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The Garveys at Their Best

Wir schauen The Leftovers - Staffel 1, Folge 9

26.08.2014 - 08:50 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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The Leftovers
© HBO
The Leftovers
Kurz vor dem vermutlich schockierenden Finale wagt The Leftovers einen Blick in die Vergangenheit und die Welt vor dem Departure. The Garveys at Their Best ist dabei jedoch ein bissiger Kommentar auf die bereits vorherrschenden Probleme der dysfunktionalen Familie.

Wie alles im Leben hat das Schreiben von Kritiken zwei Seiten. Auf der einen Seite darf man sich außerordentlich intensiv mit einer Serie auseinandersetzen und gewinnt dadurch neue Einblicke oder Erkenntnisse, die ein Werk noch besser oder schlechter dastehen lassen. Auf der anderen Seite jedoch verdirbt man sich bei der Recherche oftmals bereits die ein oder andere Überraschung. Wer die Episodenzahl mancher Figuren oder die Titel zukünftiger Folgen studierte, wird wohl mit einem Flashback gerechnet haben dürfen.

Das macht den Anfang der Folge von The Leftovers aus der Feder von Showrunner Damon Lindelof und Co-Autorin Kath Lingenfelter jedoch nicht weniger spannend. Kevins (Justin Theroux) Heimkehr in ein für den Zuschauer fremdes Haus trägt nämlich die gleiche traumhafte Qualität mit sich wie seine vorherigen schizophrenen Ausfälle. Auch die uns unbekannte Frau, die Regisseur Daniel Sackheim zunächst unfokussiert im Hintergrund telefonieren lässt, könnte zum Beispiel Chief Garveys Affäre sein, bis wir wieder in die Realität zurückgeholt werden. Es ist die dominierende narrative Taktik Lindelofs in dieser herausragenden ersten Staffel: Verwirrung, Spekulation und dann die naheliegende sowie simple, aber zerschmetternde Realität.

Die Lebenswirklichkeit der Figuren vor dem Departure gestaltet sich jedoch trotz des heiteren und vollmundigen Episodentitels mit wenigen Ausnahmen nicht lebensfroher als die kollektive Depression drei Jahre nach dem 14. Oktober 2011. Die Brüche sind bereits hier vor dem Departure zu erkennen und teilweise manifestieren sie sich bereits in Form eines Risses in der Wand oder einem undichten Kaffeebecher in Kevins Realität. Teilweise sehen wir zwar völlig transformierte Figuren wie die junge Jill (Margaret Qualley) als sorgenloser Nyan Cat -Fan mit Zahnspange, die das schauspielerische Talent des Casts verdeutlichen. Diese Momente lassen ihr zukünftiges Selbst und den Eintritt in den Guilty Remnant in der letzten Folge noch deutlicher nachwirken. Doch die restlichen Figuren werden jedoch bereits von einer dunklen Vergangenheit oder einer schwierigen emotionalen Gegenwart geplagt.

So betrinkt sich Tom in der Nacht und sucht seinen biologischen Vater auf, um ihn – vielleicht völlig berechtigt – zur Rechenschaft zu ziehen, obwohl er die vermutlich gewalttätige Familiengeschichte lieber vergessen würde. Seine Mutter, die wunderbare Amy Brenneman, versichert ihm jedoch: Das funktioniert nicht. Sie muss es wissen, denn Laurie war, wie uns das beeindruckende Designerhaus der Garveys verdeutlicht, eine erfolgreiche Psychologin. Doch auch sie ist tief unglücklich. Trotz der All American Family im Traumhaus bröckelt die Fassade. Sie ist schwanger und erwägt wegen der nicht erfüllenden Beziehung zu ihrem Mann eine Abtreibung. Eine ihrer Patientinnen erkennt diesen Zwiespalt sofort: „There’s something wrong inside of you.“ Es ist Patti (Ann Dowd), die Probleme mit ihrem gewalttätigen Ehemann Neil überwinden muss und zur Behandlung ihrer Paranoia, inklusive apokalyptischer Visionen, in Lauries Praxis sitzt.

Nora (Carrie Coon) hat dagegen sehr alltägliche Probleme. Ihre Kinder hören nicht auf sie, der kontinuierliche Stress als Hausfrau und die wenigen kognitiven Herausforderungen machen sie träge. Dazu erfährt sie von ihrem betrügerischen Ehemann keine helfende Hand. Etwas Abwechslung könnte sie beim aussichtslosen Wahlkampf der zukünftigen Bürgermeisterin erfahren, die wohl die Wahl dank des Departures gewonnen haben wird.

Kevin leidet jedoch bereits jetzt am meisten. Sein Vater und seine Frau überschatten ihn beruflich, sodass er sich in kleine Nebenprojekte wie der Suche eines Hirsches hineinsteigert. Ein weiteres Tier hat bereits vor dem Departure sein Unwesen getrieben und die Stadt terrorisiert. Am Abend widmet er seinem Vater bei einer Preisverleihung eine bewegende Rede vor der High Society Mapletons. Überschwänglich betont er die Familienwerte, sein Glück und die tiefe Dankbarkeit. Doch sein Vater durchschaut Kevins Spielchen mit seiner Umwelt und sich selbst und gibt ihm einen guten Ratschlag:

„Every man rebels against the idea that this is fucking it. Fights windmills, saves fucking damsels, all in search of greater purpose. You have no greater purpose. Because it is enough. So cut the shit, okay?“

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