Das blutige Geschäft mit der künstlichen Befruchtung stand im gestrigen Tatort: Kinderwunsch im Vordergrund – und stellte gemeinsam mit der Stadt Linz als werbeverdächtig schön inszenierter Donaustadt und einem ziemlich wütenden Kommissar Eisner ein eher mäßig spannendes Dreigespann in der Tatort-Reihe.
Die unausbalancierte Mischung aus werblichem Stadtporträt, Bösewichten, die aus einem James-Bond-Film stammen könnten und einer moralisch verkürzten Diskussion über das äußerst komplexe Thema der künstlichen Befruchtung führten in diesem ziemlich blutigen Kriminalfall leider dazu, dass die eigentliche Thematik verschütt ging. Der Linzer Drehbuchautor Thomas Baum legte offenkundig ebenso großen Wert auf die perfekte Inszenierung der Donaustadt Linz wie auf die Erkundung eines gesellschaftpolitisch höchst brisanten Themas. Der Wiener Eisner wurde so kurzerhand in ein Palais voller Antiquitäten einquartiert und futterte ständig im Hafengebiet mit seiner schnippigen Kollegin (denn ja, die diesjährige europäische Kulturhauptstadt Linz liegt am Wasser!).
Zwischen der ständigen Nahrungsaufnahme und dem Angebändele musste der Wiener Ermittler noch seiner etwas einsilbigen Kollegin dabei helfen, den Mörder der Journalistin Sandra Walch zu finden, welche im Besitz brisanter Vorwürfe gegen die Medizinfirma und Klinik Invitral war. Die Ärzte sollen Frauen so genannte Kuckuckseier untergeschoben haben, um die Erfolgsquote der künstlichen Befruchtung zu erhöhen. Nachdem auch ein Vater hingerichtet wurde, der Invitral auf der Spur war, finden die Kommissare heraus, dass etwa 150 Paaren mit Fremdsperma befruchtete Eier untergeschoben wurden. Um dies zu vertuschen, heuerten Invitrals Geldgeber den namenlosen Killer an.
Trotz ziemlich wuchtiger Action kam der Tatort allerdings eher gemächlich daher. Gruppeninspektorin Karin Brandstätter (Fanny Stavjanik) schien nur an Fastfood interessiert, während Eisner (Harald Krassnitzer) eher an seinen romantischen Flirt mit einer falschen Musikprofessorin dachte. Zwei Morde wurden von einem grausamen Auftragskiller für anonyme Geldgeber verübt – doch wer hinter den Kriminellen steckt, ließ der Tatort: Kinderwunsch offen. Lieber bekam der Zuschauer da einen eiskalten Killer auf einem ukrainischen Schiff zu sehen, der skrupellos auf Brandstätter und ihren Assistenten schoss. Mit dessen Tod endete dann auch die Fahndung nach den eigentlichen Auftraggebern. Denn die letzte Viertelstunde nutzte Regisseur Walter Bannert da lieber, um seine Kommissare ein wenig über künstliche Befruchtung plaudern zu lassen. Ärgerlich hierbei das Ende: Brandstätters permanentes Gefuttere rühre daher, dass sie schwanger sei. Zum dritten Mal und ganz natürlich. Wieso sich also solchen Stress machen, wenn es auch ganz einfach geht? Was sich die Macher bei diesem arroganten Fingerzeig auf die boomende In-Vitro-Industrie dachten, kann nur auf naive Uninformiertheit zurückgeführt werden.
Und was meint ihr? Konnte der gestrige Tatort: Kinderwunsch überzeugen?
annaberlin (Anna Sita Zinn) 2009/06/02 07:00:00
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Kommentare
über Eiskalte Action im schönen Linz
Kommentar schreibenchampagner 2009/06/02 11:09:41
Kommentar löschenWirklich viel passte nicht zusammen, alles war doch sehr unübersichtlich. Zuviele Details, die nicht zusammen zu bringen waren und einige Fragen unbeantwortet ließen. Ein zu blutiger heldenhafter Ermittler, 2 Beamte die schon tot waren und wieder auferstanden sind, na ja. gut, spannend und rund in der Handlung ist anders.
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salzer 2009/06/02 11:52:41
Kommentar löschenSchließe mich der Meinung von jobaza an.
Realen Kriminalisten müssen die Haare zu Berge stehen, wenn sie bei einer Kindesentführung einen solchen Einsatz sehen.
Drehbuch und Realität stehen wieder einmal im krassen Gegensatz. Da hilft es auch nicht, wenn man Spannung erzeugen will. Der Zuschauer ist eher belustigt.
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Ein Tatort ist doch nicht dazu da,um etwas moralisch durch zu diskutieren,oder ?
Was mich störte, waren folgende Punkte :
- ständig fuhr der VW Golf des Chef-Ermittlers flott ins Bild; nach ca 10 x hab ich aufgehört zu zählen ! Hat Österreich ein VW-Werk oder warum diese Werbung ??
- alles mußten die Drei allein machen ! Auch bei der letzten Festnahme war weit und breit kein Einsatzkommando oder Unterstützung zu sehen!Nein, der schwer verwundete Chef im blutigen Hemd und mit lustigem Netz auf dem Kopf mußte selbst ran - welch Held !
- beide Kollegen werden an/erschossen und sind augenscheinlich tot (mit offenen Augen regungslos am Boden liegend)um sich kurz darauf mal schnell zu schütteln und wieder fit zu sein (Schutzweste sei Dank )
Für mich also :
Seichte Unterhaltung mit - wieder mal - wenig Logik und Realität ! Und das ist eigentliche Grund,warum ich Tatort irgendwelchen "Autobahnpolizei Massenschrott verursachenden Pseudo-Krimis" vorzieh - weil ich kein Ami-Verschnitt sehen will!
Mal sehen,wie lange noch...
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