Die Grundschullehrerin - Kritik

Primaire / AT: Primary; Elementary

FR · 2016 · Laufzeit 105 Minuten · FSK 0 · Drama · Kinostart
Du
  • 6 .5

    Ein engagierter Lehrer kann zugleich Fluch und Segen für die Schüler sein, vor allem in einem Alter, in dem sie noch leicht manipulier- und formbar sind. Hélène Angel (Der rote Tempelritter) folgt in ihrem französischen Drama der passionierten Grundschullehrerin Florence (Sara Forestier, Vorsicht Sehnsucht), die nicht nur für die Schule, sondern auch in einem kleinen Apartment im Schulgebäude lebt. In ihrem Privatleben hat sie mit verschiedenen Problemen und genau dem Chaos zu kämpfen, das sie im Schulalltag eigentlich vermeiden möchte. Obwohl Florence im Mittelpunkt des Geschehens steht, lässt sich die filmische Parabel nicht die Chance nehmen, eine Vielzahl von verschiedenen Schülern näher zu beleuchten und sei es nur durch wenige Szenen und kürzere Dialoge. Ein vollkommen authentisch wirkendes Klima mit Kindern, die kippeln, quasseln, Quatsch machen und durch besondere Eigenarten glänzen, kurbelt die Geschichte an und es wirkt so, als habe sich das Kamerateam um Hélène Angel einfach ohne Vorwarnung in ein Klassenzimmer gesetzt, um den Schulalltag zu begleiten.

    Als Aufhänger der Geschehnisse dient der vernachlässigte Junge Sacha (Ghillas Bendjoudi), der von seiner Mutter mehr als eine Woche allein gelassen wird. Florence nimmt sich gezwungenermaßen seiner an und ein Spannungsverhältnis entsteht zwischen Sacha und Florences Sohn Denis (Albert Cousi). Dabei gibt es interessante Parallelen zwischen den beiden Kindern, die im späteren Verlauf die Spannungskurve bestimmen, denn auch ihre Gefühle können komplex sein. Sacha einerseits ist der Willkür seiner Mutter ausgesetzt, die sich lieber alleine vergnügt, als auf ihn aufzupassen; Denis hingegen fühlt sich durch seine oft abwesende und nie vollkommen vom Beruf losgelöste Mutter vernachlässigt und plant seinem Vater auf eine längere Reise ins Ausland zu folgen.

    Die Grundschullehrerin zeichnet vollkommen ehrlich das Porträt einer Lehrerin, die sich zwischen Profession und Privatleben entscheiden muss und erst gegen Ende den Spagat zwischen beidem meistert. Die vielen Charaktere mit ihren Schicksalen kommen dabei leider im Verlauf zu kurz und auch die Geschichte nimmt ein paar kitschige Schlenker, die so nicht hätten sein müssen und eher die Nerven von Cineasten auf die Zerreißprobe stellen. Zeitgleich mit ihren Schützlingen durchläuft auch Florence eine Entwicklung – während die Schüler zum Abschluss der letzten Klasse der Grundschule ein Theaterstück über Götter auf die Beine stellen, die die Menschen formen, durchlebt sie einen Prozess, in dem nicht sie die Kinder durch ihre pädagogischen Talente formt, sondern auch etwas von ihnen lernt und auf ihr eigenes Leben projiziert. Unterstützung bekommt sie dabei von Sachas vorläufigem Ziehvater Mathieu (Vincent Elbaz, The Assault), der ihr auch wieder den Glauben an romantische zwischenmenschliche Beziehungen schenkt. Das Finale fühlt sich rund, aber einen Tick zu gewollt an und quetscht den gesamten Film in die Sparte der Feel-Good-Kandidaten.

    Der Stil der Kameraführung und auch der Schnitt passen sich derweil nahtlos an die ungeschönte Natur der Erzählweise an und die Musik von Philippe Miller versetzt den Zuschauer in ein atmosphärisches Frankreich. Der große Pluspunkt des Films sind die Schauspieler, sei es Sara Forestier, Vincent Elbaz oder auch Albert Cousi als Jungschauspieler – jeder der dutzend Schauspieler hat es verdient, besonders hervorgehoben zu werden, denn sie schenken dem Filmstoff Leben und einen Charme, dem man sich nicht entziehen kann.

    2
    • 7

      Die Grundschullehrerin ist eine Hymne für alle engagierten Lehrer, die nicht perfekt sein mögen, aber mit großem Engagement ihren besten Job machen. [Günter H. Jekubzik]

      • 6 .5

        Regisseurin Hélène Angel schafft es, einen Film auf die Leinwand zu bringen, der gleichzeitig berührt und aufklärt. [Sarah Schindler]

        • 6

          Es ist eine Geschichte wie im Lehrbuch, die von der französischen Regisseurin Hélène Angel in Die Grundschullehrerin erzählt wird. Eine Alltagsheldin versucht mit aller Kraft, den Menschen in ihrem Umfeld zu helfen. Eben dieses Aufbäumen, Straucheln, Kämpfen und Fallen der Hauptfigur haucht dem ansonsten konventionell gestrickten Film aber viel Leben ein. [Marguerite Seidel]

          • 7

            Der Film ist eine sensible und erzählfreudige Annäherung an die vielfältigen Ereignisse und Beziehungen, die sich in den Räumen von Schulen ereignen und es gelingt ihm berührend, lustig und fein, mit Klischees spielend, von diesem merkwürdigen Menschenschlag der Lehrer zu erzählen. Mit der Grundschullehrerin ist endlich wieder ein feinsinniger Film über die Schule gedreht worden, über Lehrer und über Schüler. [Simon Probst]

            • 8

              Alltag an einer Grundschule in Grenoble; ohne es zu bemerken steuert die überaus engagierte Lehrerin Florence Mautret, in deren Berufs- wie Privatleben es drunter und drüber geht, auf einen Erschöpfungszusammenbruch zu. Der quirlige und dabei doch konzentriert verdichtete Film bietet Einblicke in einen schulischen Alltag ohne oberlehrerhaft aufzutrumpfen. Ein ungeschöntes Porträt einer schönen Profession. [Alexandra Seitz]

              • 7

                Ein bisschen schmunzeln und viel fürs Herz: „Die Grundschullehrerin“ nimmt uns mit in den beruflichen und privaten Alltag der Titelfigur und lässt uns an ihren Sorgen und Nöten teilhaben. Das ist an manchen Stellen etwas zu schnell erzählt, bekommt nicht alle gewünschten Themen richtig unter. Insgesamt ist das Drama aber sehenswert und nicht zuletzt wegen der Darsteller auch sehr authentisch.

                • 7

                  Besonders schön an der turbulenten Dramödie übers Lehren und Lernen ist die positive Energie, die direkt von der Leinwand ins Publikum strömt. Dabei geht es nur auf den ersten Blick um Kinder und Schule - tatsächlich handelt der Film eher vom Beruf als Berufung. [Gaby Sikorski]