I Am Not Your Negro - Aufwühlend, oscarnominiert und jetzt auf DVD und Blu-ray

I Am Not Your Negro
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I Am Not Your Negro

I Am Not Your Negro beginnt mit einem Ausschnitt aus einer TV-Show. "Warum, Mr. Baldwin, sind die Neger so schlecht drauf?" Wir schreiben das Jahr 1968 und James Baldwin - afro-amerikanischer Schriftsteller, anerkannter intellektueller Bürgerrechtler - sitzt seinem weißem Gesprächspartner gegenüber, der ihm mit interessiert-naivem Gesicht diese Frage stellt. Baldwin lässt einige Sekunden verstreichen, dann antwortet er. Ruhig und eloquent und doch so schneidend und emotional bringt er die damalige Situation auf den Punkt. Die Frage sei nicht, was mit den Schwarzen los sei, sondern vielmehr, was mit diesem Land passiert.

Gegengeschnitten werden Straßenszenen. In den gesamten USA herrschen zu diesem Zeitpunkt Unruhen, friedliche Demonstrationen für die Bürgerrechte von Afro-Amerikanern werden von behelmten Polizisten mit Schlagstöcken brutal niedergeprügelt. Es geht nicht um den Protest der Schwarzen, sondern um ein Land, dass seine afro-amerikanische Bevölkerung so behandelt, dass es einen solchen Protest nötig macht.

Raoul Pecks oscarnominierte Dokumentation erörtert diese Position der Afro-Amerikaner in Amerika, die, wie der Film auch zeigt, keineswegs nur ein Problem der Vergangenheit ist. Ins Zentrum dieser Auseinandersetzung stellt der Regisseur den schwarzen Intellektuellen James Baldwin - seine Worte, seine Briefe und sein unfertiges Buchmanuskript zu Remember This House. Darin versuchte der Autor anhand des Lebens und der Ermordung der mit ihm befreundeten Bürgerrechtler Medgar Evers, Malcolm X und Martin Luther King Jr. eine Chronik der Lebenssituation der Schwarzen in Amerika zu erstellen. In so poetischen wie eindringlich klaren Worten offenbart Baldwin das Bild einer weißen, privilegierten Gesellschaft, die sich orientierungs- und verantwortungslos, ignorant und gutgläubig zwischen den Begriffen von Rassismus, Privilegien und Vergebung bewegt. Demgegenüber stellt er die Perspektiven der Schwarzen, unterschiedliche Wege zur Freiheit und das Risiko, dem Gedanken von Gleichheit Vertrauen zu schenken.

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Zersetzt und begleitet sind die Ausführungen Baldwins durch historische Zeitdokumente, Bilder, Film- und Tonaufnahmen der Civil-Right- und Black-Power-Bewegungen sowie Ausschnitte aus damaligen Hollywoodfilmen. Auch aktuelle Ereignisse, wie die Unruhen in Ferguson 2014 nach der Tötungen eines schwarzen Jungen durch einen weißen Polizisten, werden durch akzentuierte Schnitte wachgerufen. Auf diese Weise schafft es Regisseur Peck, die Tragweite von Baldwins Worten auch auf die heutige Zeit zu übertragen. Es entsteht eine Collage von Worten und Bildern, die zeitlos für ein grundlegendes Problem in der amerikanischen Gesellschaft steht. Nämlich für die Unfähigkeit zu einem differenzierten Selbstbild.

Erstklassig gesprochen und absolut ratsam ist die originale Vertonung von I Am Not Your Negro durch Samuel L. Jackson, dessen Stimme, ohne in den Vordergrund zu treten, den Worten viel Kraft verleiht. Im Deutschen wurde die Sprecherrolle mit dem Rapper Samy Deluxe besetzt. Wer sich für diese Mischung aus Collage und Dokumentation, Chronik und aktuellem Kommentar interessiert, kann sich I Am Not Your Negro jetzt nachhause holen. Der Film ist ab 30.06.2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich.

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