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Alle Kommentare von [email protected]

  • Das Warten hat ein Ende, hier kommen endlich(?) meine Filmbesprechungen zum Camerimage Festivaljahrgang 2022. Aber seid gewarnt, diesmal kommen sie am Stück, also teilt euch die Lektüre besser etwas ein. Was mich etwas überrascht und gleichzeitig erschreckt: So viele Filme wie dieses Jahr habe ich noch nie schon vor Festivalbeginn gesehen, oder erst gar nicht sehen wollen (TOP GUN: MAVERICK (2022)), dass ich die direkt mal im Schnelldurchlauf durchgehe:

    ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT (2022)
    Überflüssiges Remarque, dass der besten Verfilmung von 1930 in keiner Weise auch nur nahe kommt (über die aus den 70ern reden wir erst gar nicht). Die beste Sequenz, mit den Recycling der Uniformen, verbrät er gleich zu Anfang, dabei wäre das das perfekte Ende gewesen, und man hätte sich den überflüssigen Prolog sparen können. Dazu hätte man aber auf den unsinnigen 15-Minuten-vor-Kriegsende-Quatsch verzichten müssen (was dem Film ehrlich gesagt noch besser getan hätte). Aber da spricht vielleicht nur der Cutter in mir. Albrecht Schuch mag ich sehr, in der Rolle ist er mir aber zu jung besetzt: da hätte es schon einen Mario Adorf gebraucht. Bei Daniel Brühl stimmt zwar das Alter, aber er sieht einfach zu jung aus. Devid Striesow ist von der Rolle unterfordert, und … ach, was soll's. Ich könnte mit den Achseln zucken, wenn nicht die Darstellung der Franzosen so beschissen wäre. Warum zum Teufel wirkt es so, als würde man hier die überwunden geglaubten Erbfeinderzählung wieder ausbuddeln? Geht's noch?!

    BLOND (2022)
    Ratlos. Gut, es wird nicht behauptet, dass es sich hier um ein Biopic handelt, aber das habe ich erst nachlesen müssen. Dem Film hilft es nicht, der für mich einfach irgendwann in seine Episodenhaftigkeit zerbröselt. Die Sets und Drehorte fühlten sich leer und unbeseelt an, da kann die Armas noch so sehr dagegen anspielen. Julianne Nicholson als ihre Mutter ist ebenfalls fantastisch, und die Sequenz mit ihr, wenn sie durch den Waldbrand fahren wird danach optisch durch nichts mehr überboten. Schade. Adrien Brody war auch ganz gut, aber ich hab mich nur widerwillig durch den üüüberlangen Streifen gekämpft.

    ELVIS (2022)
    Hier habe ich nicht einmal das mehr versucht, sondern nach einer halben Stunde das Handtuch geschmissen. Wenn das auf einem 65 Zoll Fernsehen noch zu schnell geschnitten aussieht, hätte ich im Kino wahrscheinlich gekotzt. Der Rohschnitt wird mindestens doppelt so lang gewesen sein, und genauso fühlt sich das auch an, als wäre der Film auf Biegen und Brechen auf unter drei Stunden runtergekürzt worden. Darunter leidet die Exposition ebenso wie Tom Hanks unter seiner Maske, und erst mit dem ersten Auftritt von Elvis (grandios: Austin Butler) findet so etwas wie Schnittrhythmus statt. Aber da hatte ich schon keinen Bock mehr, weil… kennt ihr das von früher, wenn beim Lego-Bauen noch Teile übrig blieben, und man die einfach noch mit drangebaut hat? Genau so sieht der Film für mich aus. Man erkennt die Form darunter nicht mehr. Ich werde mit Luhrmann nicht mehr warm, alles was nach STRICTLY BALLROOM kam, hat mich nicht mehr erreicht.

    LANDSCAPERS (2021)
    Lief bei den TV-Serien, und hat den Preis gewonnen. Ausgerechnet, weil es ist die enttäuschendste Serie, die ich dieses Jahr überhaupt gesehen habe. Was soll denn da bitte noch anbrennen, wenn Olivia Colman und David Thewlis die Hauptrollen spielen, basierend auf realen Begebenheiten? Leider so ziemlich alles andere, vor allem die Kamera nervt mit ihren Sperenzchen, die ständig die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. PACHINKO lief übrigens auch im Wettbewerb… ich sag's ja nur (weil Florian Hoffmeister mit dem Hauptpreis für TÁR ausgezeichnet wurde).

    POLAŃSKI, HOROWITZ, HOMETOWN (2021)
    Eigentlich sieht und hört man nur dabei zu, wie die beiden alten Freunde durch Krakau laufen, sich unterhalten, und Roman Polański aus seiner Kindheit, dem Ghetto und der Studienzeit erzählt. Mehr braucht es nicht, und man hört ihnen gerne zu. Nicht mehr, und nicht weniger.

    Um ein paar weitere Filme habe ich insofern einen Bogen gemacht, weil ich wusste, dass ich sie kurz nach dem Festival nachholen kann: WHITE NOISE (2022), GLASS ONION (2022), BARDO (2022) und TLOTR: THE RINGS OF POWER (2022). Auch einige der Dokumentation von Alex Gibney kann ich auf HBO Max gucken, oder auch THE BATMAN (2022) nicht. Das erleichterte meine Filmauswahl zwar einerseits immens, andererseits muss sich das Festival aber fragen lassen, welchen Zweck es dann eigentlich noch erfüllt, wenn man gefühlt das halbe Programm bereits aus anderen Quellen zu sehen bekommen kann?

    Jetzt aber zu den Filmen, die ich dort tatsächlich im Kino, und nicht auf der Couch zu Hause gesehen habe:

    TÁR (2022)
    Was für eine Wucht. Hier kann man das selbstständige Hören, Schauen und Beobachten wieder lernen. Das war einigen Zuschauern leider schon wieder zu anstrengend. Dabei filetiert er nebenher noch unsere ganze aufgesetzte Obsession mit der E-Kultur, an der sich wohl einige Leute aufhängen, und darüber glatt den Film verpassen. Cate Blanchett spielt zu affektiert? Ach was. Das ist Teil der Rolle, die sie sich hier jemand selbst vorspielt. Es gibt die raren Momente, wo man den wahren Menschen dahinter sehen kann. Vornehmlich dann, wenn sie allein ist, oder unbeobachtet glaubt. Ein Meisterwerk, in jeder Hinsicht, sogar mit äh, Akkordeon-"relief"? Verdienter Hauptpreisgewinner. Und dabei haben wir noch gar nicht über die Blicke von Nina Hoss gesprochen.

    EMPIRE OF LIGHT (2022)
    Olivia Colman for the win. Ein wunderbarer Film, der erste von Sam Mandes, der etwas in mir anrührt, ohne dass ich mich dabei vordergründig manipuliert fühle. Großartige Kamera und Licht von Roger Deakins, ein Traum von einem Film. Erst gegen Ende kommt er ein bisschen ins Schlingern, weil er gefühlt gleich aufhört, dann aber noch eine Viertelstunde dranhängt. Die tut aber gut. Ein Film, der das Kino und seine Kraft feiert, aber mehr den Ort selbst, mit den Menschen, die ihn am Laufen halten und mit Leben erfüllen.

    WOMEN TALKING (2022)
    Alles andere als ein Wohlfühlfilm. Wenn man wieder einmal Nachschub braucht, um auf selbstgerechte, privilegierte Männer und das Patriarchat wütend zu sein, dann ist man in der neuen Regiearbeit von Sarah Polley am richtigen Ort. Damit meine ich nicht die Scheune, sondern wo und wofür sie hier steht. Es dreht sich eigentlich alles nur um die Frage, ob die Frauen einer Mennoniten-Kolonie nach einer Serie von Vergewaltigungen geschlossen gehen, oder bleiben. Der Aussprache wohnt man bei, und nein, der Film spielt nicht im 18. Jahrhundert, auch wenn man das denken könnte. Dann hört man das Wort Antibiotika heraus, und möchte schreien. Vor Wut, Entsetzen und Fassungslosigkeit. Der Film raubt einem die Sprache, und das ist gut so, weil man dann den Frauen zuhört. Jessie Buckley, Rooney Mara und Claire Foy spielen fantastisch in einem großartigen Ensemble, in dem Frances McDormand nur kurz in einer Nebenrolle glänzt. Nun ja, sie hat den Film mitproduziert, die Bühne geräumt, und dem Team den Rücken frei gehalten.

    THE WHALE (2022)
    Mir hat ein Film von Darren Aronofsky gefallen! Also mir! Himmel, warum nur? Vielleicht, weil er diesmal die Vorlage nicht selbst geschrieben hat?Dem Film hat das sichtlich gut getan. Und wie! Brendan Fraser trägt ihn auf seinen Schul… seinem künstlichen Bauch? Aber auch Hong Chau als Liz ist einfach nur großartig: allein die Szene auf der Veranda, und wie brillant sie inszeniert ist, auf wahrlich engstem Raum, und wie man dort mit der Kamera arbeitet! Alles ein Kammerspiel, ja, aber visuell abwechslungsreich und unaufdringlich, wie sich das gehört. Kann Aronofsky bitte mehr Auftragsregie machen? Zuallererst bitte eine Komödie. Doch, ganz im Ernst, ehrlich.

    EO (2022)
    Jerzy Skolimowski schert sich nicht um Konventionen, und solcherlei mutig ausufernde Filme gibt es immer weniger. Er ist schlicht aus Tierliebe entstanden, und mehr muss man eigentlich nicht wissen. Es bleibt alles sehr episodenhaft, und manche davon funktionieren eindeutig besser, als andere. Die in Rot getauchten Wälder hatten etwas von TWIN PEAKS: THE RETURN Folge 8, und auch sonst gab es einige sehr einprägsame Bilder. Aber leider auch kitschige oder gar klischeebeladene Szenen, die im Wechsel keinen richtigen Erzählfluss aufkommen lassen wollten, der mich mitgerissen hätte. Da hilft mir auch Isabelle Huppert nicht weiter, die eigentlich jeden Film retten kann, wenn sie nur mal durch's Bild geht. Hier darf sie sogar Teller auf den Boden schmeißen, und es reicht nicht. Vielleicht war ich zu müde, der Ton im Saal zu laut (oh ja!) oder was weiß ich, aber der Trailer wirkt für sich weit stimmiger, als es der Film selber jemals schafft: https://youtu.be/rrBeSQbdXmw Empfehlen würde ich ihn leider nicht :(

    THE QUIET GIRL (2022)
    Dafür diesen hier, mit Haut und Haaren, von ganzem Herzen. Dieser leise, ruhige, irische Film kommt so behutsam daher, nimmt einen bei der Hand und bringt einen an einen Ort, wo man eigentlich fremd ist, dann aber nicht mehr weg möchte. Das merkt man zur eigenen Überraschung, wenn man es am wenigsten erwartet: man heult plötzlich unkontrolliert los, weil da jetzt ein Keks auf dem Tisch liegt. Ein Keks! Und da ist noch lange nicht Schluß. Wer hier schon mit den Tränen kämpft, der sollte dringend Taschentücher bereit liegen haben. Visuell ein Augenschmaus, man möchte jede Einstellung ausdrucken und sein Zimmer damit tapezieren (also außer der Einstellungen von einer Tapete, weil die - nun ja - wie eine Tapete aussehen). Hat gestern den Preis für die beste Kameraarbeit beim Europäischen Filmpreis gewonnen. Kate McCullough ist eine ganz Große, habt die auf dem Zettel, weil das ist nur der Anfang, und ich ab sofort Fangirl (weil Irland, und DERRY GIRLS - get it?). Ein so leiser, wahrhaftiger Film, wie ich sie immer lieben werde.

    SCHREIE UND FLÜSTERN (1972)
    Bergman! Nykvist! Der "original red room" des Kinos, lange vor David Lynch. Ist die Angst vor dem Tod, Leiden und Krankheit jemals besser auf die Leinwand gebannt worden? Ich bezweifle es. Selten hat sich ein Filmende befreiender angefühlt, und dafür lohnt es sich vorher durch die Hölle zu gehen. Man muss sich aber auch trauen, entsprechend Gepäck mit zu nehmen, denn wer mit leeren Händen in einen Bergman geht, der sieht (und fühlt) nur die Hälfte.

    THE WHITE BIRD MARKED WITH BLACK (1971)
    Sucht den erst gar nicht in der Datenbank. Ist ein ukrainischer Film, dem man nur folgen kann, wenn man mit der Geschichte des Landes vertraut ist. War ich nicht, aber ich kenne ähnlich gelagerte Werke aus dem polnischen Kino. Hier ist alles Metapher und Symbol, und in den Bildern kann man sich verlieren, weil man gar nicht weiß, was man sieht. Ein bisschen wie diese orthodoxe Kirchengesellschaft, die sich plötzlich auf einem verminten Acker wiederfindet, und dann ein Traktor mit einer Walze an einem laaangem Ausleger vorne eine Rettungsgasse freisprengt, indem sie drüber fährt. Ja, diese Art Film ist das, die im Rahmen des OKO-Festivals gezeigt wurde, einem Filmfestival, dem das Camerimage dieses Jahr Zuflucht geboten hat. Denn was soll ein Filmfestival sonst machen, wenn im Nachbarland Krieg herrscht? Mehr dazu dann im Heft.

    BRIGITTE BARDOT FOREVER (2021)
    Lech Majewski, der Jurypräsident hatte seinen neuen Film mit im Gepäck, in dem er ein bisschen auf den Spuren von Wojciech Has wandelt, oder wandeln möchte. Hier arbeitet jemand seine Kindheit und Jugend in Polen auf, mystisch verwoben in einem Hotel, in dem sich einfach alles und jeder tummelt. Einerseits ist das Drehbuch so fantastisch und verspielt, wie es dafür auch sein muss, aber die Bilder wirken zu steril, die Inszenierung zu behäbig, um wirklich abzuheben. Das ist schade, aber insofern toll, als dass es wenigsten einer mal wieder versucht hat. Der Trailer vermittelt einen ganz guten Eindruck, schaut selbst: https://youtu.be/87Y4QbBHPHA Wäre der ganze Film ungefähr in dem Tempo geschnitten oder von der Kamera dynamischer, dann… seufz.

    INLAND EMPIRE (2006)
    Jetzt ist es passiert. Ich hab ihn endlich gesehen, und Recht behalten. Hätte ich ihn vor 16 Jahren gesehen, das Bild meines langjährigen Lieblingsregisseurs wäre nicht intakt geblieben. Deswegen habe ich so lange einen großen Bogen um diesen hier gemacht. Ich wusste schon zu viel, also genug um gewarnt zu sein. Vor allem die frühe Digitalästhetik macht es mir heute noch schwer mit dem Film warm zu werden. Da kann man auch nix dran heile restaurieren. Aber was noch viel schlimmer ist: man sieht den Film an, wie sehr er mit diesem Festival verwoben ist. Ach, das wusstet ihr gar nicht? Nun, über die polnischen Darsteller habt ihr euch nicht gewundert, oder die Szenen in Łódź? Oder darüber, das z.B. der Festivalleiter selber mitspielen, und den Filmtitel in den Mund nehmen darf? Die haben Lynch damals dermaßen hofiert und umworben, dass der begann von der "Camerimage-Gang" zu sprechen. So weit, so gut, aber dieses in der Tat wild drauf los gefilmte Zeug auf Teufel komm raus mit anderem Material, wie der grandiosen Hasen-Sitcom zu verwursten (die damals schon auf seiner Webseite zu sehen gewesen war), tut diesem Werk einfach nicht gut. Und das sage ich von einem Film, in dem das Zirkuszelt vorkommt, in dem ich meine Hochzeit gefeiert habe (kein Witz). Lynch hat sich inzwischen wenigstens wieder gefangen, aber das Festival leider nicht, und sucht noch immer nach der Bodenhaftung, die ihnen auch das noch immer erst zu bauende Festivalzentrum nicht geben wird.

    THE FABELMANS (2022)
    Und das Beste kommt zum Schluss? Kann man so stehen lassen. Weil wenn ein Film nochmal so richtig Bock auf Kino und das Filmemachen selbst macht, dann dieser. Es wird auch keinen anderen Kinosaal auf der Welt geben, in denen der Satz "Your dad owns a 16mm Arriflex?!" tosenden Szenenapplaus bekommt - und das zu Recht. Ich wünschte nur, Kaminski und Spielberg hätten es hören können, im Saal. So verspielt hat man den Regisseur lange nicht gesehen, dabei thematisiert er hier (endlich?) die Scheidung seiner Eltern. Im Zentrum steht aber diesmal nicht die Vaterfigur (oder Suche nach ihr), sondern die Mutter, und Michelle Williams spielt sie so herzzerreißend wunderbar… und mir kann keiner erzählen, dass Steven nicht zufällig UNDINE von Petzold gesehen hat! Aber das nur nebenbei. Damit schlägt er wirklich ein neues Kapitel auf, dieser Film ist eine Zäsur, eine Befreiung, ein Neuanfang? Er fühlt sich größer an, als er ist, und das liegt an einer neuen, schwer erkämpften Leichtfüssigkeit, die man eben nur gewinnt, wenn man Ballast abwirft. Das tut Spielberg hier, aber auf eine für ihn typisch unterhaltsame Weise, als wolle er uns nicht zu viel zumuten. Die Bilder sind aber da, und diese eine Szene in der Mitte? Das eigene Erwachen und Erschrecken vor der Macht der Bilder, die so viel mehr sein können, als nur Unterhaltung? Jedes Wort wäre zu viel gewesen, aber hier ist alles in der Montage, Licht und Schatten, ein Gesicht, mehr braucht es nicht. Ich würde gerne noch mehr verraten, aber von mir werdet ihr diesen einen Spoiler nicht erfahren. Euren Horizont müsst ihr euch dann schon selbst erweitern.

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    So, das war's. Sorry, dass ich dieses Jahr einfach nicht dazu gekommen bin wie bisher live zu berichten. Warum ich die Kommentare diesmal nicht wie bisher aufgeteilt habe, könnt ihr ja in dem Blogartikel ( https://www.moviepilot.de/news/ups-1138230 ) nachlesen. Ab nächstem Jahr ziehe ich dann mit dieser Liste (und den Kommentaren) zu Letterboxd und/oder meinen eigenen Blog um.

    Danke für's Mitlesen, der Artikel zum Festival erscheint dann wie gehabt in der Januar/Februar Ausgabe 2023 der FILM & TV KAMERA.

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    • Herzliche Grüße aus Toruń, in knapp einer Stunde beginnt die Eröffnungszeremonie, die auch live gestreamt wird. Aber interessanter dürfte sein, dass es eine ganze Liste an Veranstaltungen gibt, die wohl live übertragen werden, also werft mal einen Blick in die Liste und tragt es euch eventuell in den Kalender ein:
      https://camerimage.pl/en/energacamerimage-2022/live-streaming/

      Walter Murch am So um 19.00 dürfte interessant sein (ihr findet mich dort im Publikum), und auch darüber hinaus gibt es sicher ein paar Perlen, die euch interessieren könnten. Und nein, die landen später leider nicht im Netz :(

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      • Himmelarschundzwirn kann bitte einmal, EINMAL jemand einen Technik-Artikel schreiben, der Ahnung von der Materie hat? Die zu googlenden Begriffe habe ich euch schon unter den letzten Artikel zum Thema gepostet - es kann doch echt nicht so schwer sein!

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        • Artikelbingo* oder Begriffe, die oben (und unten) fehlen, und zu einem Erkenntnisgewinn beitragen würden:

          - Werkseinstellungen
          - Videokompression
          - Datenrate
          - HDR / SDR
          - Colorgrading-Umgebung
          - optimale Wiedergabebedingungen
          - "barking at the wrong tree"

          Relevanter Hintergrundartikel:
          https://www.hollywoodreporter.com/movies/movie-news/martin-scorsese-christopher-nolan-launching-filmmaker-mode-tv-setting-1234968/

          * nach dem Baukastenprinzip bitte selber ergooglen

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          • über Forum

            Sagt mal, haben sich wieder ein paar Leute permanent von hier verabschiedet? Allein in der letzten Woche sind mir drei Leute aus der Freundesliste abhanden gekommen, ohne dass ich aus dem Stand wüsste, wer genau. Na ja, vielleicht lag's auch an mir :)

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              • Bevor die Nachricht des Königs von der Unterstützung eintrifft, diskutieren sie eine Strategie, die den Gegner aus seinen Höhlen locken soll: "Which man here will happily go to his death?" - "Daemon." Die Wahl fällt auf ihn, wohlgemerkt in seiner Abwesenheit. Es ist eine Selbstmordmission, um die es hier geht, die er nur durch ein Wunder (bzw. aktive Plot-Schutzschilde) überlebt. Die Thronfolge interessiert ihn dabei nicht die Bohne, er will die Nummer ohne die Hilfe seines großen Bruders durchziehen, was ihm gelingt. Damit sitzt er eventuell wieder am Tisch, mehr aber auch nicht.

                Was die Tragik von Viserys angeht ist, dass er ausgerechnet im Suff Alicent von seinem prophetischen Traum erzählt (vor einem gigantischen, bildfüllenden Feuer - das nenne ich mal gelungenes Foreshadowing). Er wird sich wahrscheinlich nicht mehr dran erinnern, und sie nicht daran, dass er Zweifel äußerte: "What if I was wrong?"

                Laut den Showrunnern ging es in dieser Folge darum, dass die drei erwachsen werden: https://www.youtube.com/watch?v=f2QWxqNOtJg

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                • Vielen Dank, das bestätigt meine schlimmsten Befürchtungen nach dem hübschen Trailer, und spart mir zwei wertvolle Stunden in meiner eigenen Festivalplanung im November :)

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                  • Nicht kommentieren, nicht kommentieren, kriegst du nieee und nimmer Antwort drauf, also nicht kommen… ach, was soll's: "Nicht einmal visuell fällt den Verantwortlichen irgendetwas Interessantes ein. Klar, einen nahezu bewegungsunfähigen Protagonisten, der über 70 Prozent des Films hinweg seine farblose Couch nicht verlässt, ist nicht die einfachste Voraussetzung für spannende Einstellungen und Kamerafahrten." Ich spreche hier aber nicht von Darren Aronofsky, sondern von Matthew Libatique, seinem langjährigen Kameramann. Jemand, den ich schon interviewen durfte. Dass ihm nichts "visuell Interessantes" eingefallen sein soll, wage ich zu bezweifeln. So vage formuliere ich das nur, weil ich den Film frühestens im November sehe. Aber ich spreche aus Erfahrung. Und selbst wenn ich Filme von Aronofsky (mit einer Ausnahme) nicht leiden kann, so habe ich immer gerade die visuelle Gestaltung geschätzt. Wie viel man dabei selbst aus einem begrenzten Drehort herausholen kann, hat er schon in MOTHER! unter Beweis gestellt (einer fiebrigen Gurke von einem Film).

                    Was sollen zum Beispiel "spannende Einstellungen" sein? Was erzeugt da genau die Spannung? Wenn einen die Einstellung selbst in den Bann ziehen würde, so sehr, dass es den Zuschauern sogar auffällt, dann hat die Kameraperson ihren Job nicht richtig gemacht - jedenfalls höre ich dieses Credo seit 23 Jahren als endloses Mantra auf dem Camerimage-Festival (dem weltweit größten Kamera-Festival, das dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert). Jede Einstellung soll die Geschichte erzählen, und nicht von ihr ablenken, weil sie "spannend" aussieht. Wenn es in der Geschichte um jemanden geht, dessen Leben sich durch Bewegungslosigkeit auszeichnet, wird man es kaum durch Kamerafahrten erzählen. Eher wird man sich eine(!) für den Moment reservieren, wo die Entscheidung fällt, doch noch um eine Sache zu kämpfen. Das sage ich als jemand, der den Film nicht kennt, aber das wären meine erste visuelle Idee, und ich bin mir sicher, dass Matthew sich darüber weit mehr den Kopf zerbrochen hat. Am meisten freue ich mich aber auf seine Lichtsetzung, das zu erklären würde in diesem Rahmen aber zu weit führen.

                    tl;dr Schmeißt bitte keine Filmhandwerkerïnnen vor den Bus*, von deren Arbeit ihr nicht genug versteht. Den Film könnt ihr ja trotzdem Scheiße finden.

                    * von unter eben jenem Bus liegend gesendet

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                    • Das erinnert mich daran, wie sein FOREVER MINE auf dem Camerimage 1999 vom Publikum ausgelacht worden ist, woraufhin Schrader auf der Pressekonferenz ausgeflippt ist, weil schließlich niemand etwas ernsteres sagen könne, als die Worte "Ich liebe dich". Nicht, dass ich dem widersprechen möchte, aber Aussenstehende können das garantiert anders sehen - das wird bei Sexszenen ähnlich sein. Trotzdem gab mir das damals sehr zu denken, und ich habe mich ein bisschen dafür geschämt im Kino gekichert zu haben. Bin auch ein bisschen früher aus dem Saal gegangen. Aber Schrader ist ein Kinomensch durch und durch, er macht sein Ding mit einer Konsequenz, die ich nur bewundern kann, gegen alle Widerstände.

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                      • Ich sehe es sogar noch düsterer, und glaube, dass Viserys meint die für seine Tochter (in dem Moment) strategisch beste Entscheidung zu treffen: Potentieller Nachwuchs mit Alicent ist schließlich von "unreinerem" Blut, als es das mit Laena wäre. Er glaubt halt leider vor einer entweder-oder-Wahl zu stehen, was seine Kurzsichtigkeit nochmal unterstreicht, denn auch andere Häuser in Westeros haben (nicht mehr) minderjährige Töchter. Dabei hat er erst gerade wieder einen Draht zu ihr gefunden.

                        Rhaenyra darf aber auch zeigen, dass sie über mehr politisches Geschick verfügt, als ihr Vater, denn nach der Wahl des kompetentesten Königswachen-Hauptmanns ist es auch ihre Idee gewesen, überhaupt nach dem konkreten Ei zu fragen, und zwar auf Valyrisch - also ohne ihren Vater vor dem versammelten Rat zu blamieren. Und sie holt danach auch noch selbst die Kartoffeln aus dem Feuer. Oder zurück auf den Grill, äh ja. Dass sie am Ende vor dem doppelten Vertrauensbruch steht ("Alter, du heiratest meine beste Freundin?" und "Alte, Alicent, wann hast du eigentlich damit angefangen mich auszuspionieren? In der Septe?") Hätte sie mal in ihrer Tante mehr gesehen, Rhaenys hat sie so direkt und schonungslos gewarnt, wie es nur ging.

                        Rundum fantastische Folge, perfektes Tempo wie zu besten GoT Zeiten. Die Erleichterung könnte kaum größer sein, da müssen sich die Rings of Power eben noch bis nach dem Staffelfinale gedulden.

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                        • Vor meinem geistigen Auge sehe ich Sonse und Kängufant einander zuprosten :)

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                          • "Promise me this, Rhaenyra. Promise me." *
                            Gänsehaut. Was könnte da schon schief gehen? Also außer alles - und seien wir ehrlich: deswegen sind wir doch hier.

                            Matt Smith gefällt mir schon sofort richtig gut, Paddy Considine kommt erst in der zweiten Hälfte der Folge so richtig in seiner Rolle an, und ab da bin ich dann auch dabei. Die Gewaltexzesse gingen mit gleich wieder alle mächtig auf den Sack, und die Kaiserschnittszene erinnerte sehr an Handmaid's Tale, nicht zu ertragen. Man muss doch nicht alles aus der Mutterserie nachmachen, wo es über die Staffeln zu plumpen Fanservice verkommen ist. Die Musik schafft es doch auch Themen zu variieren und dann neue Akzente zu setzen (unten beim Drachenkopf). Da findet die Serie hoffentlich noch ihren eigenen Ton, wenn auch vielleicht erst in der zweiten Staffel? Weniger wäre mehr, auch wenn die Drachen genau zum Gegenteil einladen. Bei Better Call Saul hat es ja auch etwas gedauert, insofern lohnt es sich hoffentlich auch hier geduldig zu sein.

                            Schönes Detail am Rande: der Drachenzähm-Azubi am Anfang. Da willste aber echt jeden Tag ausgeschlafen auf der Matte stehen :)

                            * Wer hat hier noch ein "Ned" im Kopf mitgesprochen?

                            PS: Jenny!! Recaps!!! Das ist ja wie... Moviepilot wieder in gut ^^

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                            • Zbigniew Zamachowski für Stella Artois:
                              https://www.youtube.com/watch?v=DJGErxEqBZU
                              Prost :)

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                              • Nimmst du auch Serien in die Liste mit auf? Also Filmreihen sind ja auch am Start, insofern sind die Grenzen da wahrscheinlich eh fließend... und bei diesem Beitrag sowieso: THE SHINING GIRLS - kann ich empfehlen.

                                https://www.moviepilot.de/serie/shining-girls

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                                • Ich weiß grad nicht, wo ich diese famose Seite noch verlinken soll, aber hier lasse ich diesen Link auch mal da - weil fast alles von dieser Liste jetzt kostenlos im Netz zu sehen ist, mit englischen Untertiteln und in super Qualität:
                                  https://35mm.online/en
                                  Stöbern lohnt sich, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen sollte mit den Empfehlungen!

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                                  • Tori Amos - Smells Like Teen Spirit
                                    https://youtu.be/h2YkdnrM3aw

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                                    • Pffft, das schreibt sich doch von selbst:

                                      (AT) "You know nothing - the Show"

                                      Jon Snow hat sich im zweiten Jahr jenseits der Mauer unter den Wildlingen eingerichtet und lebt ein zurückgezogenes Leben bei der Züchtung von Schattenwölfen. Abends unterrichtet er Tormund in den Benimmregeln des Südens, da dieser hofft, so doch noch das Herz der großen Schönen im Süden zu gewinnen.

                                      Bis ihm eines Tages der Geist seiner verstorbenen Liebe Ygritte erscheint und sich über ihn lustig macht, weil er auf Daenerys die Drachenlady reingefallen ist. Das geht so lange gut, bis eines nachts beim Schneeschaufeln auch deren Geist auftaucht.

                                      Insider beschreiben die Show als Mischung aus "Statler and Waldorf" trifft "Mein Freund Harvey" und "Bezaubernde Jeannie".

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                                      • über Birdy

                                        Es ist vielleicht ein Fehler, meine Sichtung vom Filmende her zu beginnen, aber das ist für mich einfach das schönste der Filmgeschichte. Ich habe dafür auch andere Kandidaten (die Schlusssequenz aus HAROLD & MAUDE etwa, oder natürlich NORTH BY NORTHWEST), aber dieses hier hat ganz eigene Qualitäten. Mehr verrate ich hier nicht, falls es jemand noch nicht kennt. Es funktioniert aber wirklich nur dann, wenn man den Film vorher gesehen hat, weniger vom reinen Verständnis her, sondern weil es so gut vorbereitet ist.

                                        Was einem auch erst nach Jahrzehnten schauspielerischer Eskapaden wieder auffällt ist, wie gut Nicolas Cage hier spielt. Auch in den Rückblenden, aber deutlich mehr noch als traumatisierter Veteran. Allein schon der merkwürdig federnde Gang, den er hier an den Tag legt, wie ständig auf dem Sprung um sich hinter dem nächstbesten Schreibtisch in Deckung schmeißen zu können. Alles andere macht er mit seinen Augen und seiner Stimme, die mehr zu sich selbst spricht, als zu seinem Freund. Matthew Modine begeistert mich umgekehrt eigentlich mehr mit seinem Spiel in den Rückblenden, auch wenn die ikonischen Bilder aus der Psychiatriezelle natürlich besser im Gedächtnis bleiben, jedes davon hätte es verdient als Poster an Wände geklebt zu werden. Aber die Introvertiertheit die er in den Rückblenden spielt, ist so wahnsinnig gut, und stellenweise unglaublich lustig: etwa wenn er neben seiner Double-Date-Hälfte die Luft anhält und dabei die Zeit stoppt. Das ist so traurig schön und sympathisch, diese echte Begeisterung bei gleichzeitiger kompletter Abwesenheit aus den Lebenswelten aller anderen um sich herum. Wenn Birdy sich dann immer mehr zurück zieht, und die Kamera ihm immer näher rückt, und in Großaufnahmen von Matthew Modine's Gesicht vor seiner gefiederten Freundin gipfelt, sind Form und Inhalt endgültig eins. Das sind Details, für die ich vor 30 oder 35 Jahren noch kein Auge hatte, um so größer ist jetzt meine Begeisterung.

                                        Auch die Vaterfiguren sind fantastisch - in nur wenigen Szenen entworfen, und könnten gegensätzlicher nicht sein. Auch das hat Seltenheitswert, und fächert mit einer Selbstverständlichkeit ein Spektrum an Männlichkeitsbildern auf, wie man es selten zu Gesicht bekommt. Oder der Frust der Krankenschwester, die helfen will, und dann mit ihrem Frust allein bleibt, wenn es einfach keine richtige Reaktion auf die komplexe Situation gibt. Was bleibt, ist diese dicke Freundschaft zweier so unterschiedlicher Charaktere, die sich gänzlich aufeinander einlassen, obwohl sie im ersten Moment wenig mit dem Hobby des anderen anfangen können, Vögel hier, Autos da. Aber sie sind füreinander da, lassen sich mit Haut und Haaren und Federn auf den anderen ein, und sind damit weniger allein auf einer Welt, die sie in einen Krieg schickt, in dem es nichts zu gewinnen gibt, und die sie dann mit ihren Traumata allein lässt.

                                        Ist der Film gut gealtert? Da bin ich etwas unschlüssig, mich stört das langsame Erzähltempo nicht, Zuschauer jüngeren Datums werden vielleicht die Geduld damit verlieren. Ich habe früher eher auf die Rückblenden gewartet, jetzt schätze ich die im Vergleich dazu fast the­a­tral inszenierten Psychiatrie-Szenen mehr als damals. Die teils sehr langen Einstellungen bringen gerade das Schauspiel von Nicolas Cage richtig zur Geltung, und den Druck der auf ihm lastet, wenn er hier an mehreren Fronten gleichzeitig arbeitet: gegen die Klinikleitung, für seinen Freund, mit sich selbst ringend. Dazwischen gibt es noch Raum für hypnotisch schöne Bilder mit den fantastischen Klängen von Peter Gabriel. Was will man denn mehr?

                                        Auch wenn ich es nicht so richtig mit Worten zu fassen kriege, dieser Film berührt etwas in mir, fängt mit Bildern ein, wie es ist sich fremd in der Welt zu fühlen, wie wichtig und unverzichtbar ein Freund ist, der mit einem durch dick und dünn und doof geht, und wie sehr man sich in seinen eigenen Welten verlieren kann. Und kaum glaube ich, dass ich ihn jetzt wie eine Spatz in der Hand habe, entwischt er mir und fliegt höher, immer ein Stück außer Reichweite. Aber er kommt immer zu mir zurück und findet ein offenes Fenster in mein Herz.

                                        Hier gibt's übrigens tolle Hintergrundinfos und Fotos zum Film, vom Meister selbst: http://alanparker.com/film/birdy/

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                                            • Toller Artikel, schöne Übersicht, und prima, dass du wieder da bist! Den Edwards muss ich nochmal gucken, und den Verneuil erst recht :)

                                              Dann empfehle ich gerne noch Pętla (1957) von Wojciech Has, mit der Gustaw Holoubek seinen Durchbruch hatte. Sehr stilisiert, großartige Schwarzweiß-Bilder und ein polnischer Kinoklassiker:

                                              https://www.moviepilot.de/movies/die-schlinge
                                              https://www.imdb.com/title/tt0052063/
                                              https://youtu.be/clHAfhQUNc0 (leider ohne Untertitel)

                                              Und was mir spontan noch einfällt:
                                              https://www.moviepilot.de/movies/barfly
                                              https://www.moviepilot.de/movies/der-trinker
                                              https://www.moviepilot.de/movies/factotum-2
                                              https://www.moviepilot.de/movies/der-rausch

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                                              • Wer das hier nicht von Gamegrafik unterscheiden kann, hat Tomaten auf den Augen. Sorry, tut mir leid für euch. Der Film interessiert mich zwar nach wie vor nicht die Bohne, aber die Welt, das Licht, die Details, die Kamerabewegungen behutsam mit ruhendem Fokus (und damit für Stereoskopie perfekt) - und das wird Zuschauer in einer 3D Vorführung nochmal völlig anders aussehen und abholen, als 90 Sekunden in 1080p mit Artefakten auf YouTube :)

                                                Edit: Mit "ruhendem Fokus" meine ich nicht die Abwesenheit von Schärfenverlagerungen, sondern das es ein klares Motiv gibt, wo man hinsehen soll, dass sich aber innerhalb des Bildes wenig vom Fleck bewegt (was jetzt tatsächlich ein wenig an Computerspiele erinnert, nur halt nicht so "festgetackert", wie dort).

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                                                  "CGI ist in Hollywood Standard. Das MCU besteht zu gefühlt 90 Prozent aus nicht realen Hintergründen. (…) Wirklich bahnbrechend wäre heutzutage also eher, so weit wie möglich auf CGI zu verzichten und eine magisch wirkende Fantasy-Welt mit verblüffend echt aussehenden Kostümen und praktischen Effekten zu inszenieren."

                                                  Wo soll man da anfangen? Alles, was bei Film irgendwie mit Computern zu tun hat, kriegt gerne den Stempel "CGI" aufgedrückt, auch wenn wahrscheinlich was anderes gemeint ist, so ähnlich wie Kamerabewegungen gerne unter "pan" zusammengefasst werden (vgl. https://pics.awwmemes.com/camera-movement-guide-truck-dolly-boom-jib-pan-tilt-roll-client-62020281.png ) Dabei wird dann so viel zusammen in einen Topf geworfen, das vielen Künstlern und Handwerkern, die Monate und Jahre an einem Film arbeiten, schlicht Unrecht tut. Ein noch so gut gemachter digitaler Hintergrund (oder auch "nur" digitale Seterweiterung) bringt herzlich wenig, wenn der Compositing-Artist besoffen damit hantiert. Oder wenn der Kameramann leider von der falschen Seite das Licht gesetzt hat. Oder der DIT die falsche LUT genommen hat. Und und und. Ja, die Prozesse sind kompliziert und komplex obendrein, da kann man schon mal die Abkürzung nehmen und alles zusammen verteufeln - gerecht ist das nicht.

                                                  Wer da mal mehr drin eintauchen will (was könnte einen Film-Nerd glücklicher machen?), dem empfehle ich den Twitter-Account von Todd Vaziri, der nicht nur Einblicke in seine eigene Arbeit gibt, sondern eben gerade grundsätzliches immer wieder mit Engelsgeduld erklärt: https://twitter.com/tvaziri - hier gibt's ein nettes Video mit ihm, wo er ein paar Fragen beantwortet: https://youtu.be/EhLWP_l6CBU

                                                  Oh, und wenn jemand zum Vergleich sehen will, wie ein wirklich CGI freier Film aussieht, der nur mit alten, analogen VFX arbeitet, der darf sich gerne nochmal BRAM STOKER'S DRACULA von Coppola ansehen, oder besser gleich ein making of: https://youtu.be/_gGDZ95bMQ4

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                                                  • "I don’t know why people expect art to make sense when they accept the fact that life doesn’t make sense" (David Lynch)

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