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Pacific Rim und der weibliche Blick

18.07.2013 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Der "weibliche Blick" auf Charlie Hunnam in Pacific Rim
© Warner Bros.
Der "weibliche Blick" auf Charlie Hunnam in Pacific Rim
Eine der ersten feministischen Filmtheorien beschäftigte sich mit dem im Mainstreamkino angeblich inhärenten männlichen Blick. Dass ausgerechnet Pacific Rim dazu eine Alternative darstellt, ist überraschend.

Die Grundsatzdiskussion darüber, ob eine feministische Sicht auf Filme überhaupt Sinn macht, wurde unter dieser Kolumne schon ausgiebig geführt. Deshalb möchte ich euch heute etwas Handwerkzeug für zukünftige Schlagabtausche in die Hand geben und eine der ersten feministischen Filmtheorien vorstellen: den männlichen Blick, auch “male gaze” genannt. Und damit ihr beim nächsten Kinobesuch euer geschultes Auge einmal auf die Probe stellen könnt, erkläre ich außerdem, warum ich glaube, dass ausgerechnet Pacific Rim einen weiblichen Blick einführt.

Laura Mulvey oder Was ist ein männlicher Blick?
In den 70ern Jahren veröffentlichte die feministische Filmtheoretikerin Laura Mulvey ihren Aufsatz Visuelle Lust und narratives Kino, in dem sie einen kritischen Blick auf klassische Hollywoodfilme warf. Dabei stellte sie in Rückgriff auf die psychoanalytischen Theorien nach Freud fest, dass das Kino durch eine Lust am Schauen (auch Skopophilie genannt) gekennzeichnet ist, deren Objekt der visuellen Begierde stets die weibliche Filmfigur ist. Der Blickende ist nach Mulvey immer der Mann, der also eine aktive Rolle erhält, während die Frau stets passiv die Betrachtete ist. Männer gucken, Frauen werden angeguckt.

Ein sehr gutes zeitgenössisches Beispiel hierfür ist die Autowäsche-Szene aus Bad Teacher. Hier sehen wir eine Frau (Cameron Diaz) in einem knappem Outfit, das umgehend Schaulust generiert. Sie ist umringt von Männern unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Professionen, die alle nur eines tun: gucken. Laura Mulvey unterscheidet hierbei drei Arten des Blicks: 1. Den Blick der Männer auf Cameron Diaz. 2. Unseren Blick auf Cameron Diaz. 3. Unseren Blick durch die Augen der Männer im Film auf Cameron Diaz. Wir als Zuschauer identifizieren uns also mit der männlichen Perspektive dieser Szene. Der Voyeurismus der Filmfiguren trifft sich mit unserer Lust am Schauen.

Interessant an der Szene aus Bad Teacher ist vor allem die Tatsache, dass dort auch eine Frau auf das weibliche Sexobjekt schaut. Dies zeigt sehr deutlich, dass „der männliche Blick“ nicht nur Männern vorenthalten ist. Vielmehr benutzt Mulvey diesen Begriff, um eine Bestimmte Art und Weise des Schauens, bzw. der Rollenverteilung im voyeuristischen Akt zu beschreiben. Das weibliche Kinopublikum wird durch die Inszenierung ebenfalls dazu verleitet, sich mit der männlichen Figur zu identifizieren und ihren Blick zu übernehmen. In der Konsequenz hat dieser „männliche Blick“, den wir im Kino übernehmen, auch Einfluss auf die weibliche Selbstwahrnehmung!

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