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Grace and Frankie - Zwei Damen, zwei Herren und ein Durcheinander

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Was macht dein Mann mit meinem da?
27.04.2017 - 08:50 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Es müssen nicht immer nur junge Menschen sein, um deren Leben sich Serien drehen. Grace and Frankie zeigt, dass auch ältere Menschen als Handlungsträger hervorragend funktionieren.

Serien über das Suchen und Finden der Liebe gibt es wie Sand am Meer: Irgendwie handelt jede Serie in gewisser Weise davon, aber gerade Comedyserien machen von dem Thema Gebrauch: Mir ist allerdings noch keine Serie begegnet, die erzählt, wie es mit einem glücklichen Paar, wenn es sich erst einmal getroffen hat, weitergeht. Das macht Grace and Frankie zwar auch nicht so ganz, aber es erzählt sozusagen von der anderen Seite. Wie ist es, wenn die Liebe endet?

Noch lachen alle...

Schon die Ausgangssituation ist endlich etwas anderes: Ich sehe nicht zum x-ten Mal junge Menschen in ihren Zwanzigern, die nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Die vier Hauptcharaktere in Grace and Frankie sind nämlich schon über 70. Allein das macht die Serie schon interessant für mich. Ältere Menschen haben ebenso etwas zu erzählen, wenn nicht sogar noch mehr als Jüngere: Schließlich haben sie den Großteil ihres Lebens und ihrer Erfahrungen schon hinter sich. Das heißt aber nicht, dass im Rentenalter nichts mehr passiert. Die Erfahrung machen auch Grace (Jane Fonda) und Frankie (Lily Tomlin), als ihre Männer ihnen in der allerersten Folge beim gemeinsamen Abendessen mitteilen, dass sie sich scheiden lassen. Der Grund? Die beiden sind mehr als nur Anwaltskollegen, und das schon seit mehr als 20 Jahren. Dementsprechend geschockt reagieren die beiden Frauen. Während andere Serien diesen Konflikt relativ schnell wieder auflösen (würden), bleibt diese Spannung laufend bestehen.

Naja, immerhin ist das Haus ganz schön...

Die meisten Szenen der Serie spielen sich in dem Strandhaus ab, das die Frauen gemeinsam bewohnen. Diese Momente gucke ich besonders gerne, weil ich auch schon mal in diesem Haus war. Als ich im vergangenen November in den USA war, habe ich unter anderem die Paramount Studios besucht und war dort auch am Set von Grace und Frankie. Der Anblick des Strandhauses, wie es mitten in einer riesigen Sound Stage steht, war einfach zu absurd. Interessanterweise gibt es nur das Erdgeschoss, die Treppe in den 1. Stock führt ins Nichts. Jedes Mal, wenn Jane Fonda oder Lily Tomlin eben diese Treppe hinauf- oder hinuntergehen, muss ich daran denken. Mit diesem Hintergrundwissen macht das Gucken erst recht Spaß. Genauso wie die Tatsache, dass es außerhalb des Hauses keinen Strand gibt. Im Studio wurde zwar eine Düne aufgeschüttet, aber dahinter ist bloß ein leerer Raum. Auf einer Fotogardine, die sich komplett um das Haus herumziehen lässt, ist das Meer abgedruckt. Das, zusammen mit der Düne, vermittelt die Illusion des Blicks auf das Wasser hinaus.

Die Figurenkonstellation kannte ich schon so oder so ähnlich aus anderen Comedyserien: Natürlich sind die Charaktere von Grace und Frankie gegensätzlich angelegt, da kann sich die Serie nicht aus ihren Genre-Fesseln befreien. Während Grace die vornehme, etwas überhebliche Dame aus wohlhabendem Hause ist, zeichnet sich Frankie durch ihre bodenständige Art und ihren Hang zum Hippietum aus. Daraus ergeben sich häufig die komischen Momente. Die beiden lassen sich keine Gelegenheit entgehen, der anderen einen Spruch reinzudrücken. Die Frauen wissen aber trotzdem, was sie aneinander haben, denn das gemeinsame Schicksal schweißt sie zusammen. Glücklicherweise ruht sich die Geschichte nicht darauf aus, die Protagonistinnen als Opfer und ihre Ex-Männer als die Bösen darzustellen. Die Männer sind als schwules Pärchen glücklich miteinander, aber auch sie haben damit zu kämpfen, das Eheleben mit ihren jeweiligen Frauen nach 40 Jahren aufzugeben. Im Verlauf der 1. Staffel strengen sie zwar die Scheidung an, aber leicht fällt ihnen dieser Schritt nicht. Wie gut diese Konfliktpunkte unter den vier Hauptfiguren ausgetragen werden, hat auch mit den Darstellern zu tun: Neben den absolut fantastischen Frauen glänzen auch Martin Sheen als Robert und Sam Waterston als Sol. Zu viert harmonieren sie großartig.

Die vier Kinder

Achtung, Spoiler zur 2. Staffel: Besonders gut hat mir die Auftaktfolge der 2. Staffel gefallen, in der Robert und Sol im Krankenhaus heiraten. Robert hatte kurz zuvor einen Herzinfarkt, was die Planungen für die Hochzeit der beiden Männer durcheinander brachte. Ihre ehemaligen Partnerinnen ringen sich schweren Herzens dazu durch, einen Priester zu organisieren, der die Zeremonie am Krankenbett abhält. Weil sich keiner findet, übernimmt letztendlich Frankie diese Aufgabe. Diese Folge vereint alles: Auf der einen Seite steht das Eheglück der beiden Männer, die sich offensichtlich über alles lieben, auf der anderen Seite stehen die beiden verlassenen Frauen, die ihren Ex-Männern doch nur das Beste wünschen sowie Roberts kritischer Gesundheitszustand. Außerdem anwesend sind auch Graces Töchter sowie Frankies Söhne. Ich habe selten so viel gelacht in 30 Minuten, gleichzeitig ist mir klar geworden, wie wertvoll eine stabile familiäre Bindung ist. Es erfordert unglaublich viel Kraft, als von seinem Partner verlassener Mensch der neuen Bindung seinen Segen zu geben. Grace und Frankie schaffen das, womit sie sich meinen Respekt verdienen. Spoiler Ende

Ich muss zugeben: Die 3. Staffel habe ich noch nicht gesehen. Das Titelbild bei Netflix und die Informationen, die ich gelesen habe, zeigen mir aber, dass die Frauen ins Dildo-Geschäft einsteigen. Ich bin mir noch nicht sicher, was ich davon halten soll. Meiner bisherigen Erfahrung nach glaube ich aber, dass die Serienschöpfer mir diesen Handlungsdreh glaubhaft vermitteln können.

Wie findet ihr Grace and Frankie?

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