Die Brücke (1959) von Bernhard Wicki ist ein Klassiker. Nach dem Roman von Manfred Gregor erzählt der Film vom strategisch völlig sinnlosen Befehl, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs eine längst zur Sprengung vorgesehene Brücke um jeden Preis zu verteidigen. Eine Gruppe 16-Jähriger wird dafür abkommandiert und wie sie nach und nach ihr Leben lassen, ist mitleidslos und krass in Szene gesetzt.
Als einer der wenige westdeutschen Nachkriegsfilme schaut Die Brücke (1959) auf die Gräuel des Krieges. Der Filmemacher Bernhard Wicki verdeutlicht Tod und Leid kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Er zeigt, wohin fanatisierte Menschen getrieben werden können. Regisseur Bernhard Wicki, verstorben im Jahr 2000, wird für diesen Film immer noch verehrt, jährlich verleiht das Filmfestival in Emden den Bernhard Wicki-Filmpreis, auch der Friedenspreis des deutschen Films, der auf den Filmfest in München vergeben wird, wurde nach dem Regisseur benannt.
Nun hat sich Pro 7 des Klassikers angenommen und strahlt den Film Die Brücke unter der Regie von Wolfgang Panzer aus. Auf dem Portal Der Westen kann P. Gangloff dem Film nicht viel abgewinnen. An das Original kommt er nicht heran, aber die “verschiedenen Scharmützel rund um die Brücke sind gelungen. Hier zieht Wolfgang Panzer alle Register aktuellen Filmschaffens. Es wird geballert, was das Zeug hält, Querschläger summen wie böse Insekten durch die Gegend. Besonders viel Wert scheint Panzer bei der Inszenierung (oder der nachträglichen Vertonung) auf Schmerzensschreie gelegt zu haben. Kein Wunder: Notorische Konsumenten von Ballerspielen werden ihre wahre Freude an den Feuergefechten haben.”
Laut Peter Zander in der Welt hat sich der Sender an dem Klassiker vergangen. “Hier dröhnen permanent Geigen und Choräle, um Gefühle zu erzwingen. Hier kramt man wieder die alten Feindbilder von strammen Nazis und verblendeten Ariern aus der Schublade. Und weil man dem Ganzen wohl noch immer nicht traute, wirbt man auch mit einem Star: Franka Potente. Weil aber Frauen im Buch wie im Film notwendigerweise nur eine Nebenrolle spielen, wird hier eine (im Original immerhin angedeutete) Liebesaffäre breit ausgewalzt.”
Alles in allem keine guten Vorschusslorbeeren für den Eventfilm von Pro 7.
Was meint Ihr: Hat das Remake überzeugt? Oder sollten die TV-Sender besser die Hände von den Klassikern lassen.
Ines Walk (Ines Walk) 2008/09/29 13:30:00
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Kommentare
über Die Brücke - TV-Remake eines deutschen Klassikers
Kommentar schreibenEnturbulation 2008/09/29 19:07:21
Kommentar löschen@ Alanger: Danke für den Link. Das liest sich, als sei der 2. Weltkrieg und der Faschismus für manche Filmer nur noch sowas wie eine nette Geschichte für nach dem Abendessen und vor dem Bettchen. Damit man was darüber mitreden kann, zwischen Fußballergebnissen und dem neuesten Affärchen irgendwelcher Hupfdohlen.
Hier scheint es mir, als ob die Opfer des Krieges nochmal zu Opfern werden. Opfern des Krieges um Quoten.
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alanger 2008/09/29 19:44:04
Kommentar löschen@Enturbulation: unabhängig von der spiegelolinekritik bin ich bei der brücke eh der meinung das der film, so grandios wie er ist, für sich steht.
dieser und wege zum ruhm
http://www.moviepilot.de/movies/wege-zum-ruhm
sind so ziemlich die einzigen kriegsfilme für mich die irgendwie eine ahnung davon vermitteln, was das bedeuten könnte: krieg.
bei all den amderen tollen genrefilmen die sicher ihre berechtigung haben, aber letztlich nix anderes sind als unterhaltung, ist die brücke weit mehr und sollte eigentlich als solches so bleiben. ich werd mal reinschauen.
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Batzman 2008/09/29 23:40:40
Kommentar löschenHitlers Gameboys. Mit viel Getöse und wenig Hirn lässt Pro7 ein aufwendiges Remake von Bernhard Wickis Klassiker "Die Brücke" basteln, dass nicht nur Kenner des Originals die Sprache verschlägt. Hübsche Teeniefratzen spielen Krieg und sind dabei austauschbarer und platter gezeichnet als die Pixelhelden eines Ballerspiels. Die Besetzung ist zwar höchst dekorativ, aber mit den Rollen der im Dritten Reich aufgewachsenen Jungs, die unvermittelt und ideologisch verblendet in den Krieg stolpern, hoffnungslos überfordert.
Statt Charakterzeichnung und Entwicklung, statt psychologischer Entwicklung setzt man auf Schauwerte und Action. Dialoge werden gern geschrien und Nazis sind schrille Kasperlfiguren, die sich benehmen wie Drittbesetzung der Sitcom "Ein Käfig Voller Helden".
Der Schrecken des Krieges wird behauptet, aber nie wirklich spürbar. Zu blaß bleiben alle Akteure, zu genüßlich schleckt die Kamera die Waffen ab und zu hölzern versuchen Schnitt und Dramaturgie das Ganze zusammenzuhalten. Dazu kommt ein ärgerlich überflüssiger Nebenstrang, der nur dazu dient ein paar Sexszenen im Film unterzubringen. Franke Potente, als Lehrerin die sich mit einem Schüler eingelassen hat, lässt einmal mehr Zweifel an ihrem schauspielerischem Talent aufkommen. Wirkt sie stellenweise doch eher wie ein bekokstes Partygirl, denn wie ein Lehrerin Anfang der 40er Jahre.
Ein Problem, dass auch die übrigen Darsteller haben: Sie spielen die Klischees von Leuten im Dritten Reich, keine echten Personen. Irgendwie sind alle einen Hauch zu neuzeitlich, zu hip und zu flapsig um wirklich zu berühren. Das erwartbare Massaker wird dann zwar mit viel Pathos inszeniert, lässt aber erschreckend kalt.
Das Original hat trotz seines Alters auch heute noch eine beängstigende Kraft und Intensität. Diese neue Brücke light für die Generation Jamba, mag zeitgemäßer und gut gemeint sein, dürfte aber über das Sendedatum hinaus kaum jemanden bleibend beeindrucken und wirkt in ihrem frivolen schielen auf die Quote durchaus obszön.
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denise 2008/09/30 07:04:23
Kommentar löschenWas soll man auch anderes von Pro7 und Franka erwarten?
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MasterTNQ 2008/09/30 22:26:27
Kommentar löschenGenau deshalb habe ich mir auch das Original, welches um 1:00 Uhr Nachts ebenfalls auf Pro7 folgte, auf Video aufgenommen, um es mir morgen abend anzusehen =)
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schön: "Und dann hat es "Bumm" gemacht"
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,581092,00.html
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