Zwar weckt Francois Ozons „Ricky“ eingangs Erwartungshaltungen auf ein packendes Sozialdrama im Stil der belgischen Brüder Dardenne. Doch ein unerwarteter Bruch nach 60 Minuten macht die desolate Geschichte einer unterprivilegierten Frau, die mit der Fürsorge ihrer siebenjährigen Tochter überfordert ist und von dem erstbesten neuen Freund sofort wieder schwanger wird, kaputt: Dem Neugeborenen wachsen Flügel, die realen Konflikte verflüchtigen sich, es beginnt ein allzu lächerliches Fantasymärchen à la Walt Disney.
Man kann sich auf die Freiheit einlassen, die Ozon seinen Zuschauern/innen lässt, und die Sackgassen als ständige Unberechenbarkeit schätzen. Man kann Ozon dafür aber auch Unentschlossenheit vorwerfen, dass er nur einen Gag auf Spielfilmlänge zerdehnt und alle Ansätze hier ins Leere laufen lässt. Doch egal, was man letztlich für sich selbst aus diesem absurden Filmchen herausliest: Die Bilder von "Ricky" und seinen Flugkünsten wirken nach, noch lange über das Ende des Films hinaus.
Ricky ist ein Kind der zwar schnellen, trotzdem leidenschaftlichen Liebe, etwas überstürzt gezeugt in der Mittagspause auf dem Klo der Fabrik, in der Katie (Alexandra Lamy) und Paco (Sergi Lopez) arbeiten. Als Katie erfährt, dass dies ein Quickie mit Folgen war, und sie Paco informiert, erklärt der sich schnell zur Familiengründung bereit und zieht bei Katie ein. Auch deren Tochter Lisa (Mélusine Mayance) freundet sich mit der Idee eines kleinen Brüderchens an und darf auch den Namen für das noch Ungeborene aussuchen: Ihre Wahl fällt auf Ricky.
Auch nach seiner Geburt sorgt das Baby für viel Freude und naturgemäß auch für ein wenig Stress in der frischgebackenen Familie. Bis Katie eines Tages große blaue Flecken auf Rickys Rücken entdeckt und sie Paco verdächtigt, Ricky misshandelt zu haben. Es kommt zum Streit, der in Pacos Auszug aus der gemeinsamen Wohnung endet. Doch der Grund für Rickys Hämatome liegt ganz woanders, wie sich bald herausstellt.
Francois Ozon heißt der Regisseur, der sich hier einer Kurzgeschichte der britischen Autorin Rose Tremain bemächtigt hat und damit erneut seine Wandlungsfähigkeit im Überschreiten von Genre-Grenzen unter Beweis stellt. Nach dem zuletzt nur bedingt überzeugendem „Angel“ ist dem französischen Regie-Ausnahmetalent, der mit „8 Frauen“ und „Swimming Pool“ ganz großes Kino abgeliefert hat, wieder ein wundersam-schönes, ganz im Jetzt verwurzeltes Filmmärchen über das Wunder der Liebe und die Wichtigkeit des Familienzusammenhalts gelungen. Wenngleich man dem Stoff leider ein wenig anmerkt, dass er auf einer Kurzgeschichte basiert, denn wirklich viel zu erzählen hat der Film nicht.
Als Schauspielerfilm und Charakterdrama vermag «Ricky» durchaus zu entzücken. Doch irgendwie fehlt diesem Geflügel trotzdem ein wenig das Fleisch am Knochen. Die ausgefallene Handlung macht Lust auf überraschende Augenblicke.
"Ricky" ist ein Witz, und in jeder Hinsicht ein schlechter. Probleme, die man durchaus Ernst nehmen kann - Eifersucht zwischen Geschwistern, Misstrauen zwischen Partnern, der Umgang mit dem Monströsen bzw. einem Wunder -, nimmt er leicht. Aber wie oft bei Ozon das keine Leichtigkeit, hinter der sich in irgendeiner Weise Lebensweisheit verbirgt. Es ist die reine Oberfläche, die Geringschätzung seines Gegenstands und seiner Figuren. Aus einer dünnen Kurzfilmidee macht er ein Film-Souffle. Je genauer man drüber nachdenkt, desto bitterer schmeckt es.
Schande auf die Produzenten! Schande auf diejenigen, die laut François Ozon gegen die Finanzierung dieses Films gemurrt haben, in welchem Alexandra Lamy etwas anderes tut als sie in den Fernsehserien macht. Was das Kreative betrifft, krepiert das französische Kino durch diese Animosität, diese Vorurteile, diese Bezeichnungen von Interpreten, die aus den Fabriken der Konformität und dem Box-Office stammen. Der Filmemacher hat sich wacker geschlagen. Der vordergradige Vorteil dieses entwaffenden Films ist exakt diese Schauspielerin, ideal in dieser Rolle, entschminkt von aller Prime-Time-Manieriertheit. [...] Hier werden alle Arbeitsthemen von François Ozon angeschnitten: die Mutter-Kind-Beziehung (Regarde la mer), die disfunktionale Familie (Sitcom), die Weigerung der unvermeidlichen Trennung (Unter dem Sand), das unter dem Skalpell auseinandergenommene Pärchen (5x2), die Wahl eines romantischen Schicksals (Angel). [...] Als Schlüssel und Moral dieser Geschichte erleuchtet die Reflexion aufs Neue das Werk eines Filmemacher, der sich dem Subversiven verschrieben hat.
Selten fiel das Urteil über eine Regisseur kürzer und einfacher aus: François Ozon hat einen Vogel. Nach der nächtlichen Presse-Vorführung seines Wettbewerbsbeitrages „Ricky“ waren die Reaktionen amüsiert bis irritiert. [...] Ein „fantastischer Familienfilm“ der vielleicht die Gefühle der vernachlässigten Erstgeborenen ausdrückt, aber auf jeden Fall als äußerst seltsam zu interessieren oder irritieren weiß.
Die Interpretationen für diesen Film, der sich vom düster-finsteren Sozialdrama in eine zunehmend absurder werdende Geschichte um Behinderung, Andersartigkeit, Abschied und (vielleicht) Tod wandelt, sind vielfältig. Und keine davon ist wirklich zwingend, zumal Ozon einige der ausgelegten Fährten nicht auflöst und so einiges im Unklaren bleibt. Vielleicht war alles, wie es das Schlussbild andeutet, ja nur ein Traum. Im Kino jedenfalls wachsen der Fantasie manchmal Flügel – und so mancher Absturz ist damit – wie in diesem Falle – quasi einprogrammiert.
Ricky macht Spaß. Ozon hat es wieder einmal geschafft, die Filmfreunde zu überraschen, indem er sich erneut eines noch nicht erkundeten Genres annimmt und dem Kino beweist, wie vielfältig er ist. Dieser Mann muss Mut haben, um eine Geschichte zu erzählen, in der einem Baby Flügel wachsen! Die Hauptdarstellerin und das kleine Mädchen spielen bewundernswert - Ozons Caster hatten schon immer ein guter Händchen für Darsteller.
Ein Film, den man nicht überinterpretieren sollte. Die Kombination aus einer Liebesgeschichte in sozial schwierigen Verhältnissen und der zweiten, übernatürlichen Hälfte des Films ist überraschend, originell und manchmal komisch. Einen solchen Film habe ich vorher noch nie gesehen, Hollywood macht aus solch übernatürlichen Phänomenen Schmonzetten, in Off-Kinos laufen haufenweise Filme, die so "normal" weitergehen wie der Anfang. Das wars auch schon, mehr rumdeuten ist sinnlos. Entweder es gefällt oder eben nicht.
Kritiker — Uninteressant 4.8
Der Film Ricky - Wunder geschehen wurde von 11 Kritikern bewertet.
Kirsten Liese: BR Online, Kinofenster, Dar...
Zwar weckt Francois Ozons „Ricky“ eingangs Erwartungshaltungen auf ein packendes Sozialdrama im Stil der belgischen Brüder Dardenne. Doch ein unerwarteter Bruch nach 60 Minuten macht die desolate Geschichte einer unterprivilegierten Frau, die mit der Fürsorge ihrer siebenjährigen Tochter überfordert ist und von dem erstbesten neuen Freund sofort wieder schwanger wird, kaputt: Dem Neugeborenen wachsen Flügel, die realen Konflikte verflüchtigen sich, es beginnt ein allzu lächerliches Fantasymärchen à la Walt Disney.
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Sascha Rettig: Tip, fluter, Netzeitung
Man kann sich auf die Freiheit einlassen, die Ozon seinen Zuschauern/innen lässt, und die Sackgassen als ständige Unberechenbarkeit schätzen. Man kann Ozon dafür aber auch Unentschlossenheit vorwerfen, dass er nur einen Gag auf Spielfilmlänge zerdehnt und alle Ansätze hier ins Leere laufen lässt. Doch egal, was man letztlich für sich selbst aus diesem absurden Filmchen herausliest: Die Bilder von "Ricky" und seinen Flugkünsten wirken nach, noch lange über das Ende des Films hinaus.
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Dirk Lüneberg: Stadtmagazin [030], film.de...
Ricky ist ein Kind der zwar schnellen, trotzdem leidenschaftlichen Liebe, etwas überstürzt gezeugt in der Mittagspause auf dem Klo der Fabrik, in der Katie (Alexandra Lamy) und Paco (Sergi Lopez) arbeiten. Als Katie erfährt, dass dies ein Quickie mit Folgen war, und sie Paco informiert, erklärt der sich schnell zur Familiengründung bereit und zieht bei Katie ein. Auch deren Tochter Lisa (Mélusine Mayance) freundet sich mit der Idee eines kleinen Brüderchens an und darf auch den Namen für das noch Ungeborene aussuchen: Ihre Wahl fällt auf Ricky.
Auch nach seiner Geburt sorgt das Baby für viel Freude und naturgemäß auch für ein wenig Stress in der frischgebackenen Familie. Bis Katie eines Tages große blaue Flecken auf Rickys Rücken entdeckt und sie Paco verdächtigt, Ricky misshandelt zu haben. Es kommt zum Streit, der in Pacos Auszug aus der gemeinsamen Wohnung endet. Doch der Grund für Rickys Hämatome liegt ganz woanders, wie sich bald herausstellt.
Francois Ozon heißt der Regisseur, der sich hier einer Kurzgeschichte der britischen Autorin Rose Tremain bemächtigt hat und damit erneut seine Wandlungsfähigkeit im Überschreiten von Genre-Grenzen unter Beweis stellt. Nach dem zuletzt nur bedingt überzeugendem „Angel“ ist dem französischen Regie-Ausnahmetalent, der mit „8 Frauen“ und „Swimming Pool“ ganz großes Kino abgeliefert hat, wieder ein wundersam-schönes, ganz im Jetzt verwurzeltes Filmmärchen über das Wunder der Liebe und die Wichtigkeit des Familienzusammenhalts gelungen. Wenngleich man dem Stoff leider ein wenig anmerkt, dass er auf einer Kurzgeschichte basiert, denn wirklich viel zu erzählen hat der Film nicht.
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fko: filmsprung.ch
Als Schauspielerfilm und Charakterdrama vermag «Ricky» durchaus zu entzücken. Doch irgendwie fehlt diesem Geflügel trotzdem ein wenig das Fleisch am Knochen. Die ausgefallene Handlung macht Lust auf überraschende Augenblicke.
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E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film
"Ricky" ist ein Witz, und in jeder Hinsicht ein schlechter. Probleme, die man durchaus Ernst nehmen kann - Eifersucht zwischen Geschwistern, Misstrauen zwischen Partnern, der Umgang mit dem Monströsen bzw. einem Wunder -, nimmt er leicht. Aber wie oft bei Ozon das keine Leichtigkeit, hinter der sich in irgendeiner Weise Lebensweisheit verbirgt. Es ist die reine Oberfläche, die Geringschätzung seines Gegenstands und seiner Figuren. Aus einer dünnen Kurzfilmidee macht er ein Film-Souffle. Je genauer man drüber nachdenkt, desto bitterer schmeckt es.
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Jean-Luc Douin: Le Monde
Schande auf die Produzenten! Schande auf diejenigen, die laut François Ozon gegen die Finanzierung dieses Films gemurrt haben, in welchem Alexandra Lamy etwas anderes tut als sie in den Fernsehserien macht. Was das Kreative betrifft, krepiert das französische Kino durch diese Animosität, diese Vorurteile, diese Bezeichnungen von Interpreten, die aus den Fabriken der Konformität und dem Box-Office stammen. Der Filmemacher hat sich wacker geschlagen. Der vordergradige Vorteil dieses entwaffenden Films ist exakt diese Schauspielerin, ideal in dieser Rolle, entschminkt von aller Prime-Time-Manieriertheit. [...] Hier werden alle Arbeitsthemen von François Ozon angeschnitten: die Mutter-Kind-Beziehung (Regarde la mer), die disfunktionale Familie (Sitcom), die Weigerung der unvermeidlichen Trennung (Unter dem Sand), das unter dem Skalpell auseinandergenommene Pärchen (5x2), die Wahl eines romantischen Schicksals (Angel). [...] Als Schlüssel und Moral dieser Geschichte erleuchtet die Reflexion aufs Neue das Werk eines Filmemacher, der sich dem Subversiven verschrieben hat.
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G. Jekubzik: Filmtabs
Selten fiel das Urteil über eine Regisseur kürzer und einfacher aus: François Ozon hat einen Vogel. Nach der nächtlichen Presse-Vorführung seines Wettbewerbsbeitrages „Ricky“ waren die Reaktionen amüsiert bis irritiert. [...] Ein „fantastischer Familienfilm“ der vielleicht die Gefühle der vernachlässigten Erstgeborenen ausdrückt, aber auf jeden Fall als äußerst seltsam zu interessieren oder irritieren weiß.
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Der Redaktör: kino-zeit.de
Die Interpretationen für diesen Film, der sich vom düster-finsteren Sozialdrama in eine zunehmend absurder werdende Geschichte um Behinderung, Andersartigkeit, Abschied und (vielleicht) Tod wandelt, sind vielfältig. Und keine davon ist wirklich zwingend, zumal Ozon einige der ausgelegten Fährten nicht auflöst und so einiges im Unklaren bleibt. Vielleicht war alles, wie es das Schlussbild andeutet, ja nur ein Traum. Im Kino jedenfalls wachsen der Fantasie manchmal Flügel – und so mancher Absturz ist damit – wie in diesem Falle – quasi einprogrammiert.
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Kommentare — Geht so 5.3
Der Film Ricky - Wunder geschehen wurde von 614 Mitgliedern bewertet.
Der Franzose 2009/12/15 23:50:14
Ozon ist immer für eine skurille Überraschung gut. Diesmal ein Baby mit Flügeln , ziemlich verrückt aber sehr originell.
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annabanana 2009/02/16 16:38:23
Lustig und zeigt, wie außergewöhnlich ein Baby sein kann.
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annaberlin 2009/02/15 23:12:17
Ricky macht Spaß. Ozon hat es wieder einmal geschafft, die Filmfreunde zu überraschen, indem er sich erneut eines noch nicht erkundeten Genres annimmt und dem Kino beweist, wie vielfältig er ist. Dieser Mann muss Mut haben, um eine Geschichte zu erzählen, in der einem Baby Flügel wachsen! Die Hauptdarstellerin und das kleine Mädchen spielen bewundernswert - Ozons Caster hatten schon immer ein guter Händchen für Darsteller.
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davidpm 2009/02/10 14:01:26
Ein Film, den man nicht überinterpretieren sollte. Die Kombination aus einer Liebesgeschichte in sozial schwierigen Verhältnissen und der zweiten, übernatürlichen Hälfte des Films ist überraschend, originell und manchmal komisch. Einen solchen Film habe ich vorher noch nie gesehen, Hollywood macht aus solch übernatürlichen Phänomenen Schmonzetten, in Off-Kinos laufen haufenweise Filme, die so "normal" weitergehen wie der Anfang. Das wars auch schon, mehr rumdeuten ist sinnlos. Entweder es gefällt oder eben nicht.
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