Jürgen Kiontke - Jürgen Kiontkes Kommentare zu Filmen

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Ai Weiwei: Never Sorry

5.5Geht so

Aus Hunderten von Stunden Material entstand der Kinofilm "Ai Weiwei - Never Sorry". Der Maler, Bildhauer, Fotograf und Kurator kommt darin ausführlich zu Wort, aber auch seine Mitarbeiter, Mutter und Bruder. Klaymans Film bietet ein umfassendes Porträt des Künstlers und Menschenrechtsaktivisten, der bis vor kurzem unter Hausarrest stand. Ai Weiwei macht aus und mit der Öffentlichkeit Kunst. Klaymans Film ist eine weitere Facette seiner Arbeit.
An Action mangelt diesem Film nicht: Klayman ist ebenso dabei, wenn sich Ai Weiwei mit der Polizei anlegt, wie auch, wenn Bagger sein Atelier in Schutt und Asche legen. Wie ein Schachspieler sei er, sagt der chinesische Aktivist: „Der Gegner macht eine Bewegung, und dann mache ich die nächste.“ Sein Lebensmotto Freiheit hat er von einer seiner 40 Mitbewohnerinnen abgeschaut: „Eine Katze kann Türen öffnen, die anderen nicht. Und sie schließt sie niemals.“

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Sharayet - Eine Liebe in Teheran

7.0Sehenswert

Keshavarz' Film wird mit den vielen Frontstellungen spielend fertig - und kann es dabei locker mit Asghar Faradis Berlinale-Gewinner von 2011, "Nadar und Simin" aufnehmen, auch was die Arbeit mit Farben und Licht angeht: Hier ist jede Einstellung ein Kunstwerk.
Iranische Filmemacher der Gegenwart scheinen es mühelos zu schaffen, anhand guter Drehbücher komplexe Fragen ins Spiel zu setzen. Über Zukunft, Freiheit und die Gestaltung des eigenen Lebens zerbricht sich nicht nur die Jugend in Teheran den Kopf. Aber in ihren Reihen stehen Menschen mit der Kamera, die daraus Kino zu machen verstehen.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Leb wohl, meine Königin!

1.5Ärgerlich

"Leb wohl meine Königin" - diesen Film kann man nicht versauen, oder? Wir erleben die letzten 48 Stunden der französischen Königin Marie Antoinette am völlig verkommenen Hof von König Ludwig XVI - durch die Augen ihrer jugendlichen Vorleserin Sidonie.
Die österreichische Madame regiert ihren überkandidelten parfümierten Pompon-Staat, das Bürgertum hat vom Adel genug, erstürmt das Gefängnis und macht die gesamte Oberschicht einen Kopf kürzer. Die vorrevolutionären Ereignisse liefern jede Menge tragischer, aufwühlender und verwirrender Bilder, erschreckende Dialoge und Verzweiflung - mein Gott, eine jahrhunderte alte Ordnung wird umgestoßen, der Lebensnerv ganz Europas freigelegt!
Die bewegte Historie wird zudem mit zwei jungen wie professionellen Paradepferden des Kinos in Szene gesetzt: Als Königin Diane Kruger (die sich schon als Helena in Wolfgang Petersens "Troja" im Adel bewährte: "Ich sterbe lieber, als dass ich Menelaos heirate!" - Umstehende Menge: beredtes Schweigen).
Nummer zwei auf der Leinwand ist Léa Seydoux als stille Beobachterin in De- wie Anmut.
Keine Frage, die Kostümabteilung kommt voll rüber, hin und wieder sind auch die Freundinnen und Freunde der platonisch-lesbischen Liebe im Bild. Denn Marie ist vom König bedient und wendet sich lieber ihrer Freundin Gabrielle zu.
Na, das ist doch mal ein Ansatz! Und was macht Regisseur Benoït Jacquot? Deutet die Revolution auf ganz eigene Weise - und filmt Frau Seydoux’ Brüste, das es einem bald peinlich wird, hinzugucken.
Der Bote kommt mit schlimmer Kunde? Sidonies Brüste erzittern. Frau Antoinette verlangt nach erquickender Lektüre? Die Möpse holen Luft. Der König tritt auf den Hof? Dann gibts jetzt mal Brüste im Freien. Du gehst mittendrin mal auf Klo - sachte winken Brüste vom Screen Abschied. Jetzt ratet mal, was beim Thema Sidonie los ist, wenn Marie sagt: Geh mir mal ein Buch holen. Selbst ein Pornofilm bietet mehr Bildauswahl. Hoffentlich hat sie sich keinen Schnupfen geholt.
Der Rest von der Revolution bleibt draußen. Keine Bastille, keine Aufständischen, keine Guillotine. Stattdessen dieser Höhepunkt: Sidonie in den Kulissen frieren. Der Regisseur hat befohlen, dass die Antik-Klamotten nun komplett runter müssen. Das letzte Mal bebt Sidonie an der Grenzkontrolle - schwupps entschwindet sie samt Vorbau in die Schweiz, lässt Marie und die unverfilmte Revolution hinter sich. Lebt wohl, meine Brüste!
Dermaßen eingeschränkte Filmkunst sah man selten.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Work Hard - Play Hard

8.0Ausgezeichnet

Oberflächen, nichts als Oberflächen: Der Film zeigt eine Arbeitswelt, die vor allem aus sauberen Möbeln und Gesichtern besteht. Die Maloche des 21. Jahrhunderts ist spiegelglatt, ihre Insassen sind aalglatt.
Regisseurin Carmen Losmann hat sich für ihre filmische Studie dorthin begeben, wo die Verpackung für die heutige Mehrwertproduktion entsteht. Man wird den Gedanken nicht los: Die Menschen in diesem Film sind tot, sie wissen es bloß noch nicht. Fremdbestimmung ist jedenfalls nicht mehr nötig.
Mit der Coolness von Blattschneiderameisen sitzen sich Chefs, Spezialisten und Mitarbeiter gegenüber. „Und wo sind ihre Schwächen?“ Losmanns Film hat vor allem eine: Es ist ein Dokumentarfilm, hier ist alles echt.
Nicht zuletzt die Kameraarbeit ist dafür verantwortlich: Losmann hat den Meister des kalten Bildes, Dirk Lütter, fürs Fotografieren verpflichtet. Hier würde niemals ein Insekt freiwillig durchs Bild huschen; undenkbar, dass es die Ideen tun. Kreative Prozesse fördern? Man möchte den Beratern und Mitarbeitern eine Kiste Bier auf den Schoß stellen, auf dass sie ihren Wahnsinn eine Weile vergessen. Nur manchmal stehen die selbsterklärenden Figuren auch vor dem Rätsel ihrer selbst: „Lasst uns die Sache jetzt ein bisschen challengen in unsererem Bereichsmeeting“, sagt ein Firmenleiter, und korrigiert sich umgehend selbst. „Ach, ihr wollt ja keine Bereiche mehr. Na gut, wir nennen das jetzt trotzdem so.“

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Iron Sky

7.0Sehenswert

»Iron Sky«, der teilweise über im Internet akquirierte Kleinbeträge finanziert wurde, übertreibt die bisher bekannten Nazi-Camouflagen um ein Beträchtliches: In dem schönen Drehbuch von Johanna Sinisalo und Michael Kalesniko haben sich ein paar versprengte Anhänger Hitlers 1945 von der Polarstation »Neuschwabenland« aus auf den Mond flüchten können. »Hinterm Mond leben« – keine Ahnung, wie diese deutsche Redensart ins Finnische übersetzt wird, im Film sind es jedenfalls die Nazis, die dort leben. Man fühlt sich bei ihrer Zentralbehausung auf der Dark Side of the Moon, einer großen Raumstation in Form eines Hakenkreuzes, an die Filme von Christoph Schlingensief und Bruce LaBruce erinnert.
»Iron Sky« greift Motive aus den Debatten über den Umgang mit Nazis auf und transponiert sie ins Kino. Herausgekommen ist ein extrem überdrehter und nicht perfekter Film. Ob er funktioniert? Die Schwierigkeit, die Chaplin mit seinem Stoff hatte, hat man hier an den Anfang und ins Zentrum der Dramaturgie gesetzt – und den Rest drumherum gedreht.

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KlohauZ

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Da wollte ich gerade pöbeln, von wegen aus der Jungle World geklaut, und da seh ich, du BIST ja der Mensch, der den Artikel im dschungel geschrieben hat! :D


Jürgen Kiontke

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ja, so ist es. "Mensch" find ich super! sg jk


Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über GasLand

6.0Ganz gut

„Gasland“ heißt der Dokumentarfilm von Josh Fox - und das ist im US-Staat Pennsylvania ganz wörtlich zu verstehen. Denn wenn man den dort Wasserhahn aufdreht, kann es passieren, dass die Flammen herausschlagen! Der Farmer, in dessen Nachbarschaft nach Erdgas gebohrt wird, demonstriert gern noch einmal mit dem Feuerzeug, mit welch explosiver Flüssigkeit Otto-Normalamerikaner seinen Spül erledigt.
Fox war selbst vom Erdgasbohren betroffen. In den USA wurden in den letzten Jahren große Gas-Reservoirs ausgemacht - und es ist ausgerechnet die Firma Halliburton, die mit ihrer Bergung beauftragt ist. Ein Konzern, einst durch äußerst lukrativen Geschäfte unter der Ägide des ehemaligen Vizepräsidenten Dick Cheney im Irak bekannt geworden. Nun ist er im eigenen Land tätig: Fracking heißt die Technik, mit der ein brisanter Chemiecocktail per Hochdruck in die Erde gepumpt wird: Arsen, Brom, Chlor und Quecksilber. Die ansässige Bevölkerung wird gekauft oder drangsaliert. Am anderen Ende des Bohrlochs soll dann das Erdgas geerntet werden. Und das Grundwasser liegt dazwischen.
Die Fracking-Chemie findet ihren Weg in Tier und Mensch: Den Katzen fällt das Fell aus, den Leuten die Haare. Wo Erdgasvorkommen erschlossen werden sollen, leidet die Gesundheit. Der Geschmackssinn geht dahin, wenn der Rohstoffhunger kommt: Betroffene wie auch Aktivisten, die für ihre Bürgerrechte kämpfen, geben Fox’ Kamera bereitwillig Auskunft. Von den Versuchen, die Verantwortlichen vors Mikrofon zu kriegen, zeugen die Einspielungen dutzender Telefonwarteschleifen. Ist doch besser, als vom Erdöl abhängig zu sein, sagen die wenigen Firmenmitarbeiter, die Fox vor die Linse kriegt.
Sein mehrfach prämierter Film sorgt für die Wahrnehmung dieser Art Umweltzerstörung.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Generation Kunduz - Der Krieg der Anderen

7.0Sehenswert

Afghanistan ist die Pest - zumindest, wenn man den Protagonisten in Martin Gerners Dokumentarfilm „Generation Kunduz - Der Krieg der anderen“ glaubt.
Kunduz ist jene Stadt, die hierzulande durch die Bundeswehr in die Schlagzeilen gekommen ist: 2009 ließ ein Bundeswehrkommandant zwei Tanklaster bombardieren. Ergebnis: zwischen 90 und 140 Toten. - Hä, zwischen und? Zählen ging nicht. Im Film fällt der Satz: „Die waren nur noch Asche.“
Der Krieg der anderen ist auch sonst der eigene: „Wer der Nato zu nah kommt, wird erschossen“, erzählt Student Hasib. Außerdem seien die ausländischen Truppen superschnell mit dem Panzer unterwegs: Wr bei Drei nicht im Straßengraben sei, werde geplättet.
Die Gegenseite gibt’s übrigens auch noch. Hasib: „Die Taliban haben alle Motorräder. Wenn man Wahltinte an den Händen hat, schneiden sie einem den Finger ab.“
Fünf junge Menschen porträtiert Afghanistan-Profi Gerner, der für deutsche Medien berichtet und auch jungen Afghanen die Freuden des Journalismus näher bringt.
Wie zum Beispiel Nazanin, eine junge Radio-Reporterin, die eine regelmäßige Sendung hat und bei ihren Hörern vor allem für ihre Stimme geliebt wird. „Meine Familie sagt, meine Stimme ist schlecht“, sagt sie.
„Meine Familie sagt, Filme machen ist etwas, wofür man sich schämen muss“ - das sagt Regisseur Ghulam.
Familie. Das scheint neben Nato und Taliban die dritte militante Kraft zu sein.
Gerner besucht Ghulam am Set seines Films „Soni und Sadaf“. Hier wird eine große Liebe auf Digital Beta gebracht. Als Kunstblut dient Tomatenketchup. Bald ist Premiere im Kulturzentrum. Sofas zurechtgerückt, Bettlaken als Leinwand drapiert, Publikum hingesetzt. „Wir brauchen eine ordentliche Filmkultur“, posaunt der Chef. „Denn ausländische Filme sind doch so: Stundenlang warten die Jugendlichen nur darauf, dass sich Mann und Frau küssen!“. Ghulam guckt woanders hin: Gerner sagt er: „Ich liebe Jackie Chan. Er kämpft mit allem, was er vorfindet.“
Student Hasib sagt stellvertretend für alle anderen: „Wer in Afghanistan etwas bewegen will, wird umgelegt.“ Tätig ist die junge Generation trotzdem. „Will ein Land Fortschritte machen, dann braucht es die freie Kunst“, sagt er.
Das nächste Mal also lieber Gerhard Richter abwerfen statt Bomben, bitte. Hier sind junge Kräfte am Werk, die ziemlich eingekeilt sind. Gedreht wird in Farbe - super Film, Ghulam!
Das Gleiche gilt für Herrn Gerner.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Russendisko

1.5Ärgerlich

„Russendisko“ lautet der Titel des Welterfolgs von Wladimir Kaminer - und nun ist das Buch verfilmt, juchhu...!
So, hier können wir auch gleich wieder aufhören. Kaminers erstes Buch ist zwar jetzt leinwandkompatibel, aber auch mit Matthias Schweighöfer. Und der kann außer nervig gar nichts: Er hat das einzigartige Talent, jeden Film in Sekundenbruchteilen in schlechte Witze zu zerlegen.
Dabei hätte das Projekt durchaus Potenzial gehabt: Mit zwei Freunden gelangt Schriftsteller Kaminer zu Zeiten des Mauerfalls aus der Sowjetunion nach Berlin. Wie sie Geld verdienen sollen, wissen sie nicht. Da sind sie aber wahrlich nicht allein, denn das geht zu dem Zeitpunkt halb Europa so - heute sieht’s nicht anders aus.
Kaminer beginnt mit nichts als einer Kiste voller Schallplatten russischer Punkbands das „Kaffee Burger“ in Berlin-Mitte zu bespielen. Alsbald gilt der Event als irrste Variante aller Berliner Abschlepp-Partys.
Parallel zimmert er an seinem Ruf als Autor - legendär ist zum Beispiel jene Geschichte, in der er von zwei Russen in der U-Bahn berichtet, die einen Auftragsmord klarmachen. Und nicht wissen, dass ihr Sitznachbar ebenfalls Russisch spricht. Es folgen Poetry-Slams, Riesenpartys, Literaturpreise.
All dies hätte in der Tat einen prima Spielfilm abgeben können. Aber die Entwicklungen, die Kaminer in seinen Texten so nah am Alltag beschreibt, fallen zugunsten einer äußerst dürftigen Beziehungsanbahnung zwischen dem Film-Kaminer und seiner Olga (Peri Baumeister) hintenüber. Und auch das ginge womöglich noch, hätte man für die Titelrolle einen Schauspieler ausgesucht. So bleibt die gelungenste Sequenz noch ein Animations-Filmchen-im-Film über Olgas Herkunftsort Sachalin.
Junge Paare hätten sich in der Sowjetunion grundsätzlich nur ins Dunkel des Kinos zurückziehen können, schreibt Kaminer. Filme und Musik seien die wichtigsten Anmachschuppen: „Beides findet in der Dunkelheit statt, weil echte Kommunikation die Dunkelheit mag.“
Keine schlechte Idee. In diesem Sinne, Leute: Macht bei „Russendisko“ einfach die Augen zu und stellt den iPod an.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Csak a szél - Just the Wind

6.5Ganz gut

Fliegaufs Film beruht auf einer tatsächlich geschehenen Mordserie in den Jahren 2008 und 2009: Die Vorgehensweise war immer gleich: Häuser wurden von den Angreifern mit Molotow-Cocktails in Brand gesetzt, anschließend wurden die Flüchtenden erschossen. Dabei starben sechs Menschen.
Die Taten sind Ausdruck eines erstarkenden Rassismus. Rechtsradikale ungarische Parteien schüren ethnische Spannungen, um sich Wahlerfolge zu sichern. In Zeiten wirtschaftlich schwieriger Bedingungen ein billiges, populistisches Mittel.
Die Kamera filmt die Menschen in diesem Film nicht. Sie ist mitten unter ihnen, zwischen ihnen, schaut über die Schulter. Der Zuschauer erlebt plastisch, was geschieht. Fliegaufs filmischer Ansatz schafft die Möglichkeit, ganz in der Geschichte zu sein. Wenig fragt der Film nach Ursachen und gesellschaftlichen Entwicklungen - und birgt damit Potenzial für kontroverse Diskussionen. Ist Ungarn ein Einzelfall? Worin gründet sich der Rassismus dort?
Andererseits gelingt es ihm in der einmal gewählten Perspektive, das Klima ständiger Bedrohung erlebbar zu machen. Und dies ist das Verdienst von Fliegaufs Film: An der Figur der Mari und ihrer Familie hakt Bence Fliegauf wie in einer Check-Liste die Facetten des Rassismus ab. Wird ein Computerbildschirm geklaut, fällt der Verdacht zuerst auf Maris Tochter Anna. „Sie stinken“, sagt Maris Chef, und stellt ihr beim Gespräch den Ventilator vors Gesicht. Der Bus hält 50 Meter hinter der Haltestelle, wenn Mari einsteigen will. Als ein schwarzer Wagen dem Sohn Rio folgt, ist klar: Bis zu den nächsten Gewehrschüssen ist es nur noch einen Schritt.
Fliegauf lässt dem Publikum wenig vom Glauben an eine Besserung der Zustände - sein Film ist ein deprimierendes Werk, das die ganze Hoffnungslosigkeit der Lage auf Spielfilmlänge komprimiert.
Ein Film, der auch die Jury-Mitglieder des diesjährigen Amnesty-Preises - Schauspielerin Birgit Minichmayr, Regisseur Ayat Nayafi und den Amnesty-International-Kommunikationschef Deutschand Marcus Beeko beeindruckte: Sie verliehen „Just the Wind“ die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Der Schnee am Kilimandscharo

6.5Ganz gut

Ganz wie es sich im sozialen Drama produit en France gehört, wird der Zuschauer mit positiven Gefühlen und märchenhaften Ausblicken aus der Erziehungsanstalt Kino entlassen, gegen die die „Die fabelhafte Welt der Amélie“ wie der Heimatplanet von Aliens aussieht. Zu fragen bleibt: Ist das nicht zu viel des Guten?

Die Problemlagen, für die der Film beinah märchenhafte Lösungen bereithält, sind höchst real - wie die Antworten scheinbar naiv. Guédiguans Appell an den Gemeinsinn, an das Bewusstsein dafür, dass man sich mehr umeinander kümmern muss, weil alles andere doch auf einen zurückfällt, ist aber durchaus diskussionswürdig. Der Regisseur möchte konstruktives Wirken als politisches Prinzip verstanden wissen, als Formel des Zusammenlebens. Die Devise lautet: Eine andere Welt ist möglich. Und zwar vor der Haustür.

Der Gewerkschafter als Protagonist einer positiven sozialen Utopie - naiv oder nicht: Hier ist er ein Typ, den der Kino-Marseiller auf der Straße grüßt.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Viva Riva!

7.0Sehenswert

Immer wieder durchbricht der Film seine eigenen Konventionen und behaupteten Rollen- und Genreklischees: Etwa wenn sich die Chefin des örtlichen Militärkommandos als ehemalige Hausfrau entpuppt. Die schöne Nora ist nicht nur jung, sondern auch intelligent und wahrt ihre Chancen im Gang-Krieg. Auch der Schluss des Films bricht so überraschend anders wie unerwartet über seine Figuren herein.
Man lernt viel darüber, wie das Leben mit und ohne Benzinmangel funktioniert und wie sich darüber Beziehungen im Alltag organisieren. Munga weiß mit den Gegebenheiten wie Ruppigkeiten vor Ort zu spielen und sie geschickt einzusetzen.
Krieg, Verbrechen, Korruption, Lebensmittel- und Energieknappheit, Armut und das Zerbrechen familiärer Strukturen, Tod im Backofen. Gegenwärtig wie Mord und Diebstahl ist der Stromausfall, was zu allerlei skurrilen Situationen führt - der Showdown steht an und schon stehen alle im Dustern.
In dieser Echtzeitkulisse einen solchen Film zu drehen, dürfte nicht einfach gewesen sein. Und so fand die Verpflichtung der Schauspieler in Form eines Workshops statt, in dem sie ihre Eignung für die Rollen testeten, aber auch Weiterbildung in Tai-Chi und Tanz betrieben. Daraus wurden die Figuren entwickelt, später folgte ein weiteres Seminar. Kinofilm als Fortbildung: Der Film entstand quasi und kurioserweise als Casting-Prozess.
"Viva Riva" tritt den Beweis an, dass sich im politischen Raum zündende Geschichten eminent unterhaltsam erzählen lassen.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Black Gold

4.0Uninteressant

Annaud hat sich mit "Black Gold" eines hochinteressanten Themas angenommen: Der Beginn der Ölförderung im Saudi-Arabien der 30iger Jahre. Antonio Banderas spielt den fortschrittsgläubigen Wüstenfürsten Nessib, der mit texanischen Öl-Heuschrecken gemeinsame Sache macht. Dort wo er sich mit seinem Kontrahenten Amar geeinigt hat, den Boden nie wieder anzurühren, um jeglichen Krieg zu vermeiden, da steckt er jetzt seine Bohrer hinein. Und Amar? Der hat sogar seinen Sohn am Hof Nessibs gelassen, damit Friede zwischen den Stämmen der arabischen Halbinsel herrscht. Edler Araberfürst!Hier sollte eine neue Form östlicher Geschichtsschreibung angestrebt werden - quasi ein antikolonialer Gegenentwurf zum Hollywood-Kino. Eine schöne Idee, Geld war auch genug da. Nur muss es irgendwie Probleme gegeben haben: Die Dialoge sind aufgesetzt, vor allem beim armen Banderas: Die Handlung versandet leicht, man fragt sich, was die Schauspieler da eigentlich so treiben.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über In the Land of Blood and Honey

4.5Uninteressant

Angelina Jolies viel diskutiertes Regiedebüt ist eher gut gemeint als wirklich gut.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über The Bang Bang Club

6.5Ganz gut

Der brennende Mann, der mit der Machete geschlagen wird; das Kind, das vor Schwäche zusammenbricht, beobachtet von einem Geier: Dies dürften wohl die ausdrucksstärksten Bilder sein, die eine Gruppe von jungen Kriegsfotografen, bestehend aus Greg Marinovich, Kevin Carter, Ken Oosterbroek und João Silva - genannt der „Bang Bang Club“ - veröffentlichte. Regissseur Steven Silver hat ihnen jetzt ein gleichnamiges filmisches Denkmal gesetzt.
Auch wenn der Film manchmal sehr eingeschränkt auf die Hauptfiguren zugeschnitten ist: Silver ist ein sehr spannendes Werk gelungen, dass einen - im populären Kino sehr seltenen - Blick auf die Zeit der Apartheid wirft. Und nebenbei noch den Beruf des Kriegsberichterstatters einer kritischen Würdigung unterzieht.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Whistleblower - In gefährlicher Mission

8.0Ausgezeichnet

Debüt-Regisseurin Larys Kondracki zeichnet in ihrem engagierten, gut besetzten Film die Wege des Mädchenhandels durch die Reihen der Politik dezidiert nach.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über The Lady - Ein geteiltes Herz

7.5Sehenswert

„Das ist für mich mehr als ein Film“: Malaysias Actionstar Michelle Yeoh, bekannt aus „Tiger and Dragon“ und James Bond-Filmen, ist sich sicher, dass sie das Werk ihres Lebens abgeliefert hat. „The Lady“ heißt das zweistündige Kino-Porträt der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die in ihrer Heimat Burma einfach „Daw Suu“ genannt wird - eben: Lady Suu.
Yeoh, zierlich, quirlig, kämpferisch, gibt mit ihrer Hauptrolle einer der erstaunlichsten politischen Biografien unserer Zeit Gestalt. Suu Kyis Werdegang als Ikone des Widerstands gegen eines der repressivsten Militärregime der Welt verlangt wohl nach einer starken Identifikation mit dem Sujet. In „The Lady“ wird Yeoh zu Suu Kyi - rein optisch wie auch im Herzen des Zuschauers: Jahrelang hat sich die Schauspielerin mit nichts anderem beschäftigt als mit ihrer Suu-Kyi-Werdung. Sogar die halsbrecherische Landessprache Burmas hat sie gepaukt. Was Wunder: „Use your feelings to promote ours“ habe ihr Suu Kyi bei dem einzigen Treffen mit auf den Weg gegeben, erzählt Yeoh.
Besson und Yeoh haben einen Liebesfilm gedreht, ebenso wie ein politisches Epos. Besson erleichtert dem Zuschauer den Einstieg in den Stoff über das Privatleben seiner Protagonistin. Manchmal scheint die Kamera etwas stark an den Hauptfiguren zu hängen: Es gibt Stellen, da wünscht man sich weniger Kammerspiel und mehr Blick auf die internationalen Verflechtungen des Regimes: Wer hat von der Repression profitiert? Wieso brachte internationaler Druck keine Ergebnisse? Nichts destotrotz erhellt der Film viele Aspekte, die wenig bekannt sind.
Zuallererst erhofft sich der Regisseur denn auch von seinem Film „dass er gesehen wird“. Einen Oscar für Yeoh fände er schön, zumal den noch nie eine Frau aus Asien gewinnen konnte. Verdient wäre er. Denn „The Lady“ ist, ganz wie Yeoh sagt, mehr. Vielleicht sogar mehr als Kino: Kino der Menschenrechte.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Huhn mit Pflaumen

4.5Uninteressant

Das Plakat zum Film „Huhn mit Pflaumen“ verheißt Pastellfarbenes: Sternchen, bunte Berge, freundliche Pflanzen in Scherenschnitt-Atmo und einen einsamen Mann mit Geigenkasten. Ein schönes Ensemble.
Regisseurin Marjane Satrapi kennt sich mit Malerei und Poesie aus. Die iranische Zeichnerin aus Paris ist weltberühmt geworden mit ihrer graphic novel „Persepolis“, mit der sie ihren Exodus aus Teheran beschrieb.
„Huhn mit Pflaumen“ erschien im Jahr 2006 ebenfalls als Comic. Darin erzählt die Autorin vom traurigen Großonkel Nasser Ali Khan, einem hochbegabten Lautenspieler, dessen eklige Ehefrau ihm das geliebte Instrument zerschlägt. Daraufhin beschließt er, sich noch acht Tage Leben zu geben. Dann gibt’s Selbstmord.
Die Story hat Satrapi jetzt selbst verfilmt. Die leicht platte Geschichte - frustrierte Alte ruiniert Hochsensiblem die Verbindung zum Weltmusikgeist - wird gehörig aufgeladen. Nasser Ali war - der Rückblick zeigt’s - unsterblich verliebt in das wunderschöne Mädchen Iran; allein sie heiratet einen anderen. Den Musikus, im Film übrigens Violinist, verschlägt es seinerseits in die Arme der ungeliebten Dorfschullehrerin. Kein Wunder, dass er kränkelt.
Die Regisseurin gestaltet Alis Lebensende mit großer Genre-Vielfalt: Soap, Cartoon-Rückblick, Loops, Schnelldurchlauf, Klischee: Das Heranbrausen der schönen Frau kündigt sich mit ihren hochhackigen Schuhen an, die - klackklack, na? - Genau: verführerisch übers nasse Kopfsteinpflaster eilen. Weiter oben ist der Lippenstift - na, klar - verrutscht.
Ein Kosmos auf melancholisch belichtetem Material: Hier geht’s ums große Gefühl, poetisch real und zunehmend suizidal. Auch der Zuschauer. „Huhn mit Pflaumen“ ist übrigens ein beliebtes persisches Gericht.
Musik gibt’s in diesem Musikfilm erstaunlich wenig. Dafür ist es Regisseurin gelungen, die richtigen Gesichter für ihren Film zu casten: den traurig-lebensmüden Mathieu Amalric und andere ätherische Wesen wie Chiara Mastroianni und Isabella Rosselini - alles Leute, die auch sonst den ganzen Tag lang mit Blumen sprechen und mit Libellen tanzen.
Zudem hinterlässt Satrapi eine wirklich denkwürdige Szene: Als eine Kettenraucherin beerdigt wird, entweicht die Seele als durchaus blickdichter Zigarettenqualm. „Ihre Seele ist so dicht, dass sie sich jetzt noch materialisiert“, erklärt einer der weisen Darsteller.
So was nennt man Liebeserklärung - ein Film wie ein Filmplakat.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod

8.0Ausgezeichnet

Weinen und Lachen – manchmal beides gleichzeitig – sind die dramaturgischen Prinzipien dieses Films, und das in ganz plastischem Sinne: Der Krieg und seine Folgen werden anhand des spanischen Clowngeschäfts erzählt. Dass der Job des Possenreißers vererbt wird, dass es im klassischen Zirkus vor allem den traurigen, dummen August und den schönen, geliebten, lustigen Clown gibt, sorgt für den nötigen Drive.
Splatter, Horror und Geschwindigkeit sind die prägenden Stilzutaten von »Mad Circus«. Seit früher Kindheit arbeitet Iglesia an dem Stoff, den er in seinem Film ausbreitet. 1973 war der Regisseur acht Jahre alt. El Lute, der Ausbrecherkönig, hielt die Polizei auf Trab, der rechtsgerichtete Ministerpräsident starb durch eine Autobombe, im Fernsehen tobte täglich eine Clownsfamilie herum. »Das alles vermischt sich in meiner Erinnerung zu einer seltsamen Halluzination«, sagt der Regisseur.
Die Halluzination heißt Kunst, und sie ist beeindruckend. Sie beschreibt Politik. Und wie diese in den Menschen wirkt.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Die Reise des Personalmanagers

7.0Sehenswert

Die Filme des israelischen Regisseurs Eran Riklis surfen hart auf der Kante - meist auf jenen des Nahost-Konflikts: So inszenierte er etwa in „Lemon Tree“ die politische Lage als Nachbarschaftsstreit zwischen einer palästinensischen Zitronenzüchterin und dem israelischen Verteidigungsminister.
Auch sein neuer Film mit dem etwas sperrigen Titel „Die Reise des Personalmanagers“ bringt die politischen Verhältnisse auf eine griffige Formel: Terror und prekäre Arbeitsmigration. Und es wäre kein Film von Riklis, wenn er nicht heftig verdichtete: So ist denn die eine Hauptfigur schon mal eine Leiche.
Yulia, aus Rumänien eingewanderte Mitarbeiterin einer der größten Bäckereien Israels, ist bei einem Selbstmordanschlag getötet worden. Ihre Abwesenheit hat bisher niemand bemerkt - die Verwandtschaft ist weit weg.
Ihre Abwesenheit am Fließband war erstmal genauso wenig weltbewegend. Der Tenor auch in diesem Großbetrieb wie seit jeher in allen Spielarten dieser Organisationsform: In der Fabrik ist jeder austauschbar.
Der - natürlich ebenso austauschbare - Reporter vom Skandalblatt sieht das anders. Mit einer groß aufgezogenen Boulevard-Story hagelt es nun Negativschlagzeilen auf den angeblich herzlosen Betrieb.
Nach einigen Verwicklungen ist der persönlich durch Scheidung und andere kleine Alltagskatastrophen leicht gebeutelte titelgebende Personalchef - ebenso wie die anderen Figuren außer der schönen Leich’ namenlos - gezwungen, die Ehre der Firma zu retten. Alsbald sieht man den tapferen Mann Yulias Leiche mit dem Schützenpanzer in ihre rumänische Heimat fahren. Die Präsenz des Krieges im Zivilen wird von diesem Gefährt mustergültig verschaubildlicht: In einer menschenfeindlichen Welt erscheint das Militärgerät das einzig realistische Mittel der Fortbewegung. Und der wild zusammengewürfelte Menschenhaufen darin, tot wie lebendig, wird zur eingespielten Besatzung.
Riklis erzählt viel davon, wie die Menschen auf ihrer kurzen wie ewig langen Reise leben: Was ist wo verboten, wer lebt wie inmitten von Auseinandersetzungen? Wo sind die Jugendlichen am schwer erziehbarsten? Wer zieht einen wie hier und dort an den Ohren? Fazit: Kleine Brötchen backt man überall, die anderen erwischt’s: Es sei kein Wunder, dass Yulia abgehauen sei, sagt ihre Mutter. „Hier ist es doch so langweilig...“
Ein Meilenstein in der Geschichte des Leichentransport-Roadmovies.

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Jungle World, ai-Journal, K... (Jürgen Kiontke)
über Der Gott des Gemetzels

3.0Schwach

Nach außen mal öko, mal leistungsbereit, protestantisch, ebenso überschwenglich wie bipolar – aber immer uneigentlich: Da macht sich doch Mitleid mit den Figuren breit. Hier werden entfremdete Menschen gezeigt. Das sieht eher traurig denn lustig aus. Eine zeitgemäße Inventur zum Zweck des Erkenntnisgewinns müsste wohl anders beschaffen sein. Was würde Charlotte Roche aus diesem Stoff machen?

Die Situationskomik wird immer öder und vorhersehbarer: Die Betrunkenen stolpern über Zeitungsständer, man lockert die Krawatte, die Schminke verschmiert. Man schauspielert hölzern und berechenbar, bis zum Ende. Ein Feuerwerk an Gags, die nicht zünden.

Hier soll der Bürger über den Bürger lachen. Was so seit fünf Jahren frenetisch bejubelt wird, ist hier ein antiquiert wirkendes Stückchen Boulevard im Zeichen vermeintlicher Hochkultur. Die ist ja oft etwas überreizt.

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sachsenkrieger

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Ah, mal einer, der sich vehement fürs Menschsein entschieden hat. Wünsche dir nie eine Notsituation, in der du die dünne Schale deiner Zivilisation verlierst.


Looptrooprocker

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dann gibts ganz einfach aufs maul - fertig ist wie bei den kids.
is das schlimm?