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TV-Kritik

Bauerndrama mit Christine Neubauer

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04.01.2011 - 07:00 Uhr
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Felix ist anders als andere Kinder
© ARD Foto
Felix ist anders als andere Kinder
Leider wirkte der erste Teil des ARD-Dramas Der kalte Himmel mit Christine Neubauer noch wie ein lauwarmer Aufguss zu Teil 2. Was meint ihr?

Was Christine Neubauer (Die Landärztin) immerfort auf den besten Sendeplätzen der Öffentlich-Rechtlichen verloren hat, könnte man sich jedes Mal fragen, wenn wieder ein Neubauer-Fernsehevent ausgestrahlt wird. Für den gestrigen Auftakt des Zweiteilers Der kalte Himmel schien sie dennoch die Idealbesetzung: Als bäuerliche Mutter eines autistischen Jungen in der bayrischen Provinz der 60er Jahre überzeugte Neubauer durchaus. Dass der Streifen dennoch ziemlich langatmig daherkam, lag eindeutig am Drehbuch, welches von Autorin Andrea Stoll und TV-Spitzenproduzent Nico Hofmann anscheinend auf zwei Teile gestreckt werden musste, um den noch verkaterten Zuschauer in der Woche nach Neujahr zu unterhalten.

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Zugute gehalten muss den Machern, dass für diesen Zweiteiler kein Stromausfall, keine Schneelawine und kein Vulkanausbruch gewählt wurde, sondern eine wahrlich schwierigere, weil stillere Katastrophe: Im Bayern der 60er Jahre hat ein Bauernehepaar einen autistischen Sohn (bzw. einen Sohn mit autistischen Zügen). Felix (hervorragend und authentisch gespielt von den Zwillingen Eric und Marc Hermann) stößt in seinem Umfeld fast ausschliesslich auf Ablehnung: Die Großmutter inszeniert einen Exorzismus, der Vater will ihn auf die Sonderschule abschieben und die anderen Dorfbewohner halten Felix für einen Depp. Nur Mutter Marie glaubt an Felix und versucht ihm zu helfen. Unvorstellbar für damalige Zeiten reist sie zunächst nach München und rettet ihn dort dann doch aus den Fuchteln der Ärzte, die Felix als Schizophreniekranken in Horsälen vorführen. Weil nur ein Arzt verstehen will, worunter Felix leidet, reist Marie schliesslich nach Berlin.

Leider bricht hier Teil eins ab, sodass der wirklich erlebenswerte Handlungsteil wohl in den weiteren 90 Minuten stattfinden wird. So wirkte der gesamte erste Teil wie ein lauwarmer Auftakt für den zweiten Teil, dessen Länge man gut und gerne in einem Drittel der Zeit hätte erzählen können. Merkwürdigerweise blieben Szenen, die deutlich offensiver hätten ausfallen können – so die Teufelsaustreibung – dabei blass, während mehr Erzählzeit auf die Verschuldung des Hopfenbauers (Marcus Mittermeier) verlegt wurde. Ein langweiliger Nebenplot, den man sich in dieser Länge hätte sparen sollen. Und auch wenn die Rolle des Felix und der Marie wirklich gut interpretiert wurden: Die Thematik des aus der Gesellschaft ausgegrenzten Außenseiters wurde wahrlich schon besser in Film und Fernsehen umgesetzt als im gestrigen Der kalte Himmel. Neuartig waren in Der kalte Himmel das Setting in den 60er Jahren in Bayern. Doch wer sich im Bayrischen kaum heimelig fühlt, dürfte sich in Teil 1 von Der kalte Himmel fehl am Platze gefühlt haben.

Es bleibt zu hoffen, dass Teil 2 sich stärker der Thematik Autismus zuwendet sowie eindringlicher das Dilemma von Eltern darstellt, die ihr geliebtes Kind gutgläubig in die Hände von Ärzten geben, die ihrem Beruf keine Ehre machen. Gerade die Falschdiagnose als Resultat einer ungenügend entwickelten Medizin hätte im ersten Teil des Dramas deutlich stärker herausgearbeitet werden müssen.

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