Verschollene Stars

Was macht eigentlich ... Roseanne?

Was macht eigentlich Roseanne?
© moviepilot-Montage
Was macht eigentlich Roseanne?

“Mein Name ist Roseanne.” Sie sagt das vor einer presbyterianischen Kirche, überrascht die Zuhörer mit ihrer Anwesenheit, noch mehr mit ihrer Enthüllung. Sie zittert während ihrer gesamten Rede; 30 Minuten Seelen-Striptease – angefeuert durch den Applaus der rund 1000 geladenen Zuschauer: „Und ich bin eine Inzestüberlebende."

Als die Sitcom „Roseanne“ 1988 auf Sendung ging, veränderte sie die Fernsehlandschaft. Die Serie zeigte eine amerikanische Arbeiterfamilie, oftmals am Rande des Abgrundes, immer aber auch irgendwie liebevoll im Umgang miteinander. Sie brach Tabus, sprach Themen wie Homosexualität, Diskriminierung und Gewalt an. Die Hauptfigur Roseanne Connor, gespielt von Roseanne Barr, war nicht besonders attraktiv, ihre portraitierte Familie weit davon entfernt, perfekt zu sein. Doch die Menschen schauten zu, bescherten der Stand-Up-Komikerin Barr einen langen Lauf im Fernsehen; nach neun Staffeln und 222 Episoden wurde die Serien abgesetzt. “Am Ende der Show kam ich zurück und fand alles verändert wieder. Plötzlich gab es Computer und E-Mails.”

Barrs Familie bestreitet die Vorwürfe. “Ihre Worte waren wie Messer, die jemanden zum Krüppel machen”, schreibt Roseannes Schwester Geraldine Barr in der Autobiografie “My Sister Roseanne”. Ihr Vater sei am Boden zerstört, die Anschuldigungen der Tochter könne er in diesem Leben wohl nicht mehr verarbeiten, sie habe die Familie hintergangen. Roseanne Barr: “Mein Vater misshandelte mich, bis ich mit 17 Jahren ausgezogen bin. Ständig berührte er mit seinen Händen meinen gesamten Körper. Er zwang mich, auf seinem Schoß zu sitzen, mit ihm zu kuscheln, mit seinem Penis in der Badewanne zu spielen.”

Nach der Absetzung der Serie, 1997, versuchte sie ihren Arbeitgeber ABC von einer Weiterverwendung der Figur Roseanne Connor zu überzeugen. Die Gespräche scheiterten jedoch. 1997 war auch das Jahr, in dem “Eine schreckliche nette Familie” abgesetzt wurde. Beide Serien erzählten von dysfunktionalen Familien. Während die Sitcom mit Ed O’Neil die Arbeiterfamilie eher parodierte, war Roseanne eine tragische Komödie und auch als Drama ernst zu nehmen. Doch nach neun Staffeln war Schluss. 1998 bekam Barr ihre eigene Talkshow: Die nunmehr Moderatorin konnte sich dort austoben mit ihrer direkten Art; als Schauspielerin mit Wurzeln in der Stand-Up-Comedy brachte sie genug Schlagfertigkeit mit, um so berühmten Persönlichkeiten wie Jamie Foxx, Whoopie Goldberg oder Dennis Rodman im Gespräch Paroli zu bieten. Auf mehr als zwei Jahre Sendezeit brachte sie es jedoch nicht, konnte an den Erfolg ihrer bis heute als bahnbrechend beschriebenen Serie nicht anknüpfen.

Sie hätte es selber nicht gewusst, es sei ein Geheimnis gewesen. Als ihr Ehemann Tom Arnold im Drogenrehabilitationscenter war, rief er am dritten Tag zu Hause an. Er erzählte ihr, wie er von seinem Baby-Sitter misshandelt wurde. “Unmittelbar nach dem Auflegen des Hörers begann ich zu zittern und zu schwitzen.” Sie erinnerte sich plötzlich an ihre eigene Vergangenheit, die sie in den letzten Jahren so erfolgreich verdrängte. “Ich heulte und heulte, bis ich austrocknete.”

Fünf Jahre nach der gescheiterten Talkshow kehrte Roseanne auf die Bühne zurück. Mit einem neuen Stand-Up-Programm reiste sie quer durch die Staaten, dominierte mit ihrer lauten Stimme und ihrem derben Humor die Hallen der Nation. Sogar in Europa trat sie auf, bekam eine kleine Gastrolle in der Serie “My Name is Earl” und moderierte die dritte Staffel der Sendung “The Search for the Funniest Mom in America”. Inzwischen, am 23. März 2009, wurde sogar eine neue Sitcom mit ihr angekündigt; weitere Details aber noch nicht verkündet. Eigentlich überraschend, hatte sie doch verkündet, nie wieder in einer Sitcom mitzuspielen. Ihre manchmal offensiven und schonungslosen Gedankengänge sind in ihrem Blog nachzulesen, ihre Abneigung gegenüber Jon Voight kann dort genauso ergründet werden wie die gegen Angelina Jolie und Brad Pitt. Sie macht keinen Hehl daraus, wenn sie Menschen nicht mag. Roseanne Barr wird auch gerne als Anti-Star bezeichnet.

Sie habe den Großteil ihres Lebens in einem Gefängnis aus Fleisch verbracht. Sie habe stets versucht, es in die Luft zu jagen, daraus zu entfliehen. “Ich quälte meinen Körper, rauchte fünf Zigarettenpackungen am Tag.” Sie probierte Drogen und Alkohol. Ihr Körper musste leiden, weil er ein Geheimnis mit sich trug. Sie hasste ihn. Sicher, heute geht es ihr besser. Sie ist schlanker als früher, sieht jünger aus. Das liegt an den vielen Schönheitsoperationen. Sie würde das aber niemals weiterempfehlen, “man sieht hinterher aus wie ein Idiot”. Aber die Selbstzerstörung damals, sie musste sein. Denn Gott bestrafe nicht. Menschen täten das.

Quellenangaben:

The New York Times: A Rest for Roseanne
Film Reference: Biography
People: A Star Cries Incest
Wikipedia: Roseanne Barr
People: Steamed Sibling
Official Blog: Flattered, but not free
Interview mit James Rampton, The Independent
Barr, Roseanne: My Life As A Woman, p. 10.
Roseanne Shares Secrets And Jibes
The Family Tree of Roseanne Barr

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