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Tatort aus Österreich

Eiskalte Action im schönen Linz

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02.06.2009 - 07:00 Uhr
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Ein wütender Eisner und eine permanent futternde Brandstätter ermittelten gestern im blutigen Milieu der künstlichen Befruchtung

Das blutige Geschäft mit der künstlichen Befruchtung stand im gestrigen Tatort: Kinderwunsch im Vordergrund – und stellte gemeinsam mit der Stadt Linz als werbeverdächtig schön inszenierter Donaustadt und einem ziemlich wütenden Kommissar Eisner ein eher mäßig spannendes Dreigespann in der Tatort-Reihe.

Die unausbalancierte Mischung aus werblichem Stadtporträt, Bösewichten, die aus einem James-Bond-Film stammen könnten und einer moralisch verkürzten Diskussion über das äußerst komplexe Thema der künstlichen Befruchtung führten in diesem ziemlich blutigen Kriminalfall leider dazu, dass die eigentliche Thematik verschütt ging. Der Linzer Drehbuchautor Thomas Baum legte offenkundig ebenso großen Wert auf die perfekte Inszenierung der Donaustadt Linz wie auf die Erkundung eines gesellschaftpolitisch höchst brisanten Themas. Der Wiener Eisner wurde so kurzerhand in ein Palais voller Antiquitäten einquartiert und futterte ständig im Hafengebiet mit seiner schnippigen Kollegin (denn ja, die diesjährige europäische Kulturhauptstadt Linz liegt am Wasser!).

Zwischen der ständigen Nahrungsaufnahme und dem Angebändele musste der Wiener Ermittler noch seiner etwas einsilbigen Kollegin dabei helfen, den Mörder der Journalistin Sandra Walch zu finden, welche im Besitz brisanter Vorwürfe gegen die Medizinfirma und Klinik Invitral war. Die Ärzte sollen Frauen so genannte Kuckuckseier untergeschoben haben, um die Erfolgsquote der künstlichen Befruchtung zu erhöhen. Nachdem auch ein Vater hingerichtet wurde, der Invitral auf der Spur war, finden die Kommissare heraus, dass etwa 150 Paaren mit Fremdsperma befruchtete Eier untergeschoben wurden. Um dies zu vertuschen, heuerten Invitrals Geldgeber den namenlosen Killer an.

Trotz ziemlich wuchtiger Action kam der Tatort allerdings eher gemächlich daher. Gruppeninspektorin Karin Brandstätter (Fanny Stavjanik) schien nur an Fastfood interessiert, während Eisner (Harald Krassnitzer) eher an seinen romantischen Flirt mit einer falschen Musikprofessorin dachte. Zwei Morde wurden von einem grausamen Auftragskiller für anonyme Geldgeber verübt – doch wer hinter den Kriminellen steckt, ließ der Tatort: Kinderwunsch offen. Lieber bekam der Zuschauer da einen eiskalten Killer auf einem ukrainischen Schiff zu sehen, der skrupellos auf Brandstätter und ihren Assistenten schoss. Mit dessen Tod endete dann auch die Fahndung nach den eigentlichen Auftraggebern. Denn die letzte Viertelstunde nutzte Regisseur Walter Bannert da lieber, um seine Kommissare ein wenig über künstliche Befruchtung plaudern zu lassen. Ärgerlich hierbei das Ende: Brandstätters permanentes Gefuttere rühre daher, dass sie schwanger sei. Zum dritten Mal und ganz natürlich. Wieso sich also solchen Stress machen, wenn es auch ganz einfach geht? Was sich die Macher bei diesem arroganten Fingerzeig auf die boomende In-Vitro-Industrie dachten, kann nur auf naive Uninformiertheit zurückgeführt werden.

Und was meint ihr? Konnte der gestrige Tatort: Kinderwunsch überzeugen?

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