Das Megaprojekt Avatar 2, 3, 4 und 5 fordert das Kino heraus

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© 20th Century Fox
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Hält sich jung mit Coming-of-Age-Filmen.

Es ist vielleicht das spannendste Kinoprojekt des Jahrzehnts. In einem saftiggrünen Ort auf der Welt werden gerade vier Avatar-Filme gedreht, gleichzeitig und in dem besten 3D aller Zeiten. Letzte Woche trat Regisseur James Cameron aus einem der gigantischen Becken vor diese Welt und fasste zusammen, worauf es bei Avatar 2 bis 5 ankommen wird: "Avatar 2, 3, 4, and 5 werden alle in 3D sein und sie werden prächtig aussehen." Der Anteil des 3D-Hypes am gigantischen Erfolg von Avatar - Aufbruch nach Pandora wurde im Rückblick gegen Avatar gewendet. Nach dem Motto: 3D und ansonsten viel heiße, blaue Luft. Avatar-Regisseur James Cameron weiß am besten, wie wichtig 3D für den Erfolg war. Er weiß aber auch, dass man mit der unbequemen Brille lieber auf auf einen schwebenden Garten Eden blickt als auf den Leipziger Flughafen.

Avatar 2 - Das Kino für Kinoverdrossene

Avatar bot dem ermüdeten Blockbuster-Publikum eine Welt, die sich optimal durch die 3D-Brille erfahren ließ. Das detailreich am Computer entworfene Pandora wurde schöner durch 3D, die Vertiefung des Bildes erweckte den Eindruck, Zuschauer müssten nur die Hand ausstrecken, um eine der sensiblen Blumen zu pflücken. Avatar war die Droge, könnte man sagen, und die 3D-Brille die Pfeife, über die sie sich inhalieren ließ. Ich war in zwei Avatar-Vorstellungen und die Zuschauer wirkten danach tatsächlich irgendwie high, auf eine dumpfe, entrückte Art glücklich. Den Film hatten sie später vielleicht vergessen, das Avatar-Gefühl aber nicht. Das Avatar-Erlebnis ließe sich am ehesten noch mit einem Freizeitparkbesuch vergleichen, weshalb ein solcher bereits existiert.

Der 3D-Hype ist seit Avatar 1 abgeflaut

Der Technik-Fan Cameron will den Avatar-Fans diesen Rausch bis 2025 vier weitere Male ermöglichen, mit Avatar 2 bis 5. Aber 3D als Speerspitze des modernen Blockbusterkinos ist abgestumpft. IMAX stellte bei seinen Kunden in den USA vor einem Jahr "eine klare Präferenz" für 2D-Filme fest, schreibt der Hollywood Reporter. In Deutschland ist 3D noch immer etwas beliebter, aber der Trend geht auch bei Blockbustern eher zur herkömmlichen Vorstellung. James Cameron will den 3D-Speer wieder schärfen und als Pheromon nutzen, das selbst Kinoverdrossene vom gemütlichen Sofa und dem Netflix-Endgerät fort und in die fernen Kinosäle lockt.

Mit besserem, schönerem 3D soll das funktionieren und revolutionärer Technik, die der Zuschauer sich sogar komfortabler zuführen können soll. Avatar 2 werde der erste 3D-Film, den wir ohne 3D-Brille schauen können, so das kühne Versprechen.

Der Zuschauer soll wissen, dass sich allein zum Bestaunen der 3D-Welten in Avatar 2 bis 5 das Lösen der Kinokarte lohnt. Die neuen Avatar-Filme sollen ein Erlebnis werden, dafür geißelt sich Cameron selbst ...

[Die Filme] sind die Essenz meiner Fähigkeiten, das beste 3D, das sich erschaffen lässt.

... und die Leute von Dolby Cinema, mit denen er eine neuartige, verbesserte Projektion ausarbeitet, wie The Playlist schreibt. Eine höhere Lichtdichte (Einheit: Foot-Lambert) soll so möglich sein. Das heißt, mehr Licht soll von der Leinwand reflektiert werden, also auch mehr Details für das menschliche Auge sichtbar sein. Normal sind bei 3D-Projektionen drei Foot-Lamberts, so Cameron. Für Avatar 2 sollen bereits 16 Foot-Lamberts möglich sein, "was revolutionär ist." Aber Cameron findet, "so sollten Filme nun mal aussehen."

James Camerons 3D-Liebe macht ihn blind

Ihm liegt viel daran, die Schönheit und das Revolutionäre des (seines) 3D-Formats in den Mittelpunkt zu rücken, in dem Avatar 2 sich genießen, nein, erfahren lassen wird. James Cameron schwärmt für die Technik, er ist geradezu verliebt in sie. Deshalb verachtet er auch Studiobosse, die 3D vor allem dafür nutzen, ihre Filme teurer zu verkaufen, wie er 2012 bei der Premiere von Titanic 3D sagte. Die Welt "hinter" dem 3D-Effekt zu erschaffen, sei ein schöpferischer Vorgang, den ein Regisseur sorgfältig betreuen müsse.

Für die Umsetzung der Avatar-Welten hinter dem 3D-Schleier ist Weta Digital zuständig. Die neuseeländische Firma fertigte schon die zum Sterben schönen Welten von Valerian - Die Stadt der tausend Planeten, Guardians of the Galaxy Vol. 2 und The Jungle Book. Aus Weta will Cameron noch das letzte Tröpfchen Brillanz und Innovation herauspressen:

Was Joe Letteri und Weta Digital zu diesen Geschichten beitragen, ist von unschätzbarem Wert. Seit wir Avatar gemacht haben, hat Weta bewiesen, dass sie die besten CG-Animationen, die menschlichsten, lebendigsten, die fotorealistischsten Effekte der Welt kreieren können. Und das bedeutet, dass ich noch viel mehr von ihnen verlangen kann.

Ist das Kino überhaupt bereit für Avatar 2?

Auch für Abyss und später bei Terminator 2 wartete James Cameron, bis die technischen Voraussetzungen für seine Filme geschaffen waren. Was nicht bedeutet, dass die Technik die Filme legitimiert. Bei Avatar jedoch erweckt Cameron selbst diesen Eindruck. Avatar 2 bis 5 sind Experimentierfelder für großes Film- und Effekte-Denken. Dass die Geschichte und die Charaktere ihn nicht groß kümmern, sehen wir auch daran, dass tote Figuren mir nichts, dir nichts wiederbelebt werden. Einen Film über seinen Look zu bewerben, ist ein erfrischendes Gegengewicht zu den Plot-Säcken aus dem MCU, das nur so nebenbei.

Man könnte aber auch sagen, Cameron setzt das 1 Milliarde-Budget für vier angekündigte Avatar-Fortsetzungen allein auf eine Technik, die noch nicht erprobt wurde, geschweige denn von allen Kinos getragen werden kann. Denn die Möglichkeit zur Umsetzung muss erst in den Kinosälen ankommen, wie Cameron selber zugibt: "Wir müssen diese Laser-Projektions-Systeme in die Kinos bringen, damit wir das 3D vollständig durch die Brillen genießen können. Dann müssen wir autostereoskopische Leinwände verbreiten - für große, unterteilte Displays, wo man die Brillen überhaupt nicht braucht."

An James Camerons Vorstellungen von 3D muss also nicht nur Avatar 2 bis 5 wachsen, sondern die ganze (Kino)Welt. Und es bliebe noch ein weiteres Risiko.

Wird Avatars Supertechnik von der Zeit überholt?

Wer weiß, ob bis 2025 das Kino nicht von einem anderen James Cameron revolutioniert wurde? Oder ob es das Kino in seiner jetzigen Form und Anziehungskraft dann überhaupt noch gibt und wir das alles nicht viel besser und intensiver durch effizientere, optische Werkzeuge, etwa VR-Brillen, erleben können? So toll ein Film wie Avatar in einer 3D-Vorstellung aussieht, umso besser eignet er sich für ein ein 180°-Blickfeld umspannendes Virtual-Reality-Erlebnis. Beliebter wäre nur Pornografie. Das kann alles passieren. Genauso aber kann James Cameron mit seinem wunderbar verrückten Avatar-Wagnis das Kino ein weiteres Mal durchschütteln.

Glaubt ihr an den Erfolg von Avatar 2 bis 5?

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