lobenswert, aber gelungener als diese ganz miserable Allegorie auf Schrödingers Katze (kein Witz - wird sogar als schlechter Witz auf einer Stand-up-Comedybühne eingeführt). War lange nicht so froh, dass ein Abspann kam, um als der erste nicht mehr vorzeitig das Kino Verlasser gelten zu können. Glaube auch meine(n) Verfolger abgehängt zu haben. W-w-w-waren das Schritte im Flur? Ach so, ich bin ja im Hotel. Dann bin ich ja b-b-beruhigt.

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                                • Camerimage 2017 - #9

                                  Eine Filmkopie! Und der perfekte Film nach dem beschissenen gestrigen Tag. Endlich mal wieder keine digitale Schärfe, keine Perfektion, sondern Dreck im Transportfenster, Kratzer, eingestanzte Überblendzeichen: das volle Programm. Das ist zwar zunehmend nur noch was für Nostalgiker, weil jemand der ohne aufgewachsen ist den Hype darum nicht nachvollziehen kann. Wie auch?

                                  Der Film selbst ist so charmant wie eh und je, ohne je Gefahr zu laufen seine Figuren durch platte Gags zu verraten. Und die Kamera von John Toll rockt das Haus. Bei mit waren es die späten 80er und frühen 90er, aber im Backstage ist ohnehin die Zeit stehen geblieben. Frische fuffzehn war ich auch nicht mehr, und trotzdem war es jedes Mal wieder ein Erlebnis, meinen Stars für ein paar Minuten schlechte Fragen in noch schlechterem Englisch zu stellen. Ein bisschen ist das für mich ja heute wieder so, nur eben mit Kameraleuten, und das der Lärm aus dem Kinosaal nebenan kommt, nicht vom Soundcheck oder der Vorband. Ein Wohlfühlfilm, der mich prompt wieder mit Frances McDormand versöhnt, nachdem ich das Billboard-Desaster überstehen musste.

                                  Einer der besten und schönsten Musik/Konzert/Tourfilme, die ich kenne.

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                                  • über Genius

                                    Camerimage 2017 - #8

                                    Ron Howard shot this first, before Solo. Leider wirkt das alles ein bisschen lieblos und unausgegoren, sehr auf Sicherheit bedacht um ja nicht zu lange über Physik reden zu müssen. Passiert es dann doch, muss es schnell visualisiert werden, was dank Pixelgebrizzel im Bild so fremd und aufgesetzt wirkt, dass es einen aus der Erzählung haut. Dann sprechen die Deutschen Englisch, manche Deutsche Englisch mit deutschem Akzent, umgekehrt imitieren angloamerikanische Darsteller Englisch mit deutschem Akzent, und um es noch eine Idee verwirrender zu machen, sprechen deutsche Polizeibeamte im Feuergefecht untereinander - nun ja - Deutsch? Also was denn jetzt? Im Bild jagt eine Flare die nächstkleinere aus dem Bild, und Lichtstrahlen stechen im Gegenlicht durch den Trockeneisnebel, wenn Einstein mal wieder eine Tafel vollschreibt - was schlaue Leute eben so machen, wenn sie keine Fensterscheibe zur Hand haben. Uff. Das macht es einem schon ziemlich schwer überhaupt in die Erzählung zu finden, die obendrein im Piloten zwei Zeitebenen miteinander verknüpft, den jungen Einstein, der sich gegen seinen Vater behaupten und an einer Universität in der Schweiz aufgenommen werden will, um aus München heraus zu kommen, sowie dem älteren Einstein, der sich im Berlin kurz vor der Machtergreifung um eine Ausreise in die USA bemüht. Außerdem wird er wenig überzeugend als Schürzenjäger eingeführt, wobei Geoffrey Rush das deutlich schwerer vermittelt, als Johnny Flynn, der hier auf mich sehr wie ein jüngerer Bruder von Oscar Isaac wirkt. Richtig warm werden konnte ich damit unterm Strich nicht, dafür ist das Erzähtempo einfach zu schnell, wie es Stationen abhakt, die Dialoge wirken zu pädagogisch, und bei den Kulissen fragte ich mich, ob das vielleicht die gleichen sind wie bei Babylon Berlin (was ich noch nicht gesehen habe)? Wenn nicht, könnte man sich ja mal über ein Kostüm-, Darsteller- und Bautentauschsystem Gedanken machen. Fazit: Eine Idee zu formelhaft (kicher).

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                                    • Camerimage 2017 - #7

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                                      Eine Tochter wird vergewaltigt und ermordet, was sieben Monate zurück liegt, und der Vater trennt sich danach von seiner Frau, um mit einer Jüngeren zusammen zu sein, die seine Tochter sein könnte? WTF? Das wird einfach so hingenommen. Merkwürdige Trauerarbeit. Peter Dinklage muss Zwerg-Witze ertragen und sogar selber machen (Die “Ich muss mal eben für kleine Jungs”-Liga - nein, nicht im übertragenen Sinne, sondern wörtlich! Ha, ha, ha!), Schwanzwitze mit Oscar Wilde bei der viel zu jung besetzten Gattin von Woody Harrelson, es findet Selbstjustiz vor den Augen von (und verübt durch) Polizisten statt, die nur mit einer Suspendierung geahndet wird, und massenhaft weitere hanebüchene Wendungen, von denen eine schlimmer als die andere ist. Die zunehmend brutalere körperliche Gewalt wird immer auf Komik hin getrimmt, selbst wenn jemand in einem Feuer umzukommen droht, weil der ist ja so doof, dass er nicht mal merkt, wenn hinter ihm die ganze Fassade brennt und bereits alle Wände um ihn herum die Flammen widerspiegeln. Hallo? Und wer eine Auflösung erwartet, ist ohnehin im falschen Film. Das hat mich da aber schon lange nicht mehr interessiert, ich wollte nur, dass es bitte endlich vorbei ist.

                                      Gibt es etwas, das den Film noch schlechter hätte machen können? Ja, und das ist die bitterste Pille von allen, denn zum ersten Mal in den 18 Jahren die ich auf dieses Festival gehe, hat das Publikum total versagt und jeden blöden Gag und Oneliner beklascht und gejohlt, als hätten sie nie besseres gehört oder gesehen. Ich bin innerlich erstarrt und hab irgendwann nur noch ungläubig mit dem Kopf geschüttelt. Es wäre einfacher, wenn es umgekehrt wäre, und nur ich den Witz dieses Films nicht “verstehe”. Nur gibt es da nichts zu verstehen. Selbstjustiz bleibt Selbstjustiz, und wenn die Sprüche auf dem Lippen dabei noch so locker sind. Der Film ist seiner Darsteller unwürdig und mir wird bewusst, dass ich an diesem Tag womöglich jener Wende beigewohnt habe, an der aus dem besten Filmfestival und -publikum der Welt etwas wird, was ich nie für möglich gehalten hätte: Durchschnitt.

                                      EDIT: Dem Applaus-o-Meter nach hat der Film aber gute Chancen auf den ersten Audience-Award. Dann kotz ich im Strahl.

                                      EDIT-EDIT: Kacke.
                                      (aka Strahlkotze)

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                                      • Camerimage 2017 - #6

                                        Jetzt beginnen die Filme aufeinander zu antworten. Ist eben noch in LOVELESS ein Kind von zu Hause weggelaufen, sind es in WONDERSTRUCK gleich zwei, und man wünscht sich, dass es dem gleichaltrigen russischen Jungen ähnlich ergehen möge, wie dem tauben Mädchen 1920 und dem Jungen 1977.

                                        Was Haynes und Lachman hier hinbekommen, ist ein ästhetisches Fest für die Sinne, mit dem sie sich selbst übertroffen haben. Ein Film, der einen sprachlos vor Begeisterung zurück lässt, ich war aufgewühlt und im innersten berührt von dieser Geschichte, und vor allem dem wie sie erzählt wurde. Die beiden ziehen alle Register, und was da an Kaninchen aus dem Hut gezaubert wird, hoppelt mir noch immer fröhlich durch den Kopf. Über große Strecken funktioniert WONDERSTRUCK wie ein Stummfilm, aber zu entdecken gibt es weit mehr, was auch dem mutigen Schnitt zu verdanken ist, der einem schon gleich zu Anfang einer Assoziations- und Erinnerungskette eines 12jährigen beiwohnen lässt, ohne dass die Zeitsprünge darin erklärt würden. Und von da an wird es nur noch schöner, mehr will und kann ich nicht verraten, ich bezweifle sehr, dass ich dieses Jahr noch etwas schöneres zu sehen bekommen werde. Seht ihn euch an, wenn ihr ein Herz habt, werdet ihr es nicht bereuen. Ein Wunder von einem Film, der tatsächlich das Kind in einem aus langem Schlaf erweckt, wie es Ben mehrfach im Film widerfährt, und so ähnlich hatte es Lachman zu Beginn der Vorführung auch als Absicht hinter dem Film formuliert. Das ist diesem Team gelungen, und ich bin lange, lange, lange nicht mehr so glücklich aus dem Kino gekommen (obwohl ich einen kurze Sequenz lang geglaubt habe, Ben könnte gleich in Maggie Gyllenhaal oder James Franco laufen … so viel Synchronizität war dann aber doch nicht)

                                        Das Publikum spendete auch begeisterten Applaus, jenes Publikum, das mich noch nie enttäuscht hatte, über das ich noch nie Zweifel hegte, das ich stets verteidigt habe - bis ich später am Abend in THREE BILLBOARDS OUTSIDE EBBING, MISSOURI ging (dort weiterlesen, wen es interessiert)…

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                                        • Camerimage 2017 - #5

                                          Nach dem Film hatte ich das Bedürfnis mir ein altes Lied von Sting aus den Tagen des kalten Krieges anzuhören, um etwas Wärme in diese Bilder zu bekommen, dabei arbeitet Krichman sehr viel mit Farbe, aber eben auch viel im Dunkeln, beides jedoch mit einer atemberaubenden Meisterschaft. Zurückhaltende, stets einfühlsame, ja zärtliche Bilder, die weitaus geduldiger mit den Menschen in ihnen umgehen, als diese miteinander. Das zwingt zum Hinsehen, und wer sich dabei langweilt und lieber auf dem Handy durch irgendeine Timeline scrollt, verpasst wie die angeblich erwachsenen Charaktere auf der Leinwand das Gleiche tun. Spätestens hier sollte dem Letzten klar geworden sein, dass das, was wir hier beobachten, kein rein russisches Phänomen ist, sondern ein globales, in dem selbstverliebte Egoisten mit der Aufmerksamkeitsspanne eines Weingummis Kinder in die Welt setzen, die sie nur als Störfaktor wahrnehmen. Der Film erspart einem glücklicherweise dem Leid des Kindes endlos beiwohnen zu müssen, lässt uns dann aber leider mit seinen Eltern allein, die offenbar dazu verdammt sind ihre Fehler zu wiederholen, weil sie selbst nur ungeliebte Kinder liebloser Eltern sind. Das klingt sehr nach Küchenpsychologie, die von manchen Dialogen und Geständnissen gestützt wird, aber da muss man gar nicht zuhören, sondern es genügt in den Kompositionen und dem so natürlich wirkendem Licht der Bilder zu schwelgen. Schon die Suche nach den verlorenen Kindern gibt hier einigen Menschen wieder einen Sinn im Leben, die freiwillig dort einspringen, wo der Staat in endloser Bürokratie versandet, und daran kann man sich überall auf der Welt ein Beispiel nehmen, denn das ist immerhin "nicht nichts".

                                          Sting: https://www.youtube.com/watch?v=wHylQRVN2Qs
                                          AMK: https://www.youtube.com/watch?v=FiY2wMlHV9Y

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                                          • Camerimage 2017 - #4

                                            Leider sehr viele Talking Heads, was aber zu erwarten war. Verspüre die Notwendigkeit einen zentnerschweren s/w Fotoband mit Bildern von Mifune und Kurosawa anzuschaffen - daran konnte man sich gar nicht satt sehen, so toll waren die. Der heimliche Star des Films ist der Stuntman/Choreograph, der laut Einblendung über 100x von Toshiro Mifune getötet wurde (und dem davon bis heute ein kleines Pflaster am rechten Unterarm klebt).

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                                            • Camerimage 2017 - #3

                                              WHIPLASH mit Nonnen, nur dass ... verrate ich nicht. Melissa Leo ist fanatisch gut, wie überhaupt der ganz toll fotografierte Film. Auch Julianne Nicholson glänzt wie gewohnt in ihren wenigen Szenen, und Margaret Qualley trägt das ihre dazu bei und bewirbt sich einmal mehr als überzeugende Leinwanderbin Isabelle Adjanis. Allerdings ist es für jemanden, der sie in THE LEFTOVERS gesehen hat höchst befremdlich, dass ausgerechnet ihr dortiger Filmbruder Chris Zylka in den Rückblenden ihren Vater spielt. Nehmt jemanden ins Kino mit, dessen Hand ihr bei Bedarf drücken könnt.

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                                              • Camerimage 2017 - #2

                                                Sich spontan doch noch für einen anderen Film zu entscheiden als geplant erweist sich einmal mehr als Glücksfall. Ein beobachtender, begleitender Blick in sechs Wochen Polizeialltag im Jahre 1968, mit nur dreiköpfigen Team 80000 Fuss Film belichtet. Und Wiseman arbeitet heute immer noch so! Es gibt keine Talking Heads, keinen Kommentar, nur ungefilterten, ungeschönten Alltag, der einem zunehmend unter die Haut geht. Gegen Ende gibt es dazu als maximalen Kontrast einen kurzen Ausschnitt aus einer Wahlkampfrede von Richard Nixon, und das Ganze erscheint nicht nur in einem völlig anderem Licht, sondern heute wieder so aktuell wie damals. Das Bild von dem Pfeife rauchenden Polizisten, der neben sich ein weinendes, einjähriges schwarzes Mädchen tröstet, während die beiden unangeschallt (weil noch in keinem Auto verbaut) zur Wache fahren, werde ich nie wieder los. Was auch daran liegen könnte, dass man sich den Kameramann auf dem Beifahrersitz auch noch dazu denken muss.

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                                                • Camerimage 2017 - #1

                                                  Der Film lässt mich ein bisschen ratlos zurück. Es fühlt sich im Nachhinein ein bisschen so an, als hätte er eigentlich eine Miniserie sein wollen, und dann wäre er seinem eigenen Stoff gerechter geworden.

                                                  Es beginnt mit einem angenehmen Erzähltempo, die Prämisse wird behutsam an den Zuschauer gebracht, man wohnt gebannt erst dem Überzeugungs- und dann dem Verkleinerungsprozess bei, die Welt wird toll gezeichnet, es gibt viel zu entdecken und dann zieht das Erzähltempo an und der Film wechselt mehrfach die Themen, von unmotiviert bis überambitioniert. Käme das nicht so mit dem Holzhammer (bzw. Holzbein), sondern so ruhig wie der Anfang, hätte diese Geschichte mehr Gewicht.

                                                  So fühlt man sich am Ende ein bisschen wie der Betrunkene an der Bar, der dem zur Verkleinerung anstehenden Paar seine Meinung geigt. Dort und an vielen anderen Stellen ahnt man, wie viel bei der verkürzten (ha ha) Erzählzeit über Bord ging.

                                                  Und Waltz? Spielt eine Variation seiner bisherigen Hollywood-Rollen. Das ist so witzig wie beklagenswert.

                                                  Unterm Strich hat mich der Film trotzdem gut unterhalten, das liegt aber wie gehabt auch an dem fantastischem Publikum, mit dem man einfach alles ertragen kann.

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