Verräter wie wir - Das sagen die Kritiker zum Spionage-Thriller

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Verräter wie wir
07.07.2016 - 09:20 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Heute startet Susanna Whites Thriller Verräter wie wir im Kino. Ewan McGregor spielt darin einen unbescholtenen Engländer, der durch Zufall in die Machenschaften des britischen Geheimdienstes verwickelt wird.  Lest hier, was die Kritiker zu der John le Carré-Adaption zu sagen haben.

Der Engländer Perry Makepeace (Ewan McGregor) und seine Freundin Gail (Naomie Harris) wollen in Verräter wie wir bei einem Urlaub in Marrakesch ihrer kriselnden Beziehung wieder Aufwind geben. Bei einem Tennisspiel lernen sie den charismatischen Russen Dima (Stellan Skarsgård) kennen, der sie auf eine „kleine Party“ einlädt. Die Party entpuppt sich als ausuferndes Fest, wo Champagner in Bächen fließt und dubiose Typen sich mit Edel-Prostituierten schmücken. Auch Dima outet sich vor dem ahnungslosen Paar als Boss eines europaweit agierenden Geldwäsche-Syndikats und Mitglied der russischen Mafia. Doch er will aussteigen und bittet die beiden um Hilfe. Sie sollen einen USB-Stick mit hochbrisanten Daten und Namen an den englischen Geheimdienst übergeben, damit Dima und seiner Familie in England Asyl gewährt wird. Ansonsten droht ihnen die Exekution durch die Mafia. Perry lässt sich auf den Deal ein und unterschätzt damit die Konsequenzen für sich und seine Partnerin. Als sie nämlich die Daten an den Geheimdienst übergeben wollen, wird der MI6-Agent Hector Meredith (Damian Lewis) auf sie aufmerksam und verwickelt die beiden immer weiter in ein Machtspiel zwischen Gut und Böse.

Regisseurin Susanna Whites Verräter wie wir basiert auf dem gleichnamigen Roman des berühmten Spionage-Autors John le Carré, der 2010 veröffentlicht wurde. Für die Verfilmung des starken Stoffes bewies White ein gutes Händchen und holte sich eine prominente Besetzung ins Boot. Damit konnte sie bisher sowohl bei deutschen als auch internationalen Kritikern punkten.

Wie immer zunächst die harten Fakten zu Verräter wie wir:

  • 62 Community-Bewertungen mit einem Durchschnittswert von 5,8
  • 7 Kritiker-Bewertungen mit einem Durchschnittswert von 6,4
  • 6 Kritiken und 6 Kommentare
  • 0 x Lieblingsfilm und 0 x Hassfilm
  • 211 Vormerkungen, 4 sind nicht interessiert

Das sagen die deutschsprachigen Kritiker zu Verräter wie wir:

Jörg Schöning von Spiegel Online  lobt das klassische Format und vor allem die Optik des spannenden, stringent erzählten Thrillers, in dem Ewan McGregor alten britischen Tugenden ein frisches Gesicht verleiht:

Ähnlich wie Susanne Bier, die in ihrem le Carré-Mehrteiler The Night Manager auf den Glamour des Geheimen setzte, stellt Susanna White mit den rasch wechselnden Schauplätzen ihres Films, die von der hell erleuchteten Arsenal-London-Arena bis zu dunkel umflorten Alpengipfeln reichen, attraktive Schauwerte aus. In den Cinemascope-Panoramen des Top-Kameramanns Anthony Dod Mantle (Slumdog Millionär) kommen sie bestens zur Geltung.

Burkhard Müller von der Süddeutschen  hingegen bemängelt, dass es Verräter wie wir trotz cooler Attitüde und fetziger Handlung an Zynismus fehle:

Mit einem Wort, le Carrés Thriller krankt an einem betrüblichen Mangel an Zynismus. Wo bitte wäre hier Raum für die titelgebenden Verräter, gar "Verräter wie wir"? Die Guten und die Bösen verteilen sich auf völlig unmissverständliche Weise. Die Bösen, das sind die russische Mafia, ihre britischen Komplizen aus Finanz und Politik und die unfähige, träge, pedantische Bürokratie; die Guten Hector, Perry und der reuige Dima - eine vom moralistischen Standpunkt überaus langweilige Veranstaltung.

Für Alexander Jodl von Kino  zählt Susanna Whites le Carré-Adaption zu den gelungeneren Umsetzungen, er hebt vor allem die starke Besetzung hervor:

[…] diesem Ensemble aus höchst kompetenten Mimen beim Spiel zuzusehen, ist einfach ein Genuss: Ewan McGregor, Damian Lewis, Stellan Skarsgård, Naomie Harris... Einen einzelnen herauszuheben, ist bei der geschlossenen Schauspielleistung nicht wirklich möglich.

Jedoch weist er auch darauf hin, dass Verräter wie wir kein Actionfilm, sondern primär eine Spionage-Geschichte ist:

Action-Fans werden in den 107 Minuten immer längere Gesichter ziehen. „Verräter wie wir“ ist ein Spionagethriller reinsten Wassers: Geheimnisse/Desinformation, Verrat/Ehre, Aktion/Reaktion: Das sind Themen, mit denen hier in exquisiten Bildern und atmosphärisch dichten Szenen virtuos jongliert wird. Leben/Sterben schon auch. Aber eben nicht via choreografierter Superlativ-Action.

Das sagen die US-Kritiker zu Verräter wie wir:

Gary Goldstein von der L.A. Times  bezeichnet Verräter wie wir als eine gut gemachte und hervorragend gespielte le Carré-Umsetzung, jedoch fehle es an dramaturgischem Zündstoff:

Ortswechsel, Mord und ein faszinierendes Katz-und-Maus-Spiel folgen, jedoch ohne viel Action oder Chaos. Diese Zurückhaltung wäre bewundernswerter, wenn das pragmatische Drehbuch von Hossein Amini den Fokus mehr auf Perry und Gails bröckelnde Beziehung gelegt hätte, anstatt ihre Probleme in der wundervoll aufgenommenen Szenerie verblassen zu lassen.

Bilge Ebiri von Village Voice  merkt an, dass sich die Geschichte zunächst wie ein Suspsense-Thriller à la Hitchcock liest, dann jedoch eher zum nüchternen Agenten-Thriller wird, der vor allem durch seinen Hauptdarsteller Ewan McGregor an Spannung gewinnt:

Der an sich eher reaktive Perry ist nicht sonderlich fesselnd. Er ist der typische Protagonist einer Spionage-Geschichte. Aber McGregor verleiht der Rolle Tiefe. Er stellt das Denken seiner Figur auf wundervolle Art und Weise dar: Seine scharfen, eindringlichen Augen und die schmalen Lippen scheinen für immer wechselnd zwischen einem Grinsen und einer Grimasse.

Für Peter Travers von Rolling Stone  hingegen sind es vor allem Stellan Skarsgård und Damian Lewis, die der Geschichte Auftrieb geben und für die er sich mehr Spielzeit gewünscht hätte:

Was schmerzt, ist, dass Skarsgard und Lewis auf dem Rücksitz Platz nehmen müssen, während einem anderen Paar mehr Spielzeit eingeräumt wird. Ohne McGregor oder Harris kritisieren zu wollen, die beiden sind hervorragende Darsteller, jedoch schaffen sie es nicht, uns so in Atem zu halten, wie es die Geschichte verlangt.

Weiter stellt Travers einen Vergleich zu Susanne Biers le Carré-Adaption The Night Manager her. Gegen die könne Verräter wie wir nicht ganz bestehen, jedoch schaffe Susanna White es trotzdem, die Umsetzung gut über die Bühne zu bringen und dabei mit ihrem eigenen Stil aufzupolieren.

Fazit zu Verräter wie wir:

Verräter wie wir ist im wahrsten Sinne des Wortes Spionage-Kino, wie es im Buche steht. Dramaturgische Schwächen macht die durchgängig brillierende Besetzung wett, jedoch könnte die Geschichte dem ein oder anderen zu nüchtern und konservativ daherkommen.

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