Deutschlands Lieblingskino 2018

Das Kino braucht mehr Sitzenbleiber ... beim Abspann

Der König der Löwen 3 + 1
© Disney
Der König der Löwen 3 + 1
11.10.2018 - 08:00 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Ich gehöre zu den Menschen, die im Kino beim Abspann bis zum Ende sitzen bleiben. Erst wenn die Lichter wieder angehen, darf der Kinosessel von mir verlassen werden und das aus gutem Grund.

Im Rahmen unserer größten moviepilot-Aktion Deutschlands Lieblingskino 2018, wo ihr nur noch heute (!) euer #lieblingskino2018 wählen und gewinnen könnt, habe ich mir Gedanken über mein Verhalten während eines Kinobesuchs gemacht. Ich stellte fest, dass es für mich fest zum Kinogenuss dazugehört, bis zum Ende des Abspanns sitzenzubleiben. Zu Hause im heimischen Wohnzimmer gehe ich dieser Angewohnheit komischerweise längst nicht so stur nach, aber im Kino gehört das Ausharren während der Credits definitiv dazu. Meine gern gesehene Kino-Begleitungen habe ich mittlerweile auch schon so weit erzogen, dass sie mit mir zusammen sitzenbleiben oder zur Not - wenn sie über unruhige Gemüter oder kleine Blasen verfügen - eben draußen auf mich warten. Doch aus meinem Kinosessel bekommt mich vor Ende des Abspanns so leicht keiner heraus.

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Ich gehören zu den Kino-Genussmenschen (man könnte auch sagen: Pedanten) über deren Köpfen sich eine kleine Wut-Rauchsäule bildet, wenn in der Reihe vor mir jemand im Dunkel seinen Handybildschirm aufleuchten lässt oder ein anderer denkt, während des Films lange Gespräche mit seinem Nachbarn führen zu müssen. Insofern ist es wohl nicht verwunderlich, dass es bei mir unbedingt dazugehört, einen Kinofilm bis zum Ende "auszusitzen" - also so lange im Kinosaal zu verharren, bis auch der letzte Name des kleinsten Caterer-Assistenten über die Leinwand gerollt ist und die Lichter wieder angehen.

Ein gutes Kino zeichnet sich deshalb für mich nicht zuletzt auch dadurch als solches aus, dass die Saalbeleuchtung nicht schon beim Einsetzen des Abspanns wieder eingeschaltet wird. Wer die Geduld des Dableibens nicht hat, der kann sich gerne im Dunkeln nach draußen stehlen. So bleibe ich am Ende zumindest mit gleichgesinnten Abspann-Genießern zurück. Ich weiß nicht, welche Beweggründe die anderen habe, aber für mich hat das Bleiben bis zum Schluss mehrere Gründe:

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1. Der Abspann im Kino als Zeit des Ausklangs

Ob ich im Kino nun gerade einen spannenden, gruseligen, actionreichen, romantischen, berührenden, traurigen, langweiligen oder (mich) aufregenden Film gesehen haben - das Ergebnis ist das gleiche: Der Abspann ist für mich eine Möglichkeit, das Geschaute in aller Ruhe ausklingen und den Film noch einmal Revue passieren zu lassen. Meist begleitet von Musik und einer hypnotisch vorbeipilgernden Säule an Worten eignet sich das Dunkel perfekt, um die Gedanken, die vorher noch mit der ständigen Verarbeitung der stetig neuen Bilder beschäftigt waren, schweifen zu lassen. Gerade noch unklare Zusammenhänge können sich so zusammenfügen und die Emotionen sich langsam legen.

Gewissermaßen wird der Abspann damit zu einer cineastischen Meditation, die einen Kinobesuch auf würdige Weise beendet. Es findet hier ein vorsichtiger Abkühlungsprozess statt, bevor der nach dem direkten Ende der Handlung möglicherweise noch völlig aufgekratzte und gefühlsrohe Zuschauer wieder auf die Straße entlassen wird.

2. Im Abspann auf Entdeckungstour gehen

Zugleich hat ein Filmabspann im Kino natürlich auch einen großen Mehrwert für Entdeckerfreudige: Gerade in Zeiten von Marvel und Co. verstecken sich für Geduldige nach dem Abspann immer wieder Post-Credit-Szenen (oder auch Einschübe zwischendurch), die zu erheitern wissen oder zum Rätselraten anregen.

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Außerdem kann der Abspann an sich als Kunstwerk betrachtet werden: Bei Harry Potter und der Gefangene von Askaban schaue ich mir zum Beispiel grundsätzlich auch beim x-ten Mal immer wieder die verspielte Abspannsequenz auf der Karte des Rumtreibers an. Manchmal überraschen mich Credits, indem sie mein Sehverhalten brechen, weil sie von oben nach unten laufen. Anderswo werden sie wiederum in die Handlung integriert, wenn sie sich zum Geschicklichkeits-Spiel für gewisse Pixar-Fische aufschwingen.

Außerdem lassen sich zu Scherzen aufgelegte Filmemacher in ihren herunterlaufenden Credits immer wieder zu versteckten Easter Eggs und Witzen hinreißen, etwa, wenn im Abspann von Die Eiskönigin erklärt wird, dass Kristoffs Ansichten zum Popel-Essen allein seine Meinung und nicht etwa die von Disney sind. RoboCop droht gar all denen eine Verfolgung durch Kampf-Droiden an, die den Film illegal kopieren und verbreiten würden, während Guardians of the Galaxy hervorhebt, dass keine Waschbären und wandelnden Bäume beim Dreh verletzt worden seien. Damit ist ein Abspann längst nicht immer nur eine langweilige und immergleiche Auflistung aller Beteiligten, sondern hat durchaus auch einen eigenen Unterhaltungswert.

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3. Der Abspann als Lehrmeister

Zuletzt ist außerdem das in einem Abspann versteckte Wissen nicht zu unterschätzen. Hier kann der interessierte Zuschauer sofort filmrelevante Informationen nachschlagen, etwa wie der tolle Nebendarsteller hieß, dessen Name einem während des Schauens partout nicht einfallen wollte, oder wie der Titel des genialen Songs lautet, der jetzt ab sofort rauf und runter gehört werden will.

Spaß habe ich auch immer beim Überfliegen der skurrilsten Namen oder häufig auch beigefügten Spitznamen der Crew-Mitglieder, die ein Abspann so führt. Für uninspirierte werdende Eltern ohne Namensidee für ihr Kind ist der Abspann sicherlich eine wahre Fundgrube. Außerdem brachte für mich schon manche Danksagung eines Regisseurs ganz am Ende der Credits einen interessanten Aha-Effekt als Querverbindung mit sich, wenn sich dort andere berühmte Namen wiederfanden.

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Zuletzt ist außerdem noch das "Lernen durch Wiederholung" beim Abspann-Lesen hervorzuheben. Denn nachdem in fast jedem englischen Film eine Anzahl wiedererkennbarer, aber unbekannter Film-Berufe in den Credits vorbeigelaufen waren, raffte ich mich irgendwann doch auf, diese nachzuschlagen, um mein eigenes Wissen zu erweitern. Durch den Abspann zur Weiterbildung inspiriert weiß ich nun, dass der "Boom Operator" nicht die Explosionen auslöst, sondern das lange Mikrophon hält und "Best Boy" und "Gaffer" keinesfalls ein junger Trauzeuge und ein glotzender Voyeur sind, sondern etwas mit dem Licht und der Elektrik beim Film zu tun haben.

In diesem Sinne bleibt am Ende, bevor das Licht wieder angeht nur noch zu sagen: ein Hoch auf dem Kino-Abspann und alle Sitzenbleiber!

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