Die ARD wird vom Spätzünder zum AltersheimrockerBearbeiten

Veröffentlicht am 03.02.2010, 11:35

Wenn Jan Josef Liefers und Blacky Fuchsberger aufeinander treffen, kann das gar nicht schlecht werden. Heute Abend beweist die ARD, dass Filme über Senioren keine moralische Keule schwingen müssen, sondern auch Spaß machen können.

Die ARD wird vom Spätzünder zum Altersheimrocker - Bild 3714137 © ARD

Heute Abend sehen wir Zielgruppenfernsehen mit Jan Josef Liefers und Joachim Fuchsberger , wie es sein soll. Statt wie gewöhnlich ein Programm nur für ältere Zuschauer zu machen, oder wieder einmal an dem Versuch zu scheitern, sich bei Jugendlichen anzubiedern, macht die ARD heute bei Live Is Life – Die Spätzünder ausnahmsweise alles richtig. Das ist umso verwunderlicher, da wir heute nicht gerade von Klischees verschont bleiben.

Rocco (Jan Josef Liefers) hat es nicht leicht: Seine Karriere als Rockmusiker hat sich schon lange in Luft aufgelöst, richtige Arbeit wil auch nicht wirklich klappen und dann muß er obendrein auch noch Sozialstunden in einem Altersheim leisten. Dummerweise arbeitet er da unter dem Kommando seiner Nachbarin, der Altenpflegerin Marina Schatz (Ursula Strauss). Die rächt sich nun nach Kräften für die lauten Musikproben. Was für unangenehme Arbeiten es in einem Altersheim gibt, könnt Ihr Euch denken…

Doch Rocco entpuppt sich als Jungbrunnen für die Heimbewohner (darunter Hans-Michael Rehberg, Joachim Fuchsberger und Bibiane Zeller) – oder sollten wir sagen Insassen? Medikamentös ruhiggestellt und vom Personal schikaniert, werden ihnen alle Genüsse verboten, die Kinder haben sie abgeschoben und ernstgenommen werden sie auch nicht. Bis Rocco auftaucht und die Tabletten verschwinden lässt. Es kommt zur Revolution im Heim – und Revoltieren und Rockmusik gehörten schon immer irgendwie zusammen.

Natürlich ist Live Is Life – Die Spätzünder unrealistisch. Es gibt keine geistige Umnachtung, keine Gebrechen, die nicht durch die Medikamente, die die Bewohner schlucken müssen, ausgelöst werden – dafür ist es ein Film. Eine Seniorenrockband dürfte wohl auch kaum eine Gruppe von Jugendlichen zum Mitschwoofen animieren. Aber das weiß Regisseur Wolfgang Murnberger wahrscheinlich selbst und wir sehen es ihm nach, denn Hans-Michael Rehberg, Joachim Fuchsberger und Bibiane Zeller könnten mit ihrem Elan und ihrer Ausstrahlung jeden öden Teenie-Film aufpolieren.

Es geht in Live Is Life – Die Spätzünder auch nicht um einen mahnenden Zeigefinger an die Jugend, die alsbald selber in das Alter kommen wird. Hier soll kein sozialkritisches Porträt der abgeschobenen Alten geliefert werden. Das haben wir oft genug gesehen. Stattdessen will Live Is Life – Die Spätzünder einfach nur eine Komödie sein. Gut, sie hätte vielleicht frecher ausfallen können. Aber wenn manche Kritiker heute meckern, und Live Is Life – Die Spätzünder unrealistische Ignoranz und ärgerliche Naivität vorwerfen, fragen wir uns: Was ist schlimmer, ein Publikum, das alte Leute nur in tränenreichen Moralinschmonzetten ertragen kann, oder ein Film, der Senioren auch mal ein wenig Spaß zugesteht?

Live Is Life – Die Spätzünder mit Jan Josef Liefers und Joachim Fuchsberger läuft heute Abend um 20:15 in der ARD. Wem das Altersheim nicht als geeignete Abendunterhaltung erscheint, kann ja mal einen Blick in unser Fernsehprogramm werfen.


Kängufant (Andreas Gerold)

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Fizzy

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das klingt irgentwie amüsant :D

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Sagitta

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Jaaaaa! Sie können's doch! Das war mal wieder ein amüsanter Fernsehabend. Dafür zahl ich meine GEZ gerne.
Und wer ihn verpasst hat: Morgen früh um 10.30h und am 06.02. in ORF2 gibt es eine Wiederholung. Viele Filme tauchen auch in der ARD-Mediathek zum "Nachsehen" auf (für eine Woche): http://mediathek.ard.de/ard/servlet/content/3517006?s=sp%C3%A4tz%C3%BCnder

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heidoka

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ein Film der Spaß macht - nett, ohne Politik und vor allem sehr menschlich.

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harrasson

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Maischberger machte es möglich: Ihre vorherige Runde zum Thema Altwerden war zugleich ein wirksamer Programmhinweis, und mit der Kombination Fuchsberger - Liefers der Showwert garantiert. Während des Films erinnerte ich mich an die Dokumentation über eine "echte" Oldie-Band. Schon damals hatte mich die Story beeindruckt. Nun ein Spielfilm. Schwierig zu machen. Ein Film für die Alten, einer für die Jungen, einer für beide? Oder für die Generation mittendrin? Im Ergebnis entstand ein Spagat, der gelungen scheint. Das Forum wird es zeigen.
Natürlich brauchte es vom actionverdorbenen Zuschauer Toleranz in der Sehweise. Und natürlich waren die Situationen und Figuren überzeichnet. Doch das, was alles vereinte, war die Naivität der Erzählweise, die so nahe an der Weisheit des Alters liegt. Sie spannte den vergnüglichen und zugleich nachdenklichen Bogen.
Ein Film ohne Schenkelklopfen aber mit viel Augenzwinkern, der sehr berührt und mehr zum Thema bot als jede Statistik.

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ypsilonschnitt

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interessantes Thema-nachdenkenswert - auf gute Weise mit klasse Schauspielern umgesetzt. Da war Alles dabei. Unterhaltung at it´s best :-)

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