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Wie Cronenberg den menschlichen Fortschrittsgedanken entwertet

Die Unzertrennlichen
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Die Unzertrennlichen
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"And in this moment I swear, we are infinite."

David Cronenberg gilt als Meister des Body Horrors. In Die Unzertrennlichen ist Body gleich Horror. In Rabid - Bete, dass es nicht Dir passiert sexualisierte Cronenberg die widerlichen Geschwüre seiner Charaktere als genitale Auswüchse. Mehrere Jahre später ließ er Jeff Goldblum in Die Fliege durch einen menschlichen Fehler im Gefängnis Körper mutieren. Sein Horror stand also immer schon nicht nur in direktem Bezug zum Körper sondern zum Menschen selbst. Den unserer Spezies zugeordneten Horror fiktionalisierte David Cronenberg dabei oft im Angesicht des technologischen Fortschritts. In seiner pessimistischen Erkenntnis Die Unzertrennlichen findet dieses Zukunftsstreben ein selbstzerstörerisches Ende.

It's a question of the individual nervous system, I think.
That presupposes one has an individual nervous system.

Bis auf eine Traumsequenz bietet Die Unzertrennlichen keinen klassischen Body Horror. Vielmehr ist der normale menschliche Körper bereits ein solch absurdes Konstrukt der Natur. Eine Hülle, die der Mensch mit seinem vermeintlich unabhängigen Geist füllt. Drumherum der Versuch, sich dieser Naturkraft zu widersetzen. Die Zwillinge im Fokus von Die Unzertrennlichen (Jeremy Irons und Jeremy Irons) sind als Ärzte die Götter der künstlichen Natur. Ihre Position als Gynäkologen, die Frauen ermöglichen, Kinder zu bekommen, verstärkt die Schöpfer-Symbolik zusätzlich. Beverly und Elliot Mantel sind schon längst nicht mehr nur Teil dieser artifiziellen Evolution. Ihre rationale Pragmatik scheint sie weniger rückschrittlich zu entmenschlichen, denn als Wesen zu zeichnen, die sich über den Menschen hinwegbewegt haben. Demnach sind sie das Produkt des Fortschritts, das menschgewordene Geschwür dieses David Cronenberg-Films.

Individualität gibt es in dieser fortgeschrittenen Form jedoch nicht. Das Ziel oder vielmehr die Folge ist die ultimative Synchronisation. Ein Mensch, der dem anderen gleicht wie einem eineiigen Zwilling. Nur funktioniert diese Vorstellung allenfalls als Metapher. Schon an Jeremy Irons' präziser Differenzierung der Charaktere ist selbst in zurückhaltenden Momenten eine Abgrenzung erkennbar. So wie die Brüder das Trickspiel verlieren, in dem sie bei der Frau auffliegen, mit der sie abwechselnd schlafen, sehen sie letztendlich einer Niederlage gegen die unbändige Biologie entgegen.

An dieser Erkenntnis, die eine gesamte Existenz in Frage stellt, deren Motor der nach vorne gerichtete Blick ist, beginnen die beiden in Die Unzertrennlichen zu zerbrechen. Unter diesem pessimistischen Blickwinkel werden die Beschützer der Menschheit zu in rot gekleideten Untergangsboten. Die auf Abhängigkeit basierende symbiotische Einheit muss wieder gespalten werden und "seperation can be ... a terrifying thing."

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