Den wohl beliebtesten Netflix-Film habt ihr garantiert nicht auf dem Schirm

The Kissing Booth
© Netflix
The Kissing Booth

In mancherlei Hinsicht ist Netflix ein großes Faszinosum. So macht der Streaming-Anbieter etwa keine öffentliche Angaben darüber, wie oft seine Inhalte von Abonnenten aufgerufen wurden. Zwar können wir davon ausgehen, dass das Bestellen einen Sequels beziehungsweise einer neuen Serienstaffel immer ein Zeichen für die große Beliebtheit eines Werks ist, darüber hinaus allerdings sind wir zumeist auf Spekulation angewiesen. In seltenen Fällen jedoch meldet sich Netflix-Chef Ted Sarandos persönlich zu Wort, um uns mit Informationen zu versorgen. Vor kurzem war es wieder einmal so weit, denn Sarandos führte ein ausführliches Gespräch mit Vulture. Dabei ging es unter anderem um die romantische Teeniekomödie The Kissing Booth und das aus gutem Grund: Angeblich ist das Netflix Original aktuell einer der größten Hits in den USA und "womöglich sogar einer der meist gesehenen Filme auf der ganzen Welt". Jedoch sind Sarandos' Äußerungen mit Vorsicht zu genießen.

Die IMDb-Nutzer lieben Netflix' The Kissing Booth

Tatsächlich nämlich liefert der Netflix-Boss zum Beweis keine Daten, die in direktem Zusammenhang mit den Aufrufen des Films stehen. Stattdessen unterstreicht Sarandos seine Feststellung mit Statistiken der Filmdatenbank IMDb, wo registrierte Nutzer Wertungen für Filme und Serien abgeben können. Das Spektrum erstreckt sich dabei von einem bescheidenen Stern bis hin zu zehn Sternen für absolute Meisterwerke. Für jeden Titel errechnet die IMDb einen Durchschnittswert aus allen abgegebenen Stimmen. Einsehbar ist darüber hinaus eine Liste der beliebtesten Filme auf der IMDb, die darauf basiert, wie oft die individuelle IMDb-Seite eines Films besucht wurde. The Kissing Booth rangiert momentan auf Rang neun - zwar hinter üblichen Verdächtigen wie Avengers 3, aber dafür vor dem mit Spannung erwarteten Horror-Remake Suspiria sowie Die Unglaublichen 2.

Und auch die Schauspieler aus The Kissing Booth kommen bei der IMDb-Community gut an. Dies bezeugt das Star-o-Meter, bei dem es nicht um Filme, sondern einzelne Persönlichkeiten geht. Aktuell belegt Joey King - die weibliche Hauptdarstellerin - Rang 7, ihr männlicher Co-Star Jacob Elordi folgt direkt dahinter auf Platz 8. Damit lassen die beiden namhafte Kollegen wie Alicia Vikander und Alden Ehrenreich hinter sich. Sarandos weist darauf hin, dass King vor wenigen Wochen noch ein tristes Dasein auf "Rang 17.000 oder so" fristete, Elordi sei sogar in der Region um Platz 25.000 herumgekrebst. Die rasant ansteigende Popularität der Schauspieler führt er auf The Kissing Booth zurück, womit der Netflix-Chef mutmaßlich sogar richtig liegt - offizielle Netflix-Statistiken (die uns verwehrt bleiben) ersetzen diese Zahlen aber natürlich trotzdem nicht.

Netflix-Chef Sarandos schießt gegen Rotten Tomatoes

Bei dem Gespräch ließ Ted Sarandos es sich zudem nicht nehmen, einen kleinen Seitenhieb gegen die Seite Rotten Tomatoes auszuteilen. Dort nämlich ergibt sich das Wertungsbild eines Films vor allem aus den Stimmen der Kritiker, ein so genannter Audience Score existiert separat. Bei der IMDb hingegen werden alle Meinungen gleich gewichtet und in einen Topf geworfen. Nach Einschätzung von Sarandos halten sich auf IMDb mehrheitlich Nutzer auf, die mit dem Internet vertraut sind und ein Interesse an der Unterhaltungsindustrie mitbringen. Daher sei ihm die Plattform sympathischer als Rotten Tomatoes.

Dass der Netflix-Chef nicht gut auf Kritiker (beziehungsweise eine Kritiker-Seite) zu sprechen ist, überrascht indes nicht - schließlich schafften es bislang nur wenige Netflix Originals, die Kritiker zu überzeugen. Besonders hart traf es in der Vergangenheit den Actioner Bright, der bei lediglich 26 Prozent aller Kritiker auf Rotten Tomatoes Anklang findet. Demgegenüber steht der Audience Score, welcher mit einem Zustimmungswert von 85 Prozent ein komplett gegenteiliges Bild zeichnet. The Kissing Booth schneidet unter den Rotten Tomatoes-Kritikern sogar noch schlechter ab (Anteil der positiven Reviews: 17 Prozent), bei einem Audience Score von immerhin 71 Prozent. Sarandos hat demnach allen Grund, den Fokus verstärkt aufs Publikum und weniger auf die Kritiker zu richten. Mit diesem Ansatz fährt Netflix bislang offenbar recht gut, was sich nicht zuletzt in den Abo-Zahlen niederschlägt: Im ersten Quartal 2018 knackte der Streaming-Dienst die 125-Millionen-Kunden-Marke.

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moviepilot Team
Jenny von T Jennifer Ullrich
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You want it darker, we kill the flame.
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