Game of Thrones - 6. Staffel, 3. Folge im Recap

Game of Thrones
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"It's true we had a gentleman's agreement, but unfortunately, I am no gentleman."

In seiner ersten und letzten Amtshandlung als von den Toten auferstandener Lord Kommandant der Nachtwache richtet Jon Snow (Kit Harington) die Verräter, die ihn ermordet haben. Nun mag man die 3. Folge der 6. Staffel von Game of Thrones als unspektakulär abtun, besonders im Vergleich zum jüngsten tödlichen Frühjahrsputz. Tatsächlich wird in Oathbreaker viel geredet, ohne dass sich der Plot einen Drehbuch-Meter bewegt. Selbst der mit einer aufwendig choreographierten Kampfszene bestückte Flashback zum jungen Ned Stark bricht an der entscheidenden Stelle ab, zu Brans und unserer Enttäuschung. Trotzdem haben wir eine teils exzellent geschriebene Episode von Game of Thrones vor uns, voller Dialoge, die zum Zitieren ad infinitum einladen, und einem unheimlich eingängigen Score von Ramin Djawadi. Nach den beliebigen Morden der letzten Episoden brauchte es zudem eine Szene wie jene, in der die Kamera auf dem verzerrten Gesicht eines erstickten Jungen verweilt. Jon scheiterte in seiner Verantwortung, die Nachtwache zu führen und im Angesicht der baumelnden Leichen wirkt sein (neues) Leben wie eine Strafe. Kit Harington ließ uns selten überzeugender in die Seele seiner Figur blicken als hier. Olly werde ich aber nicht vermissen.

Jon Snow legt also den Titel des Lord Kommandanten ab und übergibt die Leitung von Castle Black praktischerweise dem einzigen Nachtwächter, der dem Zuschauer irgendwas sagt: Dolorous Edd (Ben Crompton). Jon, Wanderer zwischen Diesseits und Jenseits, Vermittler zwischen Wildlings und Night's Watch, Bastard im Hause Stark, steht seit seiner Geburt zwischen den Stühlen. Der Dienst in Castle Black verschaffte ihm eine Identität und nun gilt es abzuwarten, ob er mit "The Prince That Was Promised" die nächste überstreift. Da ist es zu begrüßen, dass dem Auferstandenen in dieser Folge mit Tormund (Kristofer Hivju) und Davos (Liam Cunningham) zwei bodenständige Kumpane zur Seite stehen. Der eine übt sich in Penis-Witzchen ("What kind of god would have a pecker that small?"), der andere packt in gewohnt undiplomatischer Manier eine #TruthBomb aus: "You were dead. And now you're not. That's completely fucking mad." Es braucht nach dem übernatürlichen Wirbel einen Mann wie Davos und einen Schauspieler wie Liam Cunningham, um empathisch statt melodramatisch zum Tagesgeschäft überzugehen.


Weiter im Süden werden die Lords vor dem neuen Herrn des Hauses Bolton vorstellig. Smalljon Umber (Dean S. Jagger) mag nicht vor Ramsay (Iwan Rheon) knien, was auf ein doppeltes Spiel hindeuten könnte, einen Versuch, Winterfell von innen zu übernehmen. "The North Remembers" etc. pp. Trifft das überhaupt noch zu in einem Norden, in dem die Lords wie die Fliegen fallen? Umber jedenfalls gibt vor, Ramsays Hilfe im Kampf gegen die Wildlings zu benötigen und bringt drei Loyalitätsbeweise vor: den Kopf des toten Direwolfs Shaggydog[1] (R.I.P.) sowie Osha (Natalia Tena) und Rickon Stark (Art Parkinson), die wir seit der 3. Staffel nicht mehr gesehen haben. Wenn Rickon in diesem Tempo weiterwächst, kann er bald mit Riese Wun Wun Eiszombies zermanschen.

Nun verlockt die Vorstellung, dass sich Jon aufmacht, um Winterfell von Ramsay zu befreien. Aber dieser Fanfiction-Taumel wird von der bösen Ahnung verdrängt, noch weitere Minuten mit dem Bolton-Spross zu verbringen. Dessen interessantere, weil humanere Züge offenbarten sich meist gegenüber seinem Vater, dem einzigen Menschen, der ihn einzuschüchtern vermochte. Zu diesem Zeitpunkt von Game of Thrones scheint Ramsay jedoch das hochdosierte Allheilmittel bei akutem Bösewichts-Mangel zu sein. Wie oft kann Rheon seine Augen noch manisch aufreißen, bis die Lider erschöpft den Dienst quittieren?

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[1] Damit bleiben von den Stark-Wölfen Summer (Bran), Ghost (Jon) und Nymeria (Arya) übrig.
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