The Handmaid's Tale fängt unsere Welt besser ein, als uns lieb ist

The Handmaid's Tale
© TELE 5
The Handmaid's Tale
01.11.2020 - 09:00 UhrVor 3 Monaten aktualisiert
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Die dystopische Geschichte von The Handmaid's Tale zehrt vor allem von Beobachtungen der Vergangenheit und Gegenwart. Jetzt gibt es Staffel 2 bei TELE 5 erstmals im Free-TV.

Wenn Dystopien eines von sich behaupten können, dann ist es das Nähren unserer Ängste. Im Falle von The Handmaid's Tale gruseln wir uns weniger vor der Zukunft, sondern erschrecken wir uns vielmehr vor unserer eigenen Vergangenheit und politischen Gegenwart.

  • Die 2. Staffel der Qualitätsserie ist ab dem 6. November exklusiv bei TELE 5 als Free TV-Premiere zu sehen und im Anschluss auf 5flix. Hier erfahrt ihr mehr. 
  • An drei aufeinander folgenden Wochenenden wird freitags und samstags ab 22:15 Uhr je eine Doppelfolge ausgestrahlt.
  • Am 21. November gibt es die drei letzten Folgen auf einen Schlag.

In The Handmaid's Tale blicken wir in den Abgrund unserer Vergangenheit

Sciene Fiction verbinden wir vorrangig mit einem hoffnungsvollen Blick in den Weltraum oder einer Warnung vor den Gefahren Künstlicher Intelligenz und anderer technischer Errungenschaften. Statt in die Zukunft blicken wir bei Margaret Atwoods Roman und der Serien-Adaption The Handmaid's Tale jedoch in die Abgründe der Vergangenheit.

The Handmaid's Tale

Nichts davon ist in die Zukunft gedachte, denn alles ist bereits passiert. Sci-Fi hat die Angewohnheit, sehr schlecht zu altern, da sich Zukunftsideen schnell abnutzen, wenn es doch anders kommt. Atwoods Werk jedoch ist zeitlos, wie es der Guardian auf den Punkt bringt:

Das zentrale Motiv von Atwoods Fiktion ist Macht, die Unverhältnismäßigkeit oder das Ausnutzen von Macht, gegen Frauen und auch alle anderen.

Die Serie The Handmaid's Tale entwickelt eine ganz besondere Sogwirkung, wenn sie diese zeitlosen Machtstrukturen unerbittlich bebildert.

The Handmaid's Tale speist sich aus geschichtlichen Ereignissen

In The Handmaid's Tale folgen wir einer jungen Mutter, die bei einem rückschrittlichen Umsturz des US-Systems von ihrer Familie getrennt und als Sexsklavin gehalten wird. Sie soll für die unfruchtbare Elite Kinder gebären, die in ritualisierter Vergewaltigung gezeugt werden. Elisabeth Moss spielt June beziehungsweise Desfred mit eiskalter Überzeugung.

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Sie muss sich vom einen auf den anderen Tag in einem totalitären Patriarchat zurechtfinden, das gänzlich über ihren Körper bestimmt.

The Handmaid's Tale

Der Guardian erklärt, dass für die 1939 geborene Margaret Atwood Nazi-Deutschland, Sklaverei, die Hexenprozesse von Salem, das politische System der Sowjetunion, die Berliner Mauer und vieles mehr The Handmaid's Tale beeinflusste. Der Roman wurde in den 80ern geschrieben und die Serie transportiert das Geschehen ins Jetzt. Dass die Prämisse immer noch so gut funktioniert, ist gruselig.

Wie Atwood The World  erzählt, ist The Handmaid's Tale Mary Webster gewidmet, die kurz vor den Hexenprozessen von Salem Ende des 17. Jahrhunderts umgebracht werden sollte:

Sie ist das Beispiel einer fälschlicherweise beschuldigten Frau. Aber sie ist auch ein bisschen das Symbol der Hoffnung, weil sie es nicht schafften, sie umzubringen. Sie kam durch.

Mary Webster wurde wenige Jahre vor den Hexenprozessen misshandelt und gehängt, da sie Schuld an der Krankheit eines wichtigen, männlichen Regierungs- und Kirchenmitglieds gewesen sei.

The Handmaid's Tale hat Einfluss auf unser heutiges Politik-Verständnis

Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsident schoss The Handmaid's Tale wieder zurück in die Bestseller-Listen. Analog zu Trumps "Macht Amerika wieder groß" waren auf Demos Schilder mit dem Spruch "Macht Atwood wieder zu Fiktion" zu lesen, schreibt der Guardian . Atwood fand das amüsant.

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In seiner Amtszeit hat Trump zahlreiche rückschrittliche Entscheidungen getroffen. Eine davon ist das Verbot gegen Abtreibungen, womit er sich anmaßt, gesetzlich über den weiblichen Körper zu bestimmen. Als stiller Protest gingen zahlreiche Frauen in der einprägsamen Kleidung der Mägde aus The Handmaid's Tale auf die Straße.

Generell sei das politische System in Amerika Vorbild für Gilead. Jener totalitäre Staat, der sich in The Handmaid's Tale aus den USA herausschält. Gilead wurde laut Atwood vom theokratischen Herrschaftssystem des 17. Jahrhunderts in den USA inspiriert, wie sie in einem Interview mit Indigo  erzählt. Diese christlich-konservative Tendenz koche immer wieder hoch, meint sie.

Die Serie The Handmaid's Tale führt Atwoods Idee einnehmend fort

Nachdem Staffel 1 eine sehr detailgetreue Adaption von Atwoods Roman war, dürfen die Verantwortlichen für The Handmaid's Tale ab Staffel 2 komplett ohne Vorlage agieren. Sie sprechen sich allerdings mit Atwood ab, damit Atwoods geplanten Geschichten im The Handmaid's Tale-Universum mit der Erzählung der Serie zusammenpassen.

Der Trailer zu Staffel 2 führt uns wieder ins grausame Gilead

The Handmaid's Tale - S02 Trailer (Deutsch) HD
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Das Gedankenspiel, wie frei eine moderne Frau im Westen wirklich ist und wie schnell ihre Freiheit gekippt werden kann, wird in Staffel 2 von The Handmaid's Tale eindrücklich weitergedacht.

In der 2. Staffel The Handmaid's Tale erfahren wir noch viel mehr über die Welt von Gilead und ihren inneren Verrottungen und Auswüchsen. Während die erste Staffel sehr dicht an June dran war, wird in Staffel 2 noch mehr auf die Frauen in ihrem Umfeld eingegangen. Jede hat in diesem Patriarchat ihre ganz eigene Last zu (er)tragen.

Habt ihr die Romanvorlage von The Handmaid's Tale gelesen?

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