jp@movies - Kommentare

Alle Kommentare von jp@movies

  • (seufz) Kann bitte mal wenigstens einer/r hier allein auf die Idee kommen eine leidenschaftliche Verteidigung des Films zu schreiben, anstatt nur eine gegenteilige Meinung zu diskreditieren oder die Autorin persönlich anzugreifen? Dazu müsste man vielleicht auf die vorgetragenen Punkte eingehen, und auch wenn es viele nicht glauben wollen, das geht. Ein trotzig vorgetragenes "DOCH!!!" mag ja im Kindergarten funktionieren, aber wenn unsere Debattenkultur auf dem Niveau verharrt, dann gute Nacht. Kleiner Tipp: Akzeptieren, dass es andere Sichtweisen als die eigene geben kann, sowie den Gedanken zulassen, dass das tatsächlich geht - eine andere Meinung zu etwas zu haben, als eure. Dann Schaum vorm Mund abwischen und alles noch mal lesen, ohne sich dabei von seinen Emotionen das Oberstübchen in Geiselhaft nehmen zu lassen. Es winkt auch eine Belohnung: die Welt wird größer. Oder man selbst darin kleiner. Beides halte ich für einen Gewinn.

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    • Für eine "down to earth" Inszenierung spricht jedenfalls auch die Wahl des Kameramanns für den Piloten: Andrij Parekh. Ihn kennt man von Indiefilmen wie "Blue Valentine" oder Serien wie "Show me a Hero". Und wenn ich jemandem auch sofort beim Scheitern zugucken würde, dann Lindelove (sic). Von den Bibelanspielungen sollte man sich nicht in die Irre führen lassen, sonst wird man nur von Löwen gefressen. Wobei ... eine Bibelverfilmung von ihm würde ich mir auch sofort geben ^^

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      • Wunderbar geschrieben, Jenny! Den Film kann man übrigens jederzeit legal in der restaurierten Fassung in HD und O-Ton mit englischen Untertiteln auf youtube ansehen: https://www.youtube.com/watch?v=-3ZkD_tyBAY (auch so kann Kulturflatrate* aussehen)

        * wenn ihr auf den Geschmack kommt, dann findet ihr dort noch reichlich weitere Perlen des polnischen Kinos, unter anderem jene, aus dem diese klassische Szene stammt: https://youtu.be/IkEf42l6vo4?t=13m48s - Viel Vergnügen beim Stöbern!

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        • Prima, mit dem Absatz über Schwenks bei Ulrich Köhler hast du eben erfolgreich Patrick Orth auf meine Interview-Wunschliste gesetzt. Danke sehr ^^

          Und noch ein Dankeschön für die zwei Wochen Rundumwohlfühlartikel aus Frankreich - das war wie jedes Jahr ganz großes Lesekino!

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          • Ach Terry, Jenny bestätigt meine Befürchtungen, die dem Abgesang auf deine einstige Größe eine weitere Strophe hinzufügen. "Tideland" hatte mir noch Hoffnungen auf den Beginn eines Alterwerks gemacht, in dem das phantasievoll Überbordende der erzählerischen Präzision weicht, die sich in Bescheidenheit übt und niemandem mehr etwas beweisen muss. Stattdessen scheint jeder weitere Film krampfhaft einen jugendlichen Überschwang beschwören zu wollen, dem die einstige unverschämte Leichtigkeit und verspielte Unbeschwertheit abhanden gekommen ist.

            Trotzdem werde ich den Film gucken, wie man den überflüssigen Adjektiven des vorhergehenden Absatzes entnehmen kann, aus denen die Sehnsucht einer enttäuschten Liebe sprudelt. Ich erwarte keinen Jungbrunnen darin zu finden, aber die Genugtuung der Durchquerung einer Wüste ohne Wasser, allein mit Sturheit beigewohnt zu haben.

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            • "(...) während Depp für die Rolle des Unsichtbaren vorgesehen war" - wie jetzt, ist der Method-Actor am Set verloren gegangen, oder was? Respekt ^^

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              • "When filmmakers with brand allegiance to celluloid deride digital acquisition as having a recognizably bad video look, they're absolutely right in describing a survey of what they've seen in the past. But the reason they're right is not the reason they often proffer, which is that film enjoys some sort of magical privilege that digital is perpetually barred from. It's simply because many filmmakers today who use digital formats unquestioningly accept the standard methods of display preparation which are rooted in video engineering and not photographic richness. The two recognizable looks being compared (the "film look" and the "video look") are merely the most stereotypical of pre-packaged display recipes for each camera-type, not mutually exclusive attributes enforced by the camera or film-stock brands."

                Steve Yedlin, http://yedlin.net/OnColorScience/

                Unterm Strich geht's halt nur um Mathe, und wie früher in der Schule gibt's halt immer noch welche, die ihre Hausaufgaben nicht machen wollen oder nur von anderen abschreiben. Darüber hinaus ist am Ende alles nur Werkzeug, und davon steht heute so viel zur Auswahl, dass man das Motiv vor lauter Technik nicht mehr zu Gesicht bekommt.

                Der diesbezüglich aktuell heißeste Scheiß hört übrigens auf den Namen LiveGrain und simuliert die getrennten Farbschichten von Filmmaterial so perfekt, wie noch keine Software zuvor, so dass selbst Leute die auf Film schwören (wie Ed Lachman) den Unterschied nicht mehr wahrnehmen: https://filmmakermagazine.com/103145-color-grading-film-and-digital-for-wonderstruck/

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                • Sind eigentlich bei "Sense8" auch Fördergelder geflossen? Und wie sieht es mit Amazon aus, die profitierten ja bei "You are wanted" auch nicht schlecht (Quelle: https://www.medienboard.de/infothek/aktuelle-meldungen/aktuelles/News/detail/News/berlin-brandenburg-im-serienrausch-drehstart-fuer-medienboard-gefoerderte-1-deutsche-amazon-serie-y-1/ ) - zahlen die denn brav in die Fördertöpfe zurück?

                  • Der Trailer hat den Charme einer Checkliste, das lässt Böses ahnen und mich das Drehbuch fürchten. Die Konzerte und Outfits sind zwar bis ins Detail nachgestellt, bleiben aber dennoch das Gänsehautgefühl beliebiger Original-Clips auf youtube schuldig. Ich sehe da nichts, was mich annähernd so bewegen würde, wie diese Band damals. Ich meine, vergleicht doch mal selbst: https://www.youtube.com/watch?v=aA2IRoPFIn0

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                    • Verzeihung, aber der Trailer nimmt doch schon alles wesentliche vorweg? Wer einigermaßen mit von Trier vertraut ist, braucht den Film schon nicht mehr sehen. Es gibt Flashbacks aus der Kindheit (im Film sicher noch weitere), die Gleichgültigkeit des Universums und der Mitmenschen, sowie einen weiteren "Gott-Moment", der es diesmal im richtigen Moment regnen lässt. Gut und Böse, alles eins. Schulterzuck. So gerne ich Matt Dillon sehe, zweieinhalb Stunden Nihilismus nehme ich dafür nicht in Kauf.

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                      • Kommentar-Gold! Im Auge des richtigen Betrachters kann aus allem Unterhaltung werden - da ziehen sich die Transformers mit Schamesröte auf den ... äh Kotflügeln in ihre güldene Alchemistenküche zurück, um weiter nichts als Mist in Kot zu verwandeln.

                        Vielen Dank für diese Perle, ich rutsch direkt mal auf's Profil rüber und werd nach ein bisschen Stöbern wohl ne Anfrage dort lassen.

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                        • "Hypes werden hier geboren werden", "Je keiner die Filme, so fas Gefühl" ... ein Anfall von Müdigkeit schleppt sich vor unser Augen stolpernd zum "veröffentlichen"-Button. Gönn dir ne Mütze voll Schlaf in der nächsten overhyped-Vorstellung und genieß das Festival ein bisschen. Wir können warten (und uns in der Zwischenzeit ein Kristen-Stewart-winke -gif ergooglen).

                          Was heißt denn "powernap" auf Französisch? Petit somme au pouvoir?

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                          • Ekliger Erfolg? Heuschrecken? Verachtung? Schlachtplatte? Probleme habe ich mit der Sprache, das hat nichts mehr mit Polemik oder Überspitzung zu tun. Das finde ich richtig bedenklich und von einem nüchternen Diskurs weiter entfernt, als die Weltraumeskapaden im MCU. Können wir bitte auf dem Boden (dieses Planeten) bleiben?

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                            • jp@movies: Film & TV Kamera 09.05.2018, 19:48 Geändert 09.05.2018, 19:56

                              Meine größte berufliche Heldin ist von uns gegangen, ehe ich das Glück gehabt hätte ihr noch persönlich bei einem Interview begegnen zu dürfen. Das stimmt mich traurig, denn ich war jahrelang Fan von ihrer Arbeit, ohne es zu wissen - was ich an der Montage von "The Elephant Man" am meisten schätzte, war ihre Idee gewesen, nicht die von Lynch. Soderbergh wäre vielleicht nie so als Regisseur noch einmal durchgestartet, wenn er nicht mit ihr gearbeitet hätte, und und und. Bei all dem war sie bescheiden und hat von einem der Größten gelernt und durch "Zufall" einen der vielleicht berühmtesten Schnitte der Filmgeschichte entdeckt, als sie bei "Lawrence of Arabia" auf die eigentlich geplante Überblendung verzichteten. Das muss man aber erstmal sehen. Sie war eine der ganz Großen, und der Ehrenoscar letztes Jahr überfällig: https://www.youtube.com/watch?v=jIuC4RSlJxI

                              Eine großartige Frau, ein Vorbild und Inspiration für alle, die sich am Filmemachen versuchen. Lest und guckt Interviews mit ihr, hört Kommentarspuren und haltet sie in Ehren. Mach's gut, Anne, vielen Dank für alles!

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                              • Ich werd's nie verstehen, und es wird mich immer wieder auf die Palme bringen, dass sich die Gittis dieser Welt nachweislichen Arschlöchern stets weiter an den Hals werfen, anstatt ihre Sachen zu packen und sie in deren selbstauferlegten Elend alleine weiter verschimmeln zu lassen. Dieser Chris ist ein widerlicher, verwöhnter Saftsack, der auch dann vor Glastüren rennt, wenn gar keine da sind, oder welche sieht wo ihm gerade ein Fenster geöffnet wurde - denn Gitti hat den Durchblick. Außerdem weigere ich mich zu akzeptieren, das die Minichmayr eine Figur spielt, die länger als eine Stunde an dessen Seite durchhalten würde. Mit vertauschten Rollen hätte ich es vielleicht besser gefunden, dann aber genauso spätestens ab der Mitte des Films mit dem Impuls abzubrechen gekämpft - da habe ich schon den Fernseher angeschrien um mir Luft zu machen.

                                Und dann kam das andere bekloppte Langweilerpärchen dazu.

                                Da blieb mir nur noch das Imaginieren multipler alternativer Schlusseinstellungen, ins Gesicht gekippter Drinks und Ohrfeigen inklusive, um mich über die Ziellinie des Abspanns zu schleppen.

                                Nee, echt nicht, nein. Diese jammerlappenhaften Deutschen sind unerträglich. Jeder Eric Rohmer Film hat mehr Tiefe und vor allem sympathischere Menschen - selbst in ihrer Fehlbarkeit, aber Typen wie Chris möchte ich nur von der Klippe in Sardinien schubsen. Die Inszenierung ist super, aber diese Leute verdienen nicht zwei Stunden meiner Aufmerksamkeit, wenn sie sich dabei höchstens millimeterweise entwickeln. Schauderhaft. Vielleicht kann ich ja was mit "Der Wald vor lauter Bäumen" anfangen, der fehlt mir noch ...

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                                • Kleiner Bonustrack zu eurer tollen Sammlung:
                                  https://vimeo.com/171101535

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                                  • Sie: I never could stand a man who was one of those, "remember-whens." Those bitter guys that just sit around thinking about old times. If I ever see that happen... I'm going right out the front door. And you'll never catch me.

                                    Er: I'm a fearless man, but I'm scared to death of you.

                                    Sie: No, you're not. But you ought to be.

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                                    Diesen vielleicht schönsten Dialog einer lebendigen Ehe übersah ich als Jugendlicher in dieser ausufernden Wundertüte von einem Film, der so reich an großartigen Bildern ist, dass man sich gar nicht alles merken kann. Um so mehr staune ich beim Wiedersehen als Erwachsener, denn jetzt kenne ich alle Darsteller, deren geballte Jugendlichkeit von heute aus gesehen beinahe etwas beängstigendes hat - einzig Scott Glenn sah damals schon alt aus. Doch, doch, und das bitte sehr an der Seite von Lance Henriksen! Das ist schon eine beachtliche Leistung :)

                                    Mist, ich wollte doch bei den überlebensgroßen Bildern von Caleb Deschanel bleiben, die bei einem Quartett ikonischer Szenen so viele Stiche machen würden, dass einem davon so schwindelig wird wie einem Testpiloten, dessen Maschine sich im Absturztaumel befindet. Damit meine ich nicht überästhetisiert muskulöse Männer in Untersicht, Gegenlicht und Zeitlupe (schauder), wie sie der deutsche Verleihtitel leider suggeriert, sondern die durchweg nüchternen, schlicht gehaltenen, schön komponierten Bilder. Die einzigen Zeitlupen stammen aus den dokumentarischen Aufnahmen der Raketenstarts, in die sich die inszenierten Szenen nahtlos einfügen (dafür gab's zu Recht einen Oscar), ohne es digital machen zu müssen, wie in "Forrest Gump". Dafür gibt es viel magische Stunden. Drei, um genau zu sein.

                                    Der Film hatte für mich damals zu früh aufgehört, denn ich wollte unbedingt noch weiter mit diesen Jungs bis zum Mond fliegen. Darauf spielt der Film übrigens wunderschön an - es ist einer der stillsten und vielleicht schönsten Momente, wenn der zwischenzeitlich vom Film vergessene Sam Shepard vor der Wüstenkaschemme steht und hinauf zum Nachthimmel blickt. Mehr braucht es nicht. Das weiß ich jetzt. Dafür erschließen sich mir jetzt obendrein unzählige Nuancen, die diesen Helden Erdung verleihen, allen voran die Gattinnen, mit deren Horror in Gestalt eines Schwarz tragenden Nachrichten-Überbringers der Film beginnt; oder die Ehefrau in der fensterlos gefilmten, einengenden Wohnung, wo weder Wasser noch Strom fließt, und beim Überschallknall die Bilder wackeln, ihr späterer Blick auf den Gatten, der lachend das verbrannte Würstchen vom Grill in die Luft hält; oder die fantastische Sequenz, in der Vizepräsident Lyndon Johnson nicht das bekommt, was er sich einbildet, sich eine Ehe als stärker erweist als die Karriere als lebensmüdes Versuchskaninchen, und sich die zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammen gewachsenen Männer gegenseitig den Rücken frei halten. Gegen eine solche Astronauten-Gewerkschaft kann keine noch so hohe Autorität anstinken.

                                    Denn der Film erzählt auch vom erwachsen werden dieser "Flyboys", die bei der wunderschön anzusehenden Herz, Nieren und Verschlussmuskel prüfenden Montage das Schwanzvergleich-Niveau ewig pubertierender Jungs langsam hinter sich lassen. Wunderbar, wie lässig die Schwester Dennis Quaid mehrfach auflaufen lässt, dessen Arsch schlagartig auf Grundeis geht, wenn für seine Eignung unerwartet ein Gespräch mit seiner Ehefrau gefordert wird. Da vergeht ihm das einzige Mal im Film sein an Radioaktivität grenzendes, total verstrahltes Lächeln - Pennywise meets the Joker, sach ich nur.

                                    Noch mehr im Saft des Jungbrunnens steht allerdings Ed Harris, dessen Hormonpegel ihn hier niemals auch nur müde aus der Wäsche gucken lässt. Dabei umgibt ihn noch eine schon ans Abstoßende grenzende Streberhaftigkeit eines kaltduschenden Frühaufstehers, dem alles im Leben viel zu leicht, oder gleich von selbst in den Schoss fällt. Wäre das nicht durch seine rührende Ehe ausbalanciert, könnte man ihn auf der Leinwand kaum ertragen (und er kann ja nichts dafür, dass er mich ganz unironisch an einen ehemaligen Arbeitskollegen erinnert, der mich mit einer ähnlichen Art innerlich auf die Palme gebracht hat - für mehr diesbezügliche Hinweise möge man Brad Pitt's Figur in "Burn after Reading" studieren). Und dann gibt es da noch die unkommentierte, nicht von ungefähr an Peter Weir erinnernde Glühwürmchen im Weltraum Szene - wer es weniger mystisch mag, möge bitte hier weiterlesen: https://www.universetoday.com/82211/the-mystery-of-john-glenns-fireflies-returns/

                                    Apropos Glühwürmchen: Um nur eine einzige Szene zu verlinken, ist es eine, die den selbstironischen, reflektierten Geist dieses Films perfekt verkörpert, und obendrein den schönsten ersten Filmsatz in der Karriere von Jeff Goldblum beherbergt: https://www.youtube.com/watch?v=1dSkX9VySOI

                                    Den deutschen Raketen-Wissenschaftlern begegnet man übrigens in einer weiteren Schlüsselszene wieder, wenn sie davon "überzeugt" werden, ihrem Gefährt doch bitte noch Fenster und Notausgang hinzu zu fügen, einschließlich eines markengerechten Auftritts, eben Kapitalismus in a Raumkapsel. Die Verhandlungen mit den Schimpansen dürften sich als im Vergleich einfacher erwiesen haben; die Montage allerdings, in der sie gegeneinander geschnitten werden, bringt die Affigkeit des männlichen höher, schneller, weiter brillant, leise und lustig auf den Punkt.

                                    Der "Stoff" aus dem Helden sind, ist eben keine körperliche Überlegenheit, sondern eine Geisteshaltung, wie sie im eingangs zitierten Dialog anklingt, der in Barbara Hershey und Sam Shepard eins der schönsten Leinwandpaare gefunden hat, das man sich vorstellen kann. Zwischen Sonne (oben) und schwarzer Rauchsäule (unten) liegt ein schwindelerregender Flug, den wir Leben nennen, bei dem man auch schon mal die Kontrolle über die Maschine, oder wenigstens die Orientierung verlieren kann - There was a demon that lived in the air.

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                                    • Jenny in the Indo-rap-tor flow like: https://www.youtube.com/watch?v=5VzZi-YrkRY

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                                      • Diese ... Schmerzen. Wenn es wenigstens ein alternativer Plot wäre, der in der Medienbranche spielt, z.B. jemand der für die dpa oder ähnliche Agentur Meldungen schreibt, die kritiklos von allen Medienhäusern übernommen werden und sich schleichend zu einer gleichgeschalteten Propagandamaschine entwickeln, immer die gleichen Gäste in die Talkshows einladen, die trotz unterschiedlicher Themen nur über eines sprechen, das meist gar nicht im Titel vorkommt. Oh. Upsi. Aber ja, walzt einen pädagogisch hochgewürgten Zeigefinger nochmal als Serie aus. Passend zum Titel übergibt man sich ja auch in Schüben.

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                                        • Himmel, wie konnte ich diese Serie komplett vergessen?
                                          https://www.youtube.com/channel/UCVM-rLkcehiZXE_RvdI1ZUQ
                                          "What's your point?"

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                                          • Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, so lange die Fans sich zu Wort melden und - wie schon bei Sense 8 - eine Petition starten: https://www.change.org/p/netflix-netflix-renew-everything-sucks

                                            Vielleicht bekommt die Serie so noch einen "würdigeren" Abschluss, als dieses vorzeitige Aus. Denn bei allem Gerede von wegen "Wirtschaftlichkeit", kann bei einer vergleichsweise kostengünstig produzierten Serie wie "Everything sucks!" nicht die Rede sein; die Zuschauerzahlen können sich schließlich auch erst langfristig entwickeln, und wenn man ausschließlich nach dem Gießkannenprinzip produziert, dann aber bei 50% den Stecker zieht, ist vor allem die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass man immer mehr Zuschauer gegen sich aufbringt. Selber schuld. Daran merkt, man, dass Netflix noch nicht so lange im Geschäft sind, wie etwa HBO. Obwohl ... die haben "Togetherness" halt nach der zweiten Staffel abgesetzt ... hm, ach, äh, Mist.

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                                            • jp@movies: Film & TV Kamera 31.03.2018, 14:53 Geändert 03.04.2018, 11:38

                                              Jenseits von Oscars, Plagiatsvorwürfen (hat hier schon jemand die Katze und den Flur mit den zwei Türen im 90 Grad Winkel aus "Inside Llewyn Davis" erwähnt?) und nicht erfüllter hoher Erwartungen, würde ich mal gerne auf ein paar andere vernachlässigte Aspekte des Films zu sprechen kommen wollen. Die Zutaten sind nämlich eigentlich perfekt, vom Drehbuch über die Besetzung bis hin zum Personal hinter der Kamera, nur ließen Budget und Drehzeit zu wünschen übrig - was man meiner Meinung nach leider auch sehen kann. Ich glaube nicht, dass del Toro manche Dinge entgangen wären, hätte er mehr Zeit gehabt. Liebevolle Details gibt es immer noch, etwa die tanzenden Wassertropfen auf der Scheibe, oder das Zigarettenrauch einbehalten im toten Winkel - aber mir fehlte etwas Raum zum Atmen in den Szenen des ersten Kennenlernens von Elisa und dem Fischmensch, wie er vergleichsweise in den späteren Szenen mit dem blauen Leuchten vorhanden ist. Jetzt weiß ich nicht, ob die der Schere zum Opfer gefallen ist (wie so einiges - was man dem Schnitt-Tempo leider immer wieder anmerken kann, wo kein Bild auch nur einen "Beat" länger stehen bleiben durfte, um ja unter zwei Stunden - ohne Abspann - zu bleiben), oder aufgrund fehlender Drehtage gar nicht erst inszeniert werden konnten. Vielleicht erfährt man das in den geschnittenen Szenen auf der DVD, oder nie, aber was bleibt ist die kreative Einflussnahme seitens des Studios, die dem Team ja etwa schon untersagt hat den Film in s/w zu machen - sie hätten ihn dann gar nicht erst finanziert bekommen. Die Kameraarbeit ist noch immer überragend und wunderschön geleuchtet ( https://filmmakermagazine.com/104228-dp-dan-laustsen-on-the-shape-of-water-judging-exposure-without-a-meter-and-capturing-rich-blacks/ ), doch wie viel besser der Film hätte sein können, als man ihm zu sein eingeräumt hat, ist was mich wirklich ärgert. Denn der Oscargewinn legitimiert jetzt rückwirkend dieses "Gut-genug"-Vorgehen. Hollywood ruiniert sich (bzw. seine Kreativen) gerade (einmal mehr) zu Tode, und vielleicht ist es gar keine so schlechte Ideen sich Kiemen wachsen zu lassen, um sich von der Liebe zum Film wieder rundherum einnehmen lassen zu können, wie ein Fisch im Wasser. Das gibt es ja nicht nur im Ozean.

                                              EDIT: Link eingefügt

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                                              • Äh ... nein - ich meine: non. Je ne suis pas amused at all, amusé completement?! Am schönsten war noch mein Französisch wieder aufzufrischen (oder auch nicht), aber die Drehbücher lassen einen verzweifeln. Die spannenden Figurenkonflikte (Sohn/Mama, Ehemann/Gattin, Chef/Kollegin) werden nur wiederholt, aber nie thematisiert, höchstens abgeblockt und aufgeschoben, bis irgendwann doch alles - gerne im Off - aufgeklärt wird. Wichtiger ist immer, dass auch ja der nächste Mord unverhindert über die Bühne gehen kann.

                                                Wer sich damit anfreunden kann, dass fast in jeder Folge neue potentielle Täter eingeführt werden, die - oh Wunder - im Verlauf der nächsten Episode häufig auf die Opferseite wechseln, der ist hier gut beraten. Logisch, dass sich dann gegen Ende bereits zu beginn eingeführte Nebenfiguren als ... aber lassen wir das. So kann keine Spannung aufkommen, und wenn dann noch Klassiker wie das "Schweigen der Lämmer" und "Sieben" schlecht gefleddert werden (ey, die Nachtsichtgeräte - ich musste losprusten, so schlecht wurde das umgesetzt - hat da keiner im Team "Sicario" gesehen?), während die Polizisten auf das Startkommando wartend in Reihe vor ihren Laptops sitzen, und ich selbst deutschen Serienermittlern mehr Kompetenz zutrauen würde, dann ist endgültig die Luft raus. Guckt lieber "Copykill", der macht das besser, in einem Drittel der Zeit. Au revoir - jamais.

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                                                • Wenn man die erste halbe Stunde die Zähne zusammenbeißt, wird man als Zuschauer belohnt. Zwar haben wir es mit einer Seifenoper zu tun, aber die Kernseife bleibt einem dabei im Hals stecken - am Stück. Man möge sich das mit ein bisschen mehr Raum für Zwischentöne inszeniert vorstellen, für die wohl einmal mehr im Zeitkorsett des ZDF-Dreiteilers weder Platz noch Budget war, und das Drehbuch erweist sich ironischerweise als aktueller Rundumschlag - sehnen sich doch derzeit mehr und mehr Politiker öffentlich lautstark zurück in die "heile Welt" der 50er Jahre; jedenfalls lassen das ihre Äußerungen erahnen, bei manchen reicht die Erinnerungen gar noch eine Idee weiter zurück.

                                                  Während sich beim wohl als wienerisch gedachten Akzent von Ulrich Noethen die Ohrmuscheln schützend nach innen umstülpen, weil sie dessen Charme vermissen lassen, versäumt die Inszenierung leider die eigentlich darin angelegte Demontage der Heimatfilm-Schmonzetten, die offensichtlich nicht erst in der Premierenvorstellung erzählt werden sollte. Ulrich Noethen hätte die auch sexuell belästigende Doppelmoral hinter den Kulissen weit beängstigender Verkörpern können, also sich etwa mehr zum Wedel machen, und weniger zum Seehofer Horst. Schade drum, aber was opfert man nicht alles dem Endsieg.

                                                  Spannender sind sowieso wieder die Frauenrollen, die aus eben jenen ausbrechen, oder wenigstens den Versuch unternehmen. Auch hier dürften eher die Darstellerinnen in Nuancen glänzen, als z.B. Heino Ferch, der einem viel unheimlicher sein müsste. Die Tragweite seines weit aus dem Ehebett in jede Berührung ausstrahlenden Ekels kann man nur in der Montage und dem ausgestreckt zitternden Arm von Emilia Schüle erkennen, nicht jedoch hinter den vier Wänden hinter der heilen Fassade, in denen es einige Szenen gibt. So viel Terror wollte man dem ZDF Publikum dann wohl doch nicht zumuten, sich ihn selbstständig hinzu zu denken ist aber trotzdem erlaubt. Oder von Noethen, wie das Beispiel weiter oben, oder Eva's Geheimhaltung der Tonbandaufzeichnung ihrer Schwester gegenüber zeigt. Wer mit den gelieferten Bildern arbeitet und vorher den goldenen Löffel aus dem Arsch nimmt, ehe er sich auf selbigen setzt und seine Hausaufgaben macht, hat mehr vom Ku'damm. Die Freiheiten, die wir heute genießen sind teuer erkauft - nein, erstritten worden, und wenn wir sie nicht verteidigen, stehen die Mauern schneller wieder, als wir gucken können. Wie es geht machen Monika, Joachim und Freddy und manch andere vor. Der Konfrontation nicht aus dem Weg gehen, sondern sie suchen, und wenn sie einen um das eigene Erbe bringt. Aber dann hat man wenigstens eine Zukunft, von Musik und Tanz getragen.

                                                  Ist noch Raum für ein "Ku'damm 62"? Absolut, ja! Denn was noch fehlt ist Helga, deren Rebellion bis dahin endgültig Betriebstemperatur erreicht haben sollte, und dieser Explosion will ich noch unbedingt beiwohnen. Den bereits im blauen Bock - Verzeihung - Blues von Monika angelegten Mauerbau kann man dabei getrost überspringen, wie der Soldat den Stacheldraht auf dem berühmten Foto. Mehr noch: den quasi in Aussicht gestellten Kibbuz-Patchwork-Kommunen-Traum in Westberlin würde ich gerne sehen - gestern wie heute, denn was ist spannender als die Erkenntnis, dass Geschichte auch nach dem Happy-End weitergeht, erstritten und erkämpft werden muss?

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                                                  • Wunderbar ge- und beschrieben - Frau Huppert verzaubert auf der Quantenebene und beinhaltet wie das Gedankenexperiment um Schrödinger's Katze alle Möglichkeiten gleichzeitig, ohne sich für irgendjemanden öffnen zu müssen. So sehr kann man Figuren und Menschen lieben, indem immer doch etwas vor Blicken verborgen bleibt und so ihre Würde unangetastet lässt. Man möchte selbst von ihr geschrieben sein, wie in Hal Hartley's "Amateur": https://youtu.be/iwynUr2j-co?t=4m22s

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