Jürgen Kiontke
Jürgen Kiontke aus Berlin heißt Jürgen Kiontke. Er hat sich Tue, 17 Jun 2008 08:28:13 -0000 auf moviepilot angemeldet und hat schon legendäre 157 Filme bewertet und legendäre 157 Kommentare geschrieben. Freier Journalist und Autor. Mehr
| Name | Jürgen Kiontke |
|---|---|
| Stadt | Berlin |
| Geschlecht | männlich |
| Schreibt sonst für | Jungle World, ai-Journal, Konkret u.a. |
| Meine Lieblingsschauspieler: | Arnold Schwarzenegger, Alien |
| Meine Lieblingsregisseure: | Paul Verhoeven |
| Mein Lieblingsfilmzitat: | "Ack. Ack-ack." Außerirdischer in "Mars Attacks" |
| Über mich | Freier Journalist und Autor. |
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Narrisch Thu, 09 May 2013 13:54:39 -0000
Antwort löschenWie kommst du auf eine "latente bis manifeste Homosexualität" bei Scotty?
Jürgen Kiontke Thu, 09 May 2013 16:22:09 -0000
Antwort löschenes gibt eine dementsprechende szene, in der sich scotty dezidiert über die erotische erscheinung ich glaube von khan äußert. es ist nicht die einzige, die darauf verweist. sg.
Narrisch Thu, 09 May 2013 23:15:05 -0000
Antwort löschenPuhhhhhhhh. ok. Jetzt wo ich es weiß, kann man das so sehen. Die Frage is aber immer noch was das mit Homosexualität zu tun haben soll oder warum das für irgendetwas wichtig ist.
Faigle hat einen imposanten Film gedreht, der nicht immer die rechten Bilder findet. Da wird es wortlastig, ein Spielfilmregisseur ist Faigle nicht. Aber seine filmische Reise bringt durchaus interessante, unerwartete Weisheiten an den Tag bzw. an den Abend: Auf Hans-Werner Sinns Drohung: "Wir werden immer arbeiten müssen, weil die menschlichen Bedürfnisse nie befriedigt werden. Nicht in den…
Faigle hat einen imposanten Film gedreht, der nicht immer die rechten Bilder findet. Da wird es wortlastig, ein Spielfilmregisseur ist Faigle nicht. Aber seine filmische Reise bringt durchaus interessante, unerwartete Weisheiten an den Tag bzw. an den Abend: Auf Hans-Werner Sinns Drohung: "Wir werden immer arbeiten müssen, weil die menschlichen Bedürfnisse nie befriedigt werden. Nicht in den nächsten tausend Jahren!" kontert der lustige Jeremy Rifkin mit einem lebensnahen Zusammenhang zwischen Religion und Arbeitszeit, vor allem ihrer Verkürzung: "Meine Frau hat mal bemerkt: Wer würde auf dem Sterbebett sagen: Wäre ich doch länger im Büro geblieben."
Aber wie schon Georg Büchner wusste: Wenn die armen Leute in den Himmel kämen, müssten sie glatt beim Donnern helfen. Im tausendjährigen Reich der Arbeit des Hans-Werner Sinn jedenfalls dürfte eine Menge Schufterei noch über ein Leben hinaus bereitstehen.
Ob diese Aussicht die Arbeitsmoral, wie beabsichtigt, senkt? Im Film grölt einer: "Jesus war ein glücklicher Arbeitsloser. Früher wurde man dafür wenigstens gekreuzigt."
Jesus, der Faulenzer: Der hat es immerhin bisher auf ein zweitausendjähriges Reich gebracht.
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No Place on Earth - Kein Platz zum Leben
Jürgen Kiontke 7.0 "Sehenswert" Fri, 05 Apr 2013 20:07:37 -0000
Wie Menschen extreme Zeiten überleben können, zu welchen Einschränkungen sie dabei fähig sind, davon handelt der Dokumentarfilm „No Place on Earth“. Regisseurin Janet Tobias begleitet Christopher Nicola bei der Erkundung eines unterirdischen Tunnelsystems in der Ukraine. Der Höhlenforscher hatte dort eigentümliche Spuren entdeckt: In relativ junger Vergangenheit, in den vierziger Jahren, muss hier…
Wie Menschen extreme Zeiten überleben können, zu welchen Einschränkungen sie dabei fähig sind, davon handelt der Dokumentarfilm „No Place on Earth“. Regisseurin Janet Tobias begleitet Christopher Nicola bei der Erkundung eines unterirdischen Tunnelsystems in der Ukraine. Der Höhlenforscher hatte dort eigentümliche Spuren entdeckt: In relativ junger Vergangenheit, in den vierziger Jahren, muss hier eine größere Gruppe Menschen gelebt haben. „Wir hatten keine Freunde, die hatten die Nazis erschossen“, sagen die Protagonisten. Dabei verlief das Zusammenleben unter Tage nicht unfallfrei: Streitereien und gar Schlägereien hat es gegeben. Die Wohnverhältnisse sind selbst für den Höhlenprofi ein Problem. Dennoch sind sich alle einig: Zum Leben war kein Platz auf der Erde, wohl aber darunter: „Man sagte uns, die Dämonen würden in den Höhlen leben. Wir wussten es besser: Sie waren draußen“, berichten die Zeitzeugen.
Regisseurin Tobias erzählt die Ereignisse nach, in dem sie Interviews mit nachgespielten Szenen kombiniert, historische Sequenzen mit Erklärungen einbaut. Ihr Film legt Zeugnis davon ab, wie Menschen unter schwierigsten politischen Bedingungen überleben können.
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Regisseurin Deepa Mehta knüpft geschickt die Fäden und setzt Rushdies Buch kongenial in Szene, findet wunderschöne Bilder, lässt den Zuschauer gar manchmal Ruhe. Geradezu ein Anti-Bollywood-Film, der die Standards des populären Kinos bisweilen auf den Kopf stellt.
„Mitternachtskinder“ ist ein großer Wurf von filmischer Beschreibung - romantischer Realismus der ganz großen wie auch kleinen Verhältnisse.
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Die Darsteller, allesamt ideal für ihre Rollen, haben hier genug Freiheit, ihren jeweiligen Part auszuleben. Gesten, Aktionen, Dialoge: Die feinen Unterschiede zeigen sich am Rande, im kleinen oder im ganz großen, wörtlich. In einer Szene wollen die Darsteller in Sebastians riesigen Mercedes einsteigen. Die schwarz glänzende Luxuskarre füllt das ganze Bild aus, die Schauspieler müssen sich am Leinwandrand…
Die Darsteller, allesamt ideal für ihre Rollen, haben hier genug Freiheit, ihren jeweiligen Part auszuleben. Gesten, Aktionen, Dialoge: Die feinen Unterschiede zeigen sich am Rande, im kleinen oder im ganz großen, wörtlich. In einer Szene wollen die Darsteller in Sebastians riesigen Mercedes einsteigen. Die schwarz glänzende Luxuskarre füllt das ganze Bild aus, die Schauspieler müssen sich am Leinwandrand zusammenquetschen. Kaum möglich, dass man überhaupt die Türen aufkriegt! Das teure Fahrzeug will eben nicht jeden in sich drin haben, für Putzfrauen ist es nicht gebaut.
Ob die Regisseurin auch so gedacht hat, sei dahingestellt. Sie selbst sieht in ihrem sozialen Kammerspiel verschiedene Themen im Vordergrund: „Wie genau sehen die tief verankerten emotionalen und kulturellen Einstellungen aus, die wir bei den Einheimischen einerseits und bei den Zugewanderten andererseits finden, und welche Haltung zum jeweils ‚Anderen’ ergibt sich daraus?“ Nicht nur Sebastian gelange in diesem Kampf an seine Grenzen, sondern auch Jana, die ebenso voller Vorurteile gegen den Arzt stecke wie umgekehrt - gegenseitige Verachtung als Kommunikationsgrundlage. „Die feinen Unterschiede“ ist ein Berlin-Film der etwas anderen Art, ein Film des neuen Europas.
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Kaum ist Ahlo auf der Welt, da verlässt er sie beinahe schon wieder. Denn bei seiner Geburt kommt nicht nur er, sondern auch sein Zwillingsbruder auf die Welt. "Die bringen Unglück", sagt die überaus weise Großmutter. "Wir müssen sie umbringen." Aber Ahlos Bruder ist bei der Geburt bereits gestorben. "Also das sind ja nun keine wirklichen Zwillinge", bringt seine völlig…
Kaum ist Ahlo auf der Welt, da verlässt er sie beinahe schon wieder. Denn bei seiner Geburt kommt nicht nur er, sondern auch sein Zwillingsbruder auf die Welt. "Die bringen Unglück", sagt die überaus weise Großmutter. "Wir müssen sie umbringen." Aber Ahlos Bruder ist bei der Geburt bereits gestorben. "Also das sind ja nun keine wirklichen Zwillinge", bringt seine völlig fertige Mutter vor. "Den können wir leben lassen."
Was für ein Anfang, denkt man, und atmet erstmal durch: Kim Mordaunts Film "The Rocket" beginnt überaus drastisch, und Szenen wie diese bleiben kein Einzelfall. Tod und Leben können im selben Moment auftreten, ja sogar in ein und derselben Sache verborgen sein. Mordaunt hat dieses Leitmotiv unglaublich konzentriert und kunstvoll in die Geschichten des Films verwoben. Auch in der Struktur bildet sich dies ab: rasche Schnitte, schnelle Wendungen, ungewöhnliche Ein- und Ausstiege bietet das Spielfilm-Debüt des australischen Regisseurs.
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Dokumentarfilmer Marcus Vetter hat vor einiger Zeit mit seinem Film "Herz von Jenin" einen Hit gelandet. Die Geschichte von Ismail Khatib, einem palästinensischen Vater im Westjordanland, der die Organe seines erschossenen Sohnes an Israelis spendet, sorgte vielerorts für Aufsehen. Aber den wirklich richtigen Vorführsaal hatte der Regisseur offensichtlich noch nicht gefunden.
Das…
Dokumentarfilmer Marcus Vetter hat vor einiger Zeit mit seinem Film "Herz von Jenin" einen Hit gelandet. Die Geschichte von Ismail Khatib, einem palästinensischen Vater im Westjordanland, der die Organe seines erschossenen Sohnes an Israelis spendet, sorgte vielerorts für Aufsehen. Aber den wirklich richtigen Vorführsaal hatte der Regisseur offensichtlich noch nicht gefunden.
Das Cinema Jenin ist ein Kino, das durch Intifada und israelische Angriffe stark mitgenommen wurde. In den sechziger Jahren errichtet, einst ein schönes Haus und später vor allem als Taubenschlag dienend, fiel der Bau Vetter bei den Dreharbeiten auf. Gemeinsam mit Khatib fasste er den Plan, das Kino wiederzueröffnen. Und Vetter machte daraus, was er am besten kann: Er drehte den nächsten Film über sich. Naheliegender Titel: "Cinema Jenin".
Und der ist spannend: Da wird hoffnungsvoll nach Sponsoren gesucht, wo es keine Wirtschaft gibt, es müssen Widerstände bekämpft werden, wo es kaum Förderung gibt. Denn, man glaubt es kaum, so groß ist das Interesse am Film vor Ort nicht: Alles was aus dem „Westen“ kommt - und dazu gehört das Kino wohl im Allgemeinen und Vetter im Besonderen -, wird verteufelt. Es gibt Kräfte, die sagen, jetzt geht die eigene Kultur zugrunde. Der Spielplan muss mit dem Mufti abgesprochen werden, und was die Israelis zu dem Projekt sagen, ist noch gar nicht raus. Nichts ist einfach, nichts klappt beim ersten Mal. Eine irrwitzige Dokumentation über ein irrwitziges Projekt.
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Ein grundpositiver Film: Fazit: Auch für schwere Fälle gibt es ein Leben jenseits von Arbeit und Trauer. "Yossi" ist eine gewagte Mischung aus Krieg und Zukunft.
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"No!" ist der letzte Teil von Pablo Larraíns Diktatur-Trilogie. Während in vorangegangenen Filmen die Anfänge und Hochphase des brutalisierten Pinochet-Regimes standen, steht hier ihr vermeintliches Ende im Vordergrund. Dabei steht die Figur des René prototypisch für den jüngeren Teil der Mittelschicht Chiles: Man hat zwar Opfer in der Familie, lebt aber nicht schlecht mit den neoliberalen…
"No!" ist der letzte Teil von Pablo Larraíns Diktatur-Trilogie. Während in vorangegangenen Filmen die Anfänge und Hochphase des brutalisierten Pinochet-Regimes standen, steht hier ihr vermeintliches Ende im Vordergrund. Dabei steht die Figur des René prototypisch für den jüngeren Teil der Mittelschicht Chiles: Man hat zwar Opfer in der Familie, lebt aber nicht schlecht mit den neoliberalen Attributen der Gegenwart. Und so muss sich René mit seinen flotten Kampagnen-Ideen vor allem vor jenen Politikern rechtfertigen, die selbst verfolgt sind und so alt wie seine exilierten Eltern sind.
Die "No"-Kampagne, so wichtig sie gewesen sei, habe erst recht zur Konsolidierung des Kapitalismus als einzig möglicher Form des Zusammenlebens geführt, so Larraín. Nicht immer kommt diese komplexe Sicht der Dinge im Film zur Geltung. Der Grund: Die Leistung der Schauspieler, allen voran die von Gael Garcia Bernal als René, ist so gekonnt, das die Figuren völlig sympathisch wirken. Aber dies kann auch als doppelte Botschaft dieses wunderbaren Films gelesen werden, der wenig Schwächen hat außer dass er manchmal ein wenig auf der Stelle tritt: Trau nie den schönen Sprüchen der Politik. Sie könnten schnöde Werbung sein.
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Die Industriegesellschaft macht Müll. Und der muss irgendwo hin. Zum Beispiel auf die Müllkippe.
Die schönste aller Müllkippen ist die in Çamburnu, einem Bergdorf im Nordosten der Türkei. Da ist sich zumindest deren Bauleiter vollkommen sicher. Zu seinem Glück darf nun die ganze Welt von seinem sexy Projekt erfahren. Denn Çamburnu ist auch das Heimatdorf der Großeltern von Regisseur Fatih…
Die Industriegesellschaft macht Müll. Und der muss irgendwo hin. Zum Beispiel auf die Müllkippe.
Die schönste aller Müllkippen ist die in Çamburnu, einem Bergdorf im Nordosten der Türkei. Da ist sich zumindest deren Bauleiter vollkommen sicher. Zu seinem Glück darf nun die ganze Welt von seinem sexy Projekt erfahren. Denn Çamburnu ist auch das Heimatdorf der Großeltern von Regisseur Fatih Akin. "Müll im Garten Eden" nennt er seine Langzeitdokumentation über den Untergang der Gemeinde, die er zusammen mit den Einwohnern sechs Jahre lang gedreht hat.
Angeblich ist das Lager sicher. Bald aber sind Risse im Gummiboden, Giftströme schwappen durchs Dorf - den Regen hatte man nicht auf der Rechnung. Man hat auch gesagt, der Müll würde nicht stinken. "Stimmt", merkt ein Anwohner an. "Zumindest nicht nach Müll. Die angelieferten Pakete waren mit Parfüm besprüht."
Allen Ernstes stehen auch jetzt am Rande des ehemaligen Kupfertagebaus Parfüm-Sprüher. Ein schlüssiges Müllkonzept hat der Distrikt einfach nicht. Man hofft, dass das Zeug von allein vermodert. In den nächsten paar Jahrhunderten.
Çamburnu lebt vom Teeanbau - mit den Giftstoffen im Wasser kann man den getrost vergessen. Aber die Menschen lassen sich keinesfalls unterkriegen: Sie demonstrieren, blockieren, reichen Protestnoten ein - und behelfen sich mit Alltagswitz. Ihrem gemeinsamen Engagement ist dieser Film gewidmet.
Aber in Akins wunderbarem Film kommen alle zu Wort: Ingenieure und Umweltminister, die Natur und sogar der Müll selbst: Der lässt nämlich fröhlich Gas ab. Verschwiegen wird dabei nichts: Zum Beispiel, dass bis dato der Müll einfach an den Strand gekippt wurde - auch der von Çamburnu.
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Käpt’n Ahab trifft Dorian Gray, während das "China Syndrom" läuft und Woody Allen einen Seniorenstift aufmischt, unterbrochen vom Hello-Kitty-Kellnerinnen-Plot im Matrix-Style. Dann gibt’s noch ein bisschen "Underworld"/"Mad Max" zum Ausstieg. Das setzt allerdings voraus, dass man überhaupt einen Einstieg gefunden hat.
"Cloud Atlas" ist eine Literaturverfilmung,…
Käpt’n Ahab trifft Dorian Gray, während das "China Syndrom" läuft und Woody Allen einen Seniorenstift aufmischt, unterbrochen vom Hello-Kitty-Kellnerinnen-Plot im Matrix-Style. Dann gibt’s noch ein bisschen "Underworld"/"Mad Max" zum Ausstieg. Das setzt allerdings voraus, dass man überhaupt einen Einstieg gefunden hat.
"Cloud Atlas" ist eine Literaturverfilmung, der Roman "Der Wolkenatlas" von David Mitchell hat 600 Seiten – Literaturverfilmung, een janz schwierijet Kapitel. Bücher im Kino: zerhackt, zerstückelt, verfälscht. Aber mal ehrlich, wer geht ins Kino, um den Abgleich mit der Vorlage zu machen? Geht man nicht eher in den Film, um das Buch nicht lesen zu müssen?
Im Fall von "Cloud Atlas" gibt es allerdings schon bei der Vorlage ein gehöriges Hindernis für eine mögliche userfreundliche Umsetzung: Es werden sechs Geschichten parallel erzählt. Das Buch galt als unverfilmbar. Recht so.
Was sich in literarischer Form gut ausnehmen mag, führt im Kino denn auch zu einem psychoseartigen Zustand. Es schnattert gewaltig mal sechs. Und das in einem topmodernen Erzählmodell. Alle geschätzten 45 Sekunden wechselt die Szenerie, das dürfte der durchschnittlichen Dia-Show-Taktrate des neuen Apple MacPro entsprechen – das große Zugeständnis an die Sehgewohnheiten. Wie Zappen, aber ohne Fernbedienung. Als wenn dieser optische Terror nicht genug wäre, spielen dieselben Schauspieler in sechs Erzählsträngen unterschiedliche Figuren. Nach Aussage der Regie sind aber alle Stories miteinander verbunden. Hoffentlich stimmt’s!
Manche Filmkritiker liefen schon schreiend durch die Straßen und luden sich schnellstens die Motz-App vom Synonym-Lexikon herunter, um dem Werk angemessene Beschimpfungen zu finden. Einer hat sogar die Absätze seiner Kritik nummeriert, um die Steigerung des Ärgers zu versinnbildlichen! Auch sei der Film nicht werkgetreu und verkehre die Botschaft des Buchs ins Gegenteil. Scharen von lustigen Blog-Einträgen gutmeinender Filmliebhaber werden folgen. Gern sagt man in so einem Fall: Der Film wird für Diskussionen sorgen.
"'Cloud Atlas' zeige, dass man in der Lage sei, mit dem Know-how in Deutschland solche großen Filme, solche herausragenden Bücher mit kleineren Mitteln umzusetzen, sagen die Macher. Von einem Hollywood-Blockbuster unterscheide der Film nicht viel.
Der Verdacht liegt nahe, dass man im Kino kein Zuschauer mehr ist, sondern Kunde. Was macht eigentlich die Filmkunst so?
"Cloud Atlas" ist der erste Hollywood-Blockbuster aus Deutschland, ganz ohne in üblichen Hollywood-Schnickschnack wie zum Beispiel – nennen wir es neudeutsch: Viewability. Den herkömmlichen Hollywood-Streifen kann man sich immer noch ansehen, ohne nachhaltig krank zu werden. Das Buch war zwar nicht unverfilmbar, aber der Film ist mehr oder weniger unansehbar.
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jens.hartmann.739 Thu, 15 Nov 2012 12:38:54 -0000
Antwort löschenEin überraschend dummer Kommentar finde ich. Ein Hollywood-Blockbuster ohne Hollywood-Schnickschnack? Was soll denn das sein? Und das waschechte Dämlack-Filme wie "Transformers 3" oder "Battleship" (mithin "Hollywood-Blockbuster" allererster Kajüte) nicht nachhaltig krank machen, wage ich anzuzweifeln. "Cloud Atlas" ist sicher keine Filmkunst, anspruchsvolle Unterhaltung aber mit Sicherheit.
Übrigens gilt Babelsberg schon seit Jahren als gute Adresse für kosteneffizientes Filmemachen auf internationalen Niveau.
Narrisch Fri, 16 Nov 2012 01:27:35 -0000
Antwort löschenEine vorhersehbare Reaktion deutscher Kritik. Nicht umsonst geht der Film in Osteuropa durch die Decke während sich die US kritik vor Begeisterung überschlägt.
jens.hartmann.739 Fri, 16 Nov 2012 05:23:33 -0000
Antwort löschenHmm, naja. Tatsächlich kommt Cloud Atlas in den USA derzeit nur auf einen Metacritic Score von 55, was nicht gerade von sich überschlagender Begeisterung zeugt. Gerade die ersten Kritiken vor der Startwoche waren nicht besonders (Metacritic lag da sogar nur bei 44). Ausnahme ist allerdings "Kritikerpapst" Roher Ebert, der nach dem 2. Anschauen dann doch die volle Punktzahl gab.
KlohauZ Tue, 04 Dec 2012 02:16:47 -0000
Antwort löschenIch kann deine Kritik fast vollständig nachvollziehen und stimme in vielen Punkten auch zu (und die Aussagen von Herrn Arndt sind überdies echt bäh), ansehnlich ist er meiner Meinung nach aber durchaus. Ständige Sprünge wie hier treffen zwar nicht unbedingt meinen Geschmack, verwirrt wurde ich aber dennoch nicht großartig. Wie "jens.hartmann.739" über mir schrieb, keine große Kunst, aber unterhalten wurde ich definitiv.
ThomasWzS Sat, 26 Jan 2013 16:12:33 -0000
Antwort löschen"Der Verdacht liegt nahe, dass man im Kino kein Zuschauer mehr ist, sondern Kunde. Was macht eigentlich die Filmkunst so? "
Ohja ... und dass diese Verballhornung eines wirklich lesenswerten englischen Romans aus Deutschland kommt, dem Land der Dichter und Denker oder waren es doch Richter und Henker?
Die Romanvorlage ist/wäre in meinen Augen perfekt verfilmbar gewesen, einfach der Erzählstruktur folgend wäre Abwechslung genug gewesen. So ist das Ding einfach nur verzappt worden.
erik.stein.12 Mon, 15 Apr 2013 19:42:58 -0000
Antwort löschenDanke! Jemand, der´s mal auf den Punkt bringt.
Man wundert sich schon, wie schnell Scotts Film vom furiosen Einstand ab immer kleiner wird. Nachdem die Crew auf dem avisierten Mond Spuren der Schöpfer gefunden hat, verläuft sich die Handlung in den labyrinthischen Gängen eines prähistorischen Raumschiffes. Nun soll es wahrscheinlich beim Publikum ankumpelnd wirken, wenn die wissenschaftlichen und sonstigen Fachkräfte ein Haufen Idioten sind…
Man wundert sich schon, wie schnell Scotts Film vom furiosen Einstand ab immer kleiner wird. Nachdem die Crew auf dem avisierten Mond Spuren der Schöpfer gefunden hat, verläuft sich die Handlung in den labyrinthischen Gängen eines prähistorischen Raumschiffes. Nun soll es wahrscheinlich beim Publikum ankumpelnd wirken, wenn die wissenschaftlichen und sonstigen Fachkräfte ein Haufen Idioten sind. Mal ehrlich: Man raucht nicht auf einem instellaren Flug und auch nicht, wenn man kaum genug Luft hat, weil die Atmosphäre auf dem Trabanten dieselbe ist wie im Auspuff vom Opel Manta. Sehen künftige Geowissenschaftler aus wie heutige Profifußballer - mit Iro und 25 Tätowierungen? Alien stammt vom schnöden Tintenfisch ab und bei Kontaktaufnahme heißt’s gleich Kopf ab. Wenig wird im Zukunftsfilm Zukünftiges gedacht. Weder stark eingeschränkte Handlung noch die überarbeitungswürdigen Effekte leuchten ein. Das Außerdirdische bleibt blaß und schweigsam. Das Orchester setzt uns Hörner auf, bis auch unsere Ohren fallen mögen. Ach, wie traurig!
Ein einziges Mal nur tritt dieser Film überzeugend aus sich selbst heraus: Wenn der Kapitän ein Nickerchen macht und sich in dabei in eine karierte Decke wickelt. Seht her, kommentiert es sich hier ironisch - egal was da komme, auf dem Weg zu den letzten Fragen: Der Mensch wird sich in die ewige karrierte Decke wickeln, und wenn’s draußen urknallt und scheppert.
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Kante Mon, 13 Aug 2012 03:16:16 -0000
Antwort löschenWarum sollte ich mich zwangsläufig gleich mit Idioten "ankumpeln"??
Jürgen Kiontke Mon, 13 Aug 2012 07:25:21 -0000
Antwort löschen@ markbln: ich glaub, man sieht drehbücher heute ausschließlich als kostenfaktor, der zu vernachlässigen ist...! ;-) science fiction fans haben es richtig schwer heutzutage, dabei gibt es so schöne ideen in der literatur, und die tricktechnik könnte vieles möglich machen.
@ kante: so im sinne von buddy movie, die figuren sollen einen gewissen charme versprühen.
Markbln Mon, 13 Aug 2012 07:28:27 -0000
Antwort löschen@Jürgen: bei meinen beiden gesehenen Blockbustern defintiv so, TDKR ist ja genauso schlimm. Dabei gibt es in Holywood grandiose Drehbuchschreiber. Schätzungsweise bald alle beim Fernsehen.
Jürgen Kiontke Mon, 13 Aug 2012 07:38:01 -0000
Antwort löschenwir gründen eine facebook initiative - für den guten sf film. mit liste: auf platz 1: galaxy quest.
Jürgen Kiontke Mon, 13 Aug 2012 12:49:29 -0000
Antwort löschenok, leute: welches ist der allerallerbeste sf-film?
Markbln Mon, 13 Aug 2012 12:53:26 -0000
Antwort löschenIch habe keine Ahnung von Scifi, für mich ist es BLADE RUNNER.
MOK Mon, 13 Aug 2012 12:58:40 -0000
Antwort löschenDas ist ja ganz schnell beantwortet:
Platz 1: Soylent Green bzw. Jahr 2022… die überleben wollen
Platz 2: Logan's Run bzw. Flucht ins 23. Jahrhundert
Platz 3: Dark Star
Platz 4: Solaris (in der Soderberg Verfilmung)
Die Liste ist nach unten offen!
Jürgen Kiontke Mon, 13 Aug 2012 13:12:06 -0000
Antwort löschenna nach oben ist sie es aber auch - was ist mit terminator II, star wars, total recall oder star ship troopers? solaris von soderbergh ist die hölle - der langeweile!
MOK Mon, 13 Aug 2012 13:16:15 -0000
Antwort löschenDas liegt ja immer und zum Glück im Auge des jeweiligen Betrachters. Star Ship Troopers I und III, T1, T3 und sehr viele andere Streifen gehören mit auf die vordersten Plätze - Star Wars jedoch sicherlich nicht. Und es handelt sich um meine persönliche Liste, die sich damit automatisch jeder Kritik entzieht.
Lass' mal deine ersten vier sehen.
Markbln Mon, 13 Aug 2012 13:16:42 -0000
Antwort löschenSolaris von Soder ist totaler Murks.
Star Wars war ich nie.
Terminator und Starship Troopers I ist natürlich feinstes Wohlfühlkino.
Jürgen Kiontke Mon, 13 Aug 2012 13:19:22 -0000
Antwort löschenauf die schnelle: terminator II, total recall, star wars III, matrix III, die fliege (1958), der wüstenplanet, galaxy quest. mist, mehr als vier!
MOK Mon, 13 Aug 2012 13:20:27 -0000
Antwort löschendie stehen bei mir auch - fast alle, TII leider nicht
Jürgen Kiontke Mon, 13 Aug 2012 13:21:15 -0000
Antwort löschenargh, star trek ist auch nicht so schlecht... mars attacks?
Matthias0330 Mon, 20 Aug 2012 10:49:20 -0000
Antwort löschenHier mal meine Favoriten:
Alien 1-3 (3 in der alternativen Schnittfassung)
Dune - lange Fassung
Star Wars Episode 2,3,4,5,6
Star Trek - alle Filme mit Kirk und Picard
Die Matrix 1-3
Strange Days (!!!)
Die unheimliche Begegnung der dritten Art
Akte X - der Film
Outland - Planet der Verdammten
Predator 1-2
Starship Troopers
District 9
Das Schwarze Loch
Soylent Green
Blade Runner
Abyss
The Thing
Tytus Thu, 30 Aug 2012 21:09:24 -0000
Antwort löschenjoop Jürgen du hast recht, es gibt so viel gute SciFi Bücher und was bekommt man im Kino Pro.. ProtoKotze und das hundertste "Krieg der Welten" Remake, selbst Star Trke ist nur noch ein Schatten seiner selbst und das seit Jahren.
allein mit Assimov Büchern könnt man die nächsten Jahre Stoff für Filme füllen, aber nein was Kriegen wir IdioCrazy im Weltraum, Finger in denn po Mexico spielende Wissenschaftler .....
@Matthias
schön das du district 9 nennst, gutes Beispiel für einen Netten Film und einen der besten SciFi der letzen Jahre.
Joop schon an sich erbärmlich da District auch nur eine Outer Limits episode war die es ins Kino geschafft hat.
Matthias0330 Fri, 31 Aug 2012 19:44:02 -0000
Antwort löschenOder Peter F. Hamilton oder Dan Simmons (Hyperion) oder Iaian F. Banks. Aber wahrscheinlich taucht dann das Shrike auf und trällert: "Duse sein in großes Kacka!"
Das Spiel Azad wäre ein echter Bringer.
Matthias0330 Fri, 31 Aug 2012 19:46:10 -0000
Antwort löschenaber ich sags ehrlich, ich hab irgendwie den Glauben verloren, dass das noch was wird.. vorher gibts den xten Aufguss von schon Gesehenem. Die Jungs in den Studios haben keinen Mut mehr.
Herr der Ringe war ja so ein immens mutiges Projekt. Ist doch auch recht ansehnlich geworden und war sehr erfolgreich.
Tytus Fri, 31 Aug 2012 20:04:05 -0000
Antwort löschendie gehen keine Risiken ein und produzieren das X Remake, Prequel, Sequel....
Wobei auch die Kino Beuscher schuld sind, große namen lassen die Kinokassen klingeln auch wenn die größte Mogelpackung ist!
Tytus Fri, 31 Aug 2012 21:26:48 -0000
Antwort löschenPS. grade drüber gestolpert http://de.wikipedia.org/wiki/Schöne_Neue_Welt#Verfilmungen
Matthias0330 Fri, 31 Aug 2012 23:25:07 -0000
Antwort löschenleider ja,aber irgendwann hat man doch keine richtige Lust mehr. Am Ende wird sich die Qualität durchsetzen, dauert aber wohl noch was..
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Wird nicht gedroschen, gibt’s Graubrot. Witze über spitze Ohren, die latente bis manifeste Homosexualität von Scotty. Das Paar Ohura/Spock streitet. Konflikte in der Gruppe auf Teenie-Niveau. Die Alten schicken die Jungen in den Krieg, die rächen sich mit Väterkillen.
Weil der Film nur Typen zeigt, aber keine Charaktere, kann sowas wie filmische Reflexion schlecht entstehen, sie könnte dieses…