Die Filmanalyse zu 300 - Rise of an Empire

Definitiv kein faschistischer Film

Die Filmanalyse zu 300 - Rise of an Empire
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Die Filmanalyse zu 300 - Rise of an Empire

Mit 300: Rise Of An Empire, der Comic-Saga zweiter Teil, ist die Debatte wieder da: Ist dieser Film faschistisch?

Dietmar Dath in der FAZ und Rajko Burchardt auf moviepilot vertreten die These, dass wir in 300 und 300: Rise Of An Empire eine faschistoide Ästhetik vorfinden. Beide vergleichen das Werk mit den Propagandafilmen von Leni Riefenstahl. Dem möchte ich entgegenhalten: Zu viel der Ehre, zu viel der Verachtung. Was die Ehre anbelangt: Leni Riefenstahl hat, und gerade das ist das Problematische, geniale Bilder geschaffen, die man in 300: Rise Of An Empire vergebens sucht.

Was die Verachtung anbelangt: Die Botschaft von 300: Rise Of An Empire mit der abscheulichen Nazi-Ideologie zu vergleichen, trifft es nicht. Es ist viel banaler. „300“ propagiert den ohnehin schon überall präsenten, politisch und wirtschaftlich geförderten Fitnesswahn, eine durchtrainierte Ego-Kultur. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Überhaupt scheint in der Rezeption von „300“ ein großes Mißverständnis vorzuliegen, denn eine Darstellung einer Gruppe von muskulösen Typen, die in einen Krieg aufbricht, ist das nicht immer gleich Faschismus. Demnach müsste man auch jede zweite Antikendarstellung verbieten und die Bücher vom guten alten Homer (nicht der von Die Simpsons) zensieren.

Auch werden die Propagandafilme von Leni Riefenstahl zu eindimensional gesehen. Die Nazi-Ideologie, die sie ohne Zweifel bewerben, sollte nicht gleichgesetzt werden mit dem, was man Riefenstahl-Ästhetik nennt. Das Schwelgen in athletischen, kultivierten, nackten Männerkörpern ist nicht per se faschistisch. Wer die Schönheit von Riefenstahls Bildern aufgrund von Moral ignorieren will, beschneidet sich selbst und die Kunst.

Der Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Žižek weist darauf in seinem Buch „Die bösen Geister des himmlischen Bereichs“ hin:„Das wahre Problem ist, die Spannung auszuhalten, die ihr [Riefenstahls] Werk zerteilt, die Spannung zwischen künstlerischer Perfektion und ideologischer ‚Vereinnahmung‘. […] Die Suche nach Lenis ‚wahrer ideologischer Identität‘ ist womöglich irreführend. Es gibt keine solche Identität, die Riefenstahl war wirklich hin und her gerissen, inkonsistent, ein Spielball widerstreitender Kräfte.“

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