Der Hauptmann - Das sagen die Kritiker zu Schwentkes Comeback

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Für seine erste deutsche Produktion seit 15 Jahren, die auf wahren Begebenheiten beruht, konnte Regisseur Robert Schwentke für Der Hauptmann gleich ein frisches Gesicht entdecken. Der Schweizer Max Hubacher schlüpft in seiner ersten großen Darbietung in die Rolle des Willi Herold. Nachdem der Gefreite im Emsland nur knapp Hauptmann Junker (Alexander Fehling) und damit dem Tod entkommt, versucht er nun als Deserteur das Ende des Zweiten Weltkrieges halbwegs unbeschadet hinter sich zu bringen. Da kommt ihm die zufällig gefundene Uniform eines Hauptmanns gerade recht. Nun zum Hauptmann Willi Herold befördert, folgen ihm nach und nach eine Reihe verstreuter Soldaten, unter ihnen Kipinski (Frederick Lau) und Freytag (Milan Peschel). Gemeinsam versuchen sie das Beste aus ihrer Situation zu machen, doch steigert sich Willi Herold dabei immer mehr in die Rolle des skrupellosen Hauptmanns hinein und verfällt dem Rausch der Macht.

Die harten Fakten zu Der Hauptmann

  • 5 Kritikerbewertungen mit einem Durchschnitt von 7,1
  • 11 Communitybewertungen mit einem Durchschnitt von 6,9
  • 6 Kritiken und 4 Kommentare
  • 156 Vormerkungen, 2 sind nicht interessiert

Das sagen die englischsprachigen Kritiker zu der Hauptmann

Wendy Ide von Screen Daily attestiert Der Hauptmann viel Energie und schwärmt von der Filmmusik und der Erbarmungslosigkeit gegenüber den Zuschauern:

Der Hauptmann zeigt die Implosionen der Gewalt von Soldaten auf, die vom Krieg geformt und abgehärtet wurden. [...] Der Film ist kraftvoll, aber unglaublich schwer anzuschauen. [...] Der Hauptmann hält sich sowohl thematisch als auch stilistisch in keinster Weise zurück. [...] Fast beeindruckender ist noch die Filmmusik, sie wirkt vielmehr wie Industrial-Sound, aber das macht es sehr wirkungsvoll.

Das sagen die deutschsprachigen Kritiker zu Der Hauptmann

Kino-Zeit-Autor Andreas Köhnemann sagt voraus, dass Der Hauptmann es dem Publikum nicht leicht machen will:

Der Hauptmann ist eine krude, radikale, unvorhersehbare Arbeit - und wird gewiss nicht allen gefallen, vielleicht gar auf klare Ablehnung stoßen. Mut und den Willen, die Möglichkeiten der Kinematografie zu nutzen, lassen sich Schwentke und seinem Team indes wohl von niemandem absprechen.

Auch Rudolf Worschech von EPD-Film unterstellt Der Hauptmann eine gewisse Radikalität. Und warnt vor Vergleichen mit Filmen wie Der Hauptmann von Köpenick:

Der neue Film von Robert Schwentke ist viel radikaler als die Geschichte des Schusters Voigt – und zu lachen gibt es auch nichts. [...] So sehr die Geschichte, die er in Der Hauptmann erzählt, der realen von Willi Herold gleicht, so hat er sie doch als eine Art Parabel, als eine Momentaufnahme des Wahnsinns des Krieges in Szene gesetzt, als einen Totentanz des NS-Regimes. Dazu gehört auch, dass Kameramann Florian Ballhaus kongenial in Schwarzweiß die Weite des flachen Landes als eine Seelenlandschaft in Szene setzt, mit ihrem Schnee und der Kälte und den Wäldern, wo die Bäume wie Gitterstäbe wirken. Ein Land in Agonie.

MDR Kultur-Filmkritiker Tim Evers lobt auch die Aktualität der Geschichte, die sich zweifelsohne in die Gegenwart transportieren lassen könnte:

Meisterhaft versteht dieser Film die Balance zu halten, zwischen Groteske und Drama. [...] Der Hauptmann ist mehr als eine Parabel über das Funktionieren im Vernichtungskrieg. Er handelt davon, was passiert, wenn da nichts ist, was einem Menschen Einhalt gebietet. Keine Moral, keine Regeln, kein anderer. Regisseur Schwentke geht es im Film genauso um die Gegenwart wie die Vergangenheit.

Walli Müller vom NDR beschreibt Robert Schwentkes Werk als kompromisslos und für die Zuschauer schwer zu ertragen:

Kompromisslos zeigt "Der Hauptmann" auch das Quälen und Abschlachten von Gefangenen - nicht mal eben kurz, sondern gefühlt eine Ewigkeit. Kaum ein Film hat je die Menschenverachtung der Nazis so schonungslos eingefangen. Ein starkes, eindringliches Werk - aber an der Grenze des Erträglichen.

Stefan Stosch von der Hannoverschen Allgemeinen bemängelt, dass Schwentke gelegentlich seine dramaturgischen Mittel überzieht:

Schwentke überzieht gelegentlich seine dramaturgischen Mittel, besonders im Abspann [...]. Und doch bleibt dieser Film für den Zuschauer bis zum Ende so ungemütlich wie überraschend, was im so oft konsenssüchtigen deutschen Kino ein echtes Qualitätsmerkmal ist.

Fazit zu Der Hauptmann

Sowohl bei den englischsprachigen als auch bei den deutschsprachigen Kritikern kam Der Hauptmann gut an. Lediglich eine negative Stimme meinte, dass Regisseur Robert Schwentke gelegentlich seine dramaturgischen Mittel überzieht und spielt dabei auf den Abspann an. Doch alle loben die konsequente Unbarmherzigkeit, mit der Robert Schwentke Der Hauptmann inszenierte und dass es den Zuschauern nicht leicht gemacht wird. Der Hauptmann scheint gute, bedrückende und eindringliche Kinounterhaltung zu sein, auch für Menschen, die sonst nichts mit Filmen anfangen können, die im Zweiten Weltkrieg spielen.

Werdet ihr euch Robert Schwentkes Der Hauptmann im Kino ansehen?

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