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TV-Kritik

Akte Golgatha, grotesker Abenteuer-Schund auf RTL

08.11.2010 - 07:00 Uhr
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Schnitzeljagd in Rom
© RTL
Schnitzeljagd in Rom
Wer am Sonntag den RTL-Schrott Akte Golgatha bis zum Ende durchhielt, kann dies höchstens wegen der unfreiwilligen Komik getan haben, die der abstruse Plot sowie die überzogene Inszenierung produzierten.

Schon der Titel Akte Golgatha suggerierte einen Dan Brown -Abklatsch. Der Zuschauer konnte bereits ahnen, dass es um irgendeinen wahnsinnig wichtigen Fund gehen würde, der das Potential hat, die gesamte Welt auf den Kopf zu stellen und den Glauben von Millionen Menschen zu erschüttern. Ein alter Hut also. Der Film erfüllte in der Tat alle Befürchtungen, die man als Zuschauer nur hegen konnte. Schon das Grundgerüst der hanebüchenen Handlung wirkte so ausgelutscht und lächerlich wie nur möglich. Katharina Schüttler ging als Trivialschriftstellerin auf große Schnitzeljagd, um das größte Geheimnis der Menschheit zu lüften: Jesus ist gar nicht in den Himmel aufgefahren. Wow!

Foto-Show: die Bilder zu Akte Golgatha

Der Plot des Films bot in seiner Abstrusität viel zu lachen. Ein Archäologe fand in Israel die Knochen des echten Jesus. Der vatikaninterne Geheimbund “In Nomine Domini” riss das Skelett mit skrupellosen Methoden an sich und ermordete den Archäologen – groteskerweise mit einer vergifteten Spenderleber. Der Arzt Dr. Gropius stand daraufhin unter Mordverdacht, hatte jedoch nichts Besseres im Sinn, als gemeinsam mit Felicia, der Tochter des Archäologen, durch die Welt zu gondeln, immer auf der Suche nach dem Vermächtnis des Vaters, der Akte Golgatha.

Die Charaktere wirkten allesamt klischeehaft und die Dialoge waren derart dümmlich und hölzern, dass auch die Schauspielkünste einer Katharina Schüttler ihre Rolle nicht vor der Karikatur bewahren konnten. Von Marco Girnth, der den arroganten Chirurgen Gropius spielte, wollen wir lieber ganz schweigen. Eher befremdlich und vor allem völlig überflüssig schien ein tapsiger deutscher Kommissar (Stephan Grossmann), der vermutlich einen Witzbold in der ansonsten so seriösen Grundhaltung mimen sollte. Helmfried von Lüttichau verkörperte solide den Bösewicht, einen fanatischen Pater, wurde aber vom Drehbuchautor Conny Lens zu schmerzenden Plattitüden wie der folgenden genötigt: “Wir haben in unserer Kirche viele kleine Traditionen, zum Beispiel die Inquisition im Mittelalter.”

Die exotischen Schauplätze des Abenteuers wie Rom, Jerusalem, Jordanien und Turin, nicht zu vergessen die deutschen Alpen erfreuten durchaus das Auge. Sie wurden jedoch hauptsächlich dazu genutzt, die Hauptpersonen vor den beliebtesten Postkartenmotiven dieser Orte zu platzieren. Überhaupt legte Regisseur Zoltan Spirandelli (der eigentlich für gute Filme wie Vaya Con Dios – Und führe uns in Versuchung verantwortlich zeichnet) offensichtlich viel Wert auf einen schicken Look. So schickte er seine Heldin im Kleidchen und auf Stöckelschuhen auf ihr Abenteuer (die ideale Ausrüstung für eine junge Frau auf einem Trip durch die Wüste). In manchen Momenten trug der Film dann derart dick auf, dass er endgültig ins unfreiwillig Komische abdriftete und geradezu außerirdischen Trash produzierte, etwa als sich Felicia und Dr.Gropius nach einer kurzen Trennung beglückt in die Arme fielen, eingerahmt von einem prächtigen Regenbogen und untermalt von süßlich säuselnder Musik.

Und was haltet ihr von Akte Golgatha, dem neuesten RTL-Streich?

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