Die kaputten "Fans" sind das größte Problem von Star Wars

Star Wars 8: Die letzten Jedi
© Disney
Star Wars 8: Die letzten Jedi
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Wer sich zurzeit auf das Instagram-Profil von Kelly Marie Tran begibt, findet eine leere Seite vor, die knapp 230.000 Abonnenten anzeigt, aber keinerlei Posts enthält. Vor zwei Tagen wurde öffentlich bekannt, dass die Star Wars 8-Darstellerin sämtliche Inhalte aus ihrem Profil gelöscht hat. Auch wenn ein offizielles Statement der Schauspielerin noch aussteht, dürfte der Grund für diesen Schritt klar sein. Monatelang war Tran Opfer einer Hass-Kampagne, bei der sie zur Zielscheibe rassistischer sowie sexistischer Anschuldigungen wurde. Hinter den unzähligen widerlichen Kommentaren steckten sogenannte Fans von Star Wars. Mit Blick auf die Fan-Aggressionen rund um Franchises steht dieser Fall exemplarisch dafür, dass eine in Teilen kaputte Fan-Szene das derzeit größte Problem von Star Wars ist.

Das drastische Ausmaß der toxischen Star Wars-Fans

Vor Kelly Marie Tran sah sich Rey-Darstellerin Daisy Ridley im Zeitraum der Veröffentlichung von Star Wars 7: Das Erwachen der Macht ebenfalls massivem Druck durch Teile der Fangemeinde ausgesetzt. Sehr wahrscheinlich hängt dieses Vorgehen, das ein sich ständig wiederholendes Muster aufweist, auch mit dem Umstand zusammen, dass Tran und Ridley als Frauen Hauptfiguren in einem Franchise spielen, das zuvor von überwiegend männlichen Protagonisten dominiert wurde. Doch auch Finn-Darsteller John Boyega blieb von wütenden Hass-Kommentaren nicht verschont. Direkt nach der Veröffentlichung des ersten Bewegtmaterials von Episode 7, in dem Boyega als Sturmtruppler zu sehen war, wurden im Netz Stimmen laut, welche die Existenz eines schwarzen Stormtrooper-Mitglieds ernsthaft in Frage stellten.

Dabei scheinen Teile der Star Wars-Fangemeinde nie ein gesundes Maß zwischen aggressiver Ablehnung und offensiver Aufdringlichkeit zu finden. Daisy Ridley selbst gab in einem Gespräch mit der Vogue zu Protokoll, dass der massive Fan-Andrang, bei dem Leute mitunter bei ihr an der Haustür klingelten, dazu führte, dass sie sich in Therapie begeben musste. Herabwürdigende Kommentare über ihr Aussehen nach einem Post, in dem sich die Schauspielerin gegen Waffengewalt aussprach, führten schließlich dazu, dass auch sie ihr Instagram-Profil 2017 komplett löschte.

Es handelt sich um ein Verhalten dieser extremen Fans, das ein Bild von verbohrten Nerds zu Tage befördert, welches eigentlich schon lange ausgestorben schien. Es offenbart eine anonyme Schar männlicher Weißer, die mit Menschen anderer Hautfarben oder Ethnien offensichtlich ein ebenso großes Problem haben wie mit Frauen. Oder generell allem, was sich in der (Star Wars-)Welt verändert.

Die komplizierte Erwartungshaltung der Star Wars-Fans

Schon bei Stars Wars 7: Das Erwachen der Macht wurden Vorwürfe laut, J.J. Abrams würde lediglich mutlos auf ein vergangenes Erfolgsrezept setzen und sich mit nostalgischen Referenzen begnügen. Ganz anders, aber mit noch drastischerem Ausgang verlief Rian Johnsons Abstecher ins Star Wars-Franchise. Für Star Wars 8: Die letzten Jedi ging der Regisseur inhaltliche Wagnisse und Risiken ein, bei denen er beispielsweise nicht davor zurückschreckte, über Jahrzehnte liebgewonnene Figuren wie Luke Skywalker in neuem Licht zu betrachten. Natürlich ist es völlig legitim, über die Qualität des Films zu diskutieren und die Aufregung der Fans an berechtigten objektiven Kritikpunkten festzumachen.

Wutentbrannte Petitionen, die von Johnson eine persönliche Entschuldigung forderten oder verlangten, dass Episode 8 gleich ganz aus dem offiziellen Star Wars-Kanon gestrichen wird, ließen jedoch nur wieder jenen unangenehmen Teil der Fangemeinde online in Erscheinung treten, die zwischen nostalgischer Wohlgefälligkeit und mutigen Neuerungen anscheinend schlichtweg gar keine Veränderungen an ihrem Star Wars-Heiligtum wünschen.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass dieses Problem keinesfalls die Star Wars-Fans generell betrifft. Rian Johnson betonte selbst kürzlich in einem Tweet, dass die respektvollen, liebenswürdigen Fans deutlich in der Überzahl seien. Und tatsächlich: Du darfst Star Wars lieben oder hassen und kannst trotzdem ein guter Mensch sein. Wenn du jemanden wie Kelly Marie Tran, die sich auf Instagram immer mit Optimismus präsentiert hat, dazu bringst, dass sie alle Posts von sich löscht, dann hältst du von Star Wars aber lieber Abstand.

Wie steht ihr zur Star Wars-Fangemeinde?

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