jp@movies - Kommentare

Alle Kommentare von jp@movies

  • Die große Kunst beim Filmemachen ist das Weglassen, die Leerstellen füllt dann das mündige Publikum. Weggelassen wird in COLD WAR so einiges, von der Farbe angefangen, und am offensichtlichsten wohl in all den übersprungenen Jahren dieser merkwürdigen Beziehung. Der Film hat eine angenehme Länge, ein viel zu selten benutztes Format (1:37), tolle Kontraste und eine Kameraarbeit zum Niederknien. Dennoch hat mich dieser Film in erster Linie kalt gelassen.

    Am ehesten erkläre ich mir das damit, dass ich schon am Anfang nicht verstanden habe, was Wiktor und Zula aneinander finden. Denn überwältigendes Verlangen füreinander oder gar alles überwindende Liebe spüre und sehe ich nicht. Beim Vorsingen, der ersten Begegnung der beiden, springt kein Funke über. Er ist zwar dafür verantwortlich, dass sie bei "Polen sucht den Superstar" (1949) in den Recall kommt, aber seine Kollegin muss ihn erst darauf ansprechen, ob er bei den draußen ausgelassen tanzenden Studenten "seine" Schülerin sieht. Nein, gefunkt hat es zwischen ihnen da noch nicht. Dann gibt es eine Übungsszene am Klavier, die ihre harmonierenden Talente unterstreicht, und beide einander ein wenig provozieren, aber das war's im Grunde, danach liegen sie schon zusammen im Gras. Also da fehlte mir was. Und immer wieder überspringt der Film dann eigentlich genau die Momente, die mich interessiert hätten, stattdessen bekomme ich eine Ohrfeige, verbale Tiefschläge und Eifersuchtsanfälle zu sehen, auf die ich hätte verzichten können.

    Dann bleibt einem zwar immer noch die großartig in Szene gesetzte Musik, wobei einem kurz die Befürchtung befällt, Ryan Gosling könnte aus LA LA LAND herübereilen um einen Vortrag über Jazz zu halten, aber derlei bleibt einem glücklicherweise erspart, und der Jazz darf für sich selbst sprechen. Die Fleißaufgabenhaftigkeit von Damien Chazelle mutet COLD WAR dennoch an, Pawlikowski will alles richtig machen, und das kratzt dem Film ein bisschen an der Seele, auch wenn Joanna Kulig gelegentlich erfolgreich dagegen antanzt. Lachen musste ich bei ihrem ersten gemeinsamen Tanz in Paris, der nämlich zu diesem Song stattfindet, einschließlich der Stelle mit dem Bügeleisen(!): https://www.youtube.com/watch?v=R-sLX5UZaxk

    Apropos Paris, Sängerin und Komponist aus Polen: bei dieser Konstellation musste ich an das polnische Musical PRZYGODA Z PIOSENKĄ ( https://www.imdb.com/title/tt0064850/?ref_=fn_al_tt_1 ) denken, das hier zwar nicht Pate stand, aber mehr Leidenschaft ausstrahlt. In einer tollen Kamerafahrt um ein Klavier herum fühle ich noch kein Leiden, geschweige denn Leidenschaft - dazu braucht es schon Jeff Bridges am, und Michelle Pfeiffer auf dem Flügel. Warum aber Wiktor und Zula nicht voneinander lassen, sowie weder mit noch ohne einander können, erschließt sich mir nicht. Jetzt fülle ich also die Leerstellen, wie ich es eingangs gefordert habe, aber mit Filmen, die ich mir jetzt lieber anschauen würde, als diesen ein zweites Mal. Dabei sind die Bilder wunderschön, aber die von oben verordnete Strenge kann COLD WAR nie richtig abschütteln, egal wohin die beiden Liebenden auch flüchten, Pawlikowski lässt sie nicht los, oder mal mit sich selbst allein, und über die Jahre ändert sich nichts an den Figuren, außer der Länge, in der Zula ihr Haar trägt. NÄCHSTES JAHR, SELBE ZEIT holt viel mehr aus einer ähnlichen Konstellation, man muss der Entfremdung begegnen und sich stets neu finden, davon spürt man hier nichts, und alles bleibt Behauptung, die sich in der Auslassung versteckt. Das war mir unter dem Strich einfach zu wenig.

    Was ich gerne in Erinnerung behalten werde ist die Kamerafahrt, in der Joanna Kulig singend auf dem Rücken im Wasser dahin und schließlich aus dem Bild treibt. Danach hat mich der Film leider verloren und ich war nur noch Zuschauer, der mit anderen Filmen in seinem Gedächtnis geliebäugelt hat.

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    • Du hattest mich bei "Wir setzen uns in einen Panzer, bauen vorne ne Kuhglocke dran, und mähen die Viecher mal ganz gepflegt nieder." Den Film will ich sehen :) Auch sonst bin ich ganz bei dir, erstes Gebot eines jeden Films ist das Erschaffen einer in sich stimmigen Welt. Wenn man es dann nicht schafft, sich an die paar selbstaufgestellten Regeln zu halten, dann ... schreibt man das Buch eben so lange um, bis es das irgendwann hinkriegt. Wenn das so passiert, wie du es hier vormachst, dann hat man in einem writer's room ziemlich viel Spaß.

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      • Mir erschließt sich nicht ganz, wie DELIVERANCE hier reinpasst, außer das sowohl Vergewaltigung als auch Rache/Selbstjustiz drin vorkommen. Nun gut, weder für das eine noch das andere kann ich mich begeistern, und verstehe nicht warum ich mich derer expliziten, minutiösen Darstellung aussetzen soll. Es ist schlicht menschenverachtend und hat keinerlei kathartischen Effekt, meistens steckt nicht mehr dahinter als (sich selbst) schön geredeter Voyeurismus (bei Filmemachern wie Zuschauern gleichermaßen). Ausnahmen mag es geben, aber die allein machen noch lange kein Genre.

        Wieso soll man sich ausgerechnet dem nicht-eingreifen-können aussetzen? Passiv mit ansehen zu müssen, wie Menschen leiden, Opfer zu Tätern werden und umgekehrt: Warum? Wozu? Selbstermächtigung kann man auch auf anderem Wege erreichen, als zunächst Leid erfahren zu müssen. Hilflosigkeit und Ohnmacht kann auch empfinden, ohne das einem auch nur ein Haar gekrümmt wird. In der Schule zum Beispiel. Bildung wäre allerdings auch ein Weg aus dem Dilemma, wird einem dort wie im Leben aber viel zu selten vermittelt. Schreiben hat einen therapeutischen Effekt, und wer solche Affekte verspürt, sollte vielleicht zum Bleistift greifen und den nicht wiederholt jemanden ins Auge rammen, sondern sie sich von der Seele schreiben (die Affekte, nicht die Augen). Und wenn das keine Linderung verschafft, kann man mit dem vollgeschriebenen Heft ja noch zum Therapeuten gehen. Diversen Filmemachern könnte das sichtlich gut tun ;) https://www.youtube.com/watch?v=X4YyRbjrri4

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        • Warnung vor möglichen Nebenwirkungen: nach der Lektüre dieses Artikels habe ich mir den Film vorgemerkt, und danach leichte Schwierigkeiten beim korrekten Lesen der folgenden Titel auf einer seriösen Nachrichtenseite gehabt: "Facebook sperrt Hunderte Spamkonten", "Schwänzen für den Forst", danach hab ich vorsichtshalber aufgehört zu lesen. Ich glaub, ich leg mich wieder hin.

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          • Rachethrillern kann ich ja nichts abgewinnen, den Trailer habe ich mir aber doch angesehen, und der weiß zu gefallen. Dieser jüngere Zwilling von Tom Hardy macht seine Sache prima, und der Clou mit der angehefteten Kamera, wie sonst im Fernsehen Schrifteinblendungen angetackert werden, habe ich so noch nicht gesehen (und was wichtiger ist, es ist dramaturgisch motiviert, die AI übernimmt). Wenn der bei den Streamingdiensten landet, kommt er auf meine Watchlist. Cam möglicherweise auch, da warte ich noch einen Trailer ab - auf youtube bin ich nur auf einen Besprechung gestoßen, die eine Computerstimme abliest, und das ist mir für sich genommen schon wieder viel zu creepy. Internet, you can do better than that!

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            • Fantastische Folge, die einem erst das Herz zertrümmert und dann noch die Bruchstücke in den Schlamm drückt, mit den unsere Tränen den Wüstensand aufgeweicht haben. So dicke kam es lange nicht. Das Werner nach Belize geschickt wird, war zu erwarten, auch das Mike es selbst sein wird - als Art letzter Freundschaftsdienst. Das Flimmern der fernen Lichter von ABQ in der Unschärfe, haben etwas von Tränen, die sich in Mike anstauen, sein Innerstes ist nach Außen gekehrt. Sooo schön sind diese Einstellungen, dass diese ebenfalls schöne Silhouetten-Einstellung wie ein Fremdkörper auf mich wirkte. Es passt nicht zum Rest, und genau deswegen eigentlich schon, aber ich wollte nicht bewusst auf die schöne Kameraarbeit aufmerksam gemacht worden. Ej, meckern auf einem Niveau, wo anderen weit vorher die Puste ausgeht, ich glaube ich wollte einfach nicht, dass es Werner keplern lässt - was für schöne letzte Worte. Hach.

              Und Jimmy, wie er im Auto in der Tiefgarage heult? Da war der Jimmy, dem Kim helfen wollte. Sie haben sich verpasst, da hätte sie ihn vielleicht noch erreicht, danach ist er weg, und Saul übernimmt endgültig das Ruder. Oder doch nicht? Vielleicht ist das Fünkchen Hoffnung Thema der letzten Staffel, wir werden sehen. Vielleicht ging es mit dem BB-Flashback-Teaser ja bereits darum, eine Andeutung, die eine Tür aufmacht für eine Zimt-Versöhnung mit Kim? Aber da in der Tiefgarage gewinnt Chuck zum letzten Mal, haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh, Jimmy kann nie wieder zurück, aber er kann ihn gänzlich verleugnen und am Ende doch gewinnen. The fucking winner takes it all. Selbst singen konnte Chuck besser, und doch war diese zärtliche Szene am Ende des Teasers die versöhnlichste Szene, die es je zwischen den beiden gegeben hat. Chuck kümmert sich um Jimmy, und nicht umgekehrt, und Jimmy hat den weichen Kern von Chuck zum Vorschein gebracht, ein einziges, verdammtes Mal. Sooo schön, und so schrecklich.

              Das Entsetzen von Kim braucht keine Worte, es war alles im Gesicht. Das wäre nur noch zu toppen gewesen, wenn sich ihr Pferdeschwanz spontan gelöst hätte, und das Haargummi als Rikoschett von Wand zu Wand die Vitirnen zerschossen hätte. Gut, dass sie das gelassen haben. Mit dem gleichen Ausdruck gucke ich immer noch Jimmy nach, wie er im "cut to black" verschwunden ist. Nachbilder der ganzen Staffel vor Augen, bedanke ich mich an dieser Stelle auch für die tollen Recaps, und freue mich auf's nächste Mal!

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              • Gut, dass das Festival auf die Zielgerade einbiegt - eine Koffeintablette mehr, und du greifst selbst zur Knarre, bzw. rammst dem nächstbesten Idioten, der es verdient hat einen leergeschriebenen Kugelschreiben in die Halsschlagader (nur um ihn ROT aufzutanken, sebstredend). Deine Assoziationsketten stehen den Assassininnen innen, *räusper, ich meine in nichts nach, von Benjamin zu Gladwell, den du mit deiner Beobachtung noch übertriffst (weil der zwar nur schlecht abgeschrieben, aber den ganzen Fame abbekommen hat: https://www.salon.com/2016/04/10/malcolm_gladwell_got_us_wrong_our_research_was_key_to_the_10000_hour_rule_but_heres_what_got_oversimplified/ ). Ich würd mir ja Sorgen machen, wenn es nicht so schön geschrieben wäre ^^

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                • Reed Morano hat hier übrigens Regie und Kamera geführt. Bin sooo gespannt auf den Film und hoffe der läuft auch auf dem Camerimage.

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                  • Das ist wohl eher nichts für mich. Bei gelungenen Choreografien denke ich lieber an sowas, das Edgar Wright in den letzten Wochen auf Twitter gepostet hat: Ausschnitte aus Jackie Chan Filmen - https://twitter.com/edgarwright/status/1039989620635664384

                    Mit Ultrabrutalität tue ich mich schwer. Liegt vielleicht daran, dass ich mit Bud Spencer und Terence Hill aufgewachsen bin, wo ersterem höchstens ein Stuhl am Rücken zerbröselte, der sich davon unbeeindruckt langsam umdrehte, um dann dem Übeltäter seinen Unterarm über die Birne zu ziehen, der dann aus dem Bild flog. Konnte ich mich damals wie heute nicht dran satt sehen. Ne, stimmt nicht ganz, heute nach einem Selbstversuch dann doch: https://www.youtube.com/watch?v=Zs0vycggunY

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                    • Danke für diese, äh, blutige Überwindung der Blut-Hirn-Schranke, und noch mehr für das Plädoyer für den Einsatz von Stilmitteln zum Geschichten erzählen, nicht zum aus der Geschichte reißen; denn genau das tun die zur neuen Norm gewordenen Plansequenzen, sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und den Zuschauer aus der Geschichte. Gute Kamera- und Schnittarbeit tut das Gegenteil, bleibt nicht unsichtbar, sondern lässt immer der Erzählung den Vortritt.

                      "Gute Plansequenzen übernehmen selbst eine Art Montage." bringt es auf den Punkt, ich würde sogar weitergehen und behaupten, auch die schlechten tun das. Eigentlich sogar jede Kamerabewegung, jeder Schärfenzug, denn all dem wohnt ein Rhythmus inne, ein ureigener, mal der vom camera-operator, mal der vom focus-puller, im Idealfall verschmelzen die beiden mit den Darstellern vor (und hinter) ihnen zu einer Einheit, die am sinnvollsten als Tanz beschrieben werden könnte. Genau darüber habe ich als Cutter jetzt schon mit einigen Kameraleuten und Editoren gesprochen, und die bestätigen das. Der Tanzmarathon einer Plansequenz nimmt den Tänzern etwas von ihrer Intimität, die ihnen von Editoren in der Montage durch das Ausbalancieren der Takes gerettet werden kann. Ehe man sich dann als Zuschauer versieht (und aus dem Film rausfliegt), tanzt man ohne es zu bemerken auf der Leinwand mit. Es gibt nichts schöneres auf der Welt*.

                      * für unbegabte Tänzer wie mich

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                      • Wonderstruck fällt mir noch ein ... *grübel

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                        • Dem Wortlaut dieses Statements nach zu urteilen, würde ich mal schwer davon ausgehen, dass sie sich nicht im Westen befindet.

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                          • Wunderschön und tragisch zugleich, sowie besorgnis- als auch anderweitig erregend. Ach Kim, da rettest du eure abgekühlte, eheähnliche Beziehung, obwohl du weißt, dass du dabei mit dem Feuer spielst. Zwar anders als Chuck, und immerhin nicht um dein Leben. Im schlimmsten Fall verliert diesmal sie ihre Zulassung, es sei denn ... aber da will man jetzt nicht drüber nachdenken. Immerhin sind die Fälle jetzt filmreif, nicht trocken und auf Dauer langweilig wie einander gleichende Bankfilialen, sondern ein Dehnen der Gerechtigkeit zu Gunsten der eigenen Interpretation. Das uns ein Gaunerpärchen erwartet, hätte ich nie und nimmer gedacht, und jetzt drücke ich die Daumen, dass Saul Goodman in BB eigentlich nur existiert, um Kim irgendwo raus zu kloppen. Zu romantisch? Damit kann ich leben :)

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                            • jp@movies: Film & TV Kamera 25.09.2018, 10:01 Geändert 25.09.2018, 10:18

                              Was für ein schön zwinkernder Leseschmaus! Danke für den Denkanstoß. Wie sagte mal ein guter Freund sinngemäß: Wer einen Film nicht komplett durchhält, kann ihn hinterher auch nicht kritisieren. Und konsequent, wie mein Freund ist, gilt das für ihn nicht nur für die im Kino goutierten. Jedenfalls habe ich den Satz seitdem immer im Hinterkopf, denn es steckt viel Wahrheit drin. Einige male habe ich so die Zähn zusammengebissen und fürchterliche Filme bis zum Ende ertragen, manche habe ich auch in Sälen gesehen, die so vollgestopft mit Menschen waren, dass man ihn gar nicht hätte vorzeitig verlassen können.

                              Über die Jahre hat sich dieser Satz für mich jetzt aber doch aufgeweicht, denn ich verlasse (auf Festivals mit "Flatrate", wie es Jenny formuliert hat) inzwischen durchaus Filme, teilweise auch weil ich muss. Nein, nicht der vollen Blase wegen, sondern aufgrund von Interviewterminen, Seminaren, oder anderen zeitgleich laufenden Veranstaltungen. Manchmal schnuppere ich in Filme rein, von denen ich nur Trailer kenne, um zu überprüfen, ob der Eindruck, den ich gewonnen habe in die richtige Richtung geht, oder ob der Film andere Qualitäten hat. Dann entscheide ich meistens, ob ich den Film noch ganz sehen möchte, oder meine Gedanken dazu besser in den Mantel des Schweigens hülle und in einen Teppich eingewickelt von einer Brücke auf die Autobahn werfe. So sind inzwischen leider einige mehr auf meiner Liste der abgebrochenen Filme nachzutragen (die, öhöm, noch unvollständig ist), als mir lieb ist.

                              Der erste Kinofilm, den ich verlassen habe, war übrigens "Ein Mann sieht rot". Ich war 11 und der lief im Strandkino nach "Das Imperium schlägt zurück". Da stellte ich recht zügig fest, dass ich den nicht sehen möchte, dass der nichts für mich ist. Meine Empathie galt damals wie heute den Opfern, und ich hasste es deren Leiden hilflos mit ansehen zu müssen. Mit Rachethrillern stehe ich seitdem auf Kriegsfuss, denn Rache löscht das Leiden der Opfer nicht aus, und der Verdacht, dass sich die Regisseure irgendwie stets an beidem weideten, ist schwer bis unmöglich von der Hand zu weisen. So hinterließ ich nur Spuren im Sand, bis die nächste Flut kam, dafür bin ich dort aber nicht ertrunken.

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                              • WTF? Also wie kommt man darauf hier drunter in erster Linie die Steuerhinterziehung zu thematisieren? Hier verschwindet ein Mensch spurlos von der Bildfläche, möglicherweise im Gefängnis oder wie oder was? NACH einer Gerichtsverhandlung mit entsprechender Verurteilung mag das ok sein (wenn man an die Rechtsstaatlichkeit Chinas glaubt), aber VORHER? Allein aufgrund einer Anschuldigung? Hallo? Das Signal des Staates ist in diesem Fall doch: niemand ist mehr sicher, und dann herrscht unter wie überm Strich die reine Willkür.

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                                • Rian Johnson setzt sich dafür auf Twitter schon seit Jahren ein, unter #TVninja postet und retweetet er abgeschaltetes "motion smoothing" bei Verwandten, Freunden, in Hotelzimmern - wie dem auch sei, kann man nur unterstützen, je mehr sich dafür stark machen, desto besser. Denn wer da keinen Unterschied mehr sieht, ist bereits blind.

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                                  • Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass Gus von dem Tier in der Falle erzählt, Jimmy die drei Deppen in eine lockt, und die deutschen Bauarbeiter ... nun ja. Sagen wir es einmal so: um Kai alleine würde ich mir keine Sorgen machen, sondern um den ganzen Verein. Wenn da mal nicht die "full measure" lauert, die BCS-Mike zu BB-Mike macht. Das erhöht immerhin wieder die Überlebenschancen von Nacho. Dem Handlungsstrang kann ich ebenfalls wenig abgewinnen, Mike macht halt Mike-Sachen, hat den Überblick, das Auge für Details, ist in allem perfekt, und das ist auf Dauer ... vielleicht ein bisschen langweilig? Das Gus einen Monolog hatte, fand ich mal eine angenehme Abwechslung, da war immerhin so etwas wie eine Regung, wenn er von der süßen Frucht redet. Aber auch hier würde der private, in Breaking Bad selbst kochende Gus interessieren, den eiskalten Geschäftsmann kennen wir doch schon, aber wo ist der Kern? Muss ja nicht weich sein, wie bei Mike und seiner Enkelin. Ist es wirklich nur Hass auf Don Hector? Laaame. Move on! Zeigt mir lieber, wie Nacho aus der Sache raus kommt, und mit seinem Vater einen Cinnabon-Laden fern von ABQ aufmacht. Uh, oh ...

                                    Interessant, dass Kim hier eine identische Wortwahl an den Tag legt, wie später Walter White. "I like it. I am good at it." - als wäre sie die "Böse", die Jimmy versetzt, dabei sagt sie ihm die Wahrheit, hat im Gegensatz zu ihm keine Geheimnisse, jedenfalls nicht lange. Vielleicht hätte sie ihn mal das gemeinsame Logo auf ihren Gips malen lassen sollen, dann würde er sich vielleicht besser fühlen. Ich bin kein Fan von dieser neuen Verknüpfung von Jimmy's Ambitionen Anwalt zu werden, bislang war es ja eigentlich der Bruder, und damit immer weniger ein innerer Antrieb. Schade.

                                    Bitter finde ich, wie Jimmy mit Howard umgeht, weil sich dort eigentlich eine Chance auftut, weil er den richtigen Namen hat. Genau wie Kim einen Kunden in die neue Firma mitbringt, verweist auch Jimmy - nun ja - immerhin einen Neukunden an die Kanzlei. Aber es ist der Gedanke, der zählt, und sein Name könnte die Lücke im Herzen stopfen, die bei Howard keine Therapie allein zu heilen in der Lage ist. Der Anrufer fragt ihn noch, und wenn Kim nicht mit ihm das Büro teilen möchte, ok, aber hier wäre ein Vakuum gewesen, das nur auf ihn wartet. Stattdessen macht man sich zunehmend berechtigte Sorgen um Howard, dessen Lächeln sonst eigentlich selbst Gammastrahlung reflektiert. Vielleicht sollte auch er mal über die Filialleitung bei Cinnabon nachdenken.

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                                    • jp@movies: Film & TV Kamera 11.09.2018, 10:53 Geändert 11.09.2018, 10:56

                                      Wer dann doch wissen will, was aus den Figuren geworden ist, der möge sich TEXASVILLE ansehen, die von Bogdanovich 20 Jahre später inszenierte Fortsetzung, in Farbe und mit deutlich humorvollerem Ton; denn alt werden kann auch bedeuten, die Dinge entspannter zu sehen, und nicht so fatalistisch, wie das jüngere Selbst. Ich mag beide Filme, auch und gerade wegen dieses Kontrastes.

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                                      • Tausend Dank für dieses lebendige Lesebuch aus Venedig, das einmal mehr unverzichtbar aus dem Labyrinth der Filmkanäle hinein ins Herz des Kinos führt, in jenen Saal wo man sich vertrauensvoll hinsetzt. War toll dich einmal mehr virtuell begleiten zu dürfen, nimm uns gerne wieder mit, wir versprechen auch während der Vorstellung nicht mal zu flüstern und machen unsere Telefone aus. Ehrenwort.

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                                        • #TeamNora - https://www.youtube.com/watch?v=lAL6a_NyenY
                                          Wer Carrie Coon einmal als Nora Durst gesehen hat, folgt ihr spätestens nach diesem Intro* bereitwillig überall hin, Pferde stehlen und so.

                                          * Erst ab dieser Folge hat mich die Serie gepackt, und ich hab es nicht bereut.

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                                          • Hab mich im Kino nicht gelangweilt.
                                            Außerdem: https://twitter.com/Thisisnotporn/status/1036649622888951809

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                                            • Ach du ... na, da werde ich Deschanel im November besser mal einen Schnaps ausgeben :)

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                                              • Kann mich Chewie nur anschließen, wie aus einem Guss geschrieben, weder von á, Í noch ó ausgebremst, mit einem letzten Satz, dem man stehend applaudieren möchte. Nun ja, immerhin habe ich mich endlich aufrecht hingesetzt, und hänge nicht länger nur schlapp an meinem Schreibtisch. So starte ich gerne in den Tag: Gebt mir etwas zu schreiben!

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                                                • Erster vollständiger Trailer, und ... aaaaarrrhjetzt-sofort-sehen-will-Alarm: https://www.youtube.com/watch?v=8IOw3z-sRNI

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                                                    Bonustrack: https://www.youtube.com/watch?v=6l86TZUDkDE (gnihihi)

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