American Gods löst zum Staffelfinale eines der größten Rätsel auf

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"I'd be lost without my blogger." Ich blogge zwar nicht für Sherlock, aber immer gerne für euch ;)

Sanft klimpern die Gitarrenklänge von Cat Stevens' Moon Shadow durch den Hinterkopf, sobald der Titel zum Finale der 2. Staffel American Gods auf dem Bildschirm erscheint. Genauso heißt nämlich auch diese 8. Episode. Doch so friedlich wie der Song ist das Staffelfinale nicht.

Zugegeben, es ist auch nicht übermäßig spektakulär. Doch dafür kriecht uns beim Zusehen ein seltsames Unbehagen über die Haut. Moon Shadow steht im Zeichen der Angst, denn wir lernen Mr. Worlds effektivste Waffe von allen kennen. Das zweite Schlüsselwort dieser Episode lautet Erkenntnis. Endlich erfahren wir die Wahrheit über Shadow Moon.

Mr. World verbreitet Angst und Schrecken und sieht uns dabei in die Augen

Am Anfang stand die Panik. Moon Shadow eröffnet mit einer Erinnerung an die beeindruckenden Auswirkungen, die ein harmloses Science-Fiction-Hörspiel 1938 auf die amerikanische Bevölkerung hatte. Mr. World (Crispin Glover) erinnert sich beinahe erregt an die Massenpaniken, die die Radio-Adaption von Krieg der Welten damals auslöste.

Mr. World spricht über die Macht, die eine einfache Emotion über uns hat und zeigt, was ihn von anderen Göttern unterscheidet. Er will nicht verehrt werden. Er will gefürchtet werden.

Plötzlich fokussiert sich Worlds Blick und er spricht nicht mehr ins Off. Er spricht uns an. Ganz direkt und so eindringlich, dass sich uns sämtliche verfügbaren Nackenhaare aufstellen. Wir lieben sie doch, die Angst, spuckt er uns vor die Füße. Wir geben unser hart verdientes Geld aus, um im Kinosessel unter purem Stress zu stehen. Wir selbst haben die Furcht - nein, das, was wir fürchten - zum Gott erhoben. Angst schafft Götterkraft.

If it's real in your head, it's real in the world.

Angst wird Mr. Worlds Waffe sein. Gemeinsam mit New Media (Kahyun Kim) schürt er über sämtliche Medienkanäle Massenpaniken im ganzen Land, inspiriert von 1938. Obendrein füttert er die Behörden gewissermaßen mit Fake News und stellt Shadow, Odin und sogar Salim an den Pranger für Taten, die sie nie begangen haben. Die Angst lässt die Lügen Realität werden.

Ein wenig zu spät für Ostern: Die Auferstehung eines Gottes

Die erste Erkenntnis der Episode ist, was es mit dem von Mr. World und New Media angekündigten Launch Day auf sich hat. Daran arbeitet TechBoys "Alter Freund" fieberhaft, begleitet vom Ticken seiner Metronomen. Solange, bis plötzlich eine ätherische Hand sie zum Schweigen bringt. Da steht er, frisch erschaffen, rein, weiß und stromlinienförmig wie ein von Apple designter Engel: Technical Boy. Version 2.0.

Technical Boy sieht endlich aus wie ein Gott der Moderne. Er verhält sich auch so, und er macht seinem Schöpfer zugleich klar, wie leicht ihm seine Schöpfung entgleiten kann. In einem genialen Austausch lässt TechBoy 2.0 (Bruce Langley) plötzlich all die leeren Phrasen über Gottstatus, über Fehlbarkeit und Dienerschaft, die der alte, rotzige TechBoy so gerne vom Stapel ließ, Realität werden.

New TechBoy teilt sich auf, schließlich ist unsere moderne Technik immer und überall, und nimmt seinen Platz neben Mr. World ein. Dem stehen vor Glück Tränen in den Augen.

Die Wahrheit über Shadow Moon oder: Gutes Fore-Shadow-ing zahlt sich aus

Anmerkung der Autorin: Ich verspreche, dass ich dieses dämliche Wortspiel hiermit zum letzten Mal gebraucht habe.

Shadow (Ricky Whittle) öffnet in "seiner" Folge zum ersten Mal die Augen und sieht. Endlich zieht er Verbindungslinien zwischen Runen auf einem Armband und Runen in Baumrinde, zwischen den Händen, die ihm einst seine Glücksmünze überreichten und den Händen, denen er in den letzten Monaten so oft die Drecksarbeit abgenommen hat.

Vor dem letzten geistigen Durchbruch muss Shadow jedoch erst einmal fliehen. Als das SEK vorfährt, bleibt nur noch die Flucht über den Garten. Doch da gibt es jemanden, der Shadow nicht gehen lassen will, ehe er endlich alle Puzzleteile ordentlich und fein säuberlich zusammengesetzt hat. Yggdrasil zerrt Shadow ins Innere des Weltenbaums.

Shadows Vergangenheit, die Altbekannte mit seiner Mutter und die Neue mit Odin, bricht über ihn herein. Vor Ewigkeiten dahingesagte Bemerkungen Odins ergeben plötzlich Sinn. Mutters Hinweis, er sei ANDERS als die anderen, ist mit einem Schlag mehr als eine Anspielung auf Hautfarben. Shadow versteht. Shadow weiß.

Die Wahrheit entfesselt Shadows Kraft, mit dem Glauben buchstäblich Berge zu versetzen (oder in diesem Fall Polizisten). Er glaubt sich seine Realität zurecht, wie es ihm passt. Denn er ist nicht Shadow Moon.

Er ist Shadow Odinssohn.

Das Feld teilt sich und neue Handlungsstränge warten schon

So spaltet sich die Kerngruppe und verlässt Cairo. Neue Abenteuer warten mit Sicherheit in der bereits bestätigten 3. Staffel American Gods.

Laura zieht aus, einem Gott das Fürchten zu lehren, und nimmt ihren toten Liebhaber gleich als Handgepäck mit. Mr. Nancy nimmt seinen Hut und geht, Bilquis verabschiedet sich mit einer Segnung Shadows, der Ifrit und Salim folgen Odin. Währenddessen macht sich Shadow als buchstäblich neuer Mensch (die Realität verbiegen zu können, ist schon praktisch) auf den Weg ins Ungewisse.

Mr. World beschränkt sich in seiner letzten Szene auf ein einziges Wort als abschließendes Amen: "Chaos." Das hat er wahrlich gestiftet, wie es in seiner Natur liegt. Chaos. Ein bedeutungsschwangeres Wort für die Zukunft.

Die Gewinner des Staffelfinales

Shadow Moon: Weiß endlich, wer er ist und geht seinen eigenen Weg.

Mr. World: Ist so gruselig wie nie zuvor.

Mr. Ibis: Stiehlt mit seinen sarkastischen Kommentaren allen die Schau.

TechBoy 2.0: Bringt eine völlig neue Energie mit, die neugierig auf Staffel 3 macht.

Bruce Langleys Wangenknochen: Wirken im Schein der Bildschirme geradezu überirdisch.


Die Verlierer des Staffelfinales

Shadow Moon: Hätte eigentlich früher kapieren müssen, was los ist und sich außerdem früher wehren müssen. Seine Behäbigkeit macht das Ende nicht ganz so befriedigend, wie wir es verdient hätten.

Die Spannung: Bleibt unterschwellig, was mal mehr, mal weniger gut funktioniert.

Der Schnitt: Zerlegt eine dramatische Szene im Herzen des Weltenbaumes in hässliche Schnipsel.

Göttliches und Gottloses am Rande:

  • "Science is the closest we come to wrestling god." "Why would you want to wrestle god?"
  • Mr. Ibis' Ratschlag zum Thema Nachrichten ist der wohl beste, den man heutzutage kriegen kann.
  • Salim glaubt weiterhin stur an die wahre Liebe, was süß ist und prompt belohnt wird.

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