SeraphinaZoe

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Noah
Noah

SeraphinaZoe 8.0 "Ausgezeichnet"

Eigentlich finde ich Bibelverfilmungen öde und kitschig. Ich bin auch kein religiöser Mensch, alsdaß sie mich in irgend einer Weise berühren könnten (hab allerdings die Bibel gelesen). Zudem bin ich ein Fan von Phantastik-Filmen.
Achtung, dies wird eine lange und ausführliche Rezension!

Darren Aronofskys „Noah“ hat schon im Vorfeld für kontroversen Trubel gesorgt. V.a. aus dem Lager der tiefreligiösen Christen (in erster Linie aus den USA). Ich habe mir daher einige dieser Kritiken angeschaut. Da war die Rede von historischer (!) Ungenauigkeit *lol* und seitens der Kreationisten sogar davon, daß der Film gefährliches heidnischen Gedankengut verbreite (Zitat: evil pagan movie) *uiuiui*
Andere behaupteten, es sei eine pure Allegorie auf modernes Umweltbewusstsein und stelle Noah als extremistischen Umweltschützer dar.
Wiederrum andere bemängelten die übertriebenen Esoterik-und Fantasy-Elemente des Filmes. Sogar ein Vergleich mit „Der Herr der Ringe“ war vorhanden.
*oha* Das alles machte den Film doch GLEICH viel interessanter für mich. Ohne diese Kritiken hätte ich mir den Film wohl gar nicht erst angeschaut.
Tatsächlich sind manche Vorwürfe nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Obwohl sie für mich persönlich eher einen Anreiz darstellen, anstelle eines Hinderungsgrundes.

„Noah“ ist keine (typische) Bibelverfilmung. Es ist vielmehr ein epischer Fantasyfilm, welcher zugleich eine ziemlich freie Interpretation der biblischen Geschichte um Noah und seine Arche darstellt.
Der Grund für die Sintflut ist hier ein wenig spezieller. Nicht die Abkehr von Gott (sprich: der Unglaube), sondern das (selbst-)zerstörerische Verhalten der Menschen – aufgrund eines Mangels an Respekt gegenüber der Schöpfung – ist es, welcher deren Untergang besiegelt. Der Zweck der Arche ist dementsprechend auch ein anderer. Im Vordergrund steht nämlich der Erhalt der Tierwelt und nicht der paar gottesfürchtigen Menschen (die sind hier eher nebensächlich). Denn die Tiere *Zitat* „ …leben immer noch so wie im Garten Eden!“
Der Film erwähnt zudem logische Sachverhalte, auf welche in der Bibel erst gar nicht eingegangen wird, obwohl sie doch wichtig sind für die Durchführbarkeit des Projekts sind (z.B. die Ruhigstellung der Tiere durch pflanzliche Räucher-Anästhesie).

Der Begriff „Gott“ kommt hier gar nicht vor. Stattdessen ist nur von einem „Erschaffer“ die Rede. Noah spricht auch gar nicht direkt mit diesem, sondern erhält Traumvisionen, welche er als Zeichen höherer Macht deutet und danach handelt. Besagter Erschaffer tritt auch nur durch wundersame Naturerscheinungen zu Tage (zuletzt eben durch die Flut). Das dürfte wohl auch der Grund dafür sein, weshalb die kritischen Puristen behaupten, der Film würde eine heidnische Naturgottheit (z.B. Gaia) meinen und nicht den abrahamitischen, personifizierten Gott. Diese Einstellung halte ich jedoch für ziemlich übertrieben. Es geht immer noch um die Bibelgeschichte und nicht um ein heidnisches Mythos. Selbst wenn der Erschaffer hier total wortkarg ist (keine Anweisungen wie „Noah, baue eine Arche aus Zedernholz … 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch …“) und sich nicht mal vorstellt, wie z.B. in der Moses-Geschichte („Ich bin der ich bin … der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs …“).

Was ist mit dem Vorwurf des Umweltextremismus?
Der trifft meiner Meinung nach schon zu. Noah ist hier so verbittert über die Boshaftigkeit der Menschen und v.a. durch sie verübter Zerstörung der Schöpfung (=Umwelt), daß er die Menschheit ausgerottet sehen will, da diese es nicht Wert sind weiterzubestehen. Offenbar liebt er die Tierwelt so sehr, daß er und seine Familie Vegetarier sind. Er ist definitiv kein Philantroph und verteidigt sein Refugium vor Eindringlingen mit aller Macht. Er ist sogar zu sehr drastischen Methoden bereit, um zu verhindern, daß sich die Überlebenden weiter vermehren können. Das macht ihn in meinen Augen zu einem Extremisten. Zudem ist er auch ein religöser Fanatiker, welcher den (scheinbaren) Willen des Erschaffers durchzusetzen versucht.
Sein Gegenspieler ist der Schurke des Filmes, ein Nachfahre Kains. Interessanterweise ist dieser alles andere als ungläubig. Er zweifelt die Existenz Gottes gar nicht an, sondern fühlt sich von diesem verlassen und auf sich allein gestellt. Zudem hält er die Menschen für die Krone der Schöpfung (weil sie nach dem Ebenbild Gottes erschaffen sind) und deshalb für berechtigt die Erde nach eigenem Gutdünken für sich auszunützen (ganz nach dem Motto: „Macht euch die Erde und alle seine Geschöpfe untertan!“ Da hätte noch der Zusatz: „Aber macht sie doch bitte nicht kaputt!“ gefehlt ><) Doch Noah ist hier in diesem Film auch kein netter Mensch und einzig die egoistischer Einstellung bzgl. der Schöpfung unterscheidet ihn von seinem Widersacher Tubal-Kain.

Ich finde die Darstellung von Konfliktsituationen in diesem Film sind typisch Aronofsky. Zwar gräbt der Regisseur nicht ganz so tief in der Psyche des Menschen wie sonst, dennoch erhält man gute Einblicke in menschliche Abgründe. Noahs Charakter und die seines Sohnes Hams wird hier besonders herausgearbeitet.

Was ist mit den Esoterik-und Fantasy-Vorwürfen? Ja, sie treffen ebenfalls zu.
Noahs Großvater Methusalem ist ein mächtiger Wunderheiler. Er besitzt zudem noch Samenkörner aus dem Garten Eden, aus welchen in null-komma-nix Pflanzen spriessen können.
Es gibt noch ein Relikt aus der Zeit der ersten Menschen, nämlich die abgestreifte Haut der Schlange vom Baum der Erkenntnis, welche als Amulett benutzt wird (wobei sich mir Frage stellt, weshalb man dazu ein Teil des „Verführers der Menschheit“ benutzt … vielleicht als erinnerndes Mahnmal … keine Ahnung!)
Sehr Fantasy-lastig muten die Steinriesen (welche beim Archenbau helfen) an. Obwohl solche Geschöpfe durchaus in der Bibel erwähnt werden. Die Nephilim werden als monströse Riesen beschrieben. Also doch gar nicht so an den Haaren herbeigezogen. Hier handelt es sich um sog. Wächter (The Watchers), gefallene (wortwörtlich) Engel.

Visuell ist der Film eine Wucht.
Hollywood-typisch mit bombastischer Optik umgesetzt.
Gedreht wurde in Island, daher darf der Zuschauer die urwüchsige Landschaft der nördlichen Insel bewundern. Allerdings finde ich die Wahl des Settings etwas seltsam. Ursprünglich stammt Noah doch aus Mesopotamien (falls ich mich nicht irre). Dort herrscht ein heisses Klima. Anders als in Island. Oder soll die Story etwa nicht dort spielen? Eine Erklärung dafür, warum die Charaktere hier allesamt weißhäutig sind? Aber was ist dann mit den hebräischen Namen? Wurden die nicht angepasst wegen des Wiedererkennungswertes? Kann mir darauf irgendwie keinen Reim machen.
Das Design der Arche ist für manche wohl etwas gewöhnungsbedürftig. Denkt man doch dabei eher an ein Schiff und nicht an einen rechteckigen, hölzernen Kasten. Die Beschreibungen der Bibel passen jedoch eher zur Kastenform des Filmes.
Noahs Visionen sind verstörend, aber gut in Szene gesetzt (gruselig unheilvoll: eine Frauenhand greift nach einem dunkelroten Apfel, welcher wie ein Herz pulsiert).
Die Flut selber sieht auch gut aus. Perfekter Hollywood-Standard à la Emmerich.
Die Tiere stammen natürlich allesamt aus dem Computer (anders wäre es auch kaum umsetzbar).
Die Kameraführung und die Schnitte gefallen mir sehr.

Das Schauspiel der Darsteller ist gut, selbst wenn manche der Charaktere meiner Meinung nach etwas zu kurz kommen, z.B. Methusalem (humorvoll gespielt von Anthony Hopkins) oder Noahs ältester Sohn Sem. Sonst habe ich nix diesbezüglich zu bemängeln.

Was ich aber hier echt bemängeln muß, ist die niedrige Altersfreigabe. FSK 6. Ernsthaft? Eine Geschichte in welcher Menschen qualvoll ersaufen (man sieht sogar die toten Körper rumschwimmen), wo Menschen sich gegenseitig erschlagen oder in kannibalistischer Absicht angreifen, wo Menschen von Steinriesen zerstampft werden, wo Tiere von einer Horde wilder Hungernder regelrecht zerrissen werden …kurzum: wo brutale Gewalt herrscht … dennoch vergibt die FSK eine Altersfreigabe von 6 Jahren ?!
Oh, ich kenne natürlich den Grund für diese Missetat. Wäre „Noah“ nämlich KEINE Bibelverfilmung, hätte der Film glatt eine FSK 16 (bestenfalls FSK 12) verpasst bekommen. Aber es ist nun mal eine Bibelverfilmung und deshalb wird sie wohl AUTOMATISCH als geeignet für Kinder angesehen. Traumatisierung? Völlig egal! Hauptsache Indoktrination in jungem Alter.
Hallo? Sogar die – vergleichsweise weniger gewaltvollen – „Harry Potter“ Filme haben eine FSK 12 ( von „der Herr der Ringe“ mit einem ähnlichen Gewaltpegel wie hier, will ich gar nicht erst anfangen). Aber „Der König von Narnia“ – welcher auch Bibel-inspiriert ist – hat natürlich FSK 6 *kopfschüttel* Ich hoffe doch, daß auch die religiösen Eltern vernünftig genug sind, ihren jüngsten Kindern den Film nicht anzutun. Ich würde dies meinen Kindern nicht zumuten. Ich sage es klipp und klar: „Noah“ ist kein Familienfilm.

Damit hätte ich alles gesagt, was ich sagen wollte. Ich bin absichtlich auf einige der (befremdlichen) Details so genau eingegangen, damit die potentiellen Zuschauer wissen, worauf sie sich mit „Noah“ einlassen. Deshalb war dafür eine lange Rezension notwendig. Aber niemand ist gezwungen sie zu lesen, wenn er nicht will.

FAZIT:
Eine (kitsch-)freie, phantastische und düstere Adaption der biblischen Geschichte um Noah und seiner Arche.
Wegen unorthodoxer Ideen nicht unbedingt für Bibel-Puristen geeignet. Wegen Gewaltszenen nicht für kleine Kinder empfehlenswert.

PS:
Wenn die künftigen Bibelverfilmungen auch so originell werden, werde ich sie mir vielleicht auch anschauen wollen. ^^

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SeraphinaZoe

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@ Mein Senf
Nein. ist es nicht. Es gibt doch schliesslich auch atheistische Umeltaktivisten, Tierschützer, etc.
Hm. Vielleicht hätte ich um Klarheit zu schaffen, das Wort "Umwelt" statt "Schöpfung" verwenden sollen. Aber das klänge in direktem Zusammenhang mit diesem Film doch irgendwie zu modern. Ist aber im Grunde genau das was Noah hier meint, wenn er von "Schöpfung" redet.


SeraphinaZoe

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Und ich habe zudem kürzlich erfahren, daß Arnonofsky ebenfalls Atheist ist, aus jüdischem Hause stammt und PETA angehört.
Na, dann ... kein Wunder, daß der Film so geworden ist, wie er geworden ist. ^^

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Vampire Academy
Vampire Academy

SeraphinaZoe 8.0 "Ausgezeichnet"

2 Dinge erstmal vorweg:
1) Ich kenne die Buchvorlage nicht. Daher kann und werde ich die Verfilmung rein objektiv betrachten. Die Rezension ist daher an potentielle Zuschauer gerichtet, die das Buch ebenfalls nicht kennen.
2) Nch dem eher grottigen Trailer hatte ich keine hohen Erwartungen an den Film. Doch zum Glück spiegelt Trailer nur selten die Realität des tatsächlichen Filmes wider.

Ich bin positiv von "Vampire Academy" überrascht. Es vereint viele Elemente, welche ich an Filmen so schätze: Phantastik, Drama, Action, Humor und Spannung. Keines dieser Elemente nimmt dabei überhand oder wird vernachlässigt.

Da ich eine aufmerksame Zuschauerin bin, hatte ich auch keine großen Probleme der temporeichen Handlung zu folgen. Anfangs fühlte ich mich zwar als Nichtkennerin der Romanvorlage ein wenig verloren, doch glücklicherweise hat sich dieser Zustand bald gelegt.

Das Vampirbild hier ist zugleich ursprünglich als auch originell. Mit "ursprünglich" meine ich in Bezug auf die Vampirdarstellung des alten Osteuropa, dem Geburtsort des traditionellen klassischen Vampirs. Osteuropäisch klingen auch die Namen der Charaktere. Offenbar handelt es sich um die Nachfahren eingewanderter adliger Vampire.
Relativ neuartig ist hingegen die hiesige Unterteilung der Vampire in lebende, friedliche Moroi und untote, bösartige Strigoi. Letztere entsprechen dabei am ehesten dem klassischen Bild eines Vampirs. Und natürlich die Dhampire, Halbvampire, welche zum Schutz der Moroi zu deren Wächtern gedrillt werden.
Zu denen gehört auch Rosa. Da sie die Protagonistin ist, wird die Geschichte auch aus ihrer Sicht erzählt. Und selbst wenn der Blickwinkel auf ihre beste Freundin und Schützling Prinzessin Lyssa Dragomir abdriftet, so ist Rosa dennoch mit dabei ... sozusagen.

So sauber getrennte Schwarz-Weiß-Charaktere, wie es vielleicht den Anschein hat, gibt es hier jedoch nicht. Unter der Fassade brodeln die Intrigen. Ich muß gestehen, ich habe den Intriganten bis kurz vor der Enthüllung nicht erkannt (auch ein Vorteil, wenn man das Buch nicht kennt ^^). Das erhält die Spannung und steigert sie.

Die Story hat auch sehr viele witzige Momente. Dies ist v.a. Rosas sarkastischen Sprüchen zu verdanken. Ich mag solche schnippischen Charaktere, die das Herz auf dem rechten Fleck tragen. Rosa ist keine perfekte aber für mich absolut sympathische Protagonistin.

Die Handlung weist auch eine extrem temporeiche Action auf. Die Kampfszenen sind gut choreografiert und wirken (größtenteils) auch realistisch. Rosa ist als Dhampir nicht übermenschlich stark, aber dafür flink und gelenkig. Auch kann sie einigermaßen gut einstecken. Vor allem die Trainingskämpfe mit dem heiss aussehenden (^^) Kampfsportlehrer Dimitri gefallen mir.

Eine gehörige Portion an Drama (v.a. in Form von Familientragödien) gibt es hier auch. Was dafür sorgt, daß der Film nicht zur Komödie ausartet.

Da das Ganze in einer Schule für jugendliche Vampire spielt, gehört natürlich Romantik mit dazu. Aber da es hierbei um Teenies geht, sollte man solche Dinge wie "Liebe bis in alle Ewigkeit" lieber vergessen. Hormongesteuertes gibt es hier genauso wie in einer normalen Schule auch.

Visuell dargestellte Fantasy-Elemente kann man hier selbstversändlich auch erwarten. Die Spezialeffekte fügen sich jedoch dezent in die Handlung mit ein. Die Beherrschung der einzelnen vier Elemente durch die Vamps nimmt nicht soviel Platz ein, wie z.B. die Zauberei bei "Harry Potter". Nur die Ausübung der Gedankenkontrolle durch die Vampire kommti hier ziemlich oft vor.

Kann man "Vampire Academy" mit anderen ähnlich thematisierten Werken vergleichen? Ja, aber sicher nicht mit "Twilight" (auf welches von den Kritikern so gerne verwiesen wird, was mittlerweile einfach nur noch nervig ist). Die beiden Werke haben jedoch absolut nichts miteinander gemein. Außer natürlich der Vampirthematik.
Anders verhält es sich hingegen mit "House of Night" (eine Romanreihe welche sich aktuell in Filmproduktion befindet). Die ersten Teile der beiden Buchreihen sind in etwa zeitgleich erschienen und weisen extreme thematische Ähnlichkeiten auf (die ich hier aber nicht näher erläutern werde, da dies den Rahmen einer Rezension sprengen würde).

Da "Vampire Academy" mir unverständlicherweise (aber leider nicht unüblicherweise) finanziell ein Flop war, kann man wohl eine Fortsetzung vergessen. Solange nicht Twilight & Co aus den Gehirnwindungen der Kritiker und Zuschauer verschwindet, werden wohl alle neuen Vampirfilme (oder gar Phantastikfilme) für Jugendliche gefährdet sein (ich rede jetzt ganz speziell von Kinofilmen und NICHT von TV-Serien).
Aber ich bin mal gespannt wie sich "House of Night" im nächsten Jahr schlagen wird.

FAZIT:
Sehenswerter kurzweiliger Phantastikfilm für jugendliche und junggebliebene Zuschauer.

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Murphante

Hallo =)
krümelige Grüße und ein Frohes Fest
die Kekse sind schon alle ... aber dein
schokoladiger Geschmack auf Filme hat
mein Appetit angeregt und verlangt eine
Freundschaftsanfrage :D
bitte mehr davon !"!
lieben Gruß der morphiiii


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