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Der unerträgliche Hass auf Melissa McCarthy

Melissa McCarthy in Tammy - Voll abgefahren
© Warner Bros.
Melissa McCarthy in Tammy - Voll abgefahren
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Meint es gut mit den Menschen.

Diese Karriere wird ihr so schnell niemand nachmachen. Innerhalb von nur vier Jahren ist Melissa McCarthy, die einst allenfalls Serienjunkies bekannte Stand-Up-Künstlerin aus Illinois, zu einer der höchstbezahlten Schauspielerinnen Hollywoods aufgestiegen. Weit über eine Milliarde US-Dollar haben ihre Filme an den internationalen Kinokassen eingespielt, nachdem McCarthy ihren 2011 ungleich prominenteren Kolleginnen in Brautalarm die Show stahl – und schließlich sogar für den Oscar als beste Nebendarstellerin vorgeschlagen wurde. Seither bewies Melissa McCarthy mehrfach, dass sie in Hauptrollen und eigens für sie geschriebenen oder konzipierten Projekten kommerzielle Zugkraft besitzt, dass sie auch als Regisseurin, Produzentin und Drehbuchautorin eine der gegenwärtig souveränsten Stimmen der US-amerikanischen Mainstream-Komödie ist. Doch geben in Internet-Kommentarspalten zu McCarthy-Artikeln nicht etwa ihre Millionen weltweiter Fans den Ton an, sondern sich zu virtuellen Schmähkampagnen berufen fühlende Männer, denen die Schauspielerin übel mitgespielt haben muss.

Zum Abschuss freigegeben

Die erfolgreiche Komikerin verstößt nämlich gegen eine offenbar verpflichtende Regel, laut der Frauen im Filmgeschäft (und wahrscheinlich sowieso: überall) ein gewisses Körpergewicht nicht übersteigen dürfen, um keinesfalls das sittliche Empfinden eines vorrangig auf normative Schönheitsideale konditionierten Publikums zu stören. Weil also Melissa McCarthy die Unverschämtheit besitzt, mehr zu wiegen als ihre Kolleginnen – oder eben Frauen, die nach diffuser Maßgabe als normalgewichtig gelten –, und weil sie sich in ihren Filmen darüber auch noch lustig zu machen wagt, wird sie für Spott und Häme geradewegs zum Abschuss freigegeben. Die geistlosen Wortspiele, um besonders abwertende Kreativität bemühten Verunglimpfungen und mitunter an Hasspredigten erinnernden Pamphlete kennen dabei keine Grenzen: Je eloquenter McCarthy und ihre Arbeit runtergeputzt werden, desto vermeintlich origineller die Variationen von Misogynie und männlichem Chauvinismus. Ein Großteil der Ablehnung jedenfalls nimmt gezielt McCarthys Erscheinungsbild ins Visier, immer wieder richten sich abfällige Kommentare vor allem gegen ihre Figur.

Modifikation am Komödienkino

Ein zweiter – und zur Offenlegung des sich in der Frontstellung klar abzeichnenden Sexismus unmissverständlicher – Stein des Anstoßes ist Melissa McCarthys eigenwilliges Humorkonzept, das patriarchalische Vorstellungen, wie sich eine Frau zu benehmen oder nicht zu benehmen habe, chaotisch durchbricht. In ihren Filmen tritt McCarthy zumeist als ein vulgärer, sich der förmlichen Angemessenheit von Situationen widersetzender Störenfried auf, um sich in einem augenzwinkernden Modus des genderfucking nicht zuletzt jene Machismen anzueignen, die im Komödienkino sonst allzu selbstverständlich Männern vorbehalten sind. Der reinen Form nach also nimmt ihr prolliger Humor keine Sonderstellung ein, sondern ist lediglich weiblich codiert – und damit scheinbar eine ungeheuerliche Provokation. Statt die herzerfrischende und Geschlechterkonstrukte zur Disposition stellende Umkehrung der von McCarthy bemühten Buddy-Filmklischees jedoch als (wenigstens theoretisch) interessante Modifikation am Komödienkino wahrzunehmen, geschieht bedauerlicher- wie bezeichnenderweise das absolute Gegenteil.

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