Gier 2 - Ulrich Turkur am Kap der langen WeileBearbeiten

Veröffentlicht am 22.01.2010, 07:00

Gestern lief der zweite Teil der Finanz-Groteske Gier von Dieter Wedel. Leider waren auch diesmal nur besoffene Yuppies vor schöner Kulisse zu sehen, denn nach Spannungsbögen und Tiefgang suchten wir vergebens.

Traue nie einem singenden Investment-Profi Traue nie einem singenden Investment-Profi © ARD Degeto

Der zweite Teil von Gier machte da weiter, wo der erste Teil aufhörte: bei der Strapazierung der Zuschauer-Geduld durch die endlose Wiederholung des Musters Verwehrung – Forderung – Vertröstung. Wer es schaffte die ersten 80 Minuten durchzuhalten, bekam als Belohnung ein abruptes und lahmes Ende, dessen einziger lobenswerter Punkt war, dass es den Zweiteiler zum Abschluss brachte.

Foto-Show: die Bilder zu Dieter Weldels Gier

Für ein Paar Minuten zu Beginn des zweiten Teiles von Gier kam sogar etwas Hoffnung auf: Der Titel Die Rache lies auf eine finale Abrechnung hoffen, auf den großen Schlagabtausch zwischen dem verzweifelten Kleinanleger Andy Schroth (Devid Striesow) und dem Betrüger Dieter Glanz (Ulrich Tukur). Sogar die Staatsanwaltschaft kündigte entschiedene Schritte und Winkelzüge an, die dem Betrüger endlich das Handwerk legen sollten. Aus irgendeinem Grund traf allerdings nichts von alledem ein: Die Staatsanwaltschaft schaute weiterhin nur tatenlos zu und Andy Schroth ließ sich weiter vertrösten – nur eben etwas mürrischer als im ersten Teil. Die einzig erkennbare Steigerung versuchte Regisseur Dieter Wedel dadurch herbeizuführen, dass er plötzlich jedem eine Pistole in die Hand drückte, wodurch er den verworrenen Plot allerdings endgültig der Lächerlichkeit preisgab.

Was bleibt nach insgesamt rund 180 Minuten Gier für den Zuschauer an Erkenntnis übrig? Dass die gierigen Reichen verdammt blöd waren und die hoffnungsvollen Kleinanleger, die sich für ihr Investment ruiniert hatten, ziemlich arm dran. Tiefer konnte oder wollte Dieter Wedel nicht schürfen. Warum wir die vorhersehbare Abwärtsspirale also unbedingt in zwei Teilen genießen mussten, wird das Geheimnis von Dieter Wedel und der ARD-Sparte Degeto bleiben, für die das Konzept Zweiteiler anscheinend schon zum Selbstzweck geworden ist.

Immerhin schmeichelte die schöne Kulisse Südafrikas dem Auge, hatte aber auch einen unangenehmen Beigeschmack. Ein Film wird nun einmal nicht besser, nur weil er vor paradiesischem Hintergrund abläuft. Diesmal war die Handlung von Gier beinahe komplett im sonnigen Süden angesiedelt und erinnerte damit unangenehm an die üblichen Schmonzetten unter blauem Himmel, die wir sonst aus dem Hause Degeto kennen. Wenn dann in einer Szene der Staatsanwalt den Fall Glanz als dankbare Gelegenheit nutzt, um ein paar Tage auf Staatskosten die südliche Sonne zu genießen, so spricht ihm wahrscheinlich das schlechte Gewissen des Regisseurs aus der Seele.

Am Ende von Gier geschah natürlich das, was der Zuschauer von Anfang an wusste: Dieter Glanz wanderte ins Gefängnis, die Opfer gingen (meist) leer aus. Dies geschah in den letzten Minuten derart unvermittelt und unbegründet, dass die wenigsten Zuschauer darüber aus ihrem Tiefschlaf erwacht sein dürften. Dabei hätte der Stoff der beiden Teile zusammen durchaus einen unterhaltsamen 60-Minüter hergeben können.

Und was meint ihr: Konnte euch der zweite Teil von Gier überzeugen?


Prestigeww (Stefan Tiess)

Mitgliedern gefällt diese News


Kommentare

über Gier 2 - Ulrich Turkur am Kap der langen Weile
Kommentar schreiben

elsa elisabetha

Kommentar löschen

Das Drehbuch hat Herr Wedel wahrscheinlich einem Groschenroman entliehen, nach dem Motto "so stellt sich Lieschen Müller die Welt der Schönen und Reichen vor": Keiner arbeitet, alle planschen dauernd besoffen im Pool....Und obwohl eine ganze Reihe bekannter TV-Gesichter wie Krassnitzer Herrn Wedel die Ehre gaben, machte einzig das Schauspiel von Ulrich Tukur diese auf zwei Folgen aufgeblähte Klamotte erträglich. Geradezu schauerlich waren allerdings die (Sanges-)Künste von Frau Renzi, die dann auch noch als "Rächerin in Schwarz" eine gänzlich lächerliche Rolle abgab.
Schlimmer als das sind nur noch die ARD-Schmachtfetzen mit Christine Neugebauer!

3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

Schloti

Antwort löschen

Ich fand diesem Film absolute Spitze! Ich verstehe auch nicht dieses Gequatsche von diesem Pseudokritiker auf dieser Homepage. Selten wurde der Gesellschaft so hautnah der Spiegel vorgehalten, dass es schon wehtat, weil man sich wiederfand. Aber einige Kritiker, wie dieser, sind ja halbe Lobbyisten, die natürlich alles niedermachen müssen, was gesellschaftskritische Beiträge oder Filme angehen. Wir dürfen uns nämlich nicht daran erinnern, wie uns die Telekom(Inhaber dieser Seite) Anfang 2000 auf dem Aktienmarkt so dermaßen beschissen hat, wie in diesem Film dargestellt. Aber wie sagt der Volksmund: "Wes Brot ich esse....!


southdown 6

Kommentar löschen

Sollte das eine "DANCEPARTY" auf Kosten der Zuschauer sein oder eine Party von Durchgeknallten! - Ich will meine GEZ- Gebühren zurück! Zusammenhanglose Handlung, teilweise war die Sprache nciht zu verstehen weil die "Background Musik" zu laut war!

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

TVGeniesser

Kommentar löschen

Gier und die Machenschaften einiger Leute im realen Leben. Das wollte ich mir ansehen.
Dieter ( Wedels ) Glanz- Figur die er in der Regie hatte zu werden was man sein wollte ( Reich) und verabscheute ( arrogant und hinterlistig ) was man dann wieder nicht wolllte. Geldgierige Leute zu finden ist sicherlich auch nicht schwierig, doch machen mir einige Passagen aus dem ersten Teil ein wenig zu Denken. Da wird Geld angelegt mit Faktor 3 dann wieder 5, nun gut als normaler Bürger klingt es schön. Was dann im zweiten Teil die Aussage war...Gewinn mit 1000 oder so Prozent. Auch gut. Aber jeder normale würde da finden das es nicht der realen Welt entspricht. Geld anzulegen mit 1000 prozentiger Wertsteigerung.Das gelang Wedel meiner Meinung im ersten Teil besser.die Glaubwürdigkeit an diese Figur des Glanz und Reichtum zu häufen. Teil zweit war an den Haaren herbeigezogenes drumherum geschreibe für ein einen Drehbuches in zwei Teilen.
Zu kurz gefasst war dann das Ende, wie ich habe dir mal ebend zig Tausende aus dem Erdboden ausgegraben. Ich gebe es dir und lieb mich jetzt Geschichte. Aber da bleibt ja nun noch reichlich Stoff übrig um einen dritten Teil nachzuschieben. Titel - Nach der Gier, das Leben der Anderen.

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Martin Scorsese

Kommentar löschen

Wie konnte Dieter Wedel es nur fertig bringen die Geschichte des Herrn Harksen so unglaublich schlecht umzusetzen? Zweimal 90 Minuten immer dasselbe! Herr Wedel solte keine Filme mehr machen. Dieses Thema hätte soviel Potential gehabt. Das Ergebnis ist lächerlich. Im Sog der miesen Regisseurleistung haben dann auch die Schauspieler wie Hoenig oder Wiesinger leider enttäuscht. Auch Devid Striesow war unglaublich blass. Tipp: "So glücklich war ich noch nie" von Alexander Adolph ansehen - mit Devid Striesow! So macht man heute Filme!!!

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

knusper

Kommentar löschen

Die Handlung war so echt und nachvollziehbar, wie die Haarfarbe von Herrn Wedel. Die Langeweile war so deutlich spürbar, wie die "Wahrheit" von Dieter Glanzs Versprechungen! Bellheim hätte Glanz platt gemacht. Der König von St. Pauli hätte ihn am Kap der guten Hoffnung versenkt. Selbst Semmeling hätte Glanz zumindest eine runtergehauen, weil er an das Gute im Menschen glaubte, aber betrogen wurde.
Gute Nacht Herr Wedel. Ihr gute Reputaion ist versunken, wie der Nibelungenschatz, den sie seit Jahren wieder hervorzaubern in Worms!

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

YlMelodieY

Kommentar löschen

Also, ich fand den Film gar nicht mal sooooooooooo schlecht ;-) Aber die Thematik war verfehlt, leider. Ich meinte eher einen Werbefilm für Süd-Afrika zu sehen und der wer mehr als anschauenswert. Was mir auch sehr gefiel waren die zum Teil schönen Kleider der Frauen.......... Also ihr lieben Leute, seid mal nicht so kritisch ;-)

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

sporty

Kommentar löschen

Ich werde den Gedanken nicht los, dass Herr Wedel seine eigenen missglückten Transaktionen, die er kürzlich in der Sendung "Hart, aber fair" erstaunlicherweise auch noch sehr ausführlich erläutern durfte, in diesem zu lang geratenen Zweiteiler mitverarbeiten wollte.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Berliner

Kommentar löschen

Gute Besetzung , gutes Thema - aber die Umsetzung total daneben. Also , Herr Wedel sollte langsam in Rente gehen !!!!!!!!!!!!!

3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

martina m.

Kommentar löschen

Der ganze Film war träge, langweilig, unglaubwürdig einfach MIST. martina m.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Küster

Kommentar löschen

Dieser Film hat doch nur gezeigt, was ich vor längerer Zeit tatsächlich in unserem armen Deutschland zugetragen hat. Was wollt ihr denn, liebe Krimifans, ihr habt doch Blut sehen können. Man sollte Geschichte nicht mit blutrünstigen Kitschkrimis vergleichen. Der Film "Gier" hat doch gezeigt, wie es ist beim deutschen Geldgieradel. Man konnte doch Vergleiche ziehen mit diesen geldgierigen Monstern, die noch daran verdienen wollen, wenn sie ihrer Mutter einen Nachtstuhl kaufen.

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Satansbraten

Kommentar löschen

Der 2.Teil hiess nicht "Die Rache", sondern "Das Duell". Im übrigen ein trauriges Abbild der Uppertens, die sich ausschliesslich von Begriffen wie "Profitoptimierung" bzw. unverschlüsselter, "Profitmaximierung" leiten lassen, was zum Grundvokabular des Kapitalismus gehört und nichts anderes als "Gier" bedeutet. Schön aber auch, Dieter Laser wieder mal gesehen zu haben.

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Winne2

Kommentar löschen

Also ich hab mit Telekomaktien "Faktor 3" geschafft und zwischen einem misslungenen aber legalen Aktiengeschäft, bei dem erwachsene Menschen ein Risiko eingehen - nämlich das Geld zu verlieren in der Hoffnung auch was zu gewinnen - und einem von Anfang an auf 100% Kapitalverlusst angelegten Betrug gibt es einen kleinen Unterschied. Sieht irgendwie so aus, als ob der Verlust mit Telekom-Aktien die gleichen traumatischen Folgen haben kann, wie der Verlust von ein paar Hunderttausend Euro bei einem Schweizer Vermögensberater und Bank - wie Herrn Wedel geschehen. In beiden Fällen das Gleiche: Geld RISKIEREN und dann jammern wenn es schief geht und die Schuld auf andere schieben. Psychologisch sicher interessant - der Zweiteiler war trotz oder gerade wegen der persönlichen Betroffenheit von Wedel völlig daneben. Hier paarten sich unglücklich die "Gier" des Senders nach kostengünstigen Sendeminuten mit der Sehnsucht des Regiesseurs sein persönliches Leid auszubreiten und aufzuarbeiten. Lieber Dieter Wedel: Damit sollten sie künftig ihren Therapeuten (oder gute Freunde oder Rechtsanwälte) belästigen, die bekommen Geld oder eine Rolle dafür. Wir können nur umschalten.

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

guggenheim

Kommentar löschen

Zweiteiler, ARD, Wedel - wohlweislich hab ich die Finger davon gelassen...

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

doktorwichtig

Antwort löschen

Genau ! Das hab ich auch getan!


mafidoc

Kommentar löschen

Hier hat Herr Wedel ein Selbstbildnis inszeniert, überzogen, unglaubwürdig,langweilig,
ein in sich diffuser Handlungsablauf.
Die Leistungen der Schauspieler waren nicht das Problem, die Regie war einfach unangepasst, obwohl das Thema hochaktuell war! Schade, daraus hätte sicherlich
ein Lehrstück werden können!

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Joao

Kommentar löschen

Ich stelle fest hier schreiben viel Lobbyisten.
Es wirklich kein grosses TV Highlight, und auch bisl zu lang geraden.
Aber einige können die Wahrheit über diese wiederlichen Abzocker(sprech aus eigener Erfahrung, und ich hatte noch Glück) nicht vertragen.
Aber eins is doch festzustellen, reiche einflussreiche Leute sind doch meist genauso doof und naiv, wie der sogenannte kleine Mann.
Denn solche Leute wissen, jeden Tag steht ein Dummer auf...und das wird sich nie ändern....

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

lexustoni

Kommentar löschen

Was hier zum Teil an pseudointellektuellem Gequatsche (samt der sonderbar überzogenen Kritik) abgeliefert, wird ist peinlich. Es gibt in diesem unserem Land zu viele "G´scheithaferl" und Wichtigtuer.

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Narrisch

Kommentar löschen

Ich habe hier schon ein bißchen was dazu geschrieben, nachdem ich den Zweiteiler auf Arte gesehen habe: http://www.moviepilot.de/news/dieter-wedels-unersaettliche-gier-105010
Zu der angesprochenen Südafrikaproblematik gibts noch einige interessante Dinge zu sagen.
Deutsche Filmproduktionen, Werbung oder Fernsehfilm drehen wahnsinnig gerne in Südafrika.
Als Gründe werden gerne die "tolle Landschaft, "niedrige Kosten" , "besonderes Licht" und das "gute Wetter" angepriesen. Zugegeben die Landschaft ist toll, sofern es tatsächlich aus dramaturgischen Gründen Sinn macht in Südafrika zu drehen. Aus eigener Produktionserfahrung (Werbung) weiß ich, das die Gründe "niedrige Kosten", "besonderes Licht" und "gutes Wetter" ziemlicher Blödsinn sind, sondern nur als Ausrede dienen mit Sack und Pack, auf Kosten des Kunden bzw. Gebührenzahlers einen in Südafrika drauf zu machen. Die Crew muß erstmal nach Südafrika geflogen und dort untergebracht werden, was ein Schweinegeld kostet, ausserdem ist man auch in Südafrika alles andere als wetterunabhängig. Ich selbst kenne 3 Fälle in denen die Crew runtergeflogen wurde und 4 Wochen lang im Hotel gehockt hat, weil es geregnet hat...
Statt beträchtliche Teile des Produktionsbudgets in Südafrika zu verballern wäre es wirklich sinnvoller gewesen mehr Zeit und Geld ins Drehbuch zu stecken aber genau das ist in Deutschland oft ein Riesenproblem, weil den Drehbuchautoren von irgendwelchen Redakteuren auf der Nase herumgetanzt wird. Früher hat Wedel richtig gute Filme gemacht, was er mit Gier abgeliefert hat liegt weit unter seinem Level.

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Catno22

Kommentar löschen

Hallo zusammen !
Ich fand auch diesen zweiten Teil klasse!
Es war so wie wir es oft genug in den Medien berichtet wird:
Den Leuten ein wenig Honig um´s Maul schmieren und sich dann einfach
mit deren Geld sich ein schönes Leben machen.
Irgend einen Dummen wird es bestimmt schon geben.............

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Kommentar schreiben

Deine Meinung zum Artikel Gier 2 - Ulrich Turkur am Kap der langen Weile