jp@movies - Kommentare

Alle Kommentare von jp@movies

  • Gervais wird mir immer sympathischer, und es grenzt an traumwandlerische Sicherheit, mit der er sich immer öfter durch Thematiken bewegt, die an sich schon ein Minenfeld darstellen, und um die viele einen Bogen machen, oder höchstens nur eine schnelle Pointe anbringen, ehe sie das Thema wechseln. Schon DEREK war eine Offenbarung zwischen Grenzüberschreitung und verblüffend moralischen Einsichten, die man nicht unbedingt jedesmal hat kommen sehen. In AFTER LIFE ahnt man zwar manche Dinge, wenn sich ab der zweiten Folge Plotbögen abzeichnen, dennoch ist das bei der gewählten Thematik fast Pflicht, und Zeichen dafür, wie ernst er sie nimmt. Denn er nimmt Trauer nicht auf die leichte Schulter, die Serie ist kein Schenkelklopfer, sondern ein behutsamer, einfühlsamer Weggefährte, eigentlich ein Special-Interest Programm, das wir auch ansehen dürfen, ohne zum Kreis der Betroffenen zu gehören. Das ist schön und schult uns in etwas, dass viele Ricky Gervais gar nicht zutrauen würden, Empathie nämlich. Wer nicht genau aufpasst, könnte es mit Kitsch verwechseln, käme es nicht von Herzen, allen Arschlöchern zum Trotz.

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    • Wenn einem der Kaffeesatz aber auch direkt auf die Tastatur fällt... brav auflesen.

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      • I looove the smell of The Golden Bough in the morning :)

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        • W... wieso gibt es das nicht schon lange als Liste von BlubberKing???

          (Hab eben nachgeguckt. Mind. Blown.)

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          • Wer Näheres zum "Green Book" erfahren möchte, bei "99% invisible" gab es eine - wie immer - tolle Podcastfolge dazu:
            https://99percentinvisible.org/episode/the-green-book/

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            • Missandei hat doch klar erklärt, das im valyrischen "Prinz" auch "Prinzessin" bedeuten kann, analog kann "valonqar" für Bruder oder Schwester stehen - damit ist der Kreis möglicher Killer deutlich größer, und schließt auch Arya und ihr Gebet ein. Bin immer noch Fan eines "trial by seven", den Cersei als letzten Trumpf zieht, nachdem sie nur mit Ach und viel Krach besiegt worden ist. Dass Jaime die Mad Queen umbringt, wie vorher ihrer beider Vater*, ist irgendwie viel zu naheliegend. Rein schauspielerisch reicht niemand Cersei das Wasser, sondern schenkt ihr selbstverständlich ausschließlich reinen Wein ein.

              * Yepp, ich bin davon überzeugt, dass allein Tyrion Tywin's Sohn ist, und damit haben die beiden Halbbrüder immerhin den Vatermord gemeinsam :)

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              • Der Drache über King’s Landing aus Brans Vision kann sich genauso auf die Vergangenheit beziehen, oder auf das am Ende der siebten Staffel Treffen. Die Vision von Daenerys ist deutlich spannender, denn sie sieht ja Schnee (Snow) auf dem Thron - auch wenn Jon dort nicht hin will, und das auch verweigern wird - aber danach geht sie nach Norden. Und was sie dort zurücklässt, ist Drogon und ihr Kind, also … all ihre Kinder? Die White Walker können selber ja keine Kinder kriegen, sondern müssen sie sich klauen, ihre Quelle bei Craster ist zum Erliegen gekommen, jetzt kommen sie dafür halt weiter nach Süden. Vielleicht weil es um ein besonderes Kind geht, nicht das von Gilly, sondern tatsächlich das noch ungeborene von Danny? ALUHUT AUF! SCHNELL!! Ergäbe insofern Sinn, weil das dann der “prince that was promised” wäre, nämlich den White Walkern versprochen, und zum bereits dritten Mal. Das erste Mal beim Frieden mit den “first men”, dann nach der Invasion der Andalen, und diesmal nach jener der Targaryen. Die brauchen halt immer ein paar hundert Jahre um in den Süden zu latschen. ALUHUT AB. Ach, ich weiß es doch auch nicht.

                Ach so, ja, die Drachen? Vielleicht wäre es weise gewesen, die Viecher nach Lebenden zu benennen … oder wiederholt sich, was wir schon gesehen haben, das Drogon Viseryon “krönt”? Vielleicht fliegt jemand auf einem Drachen am Ende gen Westen, in den Sonnenuntergang?

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                • Team Patchworkfamilie, Jaime, Brienne, und das noch ungeborene Kind von Cersei. Wen interessiert da noch der Thron?

                  PS: Valonqar ist geschlechtslos, und Brienne "the beauty" ist eine jüngere Schwester, ebenso Arya ... und auf Prophezeihungen sollte man eh nicht so viel geben :)

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                  • Off-topic: Man verbringt zu viel Zeit im Grading, wenn man anstelle der echten Überschrift "Disney+ lässt die größten Farbräume wahr werden" liest. Ich mach besser mal blau bevor ich noch überall rot sehe. Feierabend!

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                    • Der Film hätte sooo schön sein können, wären mit Ausnahme von Tim Blake Nelson nicht alle Männerrollen komplett unsympathische Idioten. Von passiv, unerfahren aber hübsch, bis borderline wahnsinnig oder nur arschig - man wünscht sich Frau Hathaway würde schon früher das Weite suchen, statt dort zu bleiben. Und so muss man viel zu lange dummes, selbstmitleidiges, passiv-aggressives und offen-aggressives Männergewäsch und Verhalten ertragen, darum lasst euch von mir dazu raten an den Stellen einfach vorzuspulen, ihr verpasst nichts. Einfach so weit, bis die Handlung wieder draußen spielt und ihr habt viel mehr Spaß an einem kürzeren Film, ohne dessen Message zu verpassen. So betrachtet würde ich den Film empfehlen, aber macht ihn euch um mindestens eine halbe toxische Stunde kürzer, fühlt sich besser an, und man kann locker trocken bleiben.

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                      • Du meine Güte, war das anstrengend. Wie ein nicht enden wollender Teenie-Film-PTSD-Flashback, bei dem man zu den Plotpoints vorspulen möchte. Gerettet hat mich merkwürdiger Weise, dass ich letztes Jahr SHARP OBJECTS geguckt hab, und man dann Emma Stone ein bisschen als die junge Amy Adams sehen kann, die beide mit Patricia Clarkson als Mutter klarkommen müssen, was mich dann wenigstens mal hat grinsen lassen. Richtig creepy war allerdings, dass ich erst vor kurzem nach immerhin zwei Folgen die Serie YOU abgebrochen habe, und Penn Badgley dort seine Rolle aus diesem Film einfach nur wieder aufnimmt: er weiß wo sie wohnt, man erwartet ihn förmlich in der Buchhandlung, wo sie die Bibelstelle nachschlägt, und unter seinem Biberkostüm ist er immer noch das blaue Teufelchen vom Anfang. Man möchte Emma vor ihm warnen, wenn sie auf dem Rasenmäher in den Sonnenuntergang aufbrechen, aber “Party’s over” https://youtu.be/keUGJErKl1k?t=136

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                        • Ach, wie schön gruselig die alte BRD hier nebenbei durchs Bild huscht und dem Film beinahe die Schau stiehlt, das München von 1970 mit dem alten Flughafen Riem in Betrieb, die Polizei fährt konsequent Volkswagen Käfer oder Bulli, kein einziger BMW weit und breit - so stellen sich heute sicher viele die DDR vor. Dazu Nebelfelder im bayrischen Umland, Verfolgungsjagden durch Dörfer mit einem Stunt, der nicht von schlechten Eltern ist, wenn nicht alle Action am knappen Filmmaterial haarscharf scheitern, oder spätestens im Schnitt in Peinlichkeiten münden würde.

                          Doch, doch, der ist sehenswert, ein Film am Puls der damaligen Zeit, wohl kurz nach der ersten(!) echten Geiselnahme während eines Bankraubs entstanden. Man mag sich gar nicht ausdenken, wie viele Jahre heute überhaupt vor der ersten Klappe vergehen würden, da wurde hier schon drauflos gefilmt, und später tapfer nachsynchronisiert, weil die Kameras so laut waren. Das mutet merkwürdig an, aber nie so heftig, wie die mit deutschem Akzent nachsynchronisierten amerikanischen Soldaten. Eine Sequenz mit O-Ton gibt es aber mitten im Film, nämlich wenn ein Reporter dabei gezeigt wird, wie er Stimmen der Schaulustigen einsammelt. Manche davon wirken echt, während andere peinlich einstudiert wirken. Das hat schon was. Weniger gruselig sind die eingewobenen Elemente der Gesellschaftskritik, von Reichtum, Armut, Perspektivlosigkeit, Einfluss, Parteispenden, Presse … es kommt alles unter, aber viel weniger mit dem Holzhammer, als es jetzt klingt. Ernst H. Hilbich gibt dem ein interessantes Gesicht, und den hab ich glaube ich noch nie in einer so ernsten (pun intended) Rolle gesehen. Erst kriegt man einen Schreck und erwartet Dieter Hallervorden hinter der nächsten Ecke, wo er gerade Nonstop Nonsens dreht, immer schön im Zeitraffer, stattdessen gibt es Zeitlupe, fast so schön wie in BONNIE AND CLYDE. Stellenweise ist die Kameraarbeit richtig gut, dann überragt Raimund Harmstorf in Untersicht den dünnen Plot, pausenlos mit Zigarillo im Mund, der ihn daran erinnert Zähne zu zeigen, während das Zoomobjektiv zwischen Sonnenbrille und zu engem Schritt hin und hergerissen ist. Wer würde nicht so die Zähne zusammenbeißen müssen, wenn es einem permanent die Eier quetscht? Die Anspannung überträgt sich gekonnt auf den Zuschauer, der geneigt ist, wenn er kurz woandershin guckt, oder mit den Augen rollt. An Gewalt wird nicht gespart, jede Aktion endet erstaunlich blutig und oft noch mit aufgetischtem Gedärm, aber irgendwie muss sich ja der Titel rechtfertigen. Künstlerisch fragwürdig gipfelt das sicher in der Montage, die eine Vergewaltigung zeigt, oder umgekehrt die Montage vergewaltigt? Ich bin mir nicht sicher, aber die Vermutung liegt nahe, dass da Filmschnipsel durcheinander geraten sind, und so noch vereinzelte Aufnahmen aus einem Schlachthof und eines Pornofilms versehentlich mit reinmontiert wurden. Wie gesagt, alle Themen kommen irgendwie vor, aber so richtig rund geht es und wird es nicht.

                          Trotzdem trauere ich diesem schnellen und dreckigen Kino nach, dass sich einfach mal getraut hat, trauen durfte, und nebenbei ein München dokumentiert hat, in dem ich wenig später aufgewachsen bin. Wer noch mehr über den Film wissen und ihn abgefeiert wissen möchte, der sei an die famosen Kollegen von “Episode Heinz” verwiesen, ohne deren heinzigartigen Podcast ich dieses wunderschöne Zeitdokument wohl nie zu Gesicht bekommen hätte: http://episodeheinz.de/s02e06-blutiger-freitag/

                          PS: Stelle gerade fest, das heute ja Freitag ist. Alle mal schnell in den Finger pieksen und einen Tropfen Blut unters Auge tupfen, dem Film zu ehren, oder so oderauchnicht - ist mir doch egal wie ihr euer Wochenende begeht!

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                              • Was für ein beinahe toller Film. Eigentlich sind alle Zutaten für ein Meisterwerk gegeben, Buch, Darsteller, Regie, Kamera, Drehort, Ausstattung - die Liste könnte ich verlängern, aber ich mache gerade einen angestrengten Bogen um zwei Disziplinen: Musik und vor allem Schnitt. Mit der Musikauswahl und ihrem oft zu ausgedehntem Einsatz kam ich nicht klar. An den klassischen Stücken selbst liegt es nicht, sie wollten für mich einfach nicht zu den Figuren passen. Natürlich kann der Kontrast angestrebt sein, etwa um die archetypischen Motive zu unterstreichen oder irgendein anderer intellektueller Schnickschnack als Begründung - es lief meinem Geschmack zuwider, und damit kann ich leben. Kommt auch sonst häufig vor. Den Schnitt jedoch kann ich mir nicht schön reden.

                                Es fängt damit an (und hört damit auf), dass der Film zu lang ist. Nein, noch einmal zurück, ich versuch es kurz noch abstrakter: Was die Cutterin Jennifer Lame (die man vor allem von Noah Baumbach Filmen kennt, die von ihren Dialogen leben, nicht ihrer Montage - eventuell ein Ansatzpunkt für eine mögliche Erklärung) hier leisten muss ist, zwei einander nicht gerade förderliche Konzepte unter einen Hut zu bringen: fragmentarische Rückblenden mit noch dazu unterschiedlichen Zeitebenen, die sich weder durch eine andere Ästhetik, noch sonderlich verändernde Maske der Darsteller von der Jetztzeit unterscheiden (was ich übrigens als angenehm empfand), sowie teilweise sich sehr lang hinziehenden Szenen, von denen man glaubt, dass in ihnen nichts mehr passiert. Casey Affleck trägt diese Momente, man wartet auf menschliche Regungen, achtet auf Nuancen, bleibt ratlos. Bis … ja, bis man in den Rückblenden auf den Moment stößt, mit dem das alles zusammenhängt, der Zentral für den Film ist, und folgerichtig ziemlich genau in der Mitte des Films ist. So weit, so richtig. Es wird auch schön angedeutet, dass es da einen Moment in seinem Leben gegeben haben muss, ohne dass man als Zuschauer weiß, worauf die Leute dort anspielen, und das ist alles wunderbar, wie aus dem Lehrbuch. Den Umgang mit diesem zentralen Ereignis halte ich allerdings für vergeigt (nein, nicht wegen der Musik, mit der sie über die Zeitebenen hinweg zusammengehalten wird), weil es einerseits zu fragmentarisch gezeigt wird, bzw. einer noch größeren Fragmentierung bedurft hätte: die Rückblende hat drei Teile. Dass diese drei miteinander verbunden sind, versteht man erst in ihrem dritten Akt. Das passiert, weil man den Zuschauer schon an noch weiter zurückreichende Rückblenden gewöhnt hat, und da die sich nicht ästhetisch voneinander unterscheiden, kann man sie nicht einordnen. Das hat zur Folge, dass man den zweiten Akt dieser zentralen Rückblende in seiner Wichtigkeit nicht begreift, weil er komplett verpufft. Angenommen man hätte genau den weiter fragmentiert, schon vorher in der ersten Hälfte des Films aufgegriffen, und auch in der zweiten Hälfte wieder und wieder darauf verwiesen, nur für ein, zwei Sekunden … das ist die Gänsehaut, die mir gefehlt hat. Da in diesem Akt nichts weltbewegendes passiert, hätte man sich gefragt, was daran so wichtig ist, dass dieser nächtliche Spaziergang so überhöht wird. Und hier versagt für meinen Geschmack schlicht die Montage. Obendrein haben mich manche Schnitte rein handwerklich geärgert, weil vielen Momenten und Bildern nicht die Beats bekommen haben, die ihnen zustanden, und zu früh geschnitten wurde, oder auf das gleiche Motiv aus nahezu gleichem Winkel (bei Bootfahrten zum Beispiel) - das mögen Kleinigkeiten sein, die summieren sich aber. Zum Beispiel das zweite Mal Schneeschaufeln in dieser Seitengasse? Wozu? Später, wenn er dort den Anruf bekommt, ja, und noch später im Frühling dort, sicher, aber wozu zum Teufel das zweite Mal? Bei einer Komödie hätte man das gemacht, wir sind hier aber in keinem Baumbach Film, insofern ist diese Einstellung dort fehl am Platz, vor allem wenn man eigentlich versuchen sollte, den Film in Richtung 100 Minuten zu trimmen. Das gleiche gilt für die komplette zweite Bandprobe. Wozu diese (falsche) Auflockerung? Ach, es ist ein Kreuz, verzeiht mir bitte diesen sehr spezifischen Rant.

                                Lonergan hat großartiges Ausgangsmaterial geschaffen, aber am Schnittplatz fehlt im noch die Partnerin, mit der es Klick macht. Jede seiner Regiearbeiten hat dort jemand anderes sitzen, er hat seine Thelma Schoonmaker oder seinen Walter Murch noch nicht gefunden, und seine Filme hätten das verdient. Und dann diese eine, vernichtende Szene mit Michelle Williams, in der sie ein halbes Leben sichtbar und spürbar macht, man so vieles begreift und doch nichts versteht - das macht vieles in weniger Sekunden wieder wett, was vorher oft zu langatmig durchgekaut wurde. Versöhnlich stimmt mich allerdings dieses eine Lächeln von Affleck, das sich in dem Film verbirgt, in dem alles, wirklich alles, was der Film sagen will, endlich doch noch zusammen kommt. Ich werde beim nächsten Film von Lonergan jedenfalls zuerst auf die Laufzeit achten :)

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                                • Elaine? Wer ist Elaine? Wem bitte soll es gelingen, sich von Anne Bancroft los zu reißen? Total unglaubwürdig. Jedes Mal wieder zieht sie mich wie Benjamin in ihren Bann, nur dass ich nie von ihr losgekommen bin. Here’s to you, Mrs. Robinson …

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                                  • Wer noch ein bisschen mehr wissen möchte, bei den Kollegen von nofilmschool gibt's ein tolles Interview mit dem Regisseur: https://nofilmschool.com/2020/01/monos-sundance

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                                    • Alternativ kann man sich z.B. die Preisverleihung der ASC-Awards schon jetzt ansehen, einschließlich toll geschnittener Einspieler, sowie ungeschnittener Reden der Preisträger, und alles ganz ohne Werbung: https://theasc.com/news/cinematographys-biggest-night-33rd-annual-asc-awards - you're welcome :)

                                      PS: Wer nach den Golden Globes mal den Stand-In von Jeff Bridges mit eigenen Augen sehen möchte, wird dort auch fündig. Und bei dem Rückblick über die 100-Jahre-ASC-Montage hört ihr Ed Lachman als Sprecher.

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                                      • Klingt spannend, aber. Schwer. Zu Esel, Wasser und in der Luft lesen.
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                                        • Wären die Kinder und ihre Perspektive nicht, ich glaube den Film würde ich nicht ertragen. Er ist fast wie das Prequel zu “American Honey”, funktioniert aber doch anders, bleibt gnadenlos an seinem Ort und zwingt uns zu sehen, wie sich der Amerikanische Albtraum gestaltet, dessen bunte Fassaden im grotesken Widerspruch zu der Lebenswelt der Bewohner stehen. Ein ewiges Rennen auf ein Märchenschloss zu, und ob man es erreicht, bevor man selbst eingeholt wird, wird man vielleicht nie erfahren. Es bleibt allein der Lauf.

                                          Hier kann Sean Baker zeigen, was er kann. Der Schnitt ist präzise, gnadenlos und weiß genau wo er nicht mehr zeigen muss. Bei den Kindern würde ich mir manchmal längere Einstellungen wünschen, was aber mit den besten Kinderdarstellern der Welt nicht zu bewerkstelligen wäre, und was wir hier zu sehen bekommen fühlt sich so echt an, wie es nur geht, mutet mehr wie ein Dokumentarfilm an, als inszeniert. Das merkt man zum Beispiel besonders bei den Szenen, wenn sie das Parfüm auf den Parkplätzen verkaufen, das wie mit versteckter Kamera gefilmt ist, mit langen Brennweiten. Sonst sind wir immer sehr nah dran, mit einem Weitwinkelobjektiv, das an den Rändern bereits stark verzerrt, aber eben in wunderbarer, anamorpher Optik, die das Elend ästhetisiert. Die knalligen Farben, die von Willem Dafoe nachgezogen werden, tun ihr übriges, sie überdecken nur den Schimmel, ein beständiges wegsehen, einstehen oder entschlossen einschreiten bewahren vor Schlimmeren, aber es bleibt nur ein herumdoktern an den Symptomen einer kranken Gesellschaft, ein bedecken entblößter Oberweiten, das bittere Ende lässt sich nur hinauszögern, nicht abwenden.

                                          Das einzig tröstende an dem Film ist, dass von allen für die Kinder jede Minute Schonzeit abgerungen wird, in der sie Kind sein dürfen und noch das letzte Dreckloch mit ihrer Phantasie in einen lebenswerten Raum verwandeln. Obendrein sind sie mehr draußen, als vor der Glotze oder Konsole, als viele ihrer wohlhabenderen Altersgenossen. Glücklicherweise entlässt uns der Film, bevor die traumatisierenden Erfahrungen beginnen, an denen sie alle mehrfach vorbeigeschrammt sind, ohne auch nur zu ahnen, was jenseits der Badewanne und des Duschvorhangs alles passiert. Ein Film, der unsere Augen öffnet für die Schönheit am Straßenrand, von wo aus man ebenso das Feuerwerk besser sehen kann, als mittendrin, und Kühe nach dem Regen wie Zauberwesen auf der Wiese stehen - der Blick der Kinder, die nicht werten, sondern einander helfen, wenn sie dazu aufgefordert werden, die dicht halten, teilen und sich die Welt unter den wunderschönen Wolken spielerisch aneignen.

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                                          • Ähem, hust, Dr. Brenner IST Eleven's Vater. Denkt man sich Lichtschwerter und Helm dazu, wäre die geklaute Parallele ja noch offensichtlicher ^^

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                                            • Robert Mitchum :) https://youtu.be/3N2OYpEAnCQ

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                                              • Was für ein Riesenspaß, ich hab mich lange nicht so amüsiert und stellenweise gekringelt vor Lachen. Wem "Ocean's Eleven" zu high society und cool und hip war, aber dennoch ein Herz für Heist-Filme hat, der sollte sich diesen auf gar keinen Fall entgehen lassen. Man sollte sich dabei aber nicht von der Prämisse "dumme Hinterwäldler drehen ein krummes Ding" täuschen lassen, und weniger aufmerksam gucken, denn das Drehbuch ist so großartig wie präzise (ohne ein Geheimnis aus seiner Struktur zu machen: die gibt es sogar zum Mitschreiben an die Wand gepinnt), und die Regie von Steven Soderbergh erwartet Zuschauer, die aufmerksam zu- und hinsehen, denn nicht alle Gags werden ausbuchstabiert (mit Ausnahme von "incarcerated"), also ganz im Sinne von Lubitsch, man darf selber 2 und 2 zusammenzählen. Das bedeutet auch, dass man ein bisschen Geduld mitbringen muss, weil die zusammen zu zählenden Zweier durchaus weit auseinander liegen. Manchmal ist es allein die Informationsvergabe in der Kadrierung und im Schnitt, die einen lachen lässt, nicht alles wird ausgesprochen und unterstrichen. Wenn doch, dann so trocken, wie es sich gehört. Für manche mag der Anfang zu ernst daher kommen, bis Jimmy Logan endlich in die Kneipe kommt. Spätestens ab dem Selfie kommen die Mundwinkel dann aber nicht mehr zur Ruhe. Soderbergh nimmt all seine Figuren ernst, und was auf manche wie belangloses Storytelling wirken mag, wird später eben doch wieder aufgegriffen bzw. weiter geführt, und einmal nicht für doof gehalten zu werden, ist eine wundervolle Seherfahrung. Als Bonus gibt es außerdem die witzigste Game of Thrones Buch/Serie Referenz, die ich jemals irgendwo gesehen habe - und was noch schlimmer ist: sie ist jetzt, zwei Jahre später immer noch exakt so aktuell, wie sie damals war, als der Film heraus kam. Wärmste Empfehlung, für dieses rundum gelungene Meisterwerk. Roll with it, don't hesitate.

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