Es - Wie der Horrorfilm Hollywood in Panik versetzt

Pennywise schnappt sich die Nonne
© Warner Bros.
Pennywise schnappt sich die Nonne
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wieselmax Max Wieseler
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Junior Redakteur bei Moviepilot. Mag die großen Gefühle und schreibt daher am liebsten über Horror. Bekennt sich zu seiner Seriensucht.

Im September 2017 startete Es, die Verfilmung von Stephen Kings gleichnamigem Horror-Roman in den Kinos und wurde rasch zu einem Phänomen und Megaerfolg für das Horrorkino. Über 700 Millionen Dollar spielte Es an den weltweiten Kinokasse ein. Doch während sich die Fans des Genres auf der einen Seite über die Anerkennung und den Erfolg ihren Lieblingsgenres freuten, wuchs auch das Gefühl der Angst vor einer neuen Nachahmungswelle Hollywoods. Denn schon oft waren erfolgreiche Horrorfilme oder Filme allgemein der Ausgangspunkt für einen Trend, dem die Filmstudios nachzueifern versuchten. Mit den Verschiebungen der Kinostarts von The Nun und Predator um einige Wochen in den kommenden September ist dies nun geschehen und scheint wie eine panische Reaktion auf den Erfolg von Es zu wirken. Doch welche Auswirkungen wird Es noch nach sich ziehen?

Die Todeszone als Sammelbecken

Der Kinostart Anfang September scheint nun für Hollywoodstudios zu einem neuen Anlaufpunkt für Horror zu werden. Der Kassenerfolg im September veranlasste nun auch die Studios 20th Century Fox und das Es-Produktionshaus Warner Bros. dazu, die zwei heiß erwarteten Horrortitel Predator und The Nun, ein Conjuring-Spin-off, in den vielversprechenden September zu verfrachten. Auch der Creepypasta-Horror Slenderman wird kurz vorher, Ende August, erscheinen. Dabei war der Monat September einst als sogenannter Dump Month bekannt. In dieser Todeszone des Kino-Veröffentlichungs-Kalenders - auch Januar und Februar gehören dazu - wurden durchschnittliche Filme in die Kinos gebracht, die normalerweise keine große Zielgruppe ansprechen und sich schwerer vermarkten lassen. Dies betrifft vor allem auch das Horrorgenre, das sich besonders im letzten Jahr jedoch als großer Zuschauermagnet erwies.

So ist eine Konzentration des Horrorkinos auf diese Monate nicht unbedingt etwas Schlechtes. Doch wirklichen Sinn ergibt dieses Vorgehen in Hinblick auf den Erfolg von Es kaum. Denn der Erfolg von Es - als Nonplusultra für einen Horror-Kinogewinn - kann nicht auf ein bestimmtes Startdatum heruntergebrochen werden. Viele Faktoren trugen dazu bei, dass der Hype um den Horrorclown Pennywise Millionen von Zuschauern in die Kinos brachte. Vermutlich hätte Es als Sommer-Blockbuster genauso viel Geld einspielen können wie im September.

Der Beginn und das Ende eines Trends

Doch besteht durch den Erfolg von Es eine Hype-Gefahr für das Horrorgenre? Hollywood hat in der Vergangenheit schon oft gezeigt, das ein symbolischer Megaerfolg eine ganze Welle in Gang setzten kann, die das Kino noch für Jahre nachhaltig überschwemmt. Ein Beispiel ist der Erfolg des Meta-Slashers Scream, der in der 1990er Jahren massenweise Teen-Slasher in die Rachen der Horrorfans stopfte. Als das Genre an einer Übersättigung zu sterben drohte, waren es die Remakes zu Beginn der 2000er, die das Genrerad weiterdrehten. Der jüngste Trend des Genres resultierte aus dem Übererfolg des Microbudget-Films Paranormal Activity. Kaum ein Gruselfan kam an dem Hype um Found-Footage-Filme vorbei, der nach dem Kassenflop von Blair Witch im Jahr 2016 zum Erliegen kam.

Wirkliche inhaltliche und stilistische Auswirkungen durch Es auf das Genre sind bislang nicht zu spüren. Durch die üblichen Produktionsprozesse würde ein von Es ausgehender Genre-Trend auch erst im kommenden Jahr wahrzunehmen sein. Eine neue Horrorflut an gruseligen Filmclowns ist jedoch höchst unwahrscheinlich. So zeigte sich auch Pennywise-Darsteller Bill Skarsgård in einem Interview des Nerdist-Podcasts zuversichtlich, nicht dem typischen Typecasting-Fluch zu verfallen und nur noch in Rollen dämonischer Clowns besetzt zu werden. Es kann nämlich keinen Trend in Gang setzten, da der Film selbst Teil - oder besser gesagt der Höhepunkt - eines Hypes ist. Die 80er Jahre-Nostalgiewelle, eine Hysterie um Horrorclowns sowie eine Welle an Verfilmung von Stephen King-Romanen kulminierten schließlich in dem Erfolg von Es.

Der Hype-Zug fährt ab

Die Lösung, um das Horrorkino auf dem Level des Vorjahres zu halten, ist also nicht mit einer Konzentration von Genrefilmen im September abgetan. Ein bestimmtes Startdatum garantiert noch lange keinen Erfolg. Vor allem bei The Nun steht ein über eine Milliarde Dollar schweres Franchise dahinter, welches von Haus aus schon für genügend Zuschauerinteresse zu jeder Zeit sorgt. Vielmehr ist der Mut der Studios gefragt, stetig neuen und frischen Wind in das Horrorgenre zu bringen, um nicht dem ewigen Trott der Trends zu verfallen. Nicht jeder Zug, auf den Hollywood aufspringen kann, fährt auch in die richtige Richtung.

Glaubt ihr, dass sich das Horror-Kino in die richtige Richtung entwickelt?

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