Jürgen Kiontke
Jürgen Kiontke aus Berlin heißt Jürgen Kiontke. Er hat sich 2008/06/17 10:28:13 auf moviepilot angemeldet und hat schon legendäre 121 Filme bewertet und legendäre 121 Kommentare geschrieben. Freier Journalist und Autor. Mehr
| Name | Jürgen Kiontke |
|---|---|
| Stadt | Berlin |
| Geschlecht | männlich |
| Schreibt sonst für | Jungle World, ai-Journal, Konkret u.a. |
| Meine Lieblingsschauspieler: | Arnold Schwarzenegger, Alien |
| Meine Lieblingsregisseure: | Paul Verhoeven |
| Mein Lieblingsfilmzitat: | "Ack. Ack-ack." Außerirdischer in "Mars Attacks" |
| Über mich | Freier Journalist und Autor. |
Whistleblower - In gefährlicher Mission
Jürgen Kiontke 8.0 "Ausgezeichnet" 2012/02/01 15:46:36
Debüt-Regisseurin Larys Kondracki zeichnet in ihrem engagierten, gut besetzten Film die Wege des Mädchenhandels durch die Reihen der Politik dezidiert nach.
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The Lady - Ein geteiltes Herz
Jürgen Kiontke 7.5 "Sehenswert" 2012/02/01 15:43:39
„Das ist für mich mehr als ein Film“: Malaysias Actionstar Michelle Yeoh, bekannt aus „Tiger and Dragon“ und James Bond-Filmen, ist sich sicher, dass sie das Werk ihres Lebens abgeliefert hat. „The Lady“ heißt das zweistündige Kino-Porträt der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die in ihrer Heimat Burma einfach „Daw Suu“ genannt wird - eben: Lady Suu.
Yeoh, zierlich,…
„Das ist für mich mehr als ein Film“: Malaysias Actionstar Michelle Yeoh, bekannt aus „Tiger and Dragon“ und James Bond-Filmen, ist sich sicher, dass sie das Werk ihres Lebens abgeliefert hat. „The Lady“ heißt das zweistündige Kino-Porträt der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die in ihrer Heimat Burma einfach „Daw Suu“ genannt wird - eben: Lady Suu.
Yeoh, zierlich, quirlig, kämpferisch, gibt mit ihrer Hauptrolle einer der erstaunlichsten politischen Biografien unserer Zeit Gestalt. Suu Kyis Werdegang als Ikone des Widerstands gegen eines der repressivsten Militärregime der Welt verlangt wohl nach einer starken Identifikation mit dem Sujet. In „The Lady“ wird Yeoh zu Suu Kyi - rein optisch wie auch im Herzen des Zuschauers: Jahrelang hat sich die Schauspielerin mit nichts anderem beschäftigt als mit ihrer Suu-Kyi-Werdung. Sogar die halsbrecherische Landessprache Burmas hat sie gepaukt. Was Wunder: „Use your feelings to promote ours“ habe ihr Suu Kyi bei dem einzigen Treffen mit auf den Weg gegeben, erzählt Yeoh.
Besson und Yeoh haben einen Liebesfilm gedreht, ebenso wie ein politisches Epos. Besson erleichtert dem Zuschauer den Einstieg in den Stoff über das Privatleben seiner Protagonistin. Manchmal scheint die Kamera etwas stark an den Hauptfiguren zu hängen: Es gibt Stellen, da wünscht man sich weniger Kammerspiel und mehr Blick auf die internationalen Verflechtungen des Regimes: Wer hat von der Repression profitiert? Wieso brachte internationaler Druck keine Ergebnisse? Nichts destotrotz erhellt der Film viele Aspekte, die wenig bekannt sind.
Zuallererst erhofft sich der Regisseur denn auch von seinem Film „dass er gesehen wird“. Einen Oscar für Yeoh fände er schön, zumal den noch nie eine Frau aus Asien gewinnen konnte. Verdient wäre er. Denn „The Lady“ ist, ganz wie Yeoh sagt, mehr. Vielleicht sogar mehr als Kino: Kino der Menschenrechte.
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Huhn mit Pflaumen
Jürgen Kiontke 4.5 "Uninteressant" 2011/12/22 14:24:18
Das Plakat zum Film „Huhn mit Pflaumen“ verheißt Pastellfarbenes: Sternchen, bunte Berge, freundliche Pflanzen in Scherenschnitt-Atmo und einen einsamen Mann mit Geigenkasten. Ein schönes Ensemble.
Regisseurin Marjane Satrapi kennt sich mit Malerei und Poesie aus. Die iranische Zeichnerin aus Paris ist weltberühmt geworden mit ihrer graphic novel „Persepolis“, mit der sie ihren…
Das Plakat zum Film „Huhn mit Pflaumen“ verheißt Pastellfarbenes: Sternchen, bunte Berge, freundliche Pflanzen in Scherenschnitt-Atmo und einen einsamen Mann mit Geigenkasten. Ein schönes Ensemble.
Regisseurin Marjane Satrapi kennt sich mit Malerei und Poesie aus. Die iranische Zeichnerin aus Paris ist weltberühmt geworden mit ihrer graphic novel „Persepolis“, mit der sie ihren Exodus aus Teheran beschrieb.
„Huhn mit Pflaumen“ erschien im Jahr 2006 ebenfalls als Comic. Darin erzählt die Autorin vom traurigen Großonkel Nasser Ali Khan, einem hochbegabten Lautenspieler, dessen eklige Ehefrau ihm das geliebte Instrument zerschlägt. Daraufhin beschließt er, sich noch acht Tage Leben zu geben. Dann gibt’s Selbstmord.
Die Story hat Satrapi jetzt selbst verfilmt. Die leicht platte Geschichte - frustrierte Alte ruiniert Hochsensiblem die Verbindung zum Weltmusikgeist - wird gehörig aufgeladen. Nasser Ali war - der Rückblick zeigt’s - unsterblich verliebt in das wunderschöne Mädchen Iran; allein sie heiratet einen anderen. Den Musikus, im Film übrigens Violinist, verschlägt es seinerseits in die Arme der ungeliebten Dorfschullehrerin. Kein Wunder, dass er kränkelt.
Die Regisseurin gestaltet Alis Lebensende mit großer Genre-Vielfalt: Soap, Cartoon-Rückblick, Loops, Schnelldurchlauf, Klischee: Das Heranbrausen der schönen Frau kündigt sich mit ihren hochhackigen Schuhen an, die - klackklack, na? - Genau: verführerisch übers nasse Kopfsteinpflaster eilen. Weiter oben ist der Lippenstift - na, klar - verrutscht.
Ein Kosmos auf melancholisch belichtetem Material: Hier geht’s ums große Gefühl, poetisch real und zunehmend suizidal. Auch der Zuschauer. „Huhn mit Pflaumen“ ist übrigens ein beliebtes persisches Gericht.
Musik gibt’s in diesem Musikfilm erstaunlich wenig. Dafür ist es Regisseurin gelungen, die richtigen Gesichter für ihren Film zu casten: den traurig-lebensmüden Mathieu Amalric und andere ätherische Wesen wie Chiara Mastroianni und Isabella Rosselini - alles Leute, die auch sonst den ganzen Tag lang mit Blumen sprechen und mit Libellen tanzen.
Zudem hinterlässt Satrapi eine wirklich denkwürdige Szene: Als eine Kettenraucherin beerdigt wird, entweicht die Seele als durchaus blickdichter Zigarettenqualm. „Ihre Seele ist so dicht, dass sie sich jetzt noch materialisiert“, erklärt einer der weisen Darsteller.
So was nennt man Liebeserklärung - ein Film wie ein Filmplakat.
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Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod
Jürgen Kiontke 8.0 "Ausgezeichnet" 2011/12/08 11:40:18
Weinen und Lachen – manchmal beides gleichzeitig – sind die dramaturgischen Prinzipien dieses Films, und das in ganz plastischem Sinne: Der Krieg und seine Folgen werden anhand des spanischen Clowngeschäfts erzählt. Dass der Job des Possenreißers vererbt wird, dass es im klassischen Zirkus vor allem den traurigen, dummen August und den schönen, geliebten, lustigen Clown gibt, sorgt für…
Weinen und Lachen – manchmal beides gleichzeitig – sind die dramaturgischen Prinzipien dieses Films, und das in ganz plastischem Sinne: Der Krieg und seine Folgen werden anhand des spanischen Clowngeschäfts erzählt. Dass der Job des Possenreißers vererbt wird, dass es im klassischen Zirkus vor allem den traurigen, dummen August und den schönen, geliebten, lustigen Clown gibt, sorgt für den nötigen Drive.
Splatter, Horror und Geschwindigkeit sind die prägenden Stilzutaten von »Mad Circus«. Seit früher Kindheit arbeitet Iglesia an dem Stoff, den er in seinem Film ausbreitet. 1973 war der Regisseur acht Jahre alt. El Lute, der Ausbrecherkönig, hielt die Polizei auf Trab, der rechtsgerichtete Ministerpräsident starb durch eine Autobombe, im Fernsehen tobte täglich eine Clownsfamilie herum. »Das alles vermischt sich in meiner Erinnerung zu einer seltsamen Halluzination«, sagt der Regisseur.
Die Halluzination heißt Kunst, und sie ist beeindruckend. Sie beschreibt Politik. Und wie diese in den Menschen wirkt.
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Jürgen Kiontke ist Kritiker für Jungle World, ai-Journal, Konkret u.a..
Jürgen Kiontke schreibt als Kritiker für Jungle World, ai-Journal, Konkret u.a..





Der brennende Mann, der mit der Machete geschlagen wird; das Kind, das vor Schwäche zusammenbricht, beobachtet von einem Geier: Dies dürften wohl die ausdrucksstärksten Bilder sein, die eine Gruppe von jungen Kriegsfotografen, bestehend aus Greg Marinovich, Kevin Carter, Ken Oosterbroek und João Silva - genannt der „Bang Bang Club“ - veröffentlichte. Regissseur Steven Silver hat ihnen jetzt ein gleichnamiges filmisches Denkmal gesetzt.
Auch wenn der Film manchmal sehr eingeschränkt auf die Hauptfiguren zugeschnitten ist: Silver ist ein sehr spannendes Werk gelungen, dass einen - im populären Kino sehr seltenen - Blick auf die Zeit der Apartheid wirft. Und nebenbei noch den Beruf des Kriegsberichterstatters einer kritischen Würdigung unterzieht.