Das Leben der Anderen - Kritik

Das Leben der Anderen

DE · 2006 · Laufzeit 137 Minuten · FSK 12 · Drama, Thriller · Kinostart
Du
  • 8

    Nicht gerade ein fröhliches Feel Good Movie, mehr eine absolut trostlose und deprimierende filmische Erfahrung. Wie in den meisten Fällen wird hier ein politisches Kapitel aufgearbeitet bei dem ich selber nicht dabei war, darum kann ich nicht beurteilen wie authentisch alles ist - glaubhaft wirkt es jedenfalls. Durch das intensive Spiel der Darsteller und die wohl mit Absicht nüchtern gehaltene Atmosphäre entsteht ein kalter, trister Polithriller der sich aber in erster Linie mit den in ihm enthaltenen menschlichen Schicksalen befasst. Man muss sich auf so was einlassen können, ich kann es wohl nicht so gut, darum kann ich die "Tiefe" des Werkes nicht so richtig loben - aber er sei jedem ans Herz gelegt und der internationale Erfolg des Films geht zweifelsohne voll in Ordnung.

    Fazit: Tragisch und bedrückend realistisch inszeniertes Drama mit exzellenten Darstellern!

    • Schönes Ding! Und ein erstaunliches Erstlingswerk. Eine zurückhaltende Inszenierung, eine überraschende Wandlung und ein ruhiges Plädoyer für die Macht der Kultur. Vielleicht manchmal etwas dick aufgetragen und hoffentlich nicht das letzte Kapitel der filmischen Verarbeitung unserer Historie, aber dennoch ein wichtiger Teil im Puzzlestück des Menschseins.

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      • 10
        JanCoccotti 07.06.2017, 06:18 Geändert 21.10.2017, 22:26

        Sehr schön, wie Hempf über den ganzen Film versucht etwas über Dreyman zu finden, und sich in der Mitte etwas ergibt, die Umstände aber gänzlich umgeworfen sind. Ein großartiges Drehbuch!

        - Donnersmarck verpasst keine Chance, den Überwachungsstaat zu inszenieren. Ob es die kritischn Frage des Studenten zu Beginn ist, oder Mühe, der den Theatersaal mit seinem Opernglas im Blick behält. Oder die Szene darauf mit Dreyman und Hempf, an deren Ende zu den beobachtenden Mühe und Tukur geschnitten wird.
        - Tukur wird sehr schön eingeführt, indem er zu Mühe kommt, der fragt was ansteht und Tukur fragt, ob denn immer ein Hintergedanke im Spiel sein müsse, er wolle doch nur ins Theater. Natürlich steckt mehr dahinter. Ebenso gut, ist Tukurs "Fehleinschätzung", und wie er Mühe vor Hempf wiederholt, der nicht nur dessen Verstand lobt, sondern sich über naive Stasi-Mitarbeiter mokiert, die Dreyman als linientreu gesehen hätten. Dass Hempf noch eine Motivation mehr hat, als bloß seinen Instinkt, macht es natürlich noch besser.
        - Sehr gut, wie Mühe in seine Wohnung kommt und nach und nach das Licht anknipst.
        - Der Cut vom trostlosen Mühe vorm Fernseher mit seinem Reis und Tomatenmark, zu dem wild Fußballspielenden Dreyman, zeigt einen schönen Kontrast, da die "hektischeren" Kamerabewegungen, nicht nur Stilmittel sind, sondern ebenfalls passend.
        - "Die unsichtbare Front" setzt nicht in der Sekunde ein, in der Dreyman das Haus verlässt, sondern in der, in der die Tür sich zuzieht. Dabei nimmt der graue Minimus immer mehr des Frames ein.
        - Schön, wie die historischen Fakten, wenn überhaupt, nur wegen des dramatischen Effektes gebrochen werden. Anstatt das ganze Haus bei der Etablierung eines Überwachung auf Behörden zu laden, ist die Nachbarin hier zuhause, um die Einschüchtern der Stasi zu demonstrieren.
        - "Schicken Sie Frau Meineke zur Anerkennung ihrer Verschwiegenheit ein Geschenk."
        - Um zu zeigen, dass Jerska derart in der Vergangenheit lebt, braucht man gar nicht mehr, als die an der Wand hängenden Poster von seinen vergangenen Inszenierungen.
        - D: Wir haben dich vermisst bei der Premiere.
        J: Hatte Schwalber etwa einen guten Einfall?
        D: Was gut war hat er von dir geklaut.
        J: So bleib ich lebendig.
        - So eine gute Einstellung! Eine neue Szene beginnt, und es ist die Einstellung des Abhörraumes auf dem Dachboden, dessen aggressive Neonröhren langsam flackernd angeht, und in dem Moment, in dem sie es gänzlich tut, zeigt die Einstellung Mühe bei der Tür.
        - Dreyman: "Das sieht aus wie zum 50en. Dabei werd ich doch 40, oder?"
        D: "Du vergisst, dass ich mich durch eigene Kraft durch die Fesseln des Bürgertums frei kämpfen musste." - Genial, wie er eine wohl über ihn verfasste Zeile zitiert.
        - Sehr gelungen, wie die Nachbarin wieder eingebunden wird, was nur als Witz darüber begann, dass er keine Krawatte binden kann. "Das muss aber unser Geheimnis bleiben. Sie können doch ein Geheimnis bewahren?"
        - Sehr schön, dass Jerska die Sonate mitbringt, die Dreyman passenderweise nach dessen Dahinscheiden spielen wird.
        - Gut, wie Jerska alleine ließt und zu Dreyman sagt, es sei immerhin Brecht. Cut darauf zu Wiesler, der sich etwas zu notieren scheint. Es passt perfekt zu der späteren Aktion den Brecht zu stehlen.
        - "Du weisst doch, dass er bei der Stasi ist." "Nein Paul. Wissen tue ich es nicht."
        - Dass Hauser ihm sagt, er müsse irgendwann Position beziehen, sonst sei er kein Mensch - wohl treffend in solch einem System.
        Tukur: "Du warst lange nicht mehr hier, der Stabstisch ist dort drüben."
        Wiesler: "Irgendwo muss der Sozialismus doch beginnen."
        - Sehr gut geschauspielert von Mühe, nachdem er erfährt, dass Hempf das Auto gehört, welches Sieland nach Hause brachte. Er blickt, kurz nachdenkend, wohl direkt durchschauend.
        Tukur: "Wir helfen also einem ZK-Mitglied seinen Rivalen aus dem Weg zu schaffen. Ich brauch dir wohl nicht zu sagen, was es angesichts dieser neuen Informationen für meine Karriere bedeutet. Und für deine. (Ein Moment, der normalerweise humoristisch verwendet würde, aber auf dieses Level geht der Film nicht. Er begnügt sich damit, wie grotesk es ist, dass ebendiese beschränkten Leute die Karriereleiter raufklettern, während die Idealisten so enden wie Wiesler.
        - Der Moment des Witzes ist so schön, um die Überwachungsthematik wieder aufzugreifen, ABER in einer NEUEN Variation; nun auch innerhalb der Stasi! Später wird er Briefe aufdampfen, egal ob durch diesen Witz oder ähnliches Verhalten.
        "Guten Abend liebe Sonne. Was hast du?" und Tukur gibt diesen PERFEKTEN "Und?" Blick.
        - Wie Tukur einen Witz auf Kosten der Ängstlichkeit des Gegenübers macht ist erneut solch eine geniale Exposition. + Verdeutlichung der Angst nur ein falsches Wort zu sagen und sein ganzes Leben zu zerstören. Aber wie hätte das System auch sonst funktionieren sollen?
        - In der nächsten Szene wird die Hempf-Thematik direkt wieder aufgegriffen. Sehr elegant erzählt. Sehr schön, wie Gedeck erst noch vor dem Auto von Hempf läuft und erst überredet werden muss einzusteigen, doch auch dann redet sie nicht. Dieser Machtmissbrauch mit Sätzen wie "Sei unbesorgt. Ich pass schon auf dich auf." ist grässlich. "Sag, dass du es nicht auch brauchst. Sag es und ich lasse dich sofort los." - Das ist wohl typisch bei Machtmissbrauch; auch ein Hans Landa gibt eine Höflichkeitsillusion, während die Taten keine Fragen offen lassen.
        - Sehr gut, wie Wiesler daraufhin die Klingel betätigt, damit Dreyman vom Verhältnis erfährt. Hätte er es nicht getan, wär es wohl tendenziell eher langweilig geworden.
        - Was ist Dreyman für ein Mann. Es gibt sicher endlose bereitgelegte Sätze, die er seiner Freundin mitteilen möchte. Aber er schluckt sie alle herunter und tut nichts, als sie zu umarmen.
        - Dass die Musik von Gedecks dramatischer Situation weitergeht, wenn Wiesler nach Hause fährt, zeigt unmissverständlich, dass er nicht mehr unbefangen ist. Jetzt ist es verdeutlicht, nachdem es schon beim Essen mit Tukur der Fall war.
        - Die Szene mit der Prostituierten ist schon nahezu genauso traurig wie die zuvor. Vor allem, wenn Mühe sich nach mehr Nähe sehnt und die Frau rational spricht und direkt aufsteht.
        - Tukur preist die perverse Überwachung vor Hempf an, doch der möchte wohl lieber andere Informationen. Sehr gut, hier bei Tukurs Erzählungen über die innovative Überwachungstechnik zu beginnen. Hempf ist nur an Handfestem interessiert. "Ich will meinem schlimmsten Feind nicht geraten haben mich zu enttäuschen." Das Auto fährt noch ein paar Meter. "Und jetzt verschwinden Sie." So gut, wie das Auto losfährt, während die Tür noch geöffnet ist. (Wie ein beendetes Telefonat, so lange der eine noch spricht wie bei "Die Unbestechlichen".) - Der Druck steigt. Ebenso erwartet Hempf von seinem Assistenten Sieland von nun an stets zu überwachen.
        - Tukur: "Wir haben Hauser die Ausreisegenehmigung für die Konferenz zum Kulturabkommen nicht gewährt. Vielleicht bringt das was ins Rollen...Die Beiden sind ja sehr eng...Und, wie läuft es zwischen CMS und dem Minister?"
        Mühe: "Sie sind morgen Abend verabredet, wenn ich den Rhythmus richtig verstehe."
        Tukur: "Das ist gut. Sehr gut. Wir haben an dieser Liebesgeschichte viel zu gewinnen...oder zu verlieren. Vergiss das nicht."
        - CUT zu Dreyman, der nachdenklich in seiner Stube sitzt mit CMS im Hintergrund, die gleich zu Hempf gehen wird, wovon er sie abhalten möchte. Schön, wie direkt zuvor drauf angespielt wurde.
        - Mühe spielt SOOO gut. Wie er die Diskussion mitbekommt & AUSGERECHNET dann kommt diese Pfeife pünktlich.
        - Solch einen Berliner Akzent, kann man auch nur der kleinsten Nebenrolle geben. Das ist immerhin kein Tatort.
        - Etwa bei der Hälfte geht Mühe den Schritt, er spricht CMS direkt an und schenkt ihr Mut. Erneut werden mehrere Hebel bedient. Das Drama wird geschürt, da Hempf nun umsonst wartet. Auf der anderen Seite ist es ein großer Schritt für Mühe, der die stete Beobachtung durchbricht.
        - Hauser "Mein eigener kleiner Leibwächter. Ich nenne ihn Rolf. Wahrscheinlich heisst er auch so." - nach dem Suizid und gegen diesen Terror, muss an diesen Momenten ein Humor stecken.
        - Hauser hilft, unter der Bedingung, Christa nichts von dem Stück zu erzählen.
        - "Unter deinem eigenen Namen zu veröffentlichen kommt nicht in Frage. Es sei denn, dich reizt die rein sportliche Herausforderung eines 48-Stunden Verhörs.
        - Sehr schön, wie Dreymans Überheblichkeit Wiesler provoziert, der von hinten gefilmt wird. Dunkelheit, nichts als eine grelle Schreibtischlampe, die Silhouette zeichnend.
        - Es passt so gut, wie der lebhafte lustige Grubitz die Karriereleiter aufsteigt, während Wiesler Hauptmann bleibt.
        - "Ich hab ihm zwar nur ne zwei gegeben..die sollen nicht gleich denken, dass promovieren bei mir einfach ist, aber es ist wirklich erstklassig."
        - Nach der Überzeugungsarbeit, sagt Grubitz er ziehe Udo ab, er könne ihn ganz gut für den Kirchenfall gebrauchen. (Über den er telefonierte, bevor Wiesler eben hereinkam.)
        - Der Druck wird stärker, Tukur führt nach der Veröffentlichung des Artikels ein mieses Telefonat.
        - Wie Tukur Wiesler danach "verhört" ist große Klasse. "Hätte ich das nicht im Bericht vermerkt?" ist so gut, wie die Geste zu Beginn, bei der er etwas ausplaudert.
        - Hempf als trotziger, geschlagener Mann, der Grubitz aufträgt CMS auseinanderzunehmen, anhand der illegalen Pharmaka. Sehr gut wie Grubitz darauf direkt die Chance wittert herauszufinden, woher der Artikel stammt.
        - Sehr gut, wie die Stasi einerseits rigoros durchsucht. Donnersmarck dabei aber doch einen besonders eleganten Shot platziert. Namentlich der geneigte Flügel, von dem Papiere und eine Kerze abgleiten.
        - Nachdem die Durchsuchung fertig ist, klingelt erneut das Telefon. Grubitz: "Wiesler, ich erwarte dich morgen um 9 Uhr in Hohenschönhausen." An der Pforte dann, Wachmann "Verhörraum Nummer 76"
        - Ein kurzer Shot des Stuhls ohne Stoff gibt Entwarnung.
        - Grubitz: " Ich weiss zwar nicht durch welche Schlamperei dir das alles entgehen konnte...Aber ich kenne dich auch anders. Vor allem als Befrager. Darum gebe ich dir eine letzte Chance....Bist du noch auf der richtigen Seite?" Die perfekte Überleitung zum Befragen, während andere Filme hier nur ein Statement setzen würde. Großartig!
        - Ein sehr guter, nicht zu übertriebener, Zoom, als Mühe sich zu CMS umdreht. "Noch zehn Stunden. Nein, eigentlich in neun einhalb..wird Herr Roseing vor das Publikum treten und ansagen, dass Sie wegen einer Unpässlichkeit nicht spielen können. Und das wird das letzte Mal sein, dass man in der Theaterwelt von Ihnen gesprochen hat. Wollen Sie das?"
        - "Denken Sie an ihr Publikum." schöner Verweis, wobei Grubitz auch noch zu lachen anfängt; eigentlich pervers.
        - Die Szene zeigt auch so schön, wie die Überwachung alles umkehrt. Ein Dilemma, wie der aufrichtige Wiesler noch in dem ersten Gespräch mit CMS mehr oder weniger offen reden konnte, nun aber ebenso im Verhör ist wie sie.
        - Sehr schön, wie Grubitz darauf CMS bedeutet, dass IM Pflichten mit sich bringe, aber auch Privilegien (Die Arzneien in ihre Manteltasche schiebend).
        - Ein schöner Verweis, Wiesler dort stehen zu lassen, wo Dreyman es zuvor bei CMS Ankunft tat.
        - Uuuund erneut geht CMS direkt Duschen, nachdem sie sich derart dreckig fühlt.
        - Als Tukur das Geheimfach "entdeckt" ist die Belichtung von Dreymans Gesicht Richtung CMS sehr gut beleuchtet. Sehr schön, wie die rechte Hälfte im Dunkeln verschwindet.
        - So gut, wie die Stasimänner maximal eine Sekunde zu der Leiche gucken und dann gerade weiterlaufen. Und wie Tukur sich dann noch für die Unannehmlichkeiten bei Dreyman entschuldigt.
        - Nach CMS Tod, eine sehr schöne, wenn auch gewöhnliche, Einstellung des anfahrenden Autos. Es fährt von links in den Frame, bis die Kamera zur Seite fährt und es im Profil nahezu gänzlich einfängt.
        - Grubitz' Abschlussworte sind großartig; erneut spricht er nur über die "endende" Karriere. Vielleicht ist Wiesler das sogar lieber Briefe aufzudampfen, als weiter die Leute zu bespitzeln oder zu verhören.
        - Der Humorist von Beginn, ist in dem Moment des Aufdampfens ein guter Schauspieler; sein Gesicht hat er top unter Kontrolle.
        - & Wiesler geht einfach heraus.
        - Dass ausgerechnet Hempf da sitzen muss, als es Dreyman bei der eigenen Aufführung zu viel wird, ist wirklich der Höhepunkt einer Zumutung.
        - Schön, dass Hempf nicht nur Dummes Zeug redete, sondern etwas sehr wahres. Er sagt, Dreyman habe nichts mehr geschrieben seit Ende der DDR. Es gäbe in der BRD eben nichts mehr, an das man glauben könne, gegen das man rebellieren könne.
        - Donnersmarck scheint die BRD nicht als das gelobte Land inszenieren zu wollen, denn auf dem Heimweg passiert Dreyman direkt zwei trinkende Obdachlose.
        - Als Dreyman die Wanzen aus den Wänden holt, ist es klug gewählt, dass er ausgerechnet im Bad kurz ungläubig an die Wand blickt.
        - Dieser kleine Rückblick in der (nun) Gauck-Behörde ist elegant gemeistert. Er nimmt sich genug Zeit, schaut sich die Erfindungen Wieslers an; dann zieht er aber die unterste Akte heraus.
        - Sehr gut ebenfalls, wie Gedecks Stimme ihre Erklärung, eine IM werden zu wollen, vorließt, dabei immer leiser wird und in die Musik übergeht. Dann noch Tukurs Stimme, die über CMS spricht und darüber, Wiesler keine Verantwortung mehr zu übergeben + schließlich Mühe, mit dem roten Fingerabdruck.
        - Erneut ein Moment, der für humoristische Momente gebraucht wird, hier aber absolut ernst ist. Wiesler passiert das Schaufenster mit Dreymans Buch mit seinem Reklamewagen, läuft aber ohne diesen wieder zurück ins Bild, was eine schöne Kleinigkeit ist.

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          florian.oehme.7 02.02.2017, 16:10 Geändert 02.02.2017, 16:11

          "Soll ich es als Geschenk verpacken?"
          "Nein, es ist für mich"

          Eine der ganz ganz wenigen Schlussszenen von Filmen die ich je gesehen habe, bei der sich dem Zuschauer plötzlich jegliches Gefühl, resümierend des Films, einstellt. Unfassbar und unbeschreiblich.

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            batman0815 20.01.2017, 08:31 Geändert 20.01.2017, 08:36

            Ich bin ein großer Fan dieses Films. Er gibt einen wichtigen geschichtlichen Hintergrund wunderbar wieder. Ich bin Referendar an einem Gymnasium und würden den Film gern im Unterricht zeigen. Verstößt das gegen das Urheberrecht? Auf dieser Seite http://www.urheberrecht.de/film/ heißt es, dass öffentliche Vorstellungen rechtlich nicht erlaubt sind. Gilt das auch für eine Vorführung in der Schule? Ich weiß von damals noch, dass meine Lehrer auch oft Filme gezeigt haben. Wisst ihr, wie ich mich da absichern kann bzw. ob ich das überhaupt muss?

            • 6

              Oscar-Kino aus Deutschland. Ganz am Ende schnürt Donnersmarck sogar das komplette Wohlfühlpaket. Grundlegend ist „Das Leben der Anderen“ jedoch unterhaltsam, historisch verortet, gut gespielt, nach wie vor relevant und sein durchschlagender, internationaler Erfolg, gerade in den USA, aufgrund dessen nicht einmal eine so große Überraschung. Vor allem macht der Film keine Spärenzchen, ist ganz und gar konzentriert und bietet insbesondere eine geniale Prämisse an, die als Drei-Personen-Stück auch ohne weiteres auf der Theaterbühne zuhause wäre. Auf das wirkungsvoll fatalistische Finale hin, hätte man sich die darauf folgenden, Erklärbär-lastigen Minuten aber auch sparen können. Man kann das Ende einer Diktatur auch ohne happy end für den stillen Helden auserzählen. Dafür hinterlässt Ulrich Mühe auch so einen viel zu eindringlichen Eindruck. In seinen Augen drückt sich die Sehnsucht nach Bewegung aus, dort wo der Status Quo Stillstand verlangt. In ihm manifestiert sich der Glaube und die Hoffnung an eine wesenseigene Moral, die dem Menschen auch allen Widrigkeiten zum Trotz immanent ist und die die Kunst zum Vorschein zu bringen vermag.

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              • 8
                Petr 28.11.2016, 20:40 Geändert 28.11.2016, 21:17

                Am Ende fühlt es sich wie ein "Feel good movie" an. Eine innere Wärme umgibt einen und ein Gefühl der Zufriedenheit, wenn es nach "Happy End" aussieht und der fiese Stasi-Mann sich uneigennützig auf die Seite der Guten geschlagen hat und der Oppositionelle und Überwachte ungestraft davonkommt. Schön alles....

                Aber ist das angemessen bei dem bisher größten anspruchsvollen Film über die DDR bisher? (Good bye, Lenin war ja mehr Komödie und "ostalgisch")

                Ist dieses Gefühl des Happy Ends angemessen, sollte man wirklich einen Film, der erstmals in diesem Ausmaß und mit diesen Stars die DDR-Verbrechen auf die Leinwand bringt, so friedlich und schön beenden lassen? Hätte ein dramaterischeres Ende nicht eine andere Wirkung im Rückblick auf einen Film über Diktatur, Folter und Entmündigung?

                Steht das Schöne zum Schluss nicht verquehr zur davor behandelten Thematik?

                Andrerseits endeten die 40 Jahre DDR jedoch auch "schön" mit einer friedlichen Revolution. Weltweit sehr selten und auch Jahre davor noch undenkbar.

                So könnte man in dem Film, der nur 1984 und nach der Wende spielt, auch als chronologische Abhandlung der DDR sehen. Handlung des Films und DDR-Geschichte zeigen Parallelen:

                1. Start voller Idealismus und Glaube an den "Sozialismus" und diesen mit allen Mitteln zu verteidigen

                2. Krisen, innere Zweifel und Unzulänglichkeiten, die aber verschwiegen werden

                3. Happy End. Das Ende ist unblutig und erscheint rückwirkend als schön.

                So gesehen mag das Ende seinen berechtigten Platz haben. Zumal in den zwei Stunden vorher auch viele Facetten der DDR gezeigt wurden und endlich einmal dieser Unrechtsstaat als das gezeigt wurde als er ist, nämlich einer, der seine Bürger*innen terrorisiert. Wenn man an 2003 zurückdenkt, als die DDR nur als lustige Folklore ("Ostalgie", "DDR-Show" auf RTL und "Good bye, Lenin") geziegt wurde, ist "Das Leben der anderen" wohltuend realistisch. (Auch wenn es hier einige nicht ganz historisch zutreffende Stellen gibt, siehe Wikipedia-Artikel zum Film).

                Das Gefühl des Schönen, des "Feel good" am Schluss kann auch als wirklich Positves Menschenbild aufgefasst werden. Die Menschheit sollte sich nicht abschreiben. So schlimm ein System auch ist, je mehr man verwickelt ist, es ist möglich sich dem zu widersetzen. Das Gute in den Menschen scheint nicht ganz verloren zu sein.

                Ich selbst weiß noch nicht, wie ich das bewerten soll. Vielleicht brauche ich noch einige Zeit.

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                • 8 .5

                  Der beste deutsche Film, den ich je gesehen habe!
                  Zu recht ein Oscarpreisträger!
                  Rundum gelungen, der Film kann durchaus viele emotionale Momente vorweisen.
                  Der Film fängt das "DDR-Feeling" recht gut ein und stellt die Überwachungsmechanismen der Stasi gut dar. Auch wird das Thema von beiden Seiten aus beleuchtet.

                  Also ich kann allen wärmstens empfehlen sich den Film anzusehen!

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                  • 10

                    Eines der seltenen Deutschen Meisterwerke der neuerern Filmgeschichte, ein Stück Geschichte, brilliant Gespielt. Muss man als Filmfan und als Mensch von Bildung unbedingt gesehen haben.

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                    • 9

                      Okay, eigentlich nur 8 Punkte, wenn man ihn mit anderen Filmen weltweit vergleicht. Aber bedenkt man, aus welchem Tümpel der Unfähigkeit und Einfallslosigkeit er sich erheben musste, ist das mehr als bemerkenswert. Einfach nur sehenswert, sollte eigentlich Pflichtvideo für den Schulunterricht werden.

                      • 9 .5
                        jeanpatrick 18.05.2016, 17:44 Geändert 18.05.2016, 20:36

                        Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt einen deutschen Film gesehen habe, der mich derart gepackt und berührt hat. Wer aufgrund der Dauer des Films Langatmigkeit befürchtet, wird schnell eines besseren belehrt und kann sich auf 133 intensive und mitreißende Filmminuten freuen. An Florian Henckel von Donnersmarck´s Film stimmt einfach alles: Die ungemein dichte Atmosphäre, die feinfühligen und zuweilen poetischen Dialoge, die hervorragenden Schauspieler und die gefühlvoll eingesetzten filmischen Mittel. Sebastian Koch habe ich noch nie so gut erlebt wie in der Rolle des Autors Georg Dreyman. Die großartige Leistung von Ulrich Mühe als Hauptmann Gerd Wiesler ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Auch Martina Gedeck in der Rolle der zwiegespaltenen Schauspielerin Christa-Maria Sieland ist grandios. Eigentlich gibt es nur einen Punkt, der den positiven Gesamteindruck etwas schmälert. Es ist die meiner Ansicht nach völlig überzogene Darstellung der Figur des Kulturministers Bruno Hempf.
                        Ein Film, der für sich in Anspruch nehmen kann, ein Stück Zeitgeschichte ohne den moralischen Zeigefinger darzustellen, hat es nicht nötig, eine derart abstoßende Maske des Bösen zu präsentieren. Das entspricht vielleicht dem Geschmack des amerikanischen Mainstreams, hat aber in einem solch feinfühligen und qualitativ hochwertigen Filmjuwel nichts zu suchen.

                        • 8

                          Nachdem ich kein besonders großer Fan der deutschsprachigen Filmlandschaft der letzten Jahre bin, ist meine Grundhaltung was Produktionen aus diesem Bereich betrifft eher kritisch. In jüngster Vergangenheit konnten mich nur „Ich seh, ich seh“ sowie „Victoria“ wirklich positiv überraschen und meine Meinung überdenken lassen.
                          Nun habe ich einen weiteren Film entdeckt, der in diese Kategorie der Ausnahmen fällt, nämlich „Das Leben der Anderen“ von Florian Henckel von Donnersmarck aus dem Jahr 2006.

                          Natürlich war mir der vielfach ausgezeichnete Film schon länger bekannt, bis auf eine flüchtige Schulaufführung vor einigen Jahren hatte ich ihn aber noch nie vollständig gesehen und verspürte auch kein sonderliches Bedürfnis dies nachzuholen. Nun fand ich aber Zeit diesen schwarzen Fleck in meiner Filmliste auszumerzen und rückblickend kann ich nur sagen, dass es definitiv die richtige Entscheidung war. „Das Leben der Anderen“ weiß auf beinahe allen Ebenen zu überzeugen und schaffte es mich von den ersten Minuten an zu fesseln- und das bis zum Schluss.

                          Kurz zur Handlung: der in der DDR beliebte Theaterschriftsteller Georg Dreyman lebt zusammen mit der Schauspielerin Christa-Maria Sieland ein den Umständen entsprechend unbeschwertes Leben in Ost-Berlin. Beide sind erfolgreich und können sich der Unterstützung einflussreicher Politiker erfreuen, während viele befreundete Künstler unter Berufsverbot stehen. Dies ändert sich jedoch schlagartig als durch eine Reihe von Umständen deren Wohnung überwacht werden soll und der Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (großartig dargestellt von Ulrich Mühe) belastendes Material zu sammeln beginnt. Doch der systemtreue Wiesler wird nach und nach vom Leben der Künstler vereinnahmt und weiß bald selbst nicht mehr, auf welcher Seite er steht.

                          In eindrucksvoller Manier schafft es von Donnersmarck in seinem Regiedebüt einen ausgezeichneten Film zu inszenieren, der sich zwischen Thriller und Drama bewegt, gleichzeitig aber ein historisch akkurates Bild der DDR liefert. Bis ins kleinste Detail werden die Überwachungsmethoden der Stasi nachgestellt und in die Handlung integriert, was die beklemmende und erschreckende Realität der damaligen Zeit unterstreicht. Hinzu kommen noch die herausragenden schauspielerischen Leistungen- allen voran von Ulrich Mühe und Sebastian Koch- die in jeder Szene zu überzeugen wissen und voll und ganz in ihren Charakteren aufgehen.

                          Alles in allem ohne Zweifel einer der besten deutschsprachigen Filme der letzten Jahrzehnte, der es schafft die oft so schwierige Abstimmung zwischen historischer Genauigkeit und filmischer Inszenierung vorzüglich zu treffen und damit für ein tolles Filmerlebnis zu sorgen. Auch wenn es das bisher einzige gelungene Werk von Florian Henckel von Donnersmarck ist (ich kann noch immer nicht glauben, dass er für das Debakel mit dem Titel „The Tourist“ verantwortlich war), so bleibt doch zu hoffen, dass er an diese Leistung anschließen kann und bald wieder einen solchen Meilenstein liefern wird- das deutschsprachige Kino bräuchte ihn nämlich.

                          8/10

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                            Niedlich89 27.02.2016, 23:40 Geändert 27.02.2016, 23:42

                            Ich habe Angst vor deutschen Filmen. Meist kommen sie über Seifenopern-Niveau nicht hinaus, egal, wieviel Geld man da reinsteckt. Hier hingegen haben sie nicht nur die besten Schauspieler gefunden, sondern sogar richtige Marken mit Eigenleben.
                            Jeder Spruch sitzt, jeder Dialog hat eine Bedeutung. Jede noch so kleine Nebenrolle ist passend besetzt. Meinen größten Respekt für diese Darbietung und Inszenierung. Realismus kann ich als Wessi natürlich natürlich nicht beurteilen, aber es fühlte sich auf jeden Fall realistisch an; wenn auch einige Personen schon überzeichnet wirkten, doch haben sie genau deswegen viel Spaß gemacht. Köstlich gelacht und gut unterhalten gefühlt, was will man mehr? Eben. Mehr davon!

                            • 8 .5

                              Rein objektiv betrachtet sind die 8,5 Punkte hier zu gut, da dieser Film allerdings der beste deutsche Film ist und auch gleichzeitig ein Kapitel unserer Geschichte auf bewegende und bedrückende Art und Weise darstellt, kann man hier ein Auge zudrücken. Hervorheben sollte man aufjedenfall die überragende Leistung von Ulrich Mühe, der nach seinem Tod leider ein großes Loch in der deutschen Schauspielbranche hinterlassen hat.

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                              • 8 .5

                                Ein rundum gelungener (deutscher) Film. Die Thematik ist bis heute aktuell, das fasziniert mich am meisten.

                                • 9
                                  cycloo77 12.11.2015, 03:46 Geändert 12.11.2015, 12:59

                                  Großer deutscher Film!
                                  Eine Qualität die es so nicht sehr oft aus deutschen Lande gibt.
                                  Unheimlich dichte Erzählstruktur gepart mit fabelhaften starken Dialogen.
                                  Es herrscht eine fast schon Voyeuristische Atmosphäre, Donnersmarck schafft es das wir uns wie Beobachter fühlen, die irgendwo in einem hinterhalt versteckt dem Geschehen zuschauen.
                                  Dabei ist alles komplex miteinander verstrickt.
                                  Die Deutsche Schauspielriege ist komplett großartig, aber über allem spielt Ulrich Mühe, das war eine einwandfreie Oscar Darbietung.
                                  Ein grandioser Film der mich wieder an anspruchsvolle deutsche Filme glauben läßt.

                                  "Die DDR sah nicht nur von außen Scheiße aus, die war auch von innen totale Scheiße!"

                                  Chapeau Ulrich Mühe

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                                  • 7

                                    Schauspielerisch durchweg exzellent, vielschichtig und mit viel Empathie behandelt der Film die Stasi-Thematiken, ohne den Zeigefinger zu heben und den Zuschauer platt auf die Moral zu schubsen. Hier wird leise geschildert, was damals im Überwachungsapparat so grausam war: jegliches Fehlen von Menschlichkeit. Der Film nimmt eine wohltuend beobachtende Position ein, ohne Ost oder West zu verdammen. Das Bewerten und EInordnen wird dem Zuschauer überlassen. Leider für meinen Geschmack manchmal etwas zu behäbig, aber unterm Strich sehenswert.

                                    • 8 .5

                                      Ein großartiger Film. Ich fange jetzt nicht an, diese Geschichte in irgendeiner Form auf historische Korrektheit zu prüfen und einzuordnen. Dazu sehe ich mich nicht in der Lage. Allgemeingültige Aussagen über Stasi und DDR-Alltag werden hier auch einigermaßen geschickt umschifft, da sich die Geschichte sehr nah an bestimmte Charaktere hält und somit ganz klar dieses individuelle, menschliche Drama im Vordergrund steht. "Das Leben der Anderen" überzeugt auch durch die großartigen schauspielerischen Darstellungen, die man auf einem solchen Niveau und in dieser Kombination nur selten genießen darf.

                                      • Deutschland würde Eier Zeigen wenn die mal teil 2 Machen würden, zu Snowden.

                                        den seien wir mal ehrlich die 50 Leute die die Stasi aktiv überwachen konnte, da lacht sich die NSA einen ab.

                                        der Film hier ist mittelmass

                                        • 8
                                          MCsebi 03.10.2015, 23:51 Geändert 03.10.2015, 23:51

                                          Wir Deutschen sind gut im Fußball spielen...oder im Autos bauen...Was Filme angeht hapert es da noch ein bisschen weswegen ich deutsche Filme eher meide. Aber dieser hat mich dafür umso mehr beeindruckt! Spannend, gut geschauspielert, komplex und mit einem Ende das auf seine eigene Art und Weise berührt. Noch interessanter ist das ganze wenn man selbst in Deutschland lebt und bedenkt dass die DDR vor vergleichsweise weniger zeit noch existierte. Ich denke dass das im Film Gezeigte durchaus realistisch dargestellt wurde und den richtigen Eindruck der Stasi Arbeit vermittelt.
                                          Also klasse Film!
                                          Hätte nicht gedacht dass ich das mal von einem deutschen Film behaupten kann...

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                                          • 9
                                            Moviegod 06.09.2015, 09:49 Geändert 10.01.2016, 19:02

                                            Selten war ein Oscar so dermaßen verdient, wie für diesen Film. Leider blieb es nur bei einem.
                                            Dabei sind Regie, Drehbuch und vor allem die Leistung von Ulrich Mühe ebenfalls oscar-würdig. Ein ganz großer deutscher Film, für den uns wohl sogar die Amis beneiden.

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                                            • 7 .5
                                              Bornholmer 09.08.2015, 14:05 Geändert 09.08.2015, 18:51

                                              Das Leben der Anderen ist ein sehr guter Film über die Zustände in der damaligen DDR. Die Art und Weise wie die Stasi operierte, wird in diesem Film sehr gut dargestellt. Es gibt ja mehrere Filme, die das Thema aufgreifen, aber anhand dieses Films sieht man einmal wieder, wo der Unterschied zwischen einer ZDF-Fernsehproduktion und einem richtig guten Film wie diesem liegt.

                                              Ulrich Mühe spielt die Rolle des einsamen und verbitterten Stasi-Offiziers Wiesler perfekt. Die Monotonie, die seinen Alltag füllt, bringt er sehr authentisch rüber.
                                              Ich wünschte mir, Deutsche Regisseure würden sich ein Beispiel an solch einem Film nehmen, was den Aufbau, die Besetzung und die Story angeht.
                                              Ein Minuspunkt in meinen Augen ist die Einseitigkeit der Locations. Sicherlich kann dies stilistisches Mittel seitens des Regisseurs sein, wenig Umwelt zu zeigen, jedoch kann ich mir auch gut vorstellen, dass es schwer ist, heute noch Gebäude oder Straßen zu finden, die noch exakt so aussehen wie vor 1989.

                                              Ich empfehle diesen Film jedem Menschen, der bereit ist, einmal genauer zu sehen, wie mit vermeintlichen Regimegegnern in der DDR umgegangen wurde.

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                                                Martin Canine 13.07.2015, 23:37 Geändert 13.07.2015, 23:42

                                                Er bekommt alles mit, was der Künstler unter ihm sagt, tut, empfindet.
                                                Jeden Konflikt, den er mit seiner Frau austrägt, jedes Gespräch mit Freunden, jedes ausgesprochene Geheimnis, jeden Akt der Leidenschaft, jede Geste der Liebe, jeden dahingesagten Gedanken, jede Idee zu einem neuen Werk, jeden verwundbaren Moment, jede glückliche Begegnung und jede niederschmetternde Erfahrung.
                                                Jede politische Äußerung, aber auch jeden privaten Moment, und jeden Vertrauensbruch. Die Wohnung unter ihm wurde zum unfreiwilligen Beichtstuhl für ihn, der in jedem Winkel aufmerksam lauscht, sie ist gläsern, ohne mit den Augen durchsehen zu können. Mit Kopfhörern sitzt er, verborgener als eine Fliege an der Wand, auf einem Stuhl, vor einem Tisch, Stunde um Stunde, und tippt auf seiner Schreibmaschine Wort um Wort, Geräusch um Geräusch, auch Stöhnen um Stöhnen, nieder. Nimmt sein Ziel den Telefonhörer in die Hand, nimmt auch er den Hörer in die Hand, und hört das Leben der Anderen mit.
                                                Er ist das verborgene Ohr in den Wänden. Er ist Gerd Wiesler, und er arbeitet bei der Staatssicherheit.

                                                Der Mann, der sein Leben unwissentlich vor Publikum vorträgt, ist Georg Dreyman, ein intellektueller Theaterautor, dessen Werke in der DDR als durchaus patriotisch und korrekt wahrgenommen werden, und der gerne in seinem Staat lebt. Wohl auch aufgrund seiner Intelligenz und seiner Freundschaft zu diversen kontroversen Künstlern wird er dennoch von den zuständigen Behörden als verdächtig empfunden - und das Dachgeschoss seiner Wohnung zum Abhörraum umfunktioniert. Dreyman lebt mit der Schauspielerin Christa-Maria Sieland zusammen, die jedoch genötigt ist, eine Affaire mit dem Kulturminister einzugehen, um weiter ihren Beruf ausüben zu können. Diese Ausflüge seiner großen Liebe machen das gemeinsame Leben äußerst schwer, auf beiden Seiten. Niemand möchte diese Situation, doch sie belastet stet ihre Beziehung und schwebt wie eine dunkle Regenwolke über den Köpfen der Beiden. Befreundet ist Dreyman unter Anderem mit dem Regisseur Albert Jerska, der bereits seit sieben Jahren keine Stelle mehr bekommt - aber so etwas wie ein Berufsverbot gibt es ja nicht. Hoffen dürfe er, denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Jerska, bereits zuvor introvertiert und abgeschottet, nimmt sich das Leben. Ein Schlag für Dreyman, und ein Impuls, anonym einen sehr riskanten Artikel in Westdeutschland zu veröffentlichen, der die verschleierte Selbstmordrate in seinem Land offenlegt. Sein anderer bester Freund, ein regimekritischer Intellektueller namens Paul Hauser, hilft ihm dabei, mit dem Spiegel in Kontakt zu treten und so heimlich den kontroversen Artikel zu schreiben.

                                                Gerd Wiesler ist ein Mann wie ein Roboter. Er ist kalt, effizient, besitzt keine Familie und lebt für seinen Beruf, in dem er erfolgreich seinen Opfern ohne deren Wissen Informationen entlockt, die sie letztlich zerstören werden. Er macht hierbei nichts anderes, als unsichtbar anwesend zu sein, sie in ihren privatesten und intimsten Momenten ständig zu begleiten. Das funktioniert, weil sich Wiesler distanziert. Er sieht keine Menschen, keine Personen, keine Schicksale, keine Familien. Er hört Stimmen, die Dinge sagen. Er filtert die Informationen, die er braucht, und hat dann seinen Beruf erledigt. Er funktioniert so, wie man ihn haben will, er agiert, wie man von ihm erwartet, zu agieren. Was ihm geschieht, was ihn letztlich verändern wird, ist eine Begegnung, die mit seinem Auftrag nichts zu tun hat. Es ist ein Moment, der die vierte Wand, die zwischen ihm und den Stimmen in seinen Kopfhörern, zerschlagen wird. Ein Kind im Fahrstuhl, welches ihn fröhlich ballspielend und unschuldig fragt, ob er von der Stasi ist, da sein Vater meinte, dass das schlimme Männer sind. "Wie heißt denn dein..." beginnt Wiesler, bevor er sich das Kind noch einmal ansieht. "Mein Was?" "Ball." meint er.
                                                Diese Szene ist das erste Mal, dass der Stasi-Mitarbeiter ein zweites Mal hinsieht, wessen Existenzen er vernichtet, wem er schadet, und wer darunter leiden wird. Er lässt den Vater dieses kleinen Kindes entkommen, was er vermutlich zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht versteht. Doch es sollte diese Begegnung sein, von der sein Hinterfragen an dem System beginnt. Es strahlt aus, es wird sein Denken verändern. Doch all das weiß er noch nicht, als er sich auf den Weg macht, um, wie tagein tagaus, Dreyman zu bespitzeln.

                                                "Das Leben der Anderen" ist das Spielfilmdebüt des deutschen Autorenfilmers Florian Henckel von Donnersmarck, und eine Geschichte über Mitgefühl und Empathie in einem Milieu, welches absolute emotionale Kälte verlangt.
                                                Der Film beschäftigt sich mit Überwachung in einem friedlich-dunklen Kapitel der Geschichte des 20. Jahrhunderts, und damit, wie der unbemerkt über ihnen schwebende Feind zu einem ebenso unbemerkten Schutzengel wird.
                                                Wiesler bekommt Tag für Tag alles aus dem Leben des von ihm Observierten mit, bis er selbst eine starke persönliche Bindung zu ihm entwickelt hat, und nicht zusehen kann, wie sowohl Dreyman als auch Sieland an ihren Problemen zerbrechen.
                                                Der Film beginnt mit einer Stunde, in dem der Stasi-Hauptmann werdenden Beamten die Verhörmethoden beibringt, und dies anhand eines Tonbandes. Die verhörte Person schluchzt und weint, lallt mehr als er spricht - es wurde ihm verboten, einzuschlafen.
                                                Ein Schüler stellt die berechtigte Frage, ob es nicht eine unmenschliche Vorgehensweise wäre. Wiesler kritzelt ein Kreuz auf den Sitzplan der Klasse beim Stuhl des Studenten, und macht die Klasse darauf aufmerksam, dass der Befragte mittlerweile in sich exakt gleich anhörende Phrasen verfallen ist - jemand, der die Wahrheit sagt, würde jedoch in unterschiedlichen Arten formulieren.
                                                Von Donnersmarck bezeichnete die Stasi als Seelenbrecher, womit sie im harten Kontrast zur Gestapo stünde, da diese aus Knochenbrechern bestand. Dies wird klar, als die Stasi beim Einzug in den Dachboden von einer Mieterin beobachtet werden. "Ein Wort und ihre Tochter verliert ihren Studienplatz", so Wiesler. Direkt danach wendet er sich an einen Kollegen: "Lassen Sie ihr für ihre Kooperation ein Präsent zukommen."
                                                Es ist ein Beruf, der einem abverlangt, die Überwachten nicht als Personen zu sehen, nicht als fühlende Individuen, doch was passiert, wenn dieser künstlich erschaffene Abstand zwischen Stimme und Kopfhörer bebrückt wird? Als er Sieland nachgeht, stellt er sich als ein Bewunderer ihrer Schauspielkunst vor und verwickelt er sie in ein Gespräch, dessen Ziel es ist, sie dazu zu bewegen, sich nicht zu unterschätzen sondern sich wieder stark zu fühlen.
                                                Ich glaube, Wiesler begreift selbst am Wenigsten, warum er all das tut; er ist ein Mann, der vermutlich jahrelang ohne Einfühlungsvermögen seine Arbeit gemacht hat. Er weiß nur, dass diese Leute, deren Gespräche, Anrufe, Emotionen er nahezu zur Gänze kennt, beginnen, ihm etwas zu bedeuten. Und auch, dass das nicht geht. Nicht in der Situation, in der sich jetzt alle gerade befinden. Und dass er ihnen dennoch helfen will.

                                                "Das Leben der Anderen" ist einer dieser Filme, die mir mal wieder beweisen, dass ich dieses Medium zurecht liebe. Mit starken Anleihen des Thrillergenres - extrem beeindruckenden Passagen, die es innerhalb dieses ernsten Hintergrundes schaffen, Nägel auf ein Minimum zu reduzieren, wenn man herzklopfend darum bittet, dass alle Figuren mit all ihren waghalsigen Vorhaben letztlich durchkommen - handelt es sich um ein Drama, bei welchem mit jedem Beginn einer neuen Szene unklar ist, welchen Ausgang diese, oder der gesamte Film, nehmen wird. Es ist ein Film über eine harte Zeit, und diese kann - und wird manchmal auch - jeden Moment zuschlagen. Alleine eine kurze Szene, in der ein Stasi-Mitarbeiter einen staatsverhöhnenden reißen will und von einem Vorgesetzten ertappt, jedoch von diesem dazu ermuntert wird, ihn zu Ende zu erzählen, wird zu einem psychologischen Spiel allererster Güte, da wir bis zum Schluss unsicher sind, wie dünn das Eis, auf dem sich diese Nebenfigur bewegt, wirklich ist. Dünnes Eis. Das Leitmotiv des gesamten Filmes, welches in jeder Szene spürbar wird. Dünnes Leid und unerwünschte Empathie.

                                                Handwerklich, schauspielerisch und vor Allem in seiner Botschaft meisterhaft ist "Das Leben der Anderen" das Werk eines geborenen Filmemachers, und ein Zeugnis absoluter Filmkunst, die über den mehr als erfüllten formellen Zweck hinausgeht und sich mit den Figuren und deren Problemen auseinandersetzt, und ein intelligentes und reichhaltiges Werk mit einem Post-Finale für die Ewigkeit erschaffen hat.
                                                Uns geht es dabei ähnlich wie Wiesler: zunächst rechnen wir damit, dass bald einmal etwas Schlimmes passiert, und nähmen es als gegeben hin, doch je näher wir die Figuren kennen lernen, desto mehr wünschen wir ihnen eine schöne Zukunft unter diesen dunklen Umständen.

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                                                  Ulrich Mühe ist zweifellos der Erfolgsgarant dieses Dramas, den ich daher besonders hervorheben möchte. Selbstverständlich agieren die übrigen Darsteller (vor allem Ulrich Tukur und Thomas Thieme) auf einem ansprechenden Level, aber Mühes Performance als Stasi-Hauptmann ist wirklich grandios. Auf Anhieb fällt mir da Bruno Ganz in "Der Untergang" ein - eine völlig andere Rolle und somit auch eine komplett andere Form der schauspielerischen Darbietung, die sich aber ähnlich von den der übrigen Mitwirkenden klar abhebt.

                                                  Stets emotionslos und distanziert wirkend, dabei jedes Wort mit Bedacht ausgesprochen, um das Innere nur nicht preiszugeben - lediglich im leicht angetrunkenen Zustand und des Weiteren in den eigenen sterilen vier Wänden in Gegenwart einer Professionellen, offenbart er einen kurzen Einblick seines Gefühlslebens, welches er ansonsten aus verständlichem Grunde gut behütet. Aber er kann von Berufs wegen auch anders; nämlich dann, wenn er vermeintliche Staatsfeinde verhört. Ähnlich eines Raubtiers, das den passenden Augenblick abwartet, um seine Beute zu erlegen.

                                                  Während sich die erste Filmhälfte noch ein wenig in Zurückhaltung übt, ist hingegen das letzte Drittel wirklich ganz großes deutsches Kino!

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                                                  • 8

                                                    Ganz toller, emotionaler Film. Spannend und klasse geschauspielert.
                                                    Empfehlung!

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