Das Leben der Boheme - Kritik

La Vie de bohème

IT/SE/FR/DE/FI · 1992 · Laufzeit 103 Minuten · FSK 6 · Komödie, Drama · Kinostart
Du
  • Unser Sonntagsfilm als YouTube stream. http://cinegeek.de/featured-movies Aki Kaurismäki ist ein Meister in der Disziplin, ausdrucksloser Komik! Kaurismäkis Helden sind stets mürrisch und bedrückt. Sie sprechen kaum. Oft agieren sie naiv und werden von irgendwelchen gerissenen Typen hereingelegt oder einfach von der Welt an sich, die sie nicht verstehen. Hier ruht Kaurismäkis Humor, geboren aus tiefster Ironie: Das Leben wie wir wünschten - es möge so sein! Und ist das nicht die witzigste Ironie? La Vie de Boheme sieht nicht nur so aus, sondern verhält sich auch ganz danach, als ob eine graue schwere Wolke über uns hängen würde. Ein Schatten über unserer Welt. Diese Wolke folgt uns überall hin, ganz so wie eine Depression. Und doch gibt es auch etwas Herzliches in Kaurismäkis Welt! Es scheint so, als sei die Wolke nicht dick genug, um jeden Sonnenstrahl abzuwehren!

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    • 10

      Wer kann den heiter-melancholischen Boheme-Stoff besser verfilmen als A.K.? (die meines Wissens einzige Verfilmung des großartigen Romans von Henri Murger, der im Gegensatz zur Puccini-Oper leider völlig vergessen ist.)

      • 8 .5

        Ich erwarte vom lakonischen Finnen ganz bestimmt keinen Kitsch und Schmalz, aber "Das Leben der Bohème" ist schon ein sehr melancholischer, manchmal sogar depressiver Film. Kaurismäkis Figuren ertragen immer stoisch ihr Schicksal, dass es meist nicht gut mit ihnen meint und werden dann oftmals doch, mit einem einem kleinen Hoffnungsschimmer belohnt. Die hoffnungsvollen Momente sind hier rar gesät und wenn den 3 "Künstlern" mal etwas glückliches widerfährt, können sie meist nicht richtig damit umgehen.
        "Das Leben der Bohème" ist eine ziemlich traurige Angelegenheit, auch wenn es der typisch, lakonische Humor, bisweilen ganz gut versteckt. Am Ende gibt es dann nicht mehr viel schönzureden, auch wenn das Leben weitergeht, weitergehen muss.
        Grundsätzlich finde ich es schade, wenn ich auf die Stammkraft Kati Outinen verzichten muss, dafür gibt es trotzdem allerhand bekannte Gesichter, die allesamt in ihren Rollen überzeugen. Matti Pellonpää, André Wilms und Kari Väänänen sind als Maler, Schriftsteller und Komponist, erfolglos unterwegs. Dazu gesellen sich dann noch Evelyne Didi, Christine Murillo und Jean-Pierre Léaud in einer sehr kleinen, aber wirklich feinen Rolle.
        Nur sehr wenige Filme von Kaurismäki haben mich mit so einem seltsamen Gefühl zurückgelassen und auch, wenn es jetzt erst einmal nur 8.5 Punkte gibt, bin ich sicher, bei einem weiteren Versuch, geht da noch was.

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        • 8 .5

          Weitaus tragischer als in "I hired a contract killer" werden hier die Themen Liebe und das Leben als Künstler behandelt. In ruhigen schwarz/weiß Bildern wird eine Atmosphäre geschaffen, die trotz des Humorvollen nicht die Probleme der Charaktere und das nahende Ende verdrängen kann. Dabei wird der Film in eine relativ glückliche Zeit und zwei Jahreszeiten eingeteilt, an Akte erinnernd, die dem Geschehen und dem Handeln der Protagonisten vorauseilen. Dabei kann man dieses Werk jedoch nicht als rein pessimistisch sehen, denn es gewinnt vor allem in den Kleinigkeiten und in dem wiederkehrenden Motiv der Freundschaft einiges an Hoffnung. Die Charakter strahlen den ganzen Film über ein Ruhe aus, was wiederum dazu führt, dass der Zuschauer das Geschehene einfacher verarbeiten kann. Vermutlich ist der Film wegen seiner Thematik vor allem für Menschen gedacht, die als Maler, Musiker oder Schriftsteller an den Anforderungen einer Gesellschaft gescheitert sind. So wird in diesem Film auch passend von einem der Künstler gesagt, dass die Oper eine untergehende Kunstform sei. Doch auch hier entlässt Kaurismäki die Zuseher nicht ohne einen Funken Hoffnung, der in der Person des Kunden des Malers sichtbar wird. Ein besonderes Werk des neueren Kinos.

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