Zum 10. Todestag

Dirty Dancing-Star Patrick Swayze: Tänzer, Abenteurer, Filmlegende

Patrick Swayze in Dirty Dancing
© United Artists
Patrick Swayze in Dirty Dancing
Moviepilot Team
Jenny von T Jennifer Ullrich
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Junior Redakteurin bei Moviepilot. Mag Arthouse-Filme, HBO-Shows, Stanley Kubrick und Cersei Lannister.

Der Begriff Coolness ist breit gefächert und wird den verschiedensten Leinwand-Stars zugeschrieben: James Dean, Steve McQueen, Paul Newman, Dwayne Johnson und wie sie alle heißen. Nur wenige hingegen dürften bei dem Wort als erstes an den vor zehn Jahren verstorbenen Patrick Swayze denken. Den meisten seiner Kollegen hatte dieser aber mehr als nur ein Talent voraus und ließ das auch noch wie eine Selbstverständlichkeit aussehen.

Vor allem aber durchbrach er in den 1980er Jahren festgefahrene Vorstellungen von Männlichkeit, wonach ein Schauspieler idealerweise entweder das Image eines Softies oder das eines Rowdies zu bedienen hatte. Dazwischen gab bzw. gibt es noch immer wenig, doch Swayze widersetzte sich dem Klischee durch das schlichte Ausleben seiner großen Palette an Begabungen.

Patrick Swayze in Road House: So geschmeidig kann Action sein

Ein passgenauer Schlüssel zur Faszination Swayze ist zweifellos der Actionfilm Road House, der seinerzeit kein durchschlagender Erfolg war, heute aber umso mehr einer Wiederentdeckung harrt. Hier erleben wir den Darsteller als eine besondere Art von Türsteher.

Mit seinen 1,78 Metern nämlich war er nicht besonders groß, doch das musste er auch gar nicht sein, denn schon Bruce Lee lehrte uns: Es geht beim Kampf in erster Linie darum, richtig einzusetzen, was man hat. In Swayzes Fall ist das ein Körper, so kompakt wie eine Tafel Ritter Sport. Konditioniert durch Tanzunterricht von Kindesbeinen an zählen Rhythmus und Bewegung bei ihm mindestens so viel wie reine Kraft.

Seine dosiert muskulösen Arme versprechen nichts, was sie nicht halten können, und trotzdem gewinnt Road House an ungeahnter Eleganz, wenn Swayze einen Delinquenten an nur einem Fuß aus dem Klub schleift oder seinen Untergebenen freundlich, aber bestimmt die wichtigsten Regeln erklärt. Ein Schauspieler, der rein gar nichts Triviales an sich hat, begibt sich in die Untiefen des vermeintlich trivialsten aller Genres, und beide Seite gewinnen.

Dirty Dancing: Type-Casting, nein danke!

Noch ungewöhnlicher wird der Actioner allerdings durch den Umstand, dass er gerade einmal zwei Jahre nach Dirty Dancing erschien - also jenem Klassiker, der für Swayze 1987 den absoluten Durchbruch bedeutete. Oft pauschal als "Frauenfilm" verschrien, erzählt er im Kern von jugendlicher Selbstermächtigung und versöhnt am Ende die Generationen miteinander, wo er sich ebenso in Verbitterung hätte flüchten können.

Das Tanzen begreift der Film dabei gerade nicht als Gimmick, sondern als Ausdruck von Rebellion, Dynamik und - im wahrsten Sinne des Wortes - Fortschritt. Wie es unter anderem beim Telegraph heißt, trieben Swayze und sein Co-Star Jennifer Grey am Set einander des Öfteren gegenseitig in den Wahnsinn, der sich dann vor der Kamera beinahe elektrisch entlud. Ohne die beiden jedenfalls wäre die Filmgeschichte um eines ihrer schönsten Leinwand-Paare ärmer.

Dirty Dancing war im Übrigen der erste Film, in dem Swayze seine Fähigkeiten als ausgebildeter Tänzer offen einbrachte. Eben dagegen wiederum hatte sich der Schauspieler zuvor eigentlich gewehrt, um nicht für den Rest seiner Karriere in eine Schublade gesteckt zu werden:

Ich will nicht der Mr. Romantic-Hauptdarsteller sein. Ich will nicht der Tanz-Typ sein. Ich will nicht der Action-Typ sein. Wenn ich eines davon mein ganzes Leben lang machen müsste, würde es mich verrückt machen.

Ghost, Gefährliche Brandung und das Vermächtnis von Patrick Swayze

So kam es zum Glück nicht, und so schwankte das Multitalent auch in den 1990er Jahren fröhlich zwischen verschiedenen Genres hin und her. Kaum zu glauben: Regisseur Jerry Zucker musste erst noch davon überzeugt werden, dass Swayze perfekt für den Part des Sam Wheat in Ghost - Nachricht von Sam taugt. Der Rest ist Geschichte, denn das Liebesdrama mit seiner legendären Töpfer-Szene (zu bestaunen bei Youtube) zählt ebenfalls zu den Swayze-Klassikern.

Vergessen sollten wir aber auch nicht Kathryn Bigelows Reißer Gefährliche Brandung, in dem Swayze als Gegenspieler von Keanu Reeves von einem actiongeladenen Höhepunkt zum nächsten eilt. Zur Vorbereitung absolvierte er angeblich rund 50 Fallschirmsprünge, bevor ihm die Versicherungsgesellschaft einen Riegel vorschob. Swayze persönlich hielt die Surf-Szenen laut The Morning Call (via Mental Floss) für sehr viel gefährlicher, schreckte natürlich aber auch davor nicht zurück.

Fragt man allerdings seinen ehemaligen Agenten, mit welchem Auftritt Swayze die Massen für sich gewann, fällt nicht der Name irgendeines Films. Die neue Dokumentation I Am Patrick Swayze erinnert vielmehr an ein Fernseh-Interview des Stars mit Barbara Walters, in dessen Verlauf er den Tod seines Vaters beweinte - ein zutiefst menschlicher Moment und zugleich bezeichnend für Swayzes Selbstverständnis als Künstler, das sich nie darum drehte, eine Fassade aufrechtzuerhalten.

Schon durch sein kantiges Gesicht, das entgegen jeder Wahrscheinlichkeit so viel Sanftmut ausstrahlte, wäre das wahrscheinlich auch nur schwer möglich gewesen. Eigentlich sollten über Patrick Swayze keine langen Artikel, sondern nur Gedichte geschrieben werden.

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