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Big Data und die Vorhersage von Kinoerfolgen

Hätte der Erfolg von Skyfall mit Hilfe von Wikipedia vorhergesagt werden können?
© Sony
Hätte der Erfolg von Skyfall mit Hilfe von Wikipedia vorhergesagt werden können?

Was wäre, wenn der Erfolg von Filmen an den Kinokassen vorhergesagt werden könnte, wenn Studios dementsprechend ihr Marketing-Budget verteilen könnten? Was wäre, wenn wir die Basis für diese Vorhersage liefern würden? Eine ungarische Studie hat die Aktivität auf Wikipedia-Seiten von Filmen mit dem Erfolg derselben an der amerikanischen Kinokasse verglichen und stellt eben jene Fragen. Sie reiht sich ein in Versuche, aus dem gigantischen Datensalat, der sekündlich ins Internet geschossen wird, Schlussfolgerungen über das Verhalten von Kinogängern zu ziehen.

Wie die Huffington Post berichtet, haben drei ungarische Forscher in einer Studie (pdf) untersucht, ob von der Aktivität auf den Wikipedia-Seiten von Filmen deren Erfolg an der Kinokasse abgelesen werden kann. Als Basis für die Forscher dienten 312 Filme, die 2010 in den USA veröffentlicht wurden, sowie deren Daten bei Wikipedia und dem Anbieter Box Office Mojo. Von letzterem wird die Anzahl der Kinos genutzt, in welchen ein Film anläuft. Über die Wikimedia Foundation kamen die Forscher an vier weitere Kennzahlen:

1. Die Anzahl der User, die die Filmseite vor Veröffentlichung des Films editierten.
2. Die Anzahl der Bearbeitungen der Seite.
3. Die Anzahl der Aufrufe der Filmseite.
4. Die “kollaborative Präzision” auf der Seite, also die Anzahl der Bearbeitungen, wenn man mehrere folgende Bearbeitungen desselben Users als eine begreift.

Diese Ausgangsdaten wurden dann mit dem Einspielergebnis der Filme an ihrem Startwochenende verglichen. So heißt es von den Forschern: “Wir zeigen, dass die Popularität eines Film durchaus im Vorfeld mit Hilfe der Messung und Analyse des Aktivitätsgrades der Bearbeiter und Besucher der passenden Filmeinträge bei Wikipedia vorhergesagt werden kann.” (MIT Technology Review) Der Erfolg an der Kinokasse könne laut Studie mit einer Genauigkeit von 77 Prozent vorhergesagt werden. Bei den richtig großen Blockbustern beträgt die Genauigkeit gar 90 Prozent. Probleme habe der Algorithmus hingegen mit kleineren Filmen, da er zwischen mittleren Erfolgen und Flops nicht unterscheiden könne. Außerdem können wir kaum von Vorhersagen sprechen, wenn auf Daten bereits gestarteter Filme zurückgegriffen wird.

Das Anliegen der ungarischen Forscher mag eine beispielhafte Analyse von Social Media-Daten für soziologische Fragestellungen gewesen sein (Guardian). Von Interesse sind die Ergebnisse vor allem für die großen Studios in Hollywood. Wäre es nicht ein Traum, bereits einen Monat vor dem Starttermin das Einspielergebnis vorhersagen zu können und anschließend an Hand der gewonnenen Daten den Einsatz der Marketing-Investitionen zu justieren? Mag die Studie die Industrie auch nicht revolutionieren, so ist sie ein weiterer Versuch, etwas Ordnung in die immensen Datenmengen im Netz bringen.

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Moviepilot Team
the gaffer Jenny Jecke
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.
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